Am 1. November feiert die Kirche Allerheiligen. Es ist wichtig, uns bewusst zu machen, dass es eine tiefe Verbindung mit den Toten gibt. Gott hat den Menschen für die Ewigkeit geschaffen. Die Liebe verbindet uns mit den Menschen, die von uns gegangen sind. Es ist ein Trugschluss der Moderne, das Menschsein rein funktional zu denken. Der Mensch ist das nie ganz fassbare Wesen, welches über sich selbst nachdenken und über die Grenzen der Endlichkeit hinweg fühlen kann. Es war die Ursünde der sich selbst als liberal bezeichnenden Theologie, dass diese Grundwahrheit – das ewige Leben – immer mehr relativiert und geleugnet wurde. Müsste man alle Fehlentwicklungen in beiden Schweizer Landeskirchen – der reformierten sowie der katholischen – in einem Satz zusammenfassen, so wäre dieser Abfall vom Glauben an das ewige Leben dessen Kern. Diese Schwäche des Christentums in der Schweiz hat dazu geführt, dass die Gesellschaft einem moralischen Relativmus verfallen ist, der dem Individuum keinen festen Boden unter den Füssen lässt. Wenn wir dem Wunsche des Heiligen Vaters, Papst Franziskus, folgen möchten, dann kann die Erneuerung der Kirche nur geschehen, wenn wir die Wahrheit akzeptieren, dass Gott ein Gott der Lebenden ist. Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes und hat eine unendliche Würde, die mit dem Tod nicht endet. Der Tod ist der Übergang in die Vollendung bei Gott.
Die beiden Hochfeste Allerheiligen und Allerseelen zeigen uns auf, dass es Menschen vor uns geschafft haben, Gott ganz zu vertrauen. Da wir alle Maria als Mutter haben und viele Heilige als unsere Brüder und Schwestern zählen dürfen, dürfen wir zuversichtlich in unsere eigene Zukunft blicken. Gott liebt uns. Ebenfalls dürfen wir voller Vertrauen für unsere Verstorbenen beten. Vergessen wir sie nicht und beten für sie. Die Liebe sind wir einander immer schuldig, auch über die Grenzen des irdischen Lebens hinaus.



