Am 31. Dezember 1977 erlebte der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt eine bedeutende Lerneinheit, die seine Perspektive auf die Weltpolitik nachhaltig beeinflussen sollte. Während einer Reise auf dem Nil, organisiert vom ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat, wurde Schmidt in die faszinierende Welt der Gemeinsamkeiten zwischen Bibel und Koran eingeführt.
In der ruhigen Nacht auf dem Oberdeck des Schiffes erzählte Sadat dem Kanzler von den tief verwurzelten Verbindungen der monotheistischen Religionen. Die heiligen Schriften der Juden, Christen und Muslime, so erklärte Sadat, stützen sich auf gemeinsame Überlieferungen, die bis zu Abraham zurückreichen. Diese Einsicht, dass die großen Religionen der Welt einen gemeinsamen Ursprung haben, eröffnete Schmidt eine neue Dimension des interreligiösen Verständnisses.
Besonders beeindruckend für den Kanzler war die Erkenntnis, dass der Koran viele der im Alten Testament beschriebenen Propheten anerkennt, darunter Moses und Noah. Auch die Rolle Jesu im Islam wurde thematisiert, wobei Sadat betonte, dass Jesus im Islam als bedeutender Prophet nach Mohammed angesehen wird. Diese Informationen, welche in Europa oft wenig bekannt sind, ließen Schmidt die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für die politische Praxis erkennen.
Die Gespräche mit Sadat verdeutlichten Schmidt, wie wichtig es ist, die religiösen Gemeinsamkeiten für eine friedliche Koexistenz der Völker zu nutzen. Diese Lektion aus der Geschichte zeigt, dass das Verständnis und der Respekt für die religiösen Traditionen anderer Kulturen ein Schlüssel zu einer friedlicheren Welt sein können.



