Jeder, der das innerschweizerische Benediktinerkloster Einsiedeln besucht, wird bei einer näheren Beschäftigung mit der Geschichte dieses herausragenden Marienwallfahrtsortes auf das alljährlich am 14. September gefeierte Einsiedler Engelweihefest und die dahinterstehende, zunächst singulär erscheinende Engelweihelegende stossen. Die Einsiedler Engelweihe findet jedes Jahr Mitte September statt und stellt die Gnadenkapelle in den Mittelpunkt von besonderen Feierlichkeiten. Die Stiftskirche Maria Einsiedeln ist mit Engelfiguren ausgeschmückt. Wer hat sie schon einmal gezählt, die grossen und kleinen Engel, im Chor der Kirche, im Schiff der Kirche, im Oktogon der Gnadenkapelle,die Engel an den Decken und Wänden und Pfeilern, die Engel in Farbe und Plastik, die Blumen streuen und Inschriften tragen und in die Posaunen stossen, die Gloria und Sanctus singen und mit Händen und Füssen Alleluja jubeln? Die Barockkunst stellt uns Erdenpilger mitten in die Chöre der Engel hinein und will uns sagen: Ihr seid hier nicht mehr auf Erden, ihr seid hier im Himmel, seht da den Hofstaat des Herrn der Heerscharen!
Der heilige Bischof Konrad von Konstanz soll die Weihe einer bei der Meinradszelle befindlichen Kapelle vornehmen. In der Nacht vor dem festgesetzten Weihetag jedoch vernimmt er himmlische Gesänge und eine Stimme, die ihm die Konsekration des Gotteshauses untersagt, weil es bereits von Christus und seinen Engeln gültig geweiht worden sei. Ein Engel hält den Konstanzer Bischof schliesslich am nächsten Morgen vom Versuch der nochmaligen Weihe ab.



