Donnerstag, Oktober 22, 2026
14.1 C
Zürich

Kritische Punkte zur Kirchgemeindeversammlung Gebentorf-Turgi am 26. 11. 2024

Vorwort: Wie in den letzten Jahren ist es mir auch für die kommende Kirchgemeindeversammlung, die am 26. November stattfinden wird, wichtig, einen Kommentar zur aktuellen Situation zu schreiben. Wie immer werde ich diesen Kommentar nicht mit subjektiven Meinungen füllen, sondern mit Fakten, die für jedermann nachvollziehbar sind.
Jahresbericht des Präsidenten:
– Andreas Zillig schreibt in seinem Bericht von der Eröffnung des Pastoralraums, dass das «Schiff» Pastoralraum Fahrt aufgenommen hat. Auf administrativer Seite sind Bemühungen sichtbar, die Zusammenarbeit der beiden Kirchenpflegen zu intensivieren. Konkret bedeutet dies jedoch mehr Sitzungen und mehr bürokratischen Aufwand. Auf der pastoralen Seite sind bisher keine Früchte dieser Zusammenarbeit erkennbar. Die jetzige Zusammenarbeit auf pastoraler Ebene ist nicht intensiver als vor 10 Jahren. Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Pastoralraum gegründet wurde, ohne sich zu überlegen, welche konkrete Zusammenarbeit man wirklich anstrebt. Die Folge ist eine Zunahme an administrativem Aufwand, ohne einen Mehrwert für die Gläubigen zu generieren.
– Andreas Zillig thematisiert die Kirchenaustritte, die seiner Ansicht nach deutlich zurückgegangen sind. Frau Hilde Seibert, Herr Dr. Hollinger und Herr Andreas Zillig waren diejenigen, die der früheren Kirchenpflege vorgeworfen haben, durch ihr Handeln Kirchenaustritte zu verursachen. Betrachtet man die Kirchenaustrittsstatistik auf Seite 26 des Kirchgemeindebüchleins, so wird schnell klar, dass seit Anfang 2022, als die jetzige Kirchenpflege mithilfe des Einschreitens der Landeskirche das Ruder übernommen hat, keine Abnahme der Kirchenaustritte erfolgt ist. Auch im laufenden Jahr sind ca. 100 Kirchenaustritte zu erwarten, rechnet man die 72 bisherigen Kirchenaustritte auf das ganze Jahr hoch. Bei rund 2200 Kirchgemeindebürger bedeutet dies, dass wieder rund 4.5% der Kirchgemeindemitglieder austreten werden.
Jahresbericht der Seelsorge:
Ich möchte auch dieses Jahr den Priestern meinen Dank aussprechen, dass sie Eucharistiefeier anbieten und nicht den gleichen destruktiven Weg gehen, den viele Pfarreien im Bistum Basel beschreiten, indem Wortgottesdienste die Eucharistiefeier verdrängen. Schade finde ich es jedoch, dass der ganze Bericht sich nur um Strukturen dreht, die aufgebaut werden sollen, ohne dass Gedanken vorgestellt werden, wie das Pfarreileben in den drei Dörfern neu belebt werden kann. Der Bericht zeichnet das Bild einer Kirche, die mit sich selbst beschäftigt ist. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass die «Aufarbeitung der jüngsten Geschichte mit ihren belastenden Nachwirkungen» als Herausforderung dargestellt wird. Es gibt in Gebenstorf und Turgi viele Menschen, junge und ältere, die offen sind für den Glauben und Freude an Pfarreianlässen hätten. Die vielen Menschen, die früher die Familienfeste, die Heiligen Messen mit musikalischer Umrahmung oder die religiösen Vortragsabende besucht haben, zeigen, dass es für den katholischen Glauben weiterhin eine Offenheit gibt. Ich erachte es als einen grossen Fehler, dass Pfarrer keinen Religionsunterricht geben, da sie dadurch die grosse Chance verpassen, mit Kindern und Jugendlichen und deren Familien in Kontakt zu kommen (auch finanziell ist es ein Mehraufwand für die Kirchgemeinde, wenn die beiden hauptamtlichen Seelsorger keinen Religionsunterricht geben. Dies gab es in unserer Kirchgemeinde nie). Die Zusammensetzung des sogenannten Pastoralraumrates, bei dem fünf von sieben Mitglieder Angestellte der Kirchgemeinde sind, und die anderen beiden ehemalige Mitglieder des Pfarreirats Turgi waren, ist das Resultat dieses fehlenden Kontakts mit der normalen Bevölkerung. Zudem stellt sich für mich die Frage, weshalb es keine aktiven Pfarreiräte mehr in den Pfarreien gibt. In der ganzen Kirche wird momentan von Synodalität geredet. Das Gremium, welches diese Synodalität am stärksten verkörpert, ist der Pfarreirat, der in den einzelnen Pfarreien die Stimme der Gläubigen wiedergibt. Wenn es de facto keine Pfarreiräte gibt und der übergeordnete Pastoralraum mehrheitlich aus Angestellten besteht, dann betreibt man genau das Gegenteil von Synodalität.

Bau und Liegenschaften:
Ich habe grosses Verständnis dafür, dass man Investitionen aufschiebt, da die finanzielle Situation so unsicher ist. Kein Verständnis habe ich dafür, dass man so viel Energie der Ludwigskapelle widmet, die als Friedhofskapelle gar keinen Einfluss auf das Pfarreileben hat. Die frühere Kirchenpflege und die Pfarreiräte (die es damals noch gab) haben ebenfalls Tausende von Stunden Freiwilligenarbeit geleistet, die jedoch für die Organisation von Pfarreifesten, spontanen Apéros für die Gläubigen, musikalischen Umrahmungen und vielen anderen Anlässen genutzt wurden. Die Pfarrei Turgi wird momentan völlig vernachlässigt. Die Pfarreianlässe haben gegenüber früheren Jahren massiv abgenommen. Wenn nun davon gesprochen wird, die Ludwigskapelle für ein Begegnungs- oder Meditationszentrum zu nutzen, dann frage ich mich, welche Pläne man mit der Christkönigskirche Turgi hat, die zurzeit von der eigenen Seelsorge fast nie genutzt wird. Weiter ist es ein Novum, dass die Kirchgemeinde, die Steuergelder einnimmt, die Kirchgemeindebürger zu Spenden aufruft. Spendengelder können an die Pfarrei gehen, jedoch nicht an die Kirchgemeinde. Hier findet eine Vermischung von Finanzierungsarten statt, die höchst bedenklich ist.
Rechnung 2023:
Die Rechnung schliesst mit einem Defizit von rund 60000 Franken ab. Zu bemerken ist hier, dass der Einbruch der Steuereinnahmen sich bereits Anfang 2023 abzeichnete, als der Kirchenpflege bekannt wurde, dass die Steuereinnahmen 2022 stark gesunken sind. Man hätte daher im Verlauf des Jahres 2023 Sparmassnahmen ergreifen können, um dieses hohe Defizit zu senken. Gespart wurde im Jahre 2023 nur am Unterhalt der Gebäude und am Pfarreileben. Das Konto 329.314 (Unterhalt Grundstücke und Hochbauten) wurde um 55000 Franken und das Konto 351.324 (Pfarreiaktivitäten) um 16000 Franken nicht ausgeschöpft. Wie bereits erwähnt habe ich Verständnis dafür, dass man bei den Liegenschaften zurückhaltend agiert. Es wäre aber notwendig, ehrlich zu sein und den Stimmbürgern mitzuteilen, dass der Grund für diese Unterschreitung nicht Kostendisziplin, sondern Passivität ist. Aus Erfahrung weiss man auch, dass die Kosten in diesem Posten nur aufgeschoben, jedoch nicht aufgehoben sind. Traurig ist, dass an den Pfarreianlässen gespart wurde. Die Kirchgemeinde hat immer noch Steuereinnahmen von mehr als 950000 Franken, von denen nur etwas mehr als 0.6 % für Pfarreianlässe verwendet wurden. Auch die budgetierten 22000 Franken, die rund 2.3% der Steuereinnahmen entsprochen hätten, wären im Verhältnis zu den Löhnen der Angestellten und der administrativen Ausgaben nicht hoch. Wenn diese budgetierten Ausgaben in diesem Konto nur zu einem Viertel genutzt werden, verdeutlicht sich noch einmal das Bild einer Kirche, die nur für sich selbst da ist.
– Die Lohnzahlungen an Diakon Peter Daniels haben keine rechtliche Grundlage, wie ich in früheren Kommentaren ausgeführt habe. Die frühere Finanzkommission hat damals abgeklärt, ob ein Anspruch besteht, was verneint wurde. Die Zahlung stellt daher eine reine Gefälligkeit dar.

Budget 2025:
Die Kirchenpflege weiss seit zwei Jahren, dass die Steuereinnahmen rapide sinken. Wie ich bereits in früheren Kommentaren erwähnt habe, ist es nicht die Schuld der jetzigen Kirchenpflege, dass die Steuern eingebrochen sind. Die meisten Kirchgemeinden im Bistum Basel haben durch Kirchenaustritte und eine Überalterung der Kirchgemeindebevölkerung solche Einbrüche erfahren. Ich kritisiere jedoch die beispielslose Passivität, welche die Kirchenpflege und die Finanzkommission an den Tag legen. In einer früheren Kirchgemeindebroschüre war von einer Sparkommission die Rede, was ich bereits damals kritisiert habe, da es die Aufgabe der gewählten Gremien ist, Einsparungen vorzunehmen. Nun scheint man sogar von dieser Idee abgekommen zu sein und steuert fatalistisch die Kirchgemeinde zugrunde. Die einzigen Sparmassnahmen, die getroffen werden, gehen zu Lasten der Gläubigen. So wird weniger Geld für die Pfarreiaktivitäten budgetiert und die sehr gute Organistin, die in der Pfarrei Turgi wirkte, ist entlassen worden, was beim Konto 350.302 Besoldung Organisten/Dirigenten zu einer Senkung führt. Die wirklich heissen Eisen bleiben jedoch unberührt, da man sich nicht traut, empfindliche Sparmassnahmen einzuleiten. Die Folge ist, dass die Kirchgemeinde im Jahre 2025 ein Defizit von 100000 Franken aufweist und auch im laufenden Jahr 2024 wohl einen Aufwandsüberschuss von 100000 Franken erleiden wird. Das bedeutet, dass die neue Kirchenpflege in drei Jahren (2023,2024,2025) seit ihrer Verantwortungsübernahme mehr als 250000 Franken Eigenkapital der Kirchgemeinde aufbrauchen wird. Persönlich glaube ich, dass es aufgrund höherer Aufwände und tieferen Steuern eher 300000 Franken sein werden.

Zukunft der Kirchgemeinde:
Der Finanzplan geht davon aus, dass bereits Ende 2026 das Eigenkapital negativ sein wird. Spätestens Ende 2026 wird daher die Kirchenpflege gezwungen sein, massive Einsparungen vorzunehmen. Da die Amtsdauer der jetzigen Kirchenpflege 2026 endet, kann ich mir gut vorstellen, dass die jetzigen Mitglieder nicht mehr kandidieren werden und man im Hinblick auf die negative Finanzsituation eine Zwangsverwaltung der Kirchgemeinde durch die Landeskirche anstreben wird. Die Folge wird sein, dass das Pfarreileben gänzlich auf Gebenstorf konzentriert wird und Liegenschaften in Turgi verkauft werden,
um die Finanzen zu sanieren. Die Idee, die Kirchgemeinde einer Zwangsverwaltung zu unterstellen, ist bereits in früheren Jahren bei einigen Mitgliedern der jetzigen Kirchenpflege sehr populär gewesen. Für die Gläubigen wäre dies jedoch katastrophal, da die Zwangsverwaltung erstens kostspielig ist und zweitens riesige Einschnitte ins lokale Pfarreileben bedeuten würde.
Ich habe in früheren Kommentaren immer wieder betont, dass man eine Gemeinschaft nicht auf Hass aufbauen kann. Mit Hass haben die jetzigen Kirchenpfleger und andere Mitglieder der Kirchgemeinde die damalige Kirchenpflege und den verantwortlichen Priester bekämpft und eine Contra-Gemeinschaft geschaffen, die gar keine positiven Pläne für die Zukunft der Pfarreien hat. Mit einem reinen Negativprogramm, das gegen alles Neue, Fremde und nicht «Einheimische» gerichtet ist, schaffte man es, Menschen zu mobilisieren. Nun steht man jedoch vor Problemen, die nicht mehr durch Hass gelöst werden können. Ich möchte alle Kirchgemeindemitglieder, die ein ehrliches Interesse an den beiden Pfarreien Gebenstorf und Turgi haben, auffordern, nun Lösungen zu finden, die nicht einen Totalabbruch des lokalen Pfarreilebens zur Folge haben. Auch ich bin dafür, dass man die Zusammenarbeit innerhalb und ausserhalb der drei Pfarreien fördert. Auch kann es sein, dass es in Zukunft tatsächlich erforderlich wird, eine Zentrumspfarrei in Gebenstorf zu bilden und die Pfarreien Birmenstorf und Turgi aufzuheben. Bevor jedoch dieser Schritt gewählt wird, sollten alle anderen Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. Jetzt bleibt noch genügend Zeit dazu. /Daniel Ric/

Beliebt

USA: 31. Oktober 2026 – Seligsprechung von fünf im Jahre 1597 ermordeten Franziskanern

31. Oktober 2026 - Seligsprechung von fünf im Jahre 1597 ermordeten Franziskanern

Be not afraid. Evangelisierung der Jugend

Be not afraid. Evangelisierung der Jugend

Umdrehen und Lügen um positiv dazustehen

Umdrehen und Lügen um positiv dazustehen

DER HEILIGE STUHL UND DIE RITTERORDEN

DER HEILIGE STUHL UND DIE RITTERORDEN
spot_img

Relevante Artikel

Beliebte Themen

spot_imgspot_img