Nach dem letzten Anschlag des islamischen Extremisten in Berlin hätten kirchliche Stellungnahmen eine besondere öffentliche und mediale Wirkung zeigen müssen. Stattdessen sind Worte des Berliner Bischofs als ungenügend einzustufen, was im öffentlichen Brief der Katholiken an den Bischof Koch zum Ausdruck gebracht wird.
Worte des Bischofs werden nicht nur von Gläubigen wahrgenommen, sondern prägen auch die gesellschaftliche Debatte, das Vertrauen der Betroffenen und den Umgang mit Gewalt in der Öffentlichkeit. Gerade deshalb muss die Sprache klar, wahrhaftig und den Opfern verpflichtet sein.
Allgemeine Appelle zur Besonnenheit und zum Frieden sind wichtig. Sie dürfen jedoch nicht den Eindruck erwecken, die Tat werde relativiert oder berechtigte Fragen nach Verantwortung, Ursachen und Schutzmaßnahmen würden verdrängt. In der medialen Wahrnehmung kann eine zu beschwichtigende Reaktion schnell wie ein Schönreden wirken – besonders für Opfer, Angehörige und Menschen, die sich nach Sicherheit und Orientierung sehnen.
Theologisch ist diese Klarheit geboten. Christlicher Glaube verlangt, Unrecht beim Namen zu nennen. Gewalt gegen Menschen ist ein Angriff auf ihre unantastbare, von Gott gegebene Würde. Die Kirche ist daher nicht nur zum Trost, sondern auch zum öffentlichen Zeugnis für Wahrheit, Gerechtigkeit und den Schutz der Bedrohten verpflichtet. „Suchet das Recht, helft den Unterdrückten“ (Jesaja 1,17) bedeutet: Frieden darf nicht mit dem Vermeiden klarer Worte verwechselt werden.
Ein Bischof trägt in solchen Situationen besondere Verantwortung. Seine Aussagen sollten zuerst die Opfer und Angehörigen in den Mittelpunkt stellen, eindeutig jede Form von Gewalt und Extremismus verurteilen und deutlich machen, dass Nächstenliebe auch konkrete Schutzpflicht bedeutet. Wer ausschließlich auf Versöhnung und Deeskalation setzt, ohne das Unrecht klar zu benennen, riskiert eine mediale Botschaft der Verharmlosung.
Die Kritik an Bischof Koch richtet sich daher nicht gegen den Aufruf zu Frieden oder Mitmenschlichkeit. Sie richtet sich gegen eine Kommunikation, die in der Öffentlichkeit als ausweichend oder unzureichend klar wahrgenommen werden kann. Kirche muss trösten, aber sie muss ebenso mahnen: Sie darf die Opfer nicht aus dem Blick verlieren, Gewalt nicht relativieren und Verantwortung nicht in allgemeinen Formeln auflösen.


