Es ist eine nachweisliche Tatsache, dass eine grosse Diskrepanz besteht zwischen der kirchlichen Realität im Aargau und wie diese Realität in den Medien dargestellt wird. Im Gespräch mit Journalisten fällt oft auf, dass das Wissen rund um die Ortskirche sehr gering ist. Diskussionen rund um die Kirche werden oft sehr plakativ abgehandelt. Meist geht es nur darum, Protagonisten in der Kirche als konservativ oder progressiv zu bezeichnen, ohne dass die konkreten Probleme betrachtet werden. Den Journalisten muss dabei kein Vorwurf gemacht werden, da sie selbst Opfer einer bewussten Verschleierungstaktik sind. Die Landeskirche und das Bistum sind die Urheber dieser Verschleierungstaktik, da sie nicht möchten, dass über die vielen Missstände im Bistum und vor allem in der Landeskirche Aargau berichtet wird. Es ist erstaunlich, dass die Landeskirche sowie das Bistum beide über je einen eigenen Kommunikationsverantwortlichen verfügen, dass jedoch de facto keine Kommunikation mit der Öffentlichkeit stattfindet. So konnte Luc Humbel die finanziellen und arbeitsrechtlichen Missstände im Pfarrblatt „Horizonte“, über die im Schweizer Radio berichtet wurde, nur mit dem Hinweis erklären, dass „alles Blödsinn“ sei, was man darüber schreibt. Die Landeskirche und das Bistum zahlen höhe Löhne für Kommunikationsberater, die es jedoch nicht schaffen, Probleme zu benennen und allfällige Lösungen dieser Probleme aufzuzeigen. Es gibt keine konkrete Antwort darauf, weshalb beispielsweise im Aargau die wenigsten Eucharistiefeiern pro Kopf stattfinden und gleichzeitig – was natürlich unmittelbar damit zusammenhängt – die höchsten Kirchenaustritte in der ganzen Schweiz zu verzeichnen sind. Es gibt keine konkrete Antwort darauf, weshalb demokratische Rechte der Bürger wie dasjenige der Pfarrwahl verwehrt werden. Es gibt keine Auskunft darüber, weshalb die Partizipation an der Kirche so gering ist und trotzdem Millionen von Steuergeldern weiterhin verschwendet werden.
Kirchliche Verantwortungsträger wie der Präsident der Landeskirche, Luc Humbel, und der zuständige Bischofsvikar, Valentine Koledoye, versuchen sich hinter allgemeinen Themen zu verstecken, damit sie keine Antworten auf diese konkreten Fragen geben müssen. Es ist sehr heilsam für die Kirche im Aargau, dass nun immer mehr Menschen begreifen, dass der kirchliche Zustand in unserem Kanton und in weiten Teilen des Bistums hausgemacht ist. Der erste Schritt ist, die Situation der Kirche Aargau realistisch und ohne jedes Schönreden darzustellen. Der zweite Schritt ist dann, die Probleme genau zu lokalisieren und Veränderungen anzustreben. Alle Menschen, die sich mit der Situation ehrlich und ohne ideologische Scheuklappen beschäftigen, kommen zum Schluss, dass die hiesige Kirche sich wieder an der Weltkirche und an den Sakramenten orientieren muss. Die Strategie, die Sakramente durch andere Formen des Pfarreilebens zu ersetzen, ist total gescheitert. Ebenfalls ist die Strategie gescheitert, Priester durch ständige Diakone oder Pastoralassistenten zu ersetzen. Die Priesterberufung ist unersetzbar, da die Sakramente nicht ersetzt werden können. Es ist wichtig, diese Einsicht immer mehr den Menschen bekannt zu machen und dann einen Neuanfang zu wagen, der wieder eine authentische Kirche ermöglicht.



