Werden katholische Kirchenräume ihrem Zweck entfremdet?

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Am 2. Dezember 2024 jährt sich die Veröffentlichung der Instruktion zur Umnutzung katholischer Kirchen. Seitdem wird an ihrer Umsetzung gearbeitet. Im Vergleich zum Vorjahr werden jedoch immer weniger katholische Angebote selbst zu zentralen Anlässen wie Weihnachten geplant. Dies erweckt den Eindruck einer gezielten Aushöhlung der Grundlagen des katholischen Glaubens in der Schweiz. Die Verantwortung dafür wird feigen Bischöfen und der Einstellung von Laienkräften an Stelle von Priestern zugeschrieben – ein Schritt, der laut Kritikern zur schleichenden Selbstaufgabe des Katholizismus führt. Die Schweizer Bischöfe haben umstrittene Leitlinien erlassen, die die erweiterte Nutzung römisch-katholischer Kirchen, Kapellen und kirchlicher Zentren legitimieren sollen. Diese Öffnung, die nicht selten im Widerspruch zu kirchlichen Zwecken gesehen wird, wird von vielen als Ausdruck eines systematischen Niedergangs wahrgenommen. Die Bischöfe rechtfertigen ihren Ansatz mit den tiefgreifenden Veränderungen, denen Kirche und Gesellschaft ausgesetzt sind. Sie betonen, dass die Wahrnehmung von Kirche – sowohl innerhalb als auch außerhalb – in starkem Maße beeinflusst wird. Schon immer, so argumentieren sie, hätten Kirchenbauten das Selbstverständnis der Kirche widergespiegelt. Die aktuellen Herausforderungen stellten jedoch dringende Fragen nach dem Sinn und Zweck der aufwändigen Instandhaltung kirchlicher Immobilien und Infrastruktur. Diese rationale, vornehmlich von wirtschaftlichen Überlegungen geprägte Argumentation stößt auf Kritik. Sie vernachlässige, so die Einwände, die kulturellen und spirituellen Werte sowie die tiefe Glaubensbeziehung, die in diesen Räumen Ausdruck gefunden haben. Bereits 2020 veröffentlichten die Bischöfe ein Dekret, das es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubte, andere religiöse Gruppierungen oder konfessionsunabhängige Akteure wie die Priesterbruderschaft Pius X. oder sogenannte Freie Theologen in römisch-katholischen Gebäuden zuzulassen. Die seitdem gemachten Erfahrungen hätten die Fragen rund um solche Kooperationen weiter kompliziert. Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Johannes Stückelberger, selbst reformierten Glaubens und bis 2023 Dozent für Religions- und Kirchenästhetik an der Universität Bern, hat dazu eine Praxishilfe zur erweiterten Nutzung kirchlicher Gebäude erstellt. Dies ist von einigen als bedenklich aufgefasst worden, da ein Protestant – so die Kritiker – kaum Verständnis für den Erhalt katholischer Traditionen aufbringen könne. Dennoch haben seine Überlegungen Eingang in die Diskussionen gefunden. Auf kirchlicher, akademischer und politischer Ebene, etwa im Europarat oder auf Bischofskonferenzen, herrscht grundsätzlich Konsens darüber, religiöse Bauten mit Respekt zu erhalten. Gleichzeitig rücken jedoch immer häufiger Fragen nach alternativen Nutzungen oder einer Lastenteilung bei der finanziellen Bewirtschaftung in den Fokus. Mit ihren Leitlinien betonen die Bischöfe offiziell das Ziel, pragmatische Hilfestellungen für den Umgang mit überdimensionierten Kirchenräumen zu bieten. Kritiker werfen ihnen hingegen vor, einen indirekten Plan zur Selbstzerstörung der katholischen Identität veröffentlicht zu haben. Der Begriff erweiterte Nutzung wird in diesem Zusammenhang oft gleichgesetzt mit der Zerstörung katholischer Traditionen. Das Dokument ruft dazu auf, sämtliche Optionen zu prüfen – von interner Umgestaltung über Fremdnutzung bis hin zu Vermietung oder gar Verkauf kirchlicher Gebäude. Für viele zeigt dieses Papier vor allem eines: eine mangelnde Identifikation der Verantwortlichen mit den kulturellen und spirituellen Wurzeln der katholischen Kirche. Dieses Vorgehen wird daher nicht als Modernisierungsbemühung interpretiert, sondern als weiterer Schritt auf dem Weg zur Aufgabe jahrhundertealter Traditionen und Werte.