Die sinkenden Mitgliederzahlen werden viele Kirchgemeinden zwingen, sich von Immobilien zu trennen. Wie man das in der Aargauer Gemeinde Wettingen-Neuenhof angepackt hat, sagt der reformierte Pfarrer.
Herr Pfarrer, die reformierte Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof besass bis vor Kurzem eine Kirche, zwei Kirchgemeindehäuser, drei Pfarrhäuser und ein Sigristenhaus. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie diese Immobilien auf die Dauer nicht mehr finanzieren können?
Seit gut zehn Jahren gingen die Steuererträge in unserer Kirchgemeinde aufgrund des Mitgliederschwunds spürbar zurück. Wir haben heute noch etwa halb so viele Mitglieder wie in den siebziger Jahren. Zunächst haben wir Stellen abgebaut, weil dort die höchsten Kosten anfallen. Aber es war klar, dass wir auch bei unseren Immobilien über die Bücher müssen.
Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Wir beantragten in der Kirchgemeindeversammlung einen Kredit, um den Zustand der Gebäude und den Sanierungsbedarf zu analysieren. Auch mussten wir uns Gedanken darüber machen, wie viel Raum wir in Zukunft benötigen. Unsere beiden Kirchgemeindehäuser waren zu diesem Zeitpunkt bereits schlecht ausgelastet beziehungsweise die Nutzer zahlten keine oder so wenig Miete, dass es keinen substantiellen Beitrag zum Gebäudeunterhalt gab.
Was hat diese Analyse ergeben?
Es war offensichtlich, dass es einschneidende Massnahmen brauchte. Die Kirchgemeindehäuser hatten einen hohen Sanierungsbedarf, zudem war das Raumangebot überdimensioniert. Insbesondere das Kirchgemeindehaus in Neuenhof wurde kaum noch genutzt. Wir kamen zum Schluss, dass wir uns von diesem Gebäude trennen müssen, da es unsinnig ist, ein Gebäude zu behalten, das wir nicht benötigen. In Wettingen war die Situation etwas komplexer.
«Insgesamt hielt sich der Widerstand gegen die Immobilienstrategie sehr in Grenzen.»
Inwiefern?
Dort kamen verschiedene Szenarien in Frage. Wir haben einen Umbau des Kirchgemeindehauses mit einer gemeinsamen Nutzung durch die Schule Wettingen geprüft. Gemeinderat und Kirchenpflege waren sich aber schnell einig, dass eine klare Trennung sinnvoller ist. Deshalb haben wir uns entschieden, ein ganz neues, aber deutlich kleineres Kirchgemeindehaus zu bauen. Das alte Gebäude konnten wir zusammen mit dem Areal nördlich der Kirche an die Gemeinde verkaufen.
Gab es weitere Massnahmen?
Wichtig für die langfristige Tragbarkeit unserer Immobilien ist, dass wir zwei Parzellen im Baurecht an eine Genossenschaft abgeben werden. Dieses Land können wir nicht mehr nutzen, dafür erhalten wie einen Baurechtszins. Im Idealfall reicht dieses Geld, um unsere verbleibenden Gebäude künftig zu finanzieren. Zudem gehören zu den Arealen zwei von unseren drei Pfarrhäusern, die dann ebenfalls abgegeben respektive rückgebaut werden.
Viele Kirchgemeinden streben Umnutzungen ihrer Gebäude an. War das bei Ihnen kein Thema?
Sowohl das Kirchgemeindehaus in Wettingen wie auch jenes in Neuenhof liegen in einer Zone für öffentliche Bauten. Das heisst, dass die Gebäude nicht an einen beliebigen Mieter vermietet werden dürfen. Insofern waren unsere Möglichkeiten diesbezüglich sehr eingeschränkt.
Der Verkauf von Kirchengebäuden löst oft Emotionen aus. Gab es in der Gemeinde Widerstand gegen die Immobilienstrategie?
Einige Gemeindemitglieder bedauerten, dass wir das ihnen vertraute Kirchgemeindehaus aufgaben. Andere waren der Meinung, es reiche aus, wenn man es einfach neu anstreicht. Insgesamt hielt sich der Widerstand aber sehr in Grenzen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Kirche selbst unverändert bleibt. Meist sind es Veränderungen an der Kirche, die zu Debatten oder Protesten führen.



