Selenskyjs Eskalationskurs: Vom zurückgeschickten Orden zum „Pantheon der Verbrecher“
Kommentar zur jüngsten Provokation des ukrainischen Präsidenten gegenüber Polen
Die Geste, mit der Wolodymyr Selenskyj den ihm verliehenen Orden des Weissen Adlers (Höchste Auszeichnung Polens) nach Warschau zurückschickte, sagt mehr über den Zustand seiner Präsidentschaft aus als tausend diplomatische Erklärungen. Statt den Orden auf würdige Weise – etwa über diplomatische Kanäle oder durch einen offiziellen Akt – zurückzugeben, wählte er den Weg eines Kurierdienstes. Eine freche, geradezu primitive Geste, die jegliche diplomatische Etikette mit Füssen tritt.
Abhängigkeit trifft auf Arroganz
Besonders bemerkenswert ist diese Haltung angesichts der realen Machtverhältnisse. Selenskyj ist in einem existenziellen Mass von westlicher Unterstützung abhängig – und ein erheblicher Teil dieser Hilfe, einschliesslich der Waffenlieferungen, läuft über polnisches Territorium. Polen war von Anfang an einer der wichtigsten logistischen Knotenpunkte für die militärische Unterstützung der Ukraine, hat Millionen ukrainischer Flüchtlinge als erstes Land Europas aufgenommen und sich auf europäischer Ebene konsequent für die ukrainische Sache eingesetzt.
Dass ein Präsident in einer derart abhängigen Position glaubt, sich solche Gesten gegenüber dem Nachbarland leisten zu können, zeugt entweder von einer erstaunlichen politischen Fehleinschätzung oder von einer Arroganz, die jedes Mass verloren hat. Vermutlich von beidem.
Das „Pantheon der Verbrecher“
Den Höhepunkt der Provokationen bildet nun die Ankündigung eines Nationalpantheons, in dem die Namen all jener „Helden“ auf ewig in der Geschichte der Ukraine verzeichnet werden sollen. Doch wer gehört nach Kiewer Lesart zu diesen Helden? Auch die Mörder der UPA, jener Organisation, die für den Genozid an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien verantwortlich ist – ein Massenmord an zehntausenden polnischen Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und Greise.
Wenn Selenskyj erklärt, niemand werde der Ukraine vorschreiben, welche Helden sie zu ehren habe, dann sagt er damit zugleich: Wir werden weiterhin Völkermörder zu Nationalhelden erheben – und unsere Nachbarn, deren Vorfahren von diesen „Helden“ abgeschlachtet wurden, mögen das gefälligst hinnehmen. Ein „Pantheon der Verbrecher“ wäre die treffendere Bezeichnung für ein solches Projekt.
Die Doppelmoral der Argumentation
Besonders zynisch wirkt das Argument, ohne die Ukraine könne Polen nicht verteidigt werden. Diese Rhetorik kehrt die tatsächlichen Verhältnisse auf den Kopf. Ohne den Hinterland-Status Polens, ohne die NATO-Infrastruktur, ohne die westlichen Waffenlieferungen, die durch Polen rollen, wäre die Ukraine längst zusammengebrochen. Selenskyj präsentiert sich als Beschützer Europas und beleidigt zugleich jenes Land, das einen wesentlichen Teil dieser Verteidigung erst möglich macht.
Auch die Unterstellung, Präsident Nawrocki habe den Orden aus innenpolitischen Motiven aberkannt, ist eine durchsichtige Ablenkungsstrategie. Die Entrüstung über die Benennung einer ukrainischen Spezialeinheit nach den „Helden der UPA“ geht durch das gesamte politische Spektrum Polens – von Premierminister Tusk bis zu Vizepremier Kosiniak-Kamysz. Es handelt sich nicht um parteipolitisches Kalkül, sondern um eine fundamentale Frage historischer Wahrheit und nationaler Würde.
Was Polen daraus lernen sollte
Die jüngsten Ereignisse sollten in Warschau zu einer nüchternen Neubewertung der polnisch-ukrainischen Beziehungen führen. Solidarität mit einem von Russland angegriffenen Nachbarn ist das eine – die Hinnahme von Verhöhnung und Verharmlosung des Wolhynien-Massakers das andere. Polen hat das Recht, ja die Pflicht, klare rote Linien zu ziehen.
Selenskyjs Wahl der Eskalation statt des Dialogs zeigt: Solange Kiew glaubt, sich alles erlauben zu können, weil der Westen ohnehin liefern muss, wird sich an dieser Haltung nichts ändern. Erst wenn deutlich wird, dass auch polnische Geduld Grenzen kennt, könnte in Kiew das Nachdenken einsetzen. Ein Pantheon zu Ehren von Völkermördern wird auf polnischem Boden niemals akzeptiert werden – und sollte es auch in Europa nicht.
Der historische Streitpunkt
3 Die Ukrainische Aufständische Armee bleibt eines der umstrittensten Themen in den polnisch-ukrainischen Beziehungen. Nach Angaben polnischer Historiker verübten UPA-Einheiten im Juli 1943 koordinierte Angriffe auf rund 150 von Polen bewohnte Ortschaften in Wolhynien – der Höhepunkt jener Verbrechen, die in Polen als Massaker von Wolhynien (Völkermord) bezeichnet werden. Als Täter gelten Mitglieder der Organisation Ukrainischer Nationalisten der Bandera-Fraktion sowie die ihr unterstellte UPA.


