Es hat wenig Sinn, über die Aussicht auf die Wahl der Kardinäle Robert Sarah oder Raymond Leo Burke zum Papst zu spekulieren. Natürlich kann ein Wunder geschehen, aber es ist besser, sich auf das reale Szenario vorzubereiten.
Im Jahr 2013 dominierte die Gruppe aus St. Gallen das Konklave. Es waren die liberalen Kardinäle, die Jorge Mario Bergoglio förderten. Die Hauptakteure waren Walter Kasper, Achille Silvestrini, Cormac Murphy-O’Connor, Godfried Danneels und Theodore McCarrick.
Ihre Behandlungen sind in der Literatur gut beschrieben. Es genügt, das Werk von Austen Ivereigh, einem Vertrauten von Franziskus, mit dem Titel: „Der Prophet“, Julia Melonis Buch „Die St. Galler Mafia“ oder das Buch „Papst Franziskus und die St. Galler Mafia“ zu lesen.
Erzbischof Georg Gänswein sagte vor einigen Jahren offen, dass es 2013 zu Zusammenstössen zwischen der St. Galler Mafia und der Partei der Treue zu Christus gekommen sei. Leider war St. Gallen der Sieger.
Im Jahr 2025 ist die neue Mafia Sankt Gallen noch stärker.
Die Rolle der Königsmacher übernahm ab 2013 die Gruppe um die Kardinäle Reinhard Marx, Jean-Claude Hollerich und Mario Grech. Der letzte wird stark durch die Landeskirchen und u.a. Schweizer Bischof Felix Gmür unterstützt. Darauf weisst das Lobby-Artikel von Helena Jeppesen-Spuhler in «New York Times»: «Kirche muss partizipativer und inklusiver werden».
Wie kath-ch selbstredend sowie manipulierend kurz vor dem Konklave-Beginn berichtet: „die Schweizer Teilnehmerin an der Weltsynode in Rom in den vergangenen beiden Jahren und Vorkämpferin für eine synodalere Kirche,, hat es in die «New York Times» geschafft“. Gerade heut schrieb sie über die Herbst-Teilnahme 2024 an der Synode in Rom, und – warum auch immer – jetzt wird es in New York Times abgedruckt – halbes Jahr nachher, wohl aber über einem Papabile und dies vor dem Konklave! Hat sich New York Times sonst für Helena Jeppesen-Spuhler interessiert? Kaum. Nie vorher und wahrscheinlich auch nicht nachher wird New York Times von Helena Jeppesen-Spuhlers-Meinung wissen wollen. Da muss gefragt werden, wie viel Geld hat New York Times für diesen „Auftritt-Helena Jeppesen-Spuhler“ einkassiert und wer den Auftrag dazu erteilte und schlussendlich bezahlte?
Unter dem Titel «Francis Opened Discussions to Those Outside the Church Hierarchy. This Cardinal Would, Too» (zu Deutsch: «Franziskus öffnete Diskussionen für Menschen ausserhalb der Kirchenhierarchie. Dieser Kardinal würde das auch tun») ist am vergangenen Sonntag (4. Mai 2025) ein Zeitungsartikel über Kardinal Mario Grech, seine Rolle im Vatikan sowie zur Frage der Synodalität im kommenden Pontifikat erschienen.
Sie können auf die Unterstützung vieler Liberaler aus aller Welt zählen. Unter ihnen finden wir höchstwahrscheinlich Asiaten (Luis Antonio Tagle, William Goh, Tarcisio Kikuchi), Amerikaner (Robert Prevost, Blase Cupich, Joseph Tobin, Michael Czerny), Latinos (Leonardo Steiner, Jaime Spengler) oder Pseudo-Afrikaner (Jean-Paul Vesco aus Algerien oder Cristobal Lopez Romero aus Marokko). Darüber hinaus gibt es natürlich eine grosse Zahl von Europäern – Laszlo Nemet (Serbien/Ungarn), Jozef de Kesel (Belgien), Jean-Marc Aveline (Frankreich) und viele andere, insbesondere Italiener.
Es gibt keine andere Gruppe, die so kompakt und breit aufgestellt ist. Traditionalistische und konservative Kardinäle sind in der klaren Minderheit. Es fällt schwer, sich für einen von ihnen entscheiden zu können. Vielleicht gelingt es ihnen, eine Blockadefraktion zu bilden, die die von Marx, Hollerich und Grech unterstützten Kandidaten stoppt. Dies würde die Wahl eines Kandidaten ermöglichen, der von Mitgliedern der römischen Kurie unterstützt wird und sich als „Zentrist“ präsentiert.
Daher wäre die Wahl eines anderen Kardinals als eines erklärten Progressiven oder linken Zentristen schlicht eine grosse Überraschung.
So oder so: Wir können und müssen für alle Kardinäle um das Licht des Heiligen Geistes beten. Ungeachtet aller Machenschaften ist letztlich Christus selbst der Herr der Kirche.



