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Ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung vom 28. Mai 2024

Die Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi hat wieder eine Einladung zu einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung verschickt. Hauptzweck dieser Veranstaltung ist es, die Rechnung 2022, die hauptsächlich durch die jetzige Kirchenpflege zu verantworten ist, abzulehnen.
Vom Glauben beseelt, die Vergangenheit in ein möglichst schlechtes Licht stellen zu müssen, um das eigene Versagen in den letzten 2.5 Jahren zu kaschieren, wird eine solch kostspielige Übung durchgeführt, die der Kirchgemeinde keinerlei Nutzen bringt. Es ist wieder ein Anliegen reif, auf einige Inhalte der Einladung sowie Entwicklungen in der Kirchgemeinde einzugehen und einen Kommentar zu schreiben.

Rechnung 2022:
Es wurde bereits zur ordentlichen Kirchgemeindeversammlung 2023 ein Kommentar zur Rechnung 2022 und zum Budget 2024 geschrieben. Es ist doch verblüffend, dass der Inhalt der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung finanzieller Natur ist (Rechnung 2022), jedoch keine Aussagen über die finanzielle Situation der Kirchgemeinde erfolgen. Von der Kommission, die hätte gebildet werden sollen, um Sparmassnahmen vorzuschlagen, wird nichts mehr geschrieben. Die Bevölkerung wird aufgerufen, eine Rechnung abzulehnen, die ausgeglichen abschliesst, währenddem über die Jahresrechnung 2023 (die sicherlich bereits vorliegt) und die laufende Rechnung 2024, für die beide hohe Defizite prognostiziert wurden, kein Wort verloren wird. Falls die Defizite für die Jahre 2023 und 2024 in dem Rahmen bleiben, wie diese budgetiert wurden, verliert die Kirchgemeinde 160000 Franken Eigenmittel. Es wäre in früheren Jahren undenkbar gewesen, dass Kirchenpflege und Finanzkommission in einer solchen Situation tatenlos zusehen und die Kirchgemeinde damit der Gefahr aussetzen, ökonomisch handlungsunfähig zu werden. Es stellt sich die Frage, wo nun all die besorgten Bürger sind, die an früheren Kirchgemeindeversammlungen die damalige Kirchenpflege aufgrund der finanziellen Situation kritisierten, obwohl die Kirchgemeinde finanziell bestens abschloss und mehr pastorale Dienste ermöglichte (Messfeiern, Pfarreiangebote, etc.).

Ludwigskapelle Turgi / Situation Pfarrei Turgi:
Es ist sinnbildlich, dass die Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi sich vor allem um einen Friedhof kümmert. Natürlich ist es auch die Aufgabe einer Kirchgemeinde, die ihr gehörenden Kulturdenkmäler zu pflegen und darauf zu achten, dass diese für die zukünftigen Generationen bewahrt bleiben. Nur gleicht es einer Farce, wenn die Verantwortungsträger der Kirchgemeinde aus der Pfarrei Turgi in den letzten beiden Jahren einen pastoralen Friedhof gemacht haben und nun die Ludwigskapelle «aus dem Dornröschenschlaf» aufwecken wollen. Es darf daran erinnert werden, dass der frühere Pfarreirat, ab 2010 viele Aktivitäten organisierte, die das Pfarreileben massiv bereicherten. Der Dank gebührt hierbei nicht dem Präsidenten, sondern den Pfarreiratsmitgliedern, die ohne Scheuklappen agierten und den Mut hatten, neue Pfarreianlässe einzuführen. Das Pfarreifest, die Fastenwoche, Heilige Messen mit musikalischer Umrahmung, Weiterbildung und spontane Apéros gehörten zum pastoralen Alltag. Anders als Frau Hilde Seibert, Herr Andreas Zillig, Herr Willy Deck und Herr Dr. Bernhard Hollinger, denen die Unterscheidung zwischen «Einheimischen» und «Auswärtigen» so zentral ist, wussten die früheren Verantwortungsträger, dass Turgi ein multikulturelles Dorf und kein rassistisch geprägter Ort ist, wo sich jeder Katholik unabhängig von seiner Herkunft willkommen fühlen sollte. Anstatt eine öffentliche Diskussion starten zu wollen, was mit einem Friedhof geschieht, der für das Glaubensleben der meisten Katholiken in Gebenstorf und Turgi nie eine Rolle spielte, wäre eine öffentliche Diskussion über die pastorale Zukunft der Pfarrei Turgi wünschenswert.

Pastoralrat / Lokales Pfarreileben:
In diesem Zusammenhang ist ebenfalls erwähnenswert, dass die Kirchenpflege Mitglieder für einen Pastoralrat sucht. Ohne die Bevölkerung dazu befragt zu haben, werden die lokalen Pfarreiräte zugunsten eines übergeordneten Pastoralrats beerdigt. Dieser Schritt ist im Einklang mit weiteren Aussagen der jetzigen Verantwortungsträgern, die darauf zielen, dass pastorales Leben zu zentralisieren und aus der Pfarrei Gebenstorf dieses Zentrum zu machen. In den Sitzungen zur Pastoralraumbildung, die in den Jahren 2011-2018 stattfanden, war stets die Rede davon, das lokale Pfarreileben beizubehalten und nur einzelne Aktivitäten über die Pfarreigrenzen hinaus zu organisieren. Dies betrifft vor allem den Oberstufenreligionsunterricht, die Firmung, die Jugendarbeit und die Erwachsenenbildung. All diese Aktivitäten wurden jedoch bereits unter den früheren Verantwortungsträgern der beiden Kirchgemeinden gemeinsam organisiert, währenddem unter der neuen Leitung die Kirchgemeinden im Religionsunterricht wieder separate Wege gehen. Einerseits schafft man es nicht, dort sinnvoll zusammenzuspannen, wo es nötig wäre, andererseits plant man eine radikale Zentralisierung des Pfarreilebens, ohne die Bevölkerung zu fragen, ob dies in ihrem Sinne ist. Der Gedanke liegt nahe, dass es rein finanzielle Gründe sind, welche diese Zentralisierung vorantreiben. Anstatt ernsthafte Einsparungen zu prüfen, hofft man wohl darauf, in der Zukunft Liegenschaften in Birmenstorf und Turgi verkaufen oder vermieten zu können, die bei einer Zentralisierung des Pfarreilebens nicht mehr benötigt werden.

Schlusswort:
Die Katholische Kirche im Bistum Basel ist in einer sichtbaren Krise. Das sakramentale Leben wird in den meisten Pfarreien auf ein Minimum reduziert, was zur Folge hat, dass sehr viele Menschen aus der Kirche austreten. Die Steuereinnahmen werden weiterhin sinken und massive Einsparungen werden nötig sein. Das Pfarreileben wird unbürokratischer werden müssen. Die Zeiten der Volkskirche sind vorbei. Es braucht keine öffentliche Diskussion über einen Friedhof, sondern darüber, wie man neue Menschen erreichen und eine Neuevangelisierung einleiten kann. Wie es immer betont wird, kann man eine kirchliche Gemeinschaft nicht auf Hass aufbauen. Man kann nur hoffen, dass die jetzige Kirchenpflege dies realisiert und Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zieht.

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