DER 87. JAHRESTAG DES DEUTSCHEN ÜBERFALLS AUF POLEN
Am 1. September 1939 um 4:40 Uhr morgens bombardierte die deutsche Luftwaffe Wieluń. Kurz darauf begann das Schlachtschiff Schleswig-Holstein mit dem Beschuss der Westerplatte. Der Zweite Weltkrieg war der verheerendste und blutigste Konflikt der Menschheitsgeschichte. Allein Polen verlor dadurch fast sechs Millionen Einwohner.
Die Kriegsverluste Polens werden auf über 6,22 Billionen Złoty geschätzt. Dr. Piotr Majewski vom Historischen Forschungsbüro des Instituts für Nationales Gedenken wies darauf hin, dass Deutschland ein gut organisiertes System zur Plünderung des polnischen Kulturerbes geschaffen habe.
„ Wenn wir die Beteiligung deutscher Wissenschaftler, Experten und Spezialisten aus den Bereichen Museologie, Konservierung, Geschichte und Kunstgeschichte am Diebstahl und der Plünderung polnischer Kulturgüter betrachten, können wir ihnen meiner Meinung nach nicht vorwerfen, an der polnischen Kultur oder der polnischen Vergangenheit interessiert zu sein. Wir können und sollten ihnen vorwerfen, ihr Wissen und ihre Professionalität genutzt oder deren Nutzung zugelassen zu haben, um polnische Kulturgüter zu plündern“
Die von den Deutschen angerichtete Zerstörung wurde durch die Sowjetunion vollendet, die am 1. September durch Deutschland angegriffenen Polen am 17. September 1939 angriff. Gedenkfeiern zum 87. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs fanden in Danzig und Wieluń unter Beteiligung von Vertretern der höchsten staatlichen Behörden statt. Europa blieb der Feier fern. Der grösste Krieg der Weltgeschichte scheint in Vergessenheit geraten zu wollen. Eine Manipulation der modernen Gesellschaft ohne Gedächtnis.
Der 1. September – ein Tag, der nicht vergehen darf
Zum 87. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen · 1. September 2026
Es begann im Morgengrauen. Am 1. September 1939, um 4.45 Uhr, eröffnete das deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“ das Feuer auf die polnische Garnison auf der Westerplatte bei Danzig. Wenige Minuten zuvor hatten Bomber der deutschen Luftwaffe die Kleinstadt Wieluń in Schutt und Asche gelegt – Hunderte Menschen starben, bevor die Welt überhaupt begriff, was geschehen war. Mit dem Überfall auf Polen begann der Zweite Weltkrieg: der verheerendste und blutigste Konflikt, den die Menschheit je gesehen hat.
Zwischen 70 und 85 Millionen Menschen kostete dieser Krieg das Leben – Soldaten wie Zivilisten, an allen Fronten und auf allen Kontinenten. Doch kein Land traf es so hart wie Polen. Fast sechs Millionen polnische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – nach den vorliegenden Schätzungen zwischen 5,6 und 6 Millionen – verloren ihr Leben, rund 17 Prozent der Vorkriegsbevölkerung. Darunter annähernd drei Millionen polnische Jüdinnen und Juden, nahezu die gesamte jüdische Gemeinschaft des Landes, ermordet in Vernichtungslagern, die auf polnischem Boden errichtet wurden: Auschwitz, Treblinka, Sobibór, Majdanek. Wer die Dimension dieses Verlustes ermessen will, muss begreifen: Polen wurde nicht nur von einem Krieg überrollt – es wurde zum Schauplatz eines industriell organisierten Völkermords.
Und es wurde von zwei Seiten zermalmt. Nur sechzehn Tage nach dem deutschen Angriff, am 17. September 1939, marschierte die Rote Armee im Osten ein – gemäss dem geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes. Polen, eingeklemmt zwischen zwei totalitären Mächten, wurde zerschlagen und geteilt. Die Besatzung, die folgte, zielte auf die Auslöschung der Nation selbst: auf ihre Intelligenz, ihre Kultur, ihre Priester und Lehrer, ihre Zukunft. Der Warschauer Aufstand von 1944, niedergeschlagen unter den Augen einer weitgehend untätigen Welt, kostete noch einmal bis zu 200 000 Zivilisten das Leben – und Warschau wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Wer heute, 87 Jahre danach, durch polnische Städte geht, sieht ein Land, das aus den Trümmern auferstanden ist. Und doch bleibt der 1. September in weiten Teilen Europas ein stiller Tag. Manche beklagen, die Medien schwiegen über diesen Jahrestag des tödlichsten Krieges der Geschichte. Das Urteil ist, gemessen an der Wirklichkeit, zu hart: In Polen wird des Tages sehr wohl gedacht – in Gedenkstunden, Artikeln und Dokumentationen. In Deutschland und ganz Europa aber ist die Klage des Verschweigens ein Factum. Gedenken kann niemanden mehr wirklich erschüttern. Das Datum wird nicht genannt, die Bilder werden nicht gezeigt. Was fehlt, ist nicht die Erwähnung. Es ist die Erschütterung.
Dabei geht es beim Erinnern weder um Nostalgie noch um ewige Selbstanklage. Es geht um Wachsamkeit. Wer die Abgründe kennt, erkennt die Frühwarnzeichen: die Entmenschlichung des Gegners, die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid des Nachbarn, den Glauben, Geschichte sei ein fremdes Land, das uns nichts angehe. Der 1. September 1939 war kein Unfall der Geschichte. Er war das Ergebnis von Entwicklungen, die sich lange angekündigt hatten – und die zu viele zu lange übersehen wollten.
Ein Volk, das die eigene Geschichte leugnet, ist kein Menschenvolk. Der Satz klingt hart – und er ist es. Denn er meint nicht allein Schuld und Abrechnung. Er meint vor allem: Wer nicht weiß, woher er kommt, weiß nicht, wohin er gehen darf. Die Toten von Wieluń, von der Westerplatte, von Warschau, von Auschwitz und Treblinka können nicht mehr sprechen. Aber sie hinterlassen uns eine Aufgabe: dass der 1. September kein Datum unter vielen bleibt, sondern ein Tag, der uns – in Deutschland, in Polen, in ganz Europa – daran erinnert, wie teuer der Frieden ist und wie schnell er verloren gehen kann.


