Am letzten Donnerstag fand die Delegiertenversammlung des Pfarrblattes Horizonte in Niederrohrdorf statt. Letztes Jahr schrieb das Pfarrblatt einen Verlust von 550’000 Franken. Für das Jahr 2021 rechnet der Vorstand mit einem Verlust von rund 240’000 Franken. Die Eigenmittel, welche Ende 2019 noch rund 950’000 Franken betrugen, werden auf 150’000 Franken sinken. Hauptgrund für diese grossen Verluste sind neben der Vielzahl an Kirchenaustritten, welche die Landeskirche seit Jahren finanziell belasten, die Ersetzung des Redaktionssystems. Auf die Frage eines Kirchenpflegers, was der Nutzen dieser Umstellung in der Zukunft sein wird, verwies Projektleiter Werner Weibel auf die Notwendigkeit der technischen Aufrüstung und zunehmenden Digitalisierung.
Ebenfalls wurde der Vorstand der Pfarrblattgemeinschaft erweitert. Neu ist ein weiterer Theologe und Diakon Mitglied des Vorstandes. Begründet wird die Aufstockung des Vorstandes mit der Wichtigkeit, sich dem Kerngeschäft anzunehmen. Was genau dieses Kerngeschäft ist, wurde aber nicht wirklich klar in den Ausführungen. Denn das Budget 2022 macht deutlich, dass es gerade beim Kerngeschäft der Pfarrblattgemeinschaft, dem unabhängigen kirchlichen Journalismus, eine Reduzierung der Pensen geben wird. Der Lohnaufwand wird um 70’000 Franken bzw. fast 30% reduziert. Die Redaktion der Horizonte hat in den vergangenen Jahren fair und objektiv versucht, das kirchliche Geschehen im Aargau zu kommentieren. Dem Chefredaktor Andreas C. Müller muss hierfür gedankt werden. Anscheinend ist aber der Vorstand von Horizonte bzw. die Landeskirche Aargau, die vom scheidenden Generelsekretär Marcel Notter an der Versammlung vertreten wurde, nicht daran interessiert, einen solchen Journalismus zu stärken. Ähnlich wie bei der sakramentalen Struktur der Kirche, die durch eine priesterfeindliche Politik der Landeskirche kontinuierlich geschwächt wird, möchte man nun auch den Journalismus inhaltlich aushöhlen. Medien ohne Journalisten, Kirchen und Pfarreien ohne Priester – ist dies das Zukunftsmodell der Landeskirche Aargau? Die Hülle der Kirche soll noch aufrechterhalten werden, damit Menschen zum Zahlen der Kirchensteuer animiert werden, währenddem der Inhalt entleert wird. Gott sei Dank wurde dem Antrag der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi zugestimmt und in den Statuten festgeschrieben, dass die Redaktion dem Vorstand in journalistischen Fragen nicht unterstellt sein darf. Was für jedes Medium eine Selbstverständlichkeit sein sollte, war bei der Pfarrblattgemeinschaft Horizonte, die wegen Zensur dieses Jahr in die Schlagzeilen kam, institutionell nicht gegeben. Kämpfen Sie für einen freien Journalismus.



