Schokolade, Neutralität, Berge und Banken – Wie tickt das „Bankenland Schweiz“?

Schokolade, Neutralität, Berge und Banken – Wie tickt das „Bankenland Schweiz“?

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Geld

Von der Römischen Münze bis hin zur Kryptowährung, von städtischen Wechselstuben bis hin zu mächtigen Grossbanken – das Landesmuseum Zürich zeigt in einer neuen Schau die historische Entwicklung des Bankwesens. Wie wurde das kleine Alpenland zu einem der bedeutendsten Finanzplätze der Welt? Und warum sind in der Schweiz Banken nicht nur Teil der Wirtschaft, sondern auch Teil der Identität?

Vier Kinderstühlchen stehen um einen Tisch, auf dem knallrote Telefonhörer installiert sind. Ab 1970 stand dieser sogenannte Märchentelefontisch in einer Zürcher Kantonalbank. Kinder konnten daran Platz nehmen und Geschichten anhören, während ihre Eltern am Bankschalter anstanden. Heute ist es ein Ausstellungsstück und erzählt von Zeiten, in denen es noch keine Bankautomaten und längst kein Online-Banking gab, so Kurator Christian Weiss. Das ist so etwas, was wir heute nicht mehr so gut kennen, weil wir nicht mehr so häufig in Bankfilialen reingehen. Früher war es aber selbstverständlich, man muss das Geld am Schalter abholen. Zur Bankfiliale mussten auch die Kleinen mit ihren Sparbüchsen. Denn die meisten der farbig verzierten Aluminiumdosen, die heute als Sammlerstücke in Vitrinen stehen, konnten nur von Bankangestellten geöffnet werden. Der Schlüssel lag bei der Bank.

Man kann nicht früh genug anfangen zu sparen. Um dieses Credo zu vermitteln, holten die Schweizer Banken sogar Schulen mit ins Boot, erzählt Christian Weiss. Sparen wurde flächendeckend animiert. Das wurde auch schon sehr früh verinnerlicht. Man hat das teilweise auch in der Schule gemacht, dass man konnte beim Lehrer Geld abliefern, der das dann auf die Bank getragen hat in gewissen Gebieten. Und dort wurde es auf ein Schul-Sparbuch eingezahlt.

Die clevere Kundenbindung zu den Kleinsten zahlt sich aus. Das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in ihre Banken ist bis heute gross. Dafür stehen auch die vielen Tresorräume mit hunderten Schliessfächern. Aktuell stehen etwa ein Drittel davon leer, so Christian Weiss.

Doch viele Schweizerinnen und Schweizer lagern immer noch wichtige Unterlagen, Verträge und wertvollen Schmuck lieber in einem Banktresor als zu Hause. Diskretion spielt dabei eine wichtige Rolle. Nicht mal die Banken selber wissen, was der Kunde in Schliessfach rein tut.

Die Diskretion zum einen und die Stabilität des ganzen Finanzwesens, nicht nur des Schweizer Frankens, zum anderen auch das Bankgeheimnis, dass auch wenn es nun stark zurückgenommen worden ist, im Inland trotzdem noch eine gute Rolle spielt, sind sicher Bestandteil dieses Bankenland Schweiz.

Schokolade, Neutralität, Berge oder Banken? Wie wichtig sind diese Dinge für die Schweiz? An einem Bankschalter gibt es eine Umfrage. Sie zielt auch auf die Eigenheiten im Bankenland Schweiz ab. In der Schweiz sind Banken nicht nur ein Teil der Wirtschaft, sondern es ist auch ein Teil der eigenen Identität. Auf reich bebilderten Ausstellungswänden wird in der Zürcher Schau die Bankenwelt konkret.

Man sieht grosse, stattliche Bankhäuser, die ab den 1830er Jahren in den Innenstädten gebaut worden sind, um das Land in die Zukunft zu führen, um Industrialisierung und den fortschrittbringenden Eisenbahnbau zu finanzieren. Man sieht den Moment, als in einem Bankenfoyer erstmals die Börsennotierung live auf einem Bildschirm übertragen wird.

Und man sieht Schülerinnen und Schüler, die auf ihrem Skiausflug allesamt Mützen mit einem Bankenlogo tragen. Die Schweizer Kreditanstalt verteilte Ende der 1970er Jahre 800.000 dieser Mützen an die Schweizer Jugend. Und was war, bevor es Banken gab?

Die Römer verkruben ihr Geld in der Erde, auch auf Schweizer Boden. Und sobald Münzen im Umlauf waren und sozusagen ein Geldsystem entstand, kam der Beruf des Geldverleihers auf. Christian Weiss war es wichtig zu erläutern, warum hauptsächlich jüdische Familien dem Geldverleih nachgingen. Man hatte das Problem des sogenannten Wucherverbots im Christentum. Das heisst, man durfte keine Zinsen nehmen.

Nun, wenn man das ganze Risiko hat vom Geldverleihen, aber man darf dafür keinen Gewinn einstreichen, dann wird das nicht sehr attraktiv. Die Juden waren von dem ausgenommen, deswegen war es naheliegend, dass man die dazu auch gezwungen hat, fast schon in diesem Geschäft tätig zu sein. Nicht zuletzt dieser historische Rückblick macht die Ausstellung über das kleine Alpenland als eines der bedeutendsten Finanzplätze der Welt sehr sehenswert.

Wer sich allerdings ein Kapitel etwa zum Thema Verwicklungen von Schweizer Banken in internationale Korruptionsskandale erhofft, den wird die eher harmlose Ausstellung, die vor allem die Schweizer Perspektive abbildet, enttäuschen.

Was | Wann | Wo

Bankenland Schweiz

Wann: 12.06. bis 08.11.2026

Wo: Landesmuseum Zürich
Museumstrasse 2
8001 Zürich / Schweiz