„Pfarrer gesucht: Wie Personalmangel die Kirche zum Wandel zwingt“. Unter diesem Titel berichten die Sender von TV_CH über die Personalprobleme bei der Besetzung kirchlicher Stellen. Dabei wird ein völlig künstliches Problem angesprochen, denn es wurde nicht erwähnt, wie viele Priester in der/den Schweizer Kirche(n) bereits arbeitslos oder unterbeschäftigt sind, demnächst befördert werden oder die Schweizer Kirche möglicherweise bereits verlassen haben. Die Kirche(n) wollen unter dem Vorwand des Personalmangels angeblich ihren Auftrag ändern oder zumindest künstlich an den Grundfesten der Kirche rütteln.
Der reformierten Kirche fehlen in zehn Jahren 300 Pfarrer. Auf katholischer Seite sieht es nicht besser aus. Und auch Pfarrer, Katecheten, Pfarrverwaltungen: Überall akuter Mangel. Dies zwingt die Kirche, den längst notwendigen Wandel anzugehen.
Es scheint, als würde der Artikel auf den Priestermangel hinweisen, aber ein breiteres und vielleicht tieferes Problem übersehen – den Umgang mit dem eigentlichen Auftrag der Kirche. Oftmals wird der Fokus auf äußere Strukturprobleme, wie die Besetzung von Stellen, gelegt, während die eigentliche Frage nach dem „Warum“ und „Wie“ der Mission der Kirche angesprochen werden sollte.
Das Fehlen einer umfassenden Diskussion über die Zahl der arbeitslosen Priester oder die Möglichkeit, dass sich viele potentielle Geistliche eine ursprünglich kirchenspezifische Form der Mission oder spirituellen Arbeit wünschen, könnte darauf hinweisen, dass die Kirche in manchen Bereichen nicht mehr in ihrer traditionellen Form funktionieren kann, da sie von anderen Ideologien unterwandert und kontaminiert wurde. Man könnte sagen, dass ein Paradigmenwechsel notwendig ist, um sich an die eigenen Wurzeln erinnern zu können. Aber dieser muss aus einer tiefen Reflexion über die tatsächliche Rolle der Kirche und ihre Relevanz in der Welt kommen – und nicht nur aus praktischen, administrativen Überlegungen, die nur eine Ideologie der falschen Selbstdiagnose des Untergangs der Kirche vorhersagen.
Bezahlbaren Wohnraum schaffen, bezahlbare Wohnungen bauen, kirchliche Liegenschaften umnutzen – dies sind nur einige Beispiele für die Ersatzthemen, mit denen sich die Kirche inzwischen zu beschäftigen scheint, anstatt das Evangelium Jesu Christi zu predigen. Man muss sich an den Apostel Paulus erinnern: „Weh mir, wenn ich das Evangelium Jesu Christi nicht verkündige!“ (1 Kor 9,16)



