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Kirche in Luzern: Ein virtueller Jesus nimmt hier die Beichte ab

Statt des Pfarrers befindet sich ein Computer im Beichtstuhl der Peterskapelle in Luzern. Die Kunstinstallation sorgt für gemischte Reaktionen. „Deus in machina“ ist eine Kunstinstallation eines Teams der Hochschule Luzern.
Eine kleine Kapelle in Luzern wirkt wie ein typisches Gotteshaus, wie man es in Kleinstädten und Dörfern überall in Europa findet. Doch in der Peterskapelle freut man sich seit einigen Monaten über immer mehr Besucher. Unter ihnen sind nicht nur gläubige Katholiken, sondern auch technikinteressierte Menschen, die dem bescheidenen Kirchlein einen Besuch abstatten. Im Inneren kann man nämlich beichten, und zwar Jesus gegenüber oder zumindest demgegenüber, wie sich die Software der Künstlichen Intelligenz vorstellt, dass Jesus gesprochen hätte.

Den Platz im Beichtstuhl nimmt ein Gaming-PC ein, der gekrümmte Monitor hängt vor dem Gitter zum Beichtenden. Bevor man aber die Beichte ablegen kann, fragt der KI-Jesus nach dem Einverständnis zur Datenverarbeitung und warnt in sehr weltlicher Sprache davor, dass man keine persönlichen Daten preisgeben soll. Datenschutz muss schliesslich sein.

Gegenfragen statt Antworten
In einem TV-Beitrag auf Deutsche Welle (DW) wird der KI-Avatar mit der Frage konfrontiert, warum Frauen kein Priesteramt bekleiden dürfen. Der Digitaljesus gibt sich in der Antwort zwar bibelfest, weicht aber der Frage dann doch aus und spricht über die Rollenverteilung in der Kirche und stellt gleich eine Gegenfrage.

Die Kirchenbesucher stellen dem KI-Jesus dennoch ein gutes Zeugnis aus: Die Antworten waren hilfreich, berichten zwei Damen. Eine Kirchenbesucherin fühlt sich gar von der KI verstanden und berichtet von einem Gefühl der Erleichterung, als sie den Beichtstuhl verlassen hat. Die Verständigung mit dem Messias aus Bits und Bytes sollte den meisten Menschen nicht schwerfallen: Der digitale Heiland spricht die nahezu biblisch anmutende Zahl von 100 Sprachen.

„Deus in machina“
Bei dem KI-Jesus handelt es sich aber nicht um einen Versuch der katholischen Kirche, eine neue Zielgruppe an besonders technologieaffinen Schäfchen heranzuziehen. Tatsächlich ist die Software Teil einer Kunstinstallation mit dem Namen „Deus in machina“. Erdacht hat die Installation ein Team des Immersive Realities Lab der Hochschule Luzern. Der digitale Gottessohn soll weniger Lebensratschläge geben, denn zum kritischen Nachdenken über Grenzen von Technologie im Kontext von Religion anregen.

Laut dem Bericht gegeben zwei Drittel der Beichtenden an, dass sie mit einer „spirituellen Erfahrung“ aus dem Beichtstuhl kommen. Marco Schmid ist theologischer Mitarbeiter der Peterskapelle. Er ist mit dem Einsatz des KI-Jesus zufrieden und sieht in ihm gar eine Möglichkeit für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Seelsorge.

Im Gästebuch der Kapelle wird aber Kritik laut, und ein anonymes Schäfchen warnt vor den Folgen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz in der Peterskapelle. Die Macher hingegen bezeichnen ihr Werk als „himmlisches Hologramm“.

Pannen
Die Versuche, religiöse Spiritualität mit Künstlicher Intelligenz zu kombinieren, gingen in der Vergangenheit nicht immer gut aus. So veröffentlichte im Mai 2024 eine katholische Organisation aus den USA einen animierten Pfarrer. Father Justin trug ein typisches schwarzes Gewand, einen weißen Kragen, Seitenscheitel und Vollbart, vor einem Hintergrund, der wohl an antike römische Gebäude erinnern sollte. Binnen kürzester Zeit erwies sich Justin als religiöser Hardliner, der Selbstbefriedigung als „schwere moralische Störung“ bezeichnete und vorschlug, man möge Kinder mit Energydrinks taufen. Nach nur wenigen Tagen wurde Father Justin seines Amts enthoben und von seinen Entwicklern zum Laientheologen degradiert. Online ist er allerdings immer noch.

Über die Einstellung des Luzerner KI-Jesus zu Themen wie Selbstbefriedigung oder dem korrekten Taufen von Kindern ist übrigens nichts bekannt. (Quelle:pez, 20.11.2024)

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