Seit Jahren treten viele Menschen in den Bistümern Basel und St.Gallen aus der Kirche aus. Auch die reformierte Kirche leidet unter sehr vielen Austritten. Nur noch ein wenig mehr als die Hälfte der Menschen in der Schweiz gehört einer der beiden Landeskirchen an. Während die katholische Kirche seit Jahrzehnten von der Einwanderung von Katholiken profitiert, sinkt der Anteil der reformierten Kirche gegen 20%. Die geringe Anzahl Taufen und christlichen Hochzeiten deutet daraufhin, dass beide Landeskirchen in den kommenden Jahren noch viel mehr Mitglieder verlieren werden. Das grösste Warnsignal seit Jahrzehnten, welches diese Entwicklung unausweichlich machte, ist die geringe Partizipation am kirchlichen Leben. In wohl keinen beiden Bistümern der Welt ist der Prozentsatz derjenigen Menschen, welche die Gottesdienste besuchen, so gering. Vor allem in den Pfarreien, die nicht mehr regelmässig die Eucharistie und die weiteren Sakramente anbieten, sondern durch Wortgottesdienste und andere Aktivitäten ersetzen, sinkt der Anteil der aktiven Pfarreiangehörigen auf 1-2%. Selbstkritische und dem Evangelium verbundene reformierte und katholische Theologen sind sich im Klaren darüber, dass diese Entwicklung selbstverschuldet ist. Jahrelang wurde der Glaube an Jesus Christus und das ewige Leben an den Rand gedrückt. Dies geschah mit der naiven Hoffnung, dass durch eine Infantilisierung und Relativisierung des Glaubens die beiden Landeskirchen als Kulturchristentum überleben werden. Heute sehen wir, wie falsch dieser Gedanke war, da er die Sehnsucht der Menschen nach Tiefe nicht ernst nahm.
Anstatt diesen verhängnisvollen Weg zu erkennen, geht die Aargauische Landeskirche diesen Irrweg bewusst weiter. Das Projekt „Kirchensteuer sei Dank“ möchte den grossen Anteil der passiven Kirchgemeindemitglieder überzeugen, weiterhin Steuern zu zahlen. 2000 Jahre war es die Überzeugung der Christen, Gott für all das Gute zu danken. Das zweite Gebot brechend, welches den Christen verbietet, den Namen Gottes zu missbrauchen, ersetzt die Kampagne „Gott“ durch die „Kirchensteuer“. Neben der Problematik, dass dieses Projekt nicht mit dem dualen System vereinbar ist, stellt sich die theologische Frage, welcher Segen durch eine solche Wortwahl und solche Kampagnen erwartet werden kann? Seit Jahrzehnten wird das Klima in den deutschsprachigen Bistümern durch die Fixierung auf Geld und Macht vergiftet. Anstatt den Menschen und Gott zu dienen, konzentriert man sich auf eigene Interessen. Vor allem jüngere Menschen zieht es nicht in eine solche Kirche. Mit dieser unchristlichen Kampagne wird das Mass nun vollgemacht. Unsere beiden Pfarreien distanzieren sich daher von diesem Projekt der Landeskirche und möchten weiterhin an dem Glauben festhalten, welche Generationen vor uns geteilt haben: In Gott finden wir unser Heil und ihm gehört unser Dank. Gerade in der Eucharistie, die auf Griechisch Danksagung bedeutet, kommt diese Haltung zum Ausdruck.



