Schwieriges Erbe Deutschlands

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Das weltweit millionenfach gesehene provokative Zeitdokument! ZEITGEIST
Das weltweit millionenfach gesehene provokative Zeitdokument! ZEITGEIST

In den letzten Jahren sind in Deutschland mehrere wissenschaftliche Arbeiten entstanden, die auf die Bedeutung der NS-Funktionsleiter in verschiedenen Lebensbereichen in der Bundesrepublik hinweisen. Diese Tatsache wird zwar mit einer gewissen Beschämung beschrieben, doch geht man davon aus, dass die ehemaligen Aktivisten des NS-Regimes keinen übergroßen Einfluss auf die politische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland hatten. Das vorliegende Buch zeigt, dass diese Annahme falsch ist. Die Konsequenzen des politischen Einflusses der ehemaligen NS-Aktivisten wurden am Beispiel der Nachkriegsschicksale der Gegner des NS-Regimes und deren Familien gezeigt. Die Widerstandskämpfer waren Menschen, die in schwierigen Zeiten ihre politische und moralische Unabhängigkeit bewahrt haben. Menschen, die meistens bewusst das Risiko auf sich genommen haben, sich mehr oder weniger aktiv dem Regime zu widersetzen. Und viele von ihnen wurden ermordet. Nach 1945 wurden die Aktivitäten der NS-Gegner nachträglich kriminalisiert. Die ehemaligen Widerstandskämpfer und deren Familien mussten die Konsequenzen der früheren politischen Tätigkeit Jahrzehnte lang tragen. Das deutsche Recht legte fest, dass Menschen, die mit rechtskräftigen Urteilen belastet waren, nur sehr eingeschränkt Anspruch auf soziale Leistungen haben konnten. Schlimmer noch – diese Einschränkung galt auch für die Familienangehörigen und sogar dann, wenn die Widerstandskämpfer während der NS-Zeit ermordet worden waren. Es dauerte fast 60 Jahre, bis der Deutsche Bundestag alle Gegner und politische Opfer des NS-Regimes rehabilitiert hat. Mit der Aufhebung der Urteile wegen Kriegsverrat hat man bis 2009 gezögert. Mit Kriegsverrat bezeichneten NS-Richter meistens die den Juden, Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern geleistete Hilfe, oder auch andere Formen der politischen Unabhängigkeit. Die Aufhebung dieser Urteile hat die SPD-Abgeordnete Christine Lambrecht am 2. Juli 2009 immer noch verlangt. Im Bundestag sagte sie damals: „Wie viele Frauen hat es gegeben, die in der Nazizeit und auch danach damit leben mussten, dass sie von ihrem Umfeld, den Nachbarn, dem Kaufmann, dem örtlichen Polizisten oder vielleicht sogar eigenen Verwandten geschnitten und verachtet wurden, weil ihr Mann als «Kriegsverräter» galt? Wie viele Kinder haben in dieser Zeit erleben müssen, dass sie von den Kindern der Nachbarschaft, in der Schule gedemütigt wurden, vielleicht sogar geschlagen und bespuckt, weil die Eltern der anderen Kindern über sie sagten, der Vater sei ein «Kriegsverräter» gewesen“. Es dauerte sehr, sehr lange, bis die Gegner des NS-Regimes bei Stammtischgesprächen nicht mehr verspottet und beleidigt wurden. Es mussten Jahrzehnte vergehen, bis der deutsche Widerstand den gebührenden Platz im Bewusstsein der Deutschen gefunden hat. Das hatte mehrere Gründe. Der entscheidende war wahrscheinlich die pragmatische Politik von Konrad Adenauer. Für ihn war der Wiederaufbau des Landes wichtig und nicht die Abrechnung mit der Vergangenheit. Als er sich bereit zeigte, den Widerkehr der NS-Funktionsleiter zu billigen, erkaufte er damit nicht nur ihre Loyalität, aber auch das Engagement für das Land. Dank der Personalpolitik Adenauers erhielten sehr viele ehemalige Funktionäre ihre alten Stellungen zurück. Das betrifft zum Beispiel die NS-Richter, die fast alle ihre alten Stellungen zurückbekamen. Von den ehemaligen Funktionseliten waren gerade sie vielleicht am meisten daran interessiert, dass die ehemaligen NS-Gegner kriminalisiert werden. Die Rehabilitierung der NS-Gegner wäre gleichzeitig eine Anklage der Juristen, die sie früher verfolgt haben. Daher haben sich in der Bundesrepublik die Richter viel Mühe gegeben, die NS-Gegner nachträglich dort zu kriminalisieren. Andere frühere Aktivisten haben ihre Untaten meistens mit der Behauptung begründet, dass sich alle dem NS-Regime fügen mussten und zu den Verbrechen gezwungen worden waren. Die Tätigkeit aktiver NS-Gegner war aber ein klarer Beweis dafür, dass diese Behauptung nicht der Wahrheit entsprach. Es war also im Interesse der ehemaligen NS-Aktivisten die Widersacher in Misskredit zu bringen. Daher wurde auch die Behauptung der Juristen, die NS-Gegner seien Kriminelle, mit Freude akzeptiert. Diese Erkenntnisse führten zu der Hauptthese des Buches, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswunder der Bundesrepublik und der andauernden Benachteiligung der ehemaligen NS-Gegner gibt. Diese Behauptung wurde anhand von Protokollen verschiedener Gremien des Deutschen Bundestages aus den Jahren 1949 bis 2009 aufgestellt. In der Abhandlung wird auch eine Reihe von Dokumenten aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, dem Bundesarchiv Koblenz und dem Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg zitiert. Eine wichtige Quelle sind die Urteile der bundesdeutschen Gerichte. Es werden ebenfalls Pressestimmen zitiert, die nicht nur als Informationsquelle dienen, aber auch Zeichen der Stimmung jener Zeit sind. In dem Buch wird auch gezeigt, wie zur politischen Kultur der Bundesrepublik die fast rituale Pflicht gehört, sich von der NS-Wirklichkeit zu distanzieren. Ein Kontrast zu dieser Haltung bilden aber die zahlreichen politischen Vorbehalte, Klischees und Gewohnheiten, noch aus der NS-Zeit.