Die Zusammenfassung trifft die Kernpunkte des aktuellen Konflikts.
1 Das Katholische Medienzentrum ist ein 2014 gegründeter Verein mit Sitz in Zürich. Im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz und dem Zusammenschluss der Kantonalkirchen (RKZ) betreibt das Katholische Medienzentrum das Newsportal kath.ch. 2 Finanziert wird das Katholische Medienzentrum grösstenteils aus Kirchensteuern.
Jahrelanger Streit um die Ausrichtung
Der Konflikt schwelt schon länger. 7 Nach jahrelangem Streit darüber, wie kritisch das Online-Portal kath.ch über die römisch-katholische Kirche berichten soll und darf, wurde 2024 ein neuer Vorstand des Vereins Katholisches Medienzentrum gewählt – nachdem sämtliche Mitglieder des bisherigen Vorstands entweder zurückgetreten oder nicht mehr angetreten waren. Einzelne Medien sprachen deshalb bereits von einer Art Coup der Kirchenoberen gegen kritische Stimmen. Nicht zuletzt deshalb, weil Medienbischof Josef Stübi erst kürzlich eine neue Co-Redaktionsleitung verhindert hatte. 8 In den letzten Jahren ist kath.ch immer wieder mit Artikeln aufgefallen, die sich zum Beispiel positiv mit Homosexualität auseinandersetzen oder mit Frauen, die gerne Priesterinnen werden würden. Aber auch mit Recherchen zum fehlerhaften Umgang mit sexualisierter Gewalt in der römisch-katholischen Kirche. 9 Der Konflikt um die «katholische» Publizistik lässt tief in die Gräben der römisch-katholischen Kirche blicken. Es handelt sich um eine Art Kulturkampf, der sich regelmässig an Themen wie Homosexualität, Gender und Gleichstellung entzündet.
Das Spannungsfeld der publizistischen Abhängigkeit
Im Zentrum des aktuellen Streits über die Bedingungen für die Auszahlung steht eine Grundsatzfrage: 10 Sie [SBK und RKZ] geben die Rahmenbedingungen für die Medienarbeit vor. Im Rahmenstatut steht unter anderem, dass ein kritischer und unabhängiger Journalismus gewünscht ist. Darauf beruft sich kath.ch auch stets, wenn es von den Bischöfen kritisiert wird.
Die Charakterisierung als «Finanzkeule» trifft daher den Kern: Das neue Co-Präsidium hatte sich ursprünglich um Deeskalation bemüht – 11«Eine unbeeinflusste und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Redaktion, den Stakeholdern des Vereins, der RKZ und der Bischofskonferenz, ist uns wichtig.» Wenn Subventionen nun an inhaltliche oder strukturelle Bedingungen geknüpft werden, gerät dieser Anspruch auf publizistische Unabhängigkeit unter Druck.
Fazit
Die beschriebene Situation – bedingte Zahlungen 2026, finanzielle Unsicherheit, Kritik an der «Finanzkeule» und Umschichtungen ab 2027 – fügt sich in ein Gesamtbild eines anhaltenden Spannungsverhältnisses zwischen Geldgebern (RKZ und SBK) und einer Redaktion. Der Konflikt weiss den Anschein einen Einfluss nehmen zu wollen auf die Berichterstattung.
RKZ versucht durch das Geld die Macht zu bekommen, um die Öffentlichkeit in eigenem Sinne zu manipulieren. Die Doppelrolle der RKZ als Hauptfinanziererin und gleichzeitig Mitauftraggeberin macht den Konflikt strukturell besonders heikel, da finanzielle Hebel zwangsläufig auch als inhaltlicher Druck wahrgenommen werden – unabhängig davon, ob Sparzwänge oder inhaltliche Differenzen im Vordergrund stehen.
Wenn man das Risiko der „Geld-Diktatur“ ernst nimmt, gibt es ein paar etablierte Gegenmittel – die nicht den Druck reduzieren:
- Mehrjahresfinanzierung mit klarer, enger Kündigungslogik
Nicht halbjährliche „Daumen hoch/Daumen runter“-Hebel, sondern stabile Perioden (z.B. 3–4 Jahre), damit Kritik nicht existenziell bestraft werden kann. - Inhaltliche Kriterien explizit tabu, nur publizistische Qualität/Prozess
Kriterien wie Fact-Checking, Transparenz, Korrekturregeln, Ethikcodex – ja.
Kriterien wie „kirchentreue Linie“ – nein. - Unabhängige Schieds-/Aufsichtsgremien mit echter Distanz
Wenn Streit über „Qualität“ oder „Auftrag“ entsteht, entscheidet nicht der direkte Geldgeber allein. - Finanzielle Diversifizierung
Je weniger Monopolfinanzierung, desto weniger Erpressbarkeit. (Das ist hart, aber oft der wirksamste Schutz.)
Folgen
- Die Diagnose („Geld schafft Macht über Berichterstattung“) ist strukturell sehr plausibel – besonders bei einer Konstruktion, in der Geldgeber und systemischer Auftraggeber zusammenfallen.
- Ob die RKZ tatsächlich „die Öffentlichkeit manipulieren“ will, ist als Absicht nicht automatisch belegbar – aber die Wirkung (Druck, Chill-Effekt, Selbstzensur-Risiko) kann auch ohne böse Absicht eintreten. Also Achtung – Gefahr ist gross.


