Papst Leo XIV. zum Weltgebetstag für kirchliche Berufe

Papst Leo XIV. zum Weltgebetstag für kirchliche Berufe

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Bischof Felix Gmür feiert am 25. Juni in Notre-Dame de Paris

Es ist wertvoll einen guten Seelenführer zu haben»

Der kommende «Guthirt-Sonntag» und wird jedes Jahr als «Weltgebetstag für geistliche Berufe» am 4. Ostersonntag gefeiert. Der Guthirtsonntag wurde im Jahr 1964 vom Papst Paul VI. eingeführt. Dabei wird gebetet wird, dass die Menschen den Ruf hören, mit denen Gott sie in seinen Dienst ruft und ihm darauf mit einem grosszügigen «Ja, ich bin bereit!» antworten. Wer um «geistliche» Berufe betet, denkt meistens an Priester, die die Eucharistie feiern, die «Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens» ist. Bestenfalls wird in den Gebeten auch noch an Ordensberufungen gedacht. Es ist wirklich notwendig für dieses wichtige Anliegen zu beten und damit der Forderung Jesu zu entsprechen, den Herrn der Ernte darum zu bitten, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.

Bedingungslose Annahme durch Christus

Inzwischen wird in der Kirche der Begriff «Berufung» aber nicht mehr nur auf die Priester- und Ordensberufe beschränkt. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat die Taufe als Fundament des christlichen Lebens neu ins Licht gerückt:  «Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur Gemeinschaft mit Gott», so das Konzil, das auch betont, dass «alle Christgläubigen in allen Verhältnissen und in jedem Stand je auf ihrem Wege vom Herrn zu der Vollkommenheit in Heiligkeit» berufen sind.

Die Taufe schafft eine ganz enge Zugehörigkeit zu Christus. Diese Christus-Beziehung kann sich der Mensch aber nicht selbst geben, sie ist letztlich Geschenk: Der Mensch wird von Christus in existenzieller Weise berührt. – bedingungslos! Christsein ist Geschenk! Die Freude und Dankbarkeit über dieses Geschenk können und wollen natürlich zu Reaktionen wie Nächstenliebe und guten Werken führen. Insofern geht es für Haupt- und Ehrenamtliche, bei Klerikern und Laien nicht in erster Linie um mein wie auch immer motiviertes Machen und Tun, um mein Engagement und meine Leistung – und wenn ich mich noch so toll und wichtig finde und engagiere. Dreh-und Angelpunkt ist und bleibt Jesus Christus – nichts und niemand sonst! Seine Liebe und sein Geist sind Motor und Ansporn. Es gibt keine grössere Berufung in der Kirche als getauft, von Gott angenommen, geliebt und mit Christus verbunden zu sein. Zu Recht sagte der geniale französische Theologe und Kardinal Yves Congar (1905-1995): «Gott ruft jeden, aber mit anderer Stimme». Das heisst, dass die Berufung immer vielfältig ist: Wer beim Gebet um geistliche Berufungen nur an Berufungen zum Priester denkt, nimmt letztlich jene Berufung nicht ernst, die jeder Menschen in sich trägt. Die Berufung zur Gemeinschaft mit Gott kann im speziell christlichen Sinn unterschiedliche Formen annehmen: Die Berufung zu einem hauptamtlichen Dienst (Priester und Diakone), die Berufung zum Ordensleben, die Berufung, ein bestimmtes Ehrenamt in der Gemeinde auszuüben, die Berufung, das Evangelium im Alltag am Arbeitsplatz und vor allem auch als Eltern den eigenen Kindern zu verkünden, die Berufung zur Katechetin etc. Wenn Gott wirklich jede und jeden mit anderer Stimme ruft, so muss auch jeder Gerufene seine eigene, ganz persönliche Antwort geben, die seinem eigenen Leben entspricht. Der heilige John Henry Newman meinte: «Ich bin berufen, zu sein und zu tun, wozu kein anderer Mensch auf dieser Erde berufen ist».

Antwort der Liebe

Den so gerufenen Menschen drängt es, Gott eine Antwort der Liebe zu geben: «Hier bin ich Herr, sende mich!» So kann die Kirche der Zukunft kraftvoll mit zwei Lungenflügeln atmen: dem Weihepriestertum und der Taufe. Zu Recht schrieb die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl (1904-1964): «Lasst uns erst einmal die Berufung der Taufe leben, dann haben wir schon mehr als ein Leben lang genug zu tun!»

Gebet und Stille erforderlich

Um Gottes Stimme zu hören, braucht es «Gebet und Stille», mahnte Papst Leo XVI. in seinem Schreiben zum diesjährigen Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Sie eröffne, «wenn wir sie pflegen, die Möglichkeit, das Geschenk der Berufung anzunehmen und zu leben, das niemals etwas Auferlegtes oder ein vorgegebenes Raster ist, in das man sich einfach fügen muss, sondern ein Plan der Liebe und des Glücks. Die Pflege der Innerlichkeit: von diesem Punkt müssen wir in der Berufungspastoral und im immer neuen Bemühen um die Evangelisierung dringend ausgehen.»

Papst Leo lud «alle ein – Familien, Pfarreien, Ordensgemeinschaften, Bischöfe, Priester, Diakone, Katecheten, Erzieher und gläubige Laien –, sich immer mehr für günstige Rahmenbedingungen einzusetzen, damit diese Gabe angenommen, genährt, bewahrt und begleitet werden kann, sodass sie reiche Frucht tragen kann.» Jeder Gläubige kann sehr viel dazu beitragen, dass Menschen ihren Ruf zu einem kirchlichen Beruf hören und auf ihn positiv antworten können. Wer seinen Glauben authentisch, freudig und konsequent lebt, weckt Interesse am Glauben, und ein Lebensstil, der Christus in den Mittelpunkt stellt, macht die Berufung zum zu einem kirchlichen Beruf «plausibler». Wichtig ist es auch, Mut zu machen, über eine Berufung nachzudenken. Schon ein unaufdringliches einfaches «Hast du mal daran gedacht, dass Gott dich rufen könnte?» kann für jemanden ein entscheidender Impuls sein.

An die jungen Menschen

«Nur wenn unsere Lebensräume von lebendigem Glauben, beständigem Gebet und geschwisterlicher Weggemeinschaft erhellt sind, wird der Ruf Gottes aufgehen und reifen und für den Einzelnen wie für die Welt zum Weg des Glücks und des Heils werden können», betonte der Papst. «Wenn wir uns auf den Weg begeben, den Jesus, der gute Hirte, uns weist, lernen wir sowohl uns selbst als auch Gott näher kennen, der uns gerufen hat.»

Ausdrücklich wandte sich der Pontifex an die jungen Menschen: «Hört auf die Stimme des Herrn, der euch einlädt, ein erfülltes Leben zu führen, indem ihr eure Gaben fruchtbringend einsetzt und eure Grenzen und Schwächen an das glorreiche Kreuz Christi nagelt. Haltet also inne in eucharistischer Anbetung, meditiert ausdauernd das Wort Gottes, um es jeden Tag zu leben, nehmt aktiv und in vollem Umfang am sakramentalen und kirchlichen Leben teil… Haltet inne, hört zu, vertraut euch ihm an: Auf diese Weise wird die Gabe eurer Berufung reifen, euch glücklich machen und reichlich Früchte für die Kirche und die Welt tragen… Auf diese Weise werdet ihr den Herrn kennenlernen und in der der Freundschaft eigenen Vertrautheit entdecken, wie ihr euer Leben zu einer Gabe machen könnt, auf dem Weg der Ehe, des Priestertums, des Ständigen Diakonats oder im gottgeweihten Leben, in einer Ordensgemeinschaft oder einem Säkularinstitut: Jede Berufung ist ein immenses Geschenk für die Kirche und für diejenigen, die sie mit Freude annehmen. Den Herrn kennenlernen bedeutet vor allem, zu lernen, ihm und seiner Vorsehung zu vertrauen, die mit jeder Berufung überreich einhergeht.» Jungen Leuten, die mit einer Berufung ringen, rät Leo XIV., «Ängste und Unsicherheiten zu überwinden, in der Gewissheit, dass der Auferstandene der Herr sowohl der Weltgeschichte als auch unserer persönlichen Geschichte ist». Wertvoll sei es, «einen guten Seelenführer zu haben, der uns bei der Entdeckung und Entfaltung unserer Berufung begleitet».

Eine Berufung sei «kein unmittelbarer Besitz, nichts, was ein für alle Mal ‚gegeben‘ ist», stellte Papst Leo klar. «Sie ist vielmehr ein Weg, der sich ähnlich entwickelt wie das menschliche Leben, bei dem die empfangene Gabe nicht nur bewahrt, sondern auch durch eine tägliche Beziehung zu Gott genährt werden muss, um wachsen und Früchte tragen zu können.»