Über ein Jahrhundert lagerten wertvolle Artefakte indigener Völker aus Kanada in den Archiven des Vatikans. Nun hat ein behutsamer Prozess der Rückführung begonnen, der diese bedeutenden Objekte wieder in ihre Heimat bringt. Eine Maschine der Air Canada transportierte kürzlich dutzende dieser kulturell wertvollen Gegenstände von Rom nach Montreal.
Der freie Journalist Gerd Braune, der seit zwei Jahrzehnten in Ottawa lebt und für verschiedene deutschsprachige Medien berichtet, bietet Einblicke in die Bedeutung dieser Objekte. Die Sammlung umfasst 62 Artefakte, darunter kunstvoll bestickte Handschuhe, ein Trageband für Kleinkinder und ein beeindruckendes viereinhalb Meter langes Kajak aus Robbenfell. Diese Gegenstände werden nun im Museum in Ottawa genau untersucht.
Die Frage, warum diese Dinge überhaupt im Vatikan lagerten, führt zurück ins Jahr 1922. Papst Pius XI. hatte damals Missionare weltweit aufgefordert, sowohl religiöse als auch kulturelle Objekte nach Rom zu senden, um sie in einer großen Ausstellung zur Missionarstätigkeit zu präsentieren. Von den tausenden nach Rom gebrachten Gegenständen wurden nur einige ausgestellt, während der Rest in Archiven verschwand und bis heute Teil der ethnologischen Sammlung des Vatikans war.
Für die indigenen Gemeinschaften Kanadas sind diese Artefakte weit mehr als nur historische Objekte. Sie sind ein lebendiger Teil ihrer Kultur und Geschichte. Das Robbenfell-Kajak beispielsweise symbolisiert die traditionelle Jagd der Inuit auf dem Polarmeer. Diese Rückkehr ist somit nicht nur eine Rückgabe materieller Werte, sondern eine Wiederherstellung kultureller Identität und Stolz.





