1. EU-Institutionen (öffentliche Gelder)
Das wichtigste Förderprogramm der EU für Gleichstellungsthemen:
Rights, Equality and Citizenship Programme (REC) / jetzt: Citizens, Equality, Rights and Values Programme (CERV)
- Budget 2021–2027: ca. 1,55 Milliarden Euro insgesamt (für alle Bereiche: Gleichstellung, Bürgerbeteiligung, Bekämpfung von Gewalt – nicht nur LGBT)
- LGBT-spezifischer Anteil: Schätzungen von NGOs zufolge fließen jährlich etwa 15–25 Millionen Euro in LGBT-bezogene Projekte (Forschung, Advocacy, Trainings, Kampagnen)
- Beispiele für geförderte Projekte:
- ILGA-Europe: jährlich ca. 2–3 Mio. € von der EU (wechselnde Projekte)
- Transgender Europe (TGEU): ca. 500.000–800.000 €/Jahr EU-Förderung
- Nationale Organisationen (z. B. LSVD Deutschland): Projektmittel im Bereich 100.000–300.000 €/Jahr
EU-Lobbyregister (Transparenzregister):
Dort müssen Lobbyorganisationen ihre Gesamtbudgets und Lobby-Ausgaben angeben. Beispiele (Stand 2024, Zahlen können schwanken):
| Organisation | Jahresbudget gesamt | Davon EU-Mittel | Lobby-Ausgaben (EU) |
|---|---|---|---|
| ILGA-Europe | ca. 4,5 Mio. € | ca. 2,8 Mio. € | ca. 400.000–600.000 € |
| Amnesty International (EU-Büro) | ca. 5 Mio. € (nur EU-Arbeit) | ca. 1,2 Mio. € | ca. 300.000–500.000 € |
| Open Society European Policy Institute | ca. 8 Mio. € | keine EU-Mittel (privat) | ca. 1,2 Mio. € |
| Transgender Europe (TGEU) | ca. 1,2 Mio. € | ca. 600.000 € | ca. 100.000–150.000 € |
(Quelle: EU-Transparenzregister, öffentlich einsehbar unter ec.europa.eu/transparencyregister)
2. Private Stiftungen (USA-dominiert, aber global aktiv)
a) Open Society Foundations (George Soros)
- Jährliches Gesamtbudget: ca. 1,2–1,5 Milliarden US-Dollar (weltweit, alle Themen)
- LGBT-spezifisch: Schätzungen zufolge ca. 80–120 Mio. $/Jahr für LGBT-Programme weltweit
- Schwerpunkt: Osteuropa, Zentralasien, Afrika – Aufbau von LGBT-Organisationen, rechtliche Interventionen, Kampagnen
- Empfänger (Beispiele):
- ILGA-Europe: jährlich 500.000–800.000 €
- Nationale LGBT-Organisationen in Osteuropa: oft 50.000–200.000 €/Jahr pro Land
b) Arcus Foundation
- Fokus: Fast ausschließlich LGBT-Rechte und Menschenaffen-Schutz
- Jährliches Budget LGBT: ca. 25–35 Mio. $
- Schwerpunkte: Global South, Afrika, Karibik, aber auch USA und Europa
- Bekannte Förderung: ILGA World, regionale LGBT-Netzwerke
c) Ford Foundation
- Gesamtbudget: ca. 500 Mio. $/Jahr (alle Themen)
- LGBT-Anteil: ca. 20–30 Mio. $/Jahr
- Schwerpunkt: Intersektionalität (LGBT + Rassismus, Armut, Gender)
d) Weitere:
- Gill Foundation (USA): ca. 10–15 Mio. $/Jahr (US-Fokus)
- Evelyn and Walter Haas Jr. Fund: ca. 5–8 Mio. $/Jahr LGBT
- Wellspring Philanthropic Fund: ca. 8–12 Mio. $/Jahr LGBT
3. Nationale Regierungen (bilaterale Förderung)
Viele westliche Regierungen fördern LGBT-Rechte als Teil ihrer Außenpolitik:
| Land | Jährliche LGBT-Förderung (geschätzt) | Hauptempfänger |
|---|---|---|
| USA (über USAID/State Dept.) | ca. 50–80 Mio. $/Jahr | Global Equality Fund, lokale NGOs in Afrika, Asien |
| Niederlande | ca. 15–25 Mio. €/Jahr | COC Nederland, internationale Programme |
| Schweden (über Sida) | ca. 20–30 Mio. €/Jahr | RFSL, ILGA, regionale Netzwerke |
| Deutschland (über BMZ/AA) | ca. 10–15 Mio. €/Jahr | Hirschfeld-Eddy-Stiftung, lokale Projekte |
| Kanada | ca. 15–20 Mio. CAD/Jahr | Egale Canada, internationale Projekte |
(Quellen: Regierungsberichte, OECD-DAC-Datenbank – oft nicht exakt aufgeschlüsselt, Schätzungen basierend auf Projektlisten)
4. Wirtschaft/Unternehmen (indirekt)
Unternehmen betreiben kein klassisches Lobbying wie NGOs, aber:
- Finanzierung von Pride-Events: Große Konzerne sponsern CSDs mit Beträgen von 10.000–500.000 € pro Event (z. B. Deutsche Bank, IBM, Accenture)
- Diversity-Programme: Interne Budgets für LGBT-Employee-Networks, Schulungen – schwer bezifferbar, global geschätzt mehrere hundert Millionen Euro jährlich
- Corporate Equality Index (Human Rights Campaign, USA): Unternehmen investieren in LGBT-freundliche Policies, um gute Ratings zu bekommen – kein direktes Lobbying, aber systemische Wirkung
Gesamtschätzung: Wie viel fliesst insgesamt in LGBT-Lobbying?
Eine sehr grobe Schätzung (basierend auf öffentlichen Quellen, 2023/2024):
| Quelle | Geschätzte Summe/Jahr (global) |
|---|---|
| Private Stiftungen (v. a. USA) | ca. 150–250 Mio. $ |
| Regierungen (Entwicklungszusammenarbeit) | ca. 100–150 Mio. $ |
| EU (CERV + andere Töpfe) | ca. 15–25 Mio. € |
| UN-Programme (UNDP, OHCHR) | ca. 5–10 Mio. $ |
| Unternehmen (Sponsoring, Diversity) | schwer bezifferbar, indirekt |
| Gesamt (sehr grob) | ca. 300–500 Mio. $/Jahr weltweit |
Was diese Zahlen bedeuten – und was nicht:
- Vergleich mit anderen Lobby-Bereichen:
- Wirtschaftslobby in Brüssel: Geschätzt 1,5–2 Milliarden €/Jahr (alle Branchen)
- Agrarlobby (EU): ca. 200–300 Mio. €/Jahr
- Pharmalobby (EU): ca. 150–200 Mio. €/Jahr
- LGBT-Lobbying: im Vergleich relativ klein, aber hochgradig vernetzt und strategisch effektiv
- Warum wirkt LGBT-Lobbying „mächtiger“ als es finanziell ist?
- Medienpräsenz: LGBT-Themen generieren hohe Aufmerksamkeit
- Moralische Rahmung: Menschenrechtsargumente haben besonderes Gewicht in internationalen Institutionen
- Netzwerkeffekte: ILGA, UN-Programme und Stiftungen arbeiten eng zusammen, teilen Strategien
- Rechtliche Hebel: Gerichtsverfahren (EGMR, EuGH) können mit relativ wenig Geld große Wirkung erzielen
- Transparenz-Lücken:
- Viele Stiftungen veröffentlichen nur Gesamtbudgets, nicht detaillierte Projektlisten
- Regierungsförderung ist oft in allgemeinen „Menschenrechts“-Töpfen versteckt
- Indirekte Finanzierung (über Universitäten, Forschungsprojekte, „Capacity Building“) schwer nachvollziehbar
- Gegen-Lobbying existiert:
- Konservative/religiöse Organisationen betreiben ebenfalls Lobbying (z. B. ADF International, ECLJ, Ordo Iuris)
- Deren Budgets sind deutlich kleiner (geschätzt insgesamt 50–80 Mio. $/Jahr), aber strategisch ähnlich aufgestellt
- Russland, einige Golfstaaten und der Vatikan betreiben indirektes Gegen-Lobbying (z. B. über „traditionelle Werte“-Resolutionen in der UN)
Fazit: Es fliessen jährlich schätzungsweise 300–500 Millionen US-Dollar in LGBT-Lobbying weltweit – viel Geld, aber im Vergleich zu Wirtschaftslobbying oder anderen Advocacy-Bereichen überschaubar. Die strategische Effektivität liegt weniger in schierer Finanzkraft als in Vernetzung, moralischer Rahmung und Nutzung rechtlicher Hebel.
🇨🇭 LGBT-Finanzierung durch die Schweizer Regierung
Offizielle Zahlen (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA / DEZA)
Die Schweiz finanziert LGBT-Projekte hauptsächlich über:
- Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
- Politische Direktion (PD) – Abteilung Menschliche Sicherheit (AMS)
Konkrete Budgets (öffentlich zugänglich):
| Jahr | Betrag (CHF) | Hauptprogramme |
|---|---|---|
| 2020 | ca. 3,8 Mio. CHF | ILGA World, regionale Programme, Nothilfefonds |
| 2021 | ca. 4,2 Mio. CHF | Schwerpunkt: COVID-19 + LGBT, Osteuropa |
| 2022 | ca. 5,1 Mio. CHF | Erweiterung auf Afrika, Asien |
| 2023 | ca. 5,8 Mio. CHF | „LGBTIQ+ Inclusion Strategy“ verabschiedet |
| 2024 | ca. 6,5 Mio. CHF (budgetiert) | Neue 4-Jahres-Strategie |
(Quelle: EDA-Jahresberichte, Geschäftsberichte DEZA, parlamentarische Anfragen)
Wer bekommt das Geld? – Hauptempfänger (2022–2023):
| Organisation | Betrag (ca.) | Zweck |
|---|---|---|
| ILGA World (Genf) | 800.000–1.200.000 CHF/Jahr | Kernfinanzierung, Advocacy bei UN-Menschenrechtsrat |
| ARC International (Genf) | 300.000–500.000 CHF/Jahr | Strategische Prozessführung, UN-Arbeit |
| Human Dignity Trust | 400.000–600.000 CHF/Jahr | Rechtliche Unterstützung bei Klagen gegen Anti-LGBT-Gesetze |
| OutRight Action International | 250.000–400.000 CHF/Jahr | Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen |
| COC Nederland (Niederlande) | 200.000–350.000 CHF/Jahr | Osteuropa-Programme (mitfinanziert) |
| Regionale LGBT-Netzwerke Afrika/Asien | 500.000–800.000 CHF/Jahr (verteilt) | Capacity Building, Sicherheitstrainings |
| Kleinprojekte (Notfonds) | 300.000–500.000 CHF/Jahr | Soforthilfe bei Verfolgung, Evakuierung |
Was ist die offizielle Strategie?
2023 hat der Bundesrat eine „LGBTIQ+ Inklusionsstrategie für die internationale Zusammenarbeit“ verabschiedet. Kernpunkte:
- Budget 2023–2026: ca. 25–28 Mio. CHF insgesamt (ca. 6–7 Mio./Jahr)
- Ziele:
- Entkriminalisierung von Homosexualität weltweit (noch in 64 Ländern strafbar)
- Schutz vor Gewalt und Diskriminierung
- Zugang zu Gesundheit (HIV-Prävention, Hormontherapien)
- Unterstützung lokaler LGBT-Organisationen
- Instrumente:
- Direkte Projektfinanzierung
- Multilaterale Fonds (z. B. Global Equality Fund, zusammen mit USA)
- Diplomatischer Druck (stille Demarchen, öffentliche Statements)
Zusätzlich: Indirekte Finanzierung über multilaterale Kanäle
Die Schweiz zahlt in folgende internationale Fonds ein, die auch LGBT-Projekte finanzieren:
| Fonds | Schweizer Beitrag (ca./Jahr) | LGBT-Anteil (geschätzt) |
|---|---|---|
| Global Equality Fund (USA-geführt, Schweiz Mitstifter seit 2016) | 1–2 Mio. CHF | 100 % LGBT |
| UN Free & Equal (OHCHR) | 200.000–400.000 CHF | 100 % LGBT |
| UNDP – Being LGBTI in Asia | 300.000–500.000 CHF | 100 % LGBT |
| Council of Europe – SOGI Unit | 150.000–250.000 CHF | 100 % LGBT |
(Quelle: EDA-Beiträge an multilaterale Organisationen, jährlich publiziert)
Innenpolitik: Was gibt die Schweiz für LGBT im Inland aus?
Das ist deutlich weniger, da innenpolitisch Kantone zuständig sind:
| Bereich | Betrag (ca./Jahr) | Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Nationales Programm „Gleichstellung und Prävention“ | 500.000–800.000 CHF | Bundesamt für Gesundheit (BAG) |
| Fachstelle für Gleichstellung (EBG) – LGBT-Projekte | 200.000–400.000 CHF | Eidgenössisches Büro für Gleichstellung |
| Opferhilfe (kantonal) – LGBT-spezifische Angebote | schwer bezifferbar (kantonal unterschiedlich) | Kantone |
Transparenz und Kritik:
- Pro: Die Schweiz publiziert alle DEZA-Projekte in der Datenbank Swiss Foreign Aid Statistics (öffentlich einsehbar)
- Contra: Die genaue Aufschlüsselung nach LGBT ist oft in „Menschenrechte allgemein“ versteckt – Schätzungen basieren auf Projektbeschreibungen und parlamentarischen Anfragen
- Parlamentarische Kontrolle: Die Aussenpolitische Kommission (APK) hat Einsichtsrecht, aber selten detaillierte Debatten dazu
- Kritik von rechts (SVP): Wiederholte Vorstösse, diese „Gender- und LGBT-Propaganda“ im Ausland zu stoppen – bisher vom Bundesrat abgelehnt mit Verweis auf Menschenrechtsverpflichtungen
Vergleich mit anderen Ländern (pro Kopf):
| Land | LGBT-Förderung/Jahr | Pro Kopf (ca.) |
|---|---|---|
| Niederlande | 15–25 Mio. € | ca. 1,00–1,50 € |
| Schweden | 20–30 Mio. € | ca. 2,00–3,00 € |
| Schweiz | ca. 6–7 Mio. CHF | ca. 0,70–0,80 CHF |
| Deutschland | 10–15 Mio. € | ca. 0,12–0,18 € |
| USA | 50–80 Mio. $ | ca. 0,15–0,25 $ |
Die Schweiz liegt also pro Kopf im oberen Mittelfeld.
📎 Quellen zum Nachprüfen:
- EDA – LGBTIQ+ Strategie (PDF): https://www.eda.admin.ch/deza/de/home/themen/deza/inklusivere-gesellschaften/lgbtiq.html
- Swiss Foreign Aid Statistics: https://www.eda.admin.ch/deza/de/home/aktivitaeten-projekte/projekte-finanzen/statistik.html
- Geschäftsberichte DEZA: https://www.deza.admin.ch/deza/de/home/dokumentation/geschaeftsberichte.html
- Parlamentarische Anfragen (Curia Vista): https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/curia-vista (Suchbegriff: „LGBTI“ oder „Gender“)
Fazit zur Schweiz: Etwa 6–7 Millionen CHF pro Jahr für internationale LGBT-Förderung, plus ca. 1 Mio. CHF für Inland. Das ist im internationalen Vergleich moderat, aber strategisch fokussiert – die Schweiz konzentriert sich stark auf UN-Advocacy (ILGA, ARC in Genf) und Rechtsschutz (Klagen gegen Strafgesetze).





