Der eigentliche Skandal besteht in der medialen Ausblendung der Millionen Missbrauchstäter und -opfer aus allen gesellschaftlichen Bereichen.
Erschreckende Missbrauchsdimensionen deckte die französische Studie CIASE (Forschungsbericht uber sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen im Zeitraum von 1945/50 bis 2015/2020). Die Untersuchung bezieht sich auch auf die sexuellen Übergriffe von Laien.
Ca. 50 Prozent der 5,5 Millionen französischen Opfer sind außerhalb des familiären Umfelds missbraucht worden, also von Fremden, in Vereinen, Schulen und anderen Organisationen, eben auch mit geringem Anteil im kirchlichen Bereich. Die andere Hälfte der sexuellen Übergriffe fand im nächsten Umfeld der Opfer statt. 1,16 Millionen Mädchen wurden missbraucht durch Bekannte oder Verwandte im Umkreis der Familie. Der gleiche Tätertyp brachte 220.000 Jungen in sexuelle Bedrängnis. Weitere 1,4 Millionen Mädchen und 160.000 Jungen erlitten Missbrauch in ihren Familien. Einer davon war der Zwillingsbruder von Camille Kouchner, die den Missbrauch durch ihren prominenten Stiefvater Olivier Duhamel mit ihrem Buch „La familia grande“ kürzlich bekannt machte. Daraufhin brachte eine spezielle Untersuchungskommission zu Inzest und familiärer Gewalt Erschreckendes an den Tag: „22.000 Kinder sind jährlich Opfer von sexueller Gewalt durch den Vater.“ Doch nur 3,5 Prozent der Täter wurde 2018 wegen Inzestvergehen verurteilt. Die Zahl von jährlich missbrauchten Kindern in Frankreich (ähnlich wie auch in Deutschland) beläuft sich auf 160.000 (FAZ 1.11.2021).



