Turgi, 28. Oktober 2022
Liebe Mitchristen
Seit Februar dieses Jahres lenken Hilde Seibert, Dr. Bernhard Hollinger und Willy Deck mithilfe des im Januar 2021 gewählten Andreas Zillig die Geschicke der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi. Die Wahl von Frau Seibert, Herrn Dr. Hollinger und Herrn Deck erfolgte an der Kirchgemeindeversammlung im November 2021, wobei die Wahl nicht traktandiert gewesen war und ich als Kirchenpflegepräsident ausdrücklich mitteilte, dass ich für die rechtlichen
Konsequenzen einer solchen Wahl keine Verantwortung übernehme. Dass sich
Gemeindemitglieder an einer Kirchgemeindeversammlung selbst in die
Kirchenpflege wählen, stellt ein völliges Novum dar, welches aus demokratischer Perspektive mehr als problematisch ist. Aus pastoraler Sicht ist es problematisch, dass Bischofsvikar Koledoye mit Herrn Pfarrer Schmidt einen Priester in den Pfarreien Birmenstorf, Gebenstorf und Turgi eingesetzt hat,
obwohl die Kleruskongregation in Rom Pater Adam als pfarrverantwortlichen
Priester bestätigt hat.
Es ist nun an der Zeit, acht Monate nachdem die frühere Kirchenpflege mithilfe der Landeskirche und des Bistums entmachtet wurde, auf die Früchte dieser Machtübernahme zu blicken. Ich habe in früheren Gesprächen Frau Seibert, Herrn Dr. Hollinger und Herrn Zillig mehrfach darauf hingewiesen, dass die sogenannte Initiativgruppe, deren Wortführer sie sind, keinerlei gemeinsames Programm aufweist, das zukunftsgerichtet ist. Der Hass, der über mehrere Jahre geschürt wurde gegen die Verantwortungsträger der Kirchgemeinde, schafft keine kirchliche Gemeinschaft. Im Folgenden möchte ich auf einige Kritikpunkte eingehen, welche durch die Exponenten der Initiativgruppe immer wieder genannt wurden und diese mit der Realität abgleichen, wie sie sich in den letzten acht Monaten gezeigt hat.
Gottesdienstbesuch
Es wurde immer wieder der Vorwurf gemacht, dass die vielen Gottesdienstbesucher, welche die Heiligen Messen in Gebenstorf und Turgi
besuchten, zumeist „auswärtige“ sind. Weiter wurde behauptet, dass die alteingesessenen Gebenstorfer und Turgemer die Messen nicht besuchen. Wie
sieht die Situation heute aus? Wo sind nun die vielen alteingesessenen
Gebenstorfer und Turgemer, die nur deswegen die Messen nicht besucht haben,
weil ihnen der Priester oder die Kirchenpflege nicht gefällt? Der Kirchbesuch ist massiv gesunken. Unter der Woche kann man die Anzahl Gottesdienstbesucher oft an einer Hand abzählen. Die lebendigen Gottesdienste, an denen Jung und Alt, Schweizer und Ausländer, teilgenommen haben, gehören der Vergangenheit an, währenddem die jetzigen Gottesdienste nicht einmal von den Menschen besucht werden, die früher am stärksten die Gottesdienstordnung kritisiert hatten.
Organisation der Gottesdienste
Der Kirchenpflege wurde früher der Vorwurf gemacht, dass zu viele Priester als Aushilfen genommen werden. Damals fand jedoch jeden Tag eine Eucharistiefeier statt, am Dienstag sogar zwei und am Wochenende vier. Zudem
waren wegen der Corona-Bestimmungen oft auch zwei Priester während der Messe notwendig, damit man allenfalls die Gottesdienstgemeinde aufteilen kann.
Es ist Pater Adam und dem Pfarreisekretariat immer gelungen, die Heiligen Messen sowie alle anderen Sakramente anzubieten, was die Hauptaufgabe der Kirche darstellt. Seit Anfang April wurden die Messen von 10 auf 4 reduziert, Aushilfen gibt es jedoch immer noch. Da wenig Gläubige an die Messen in Gebenstorf und Turgi kommen, werden nun Aushilfspriester eingesetzt, die früher von Pater Adam für ihren Dienst angefragt wurden und sich grosser Beliebtheit erfreuten. Die Anstellung dieser Priester wurde vor einigen Monaten von den jetzigen Verantwortungsträgern noch scharf kritisiert, da die Priester einen weiten Anreiseweg hätten. Nun werden nicht nur diese früher kritisierten Priester angefragt, sondern auch der ehemalige Diakon der Pfarrei Turgi, der ebenfalls fast zwei Stunden von unserer Kirchgemeinde entfernt lebt. Das Traurigste an der Entwicklung in den letzten acht Monaten ist, dass es Bischofsvikar Koledoye in den letzten Monaten mehrfach nicht geschafft hat, am
Wochenende den Gläubigen die Feier der Eucharistie zu ermöglichen. Mein Standpunkt war immer klar: Die Feier der Eucharistie ist zentral und auch wenn es notwendig ist, dass ein Priester einen weiten Anreiseweg hat, um mit den Gläubigen die Heilige Messe zu feiern, ist dies gerechtfertigt. Total unverständlich ist es jedoch, dass der Bischofsvikar es nicht schafft, den
Gläubigen eine Eucharistiefeier anzubieten und zugleich den ehemaligen Diakon dafür bezahlt, Wortgottesdienste durchzuführen. Ein Wortgottesdienst kann
von jedem Katholiken durchgeführt werden, die Anstellung eines Diakons oder Pastoralassistenten, damit dieser eine solche Feier durchführt, stellt eine nicht zu rechtfertigende Steuergeldverschwendung dar.
Finanzen der Kirchgemeinde
Der Kirchenpflege wurde der Vorwurf gemacht, man gehe verschwenderisch mit den Finanzen um. Tatsache ist, dass es die Kirchenpflege geschafft hat, in den
Jahren vor der Corona-Pandemie 300‘000 Franken Überschüsse zu generieren,
welche dafür gebraucht wurden, ein Darlehen zurückzuzahlen und damit die
Kirchgemeinde schuldenfrei zu machen. Zudem wurden auf dem Verwaltungsvermögen zusätzliche Abschreibungen getätigt, damit die Aufwände für Abschreibungen in der Zukunft die Kirchgemeinde nicht belasten und somit mehr Spielräume vorhanden sind, die Steuererträge für pastorale Aufgaben einzusetzen. Die finanzielle Situation der Kirchgemeinde ist ausgezeichnet. Dorn im Auge der Gegner der Kirchenpflege, die nun die Finanzen kontrollieren, ist der Fakt, dass die Kirchenpflege vor allem für pastorale Aufgaben und für die Sicherstellung der Sakramente Geld ausgegeben hat. Das wäre etwa so, wie wenn man in einem Krankenhaus kritisieren würde, dass die Spitalleitung Geld für Ärzte und die medizinische Versorgung der Patienten ausgibt. Jetzt ist es immer noch so, dass die Kirchgemeinde hohe Kosten für das Bauwesen, die Administration, den Beitrag an die Landeskirche und den
Sakristanendienst hat, jedoch das pastorale Angebot radikal abgebaut wurde. Im Jahre 2021 hatte die Kirchgemeinde einen Steuerertrag von über 1.1 Millionen Franken. Davon wurden weniger als ein Viertel für die seelsorgerlichen Dienste ausgegeben, obwohl durch Corona Mehraufwände
entstanden sind und die Kirchgemeinde alles tat, um den Menschen den Zugang
zur Seelsorge und den Sakramenten zu ermöglichen. Die jetzigen Verantwortungsträger geben weiterhin immense Summen an Geld aus – nur
nicht für die Seelsorge.
Das ganze Wirken von Frau Seibert, Herrn Deck, Herrn Dr. Hollinger und Herrn
Zillig ist nur in die Vergangenheit gerichtet und nicht in die Zukunft. Die
diesjährige Reise mit den Firmanden wurde gestrichen, es fanden keine
Familienfeste wie früher statt und auch sonst wurde nichts gemacht, um junge
Menschen an die Pfarreien zu binden. Auf der anderen Seite wird Geld
ausgegeben für die Erwachsenenbildungsreihe und die Kirchenchöre, da die
jetzigen Verantwortungsträger in diesen Projekten und Vereinen involviert sind.
Um das Krankenhaus-Beispiel noch einmal aufzugreifen: Falls ein Krankenhaus
keine Ärzte und keine Patienten hätte, jedoch weiterhin Hunderttausende von
Franken für die Administration und den Unterhalt der Gebäude ausgeben würde,
müsste die Leitung wohl ihren Rücktritt geben. Weshalb ist dies in der
katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi anders?
Transparenz und Demokratie
Frau Seibert und Herr Dr. Hollinger haben mehrfach der früheren Kirchenpflege den Vorwurf gemacht, sie sei nicht demokratisch und transparent. Wie sieht es jedoch mit der Transparenz des jetzigen Handelns der Kirchenpflege aus? Im Pfarrblatt Horizonte findet von der Kirchenpflege aus keine Kommunikation mit der Bevölkerung statt und man hat es nicht geschafft, eine neue Homepage zu lancieren, nachdem man die alte Homepage geschlossen hat. Dies hat alles seinen Grund. Die Kirchenpflege hat ohne die Bevölkerung zu informieren, zwei neue Seelsorgestellen ausgeschrieben. Wenn eine Pfarreileitung gewählt wird, muss die Bevölkerung involviert werden, da die Kirchgemeinde den Pfarrer wählt. Wir haben nun die völlig absurde Situation, dass die Gebenstorfer und Turgemer Katholiken Wahlzettel für die Gesamterneuerungswahl zugestellt
bekommen haben, jedoch die Bevölkerung völlig ausgeschlossen wird von der Pfarrwahl. Es war die frühere Kirchenpflege, die nach mehr als 20 Jahren den Bürgern im Jahre 2021 wieder eine Pfarrwahl ermöglichte. Nicht nur, dass die jetzigen Verantwortungsträger dieses Recht, das in der Kantonsverfassung garantiert ist, den Bürgern verwehren, sie wollen zudem die Leitungsstellen im Seelsorgeverband besetzen, ohne die Bevölkerung diesbezüglich zu informieren. Wo bleibt die so viel gelobte Transparenz, wenn man selbst in der Verantwortung steht?
Schlusswort
Es ist sicherlich nicht so, dass früher alles perfekt lief. Es gab viele Fehler und man hätte auch vieles besser machen können. Es war aber früher allen Kirchenpflegern klar, dass die Hauptaufgabe der Kirche ist, Seelsorge
anzubieten und dass so viel Steuergeld wie möglich dafür eingesetzt werden soll, um den Menschen den Zugang zu den Sakramenten zu ermöglichen. Zudem war die Kirche und das ganze Pfarreileben öffentlich. Die Unterscheidung zwischen „Auswärtigen“ und „Einheimischen“, die Frau Seibert, Herr Deck, Herr Dr. Hollinger und Herr Zillig eingeführt haben und die in einer multikulturellen Gesellschaft, wie wir sie in Gebenstorf und Turgi haben, mehr als problematisch ist, gab es früher nicht. Meine Kollegen und ich waren stolz, dass Ausländer und Schweizer, Jung und Alt sowie Arm und Reich die Kirche besuchten. In einer katholischen Kirche gibt es keine Auswärtigen. „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen“, sagt uns Jesus. Es ist an der Zeit, dass alle engagierten Katholiken die richtigen Entscheidungen treffen, um den beiden Pfarreien in der Zukunft wieder ein fruchtbares Wirken zu ermöglichen.
Freundlicher Gruss
Daniel Ric



