Das japanische „Hikikomori“

Das japanische „Hikikomori“

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Kardinal Rainer Maria Woelki verlässt den synodalen Weg der Deutschen
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Sie verbringen ihr Leben online und bleiben monatelang in ihren Wohnungen. Das japanische „Hikikomori“ gewinnt weltweit immer mehr an Popularität.

(Foto: pixabay.com)

Die Einsamkeitsepidemie äussert sich in immer beunruhigenderen Symptomen. Ein Trend namens Hikikomorki, die freiwillige Isolation von der Außenwelt, gewinnt weltweit an Popularität. Er beinhaltet ständiges Zuhausebleiben, den Verzicht auf soziale Kontakte sowie das Meiden von Schule und Arbeit.

Das Hikikomori- Syndrom wurde erstmals in den 1990er-Jahren in Japan beobachtet. Jahrelang galt das Phänomen als skurriles Beispiel japanischer Gesellschaft. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass sich dieser Trend zur freiwilligen Isolation, der mittlerweile pathologische Ausmaße angenommen hat, weltweit immer stärker ausbreitet.

Menschen, die unter  Hikikomori  leiden , beschränken ihre Aktivitäten auf die vier Wände ihres Zimmers oder ihrer Wohnung und meiden soziale Kontakte oder minimieren diese durch Online-Kommunikation. Um das Haus nicht verlassen zu müssen, bestellen sie das Nötigste online oder sind auf Angehörige (meist die Eltern) angewiesen.

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Dieses Phänomen geht oft mit Arbeits- und Bildungsverweigerung sowie der Vernachlässigung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Körperpflege einher. Betroffene verbringen den Großteil ihrer Zeit in der virtuellen Welt, was mitunter zu einer Umkehrung ihres zirkadianen Rhythmus führt; sie schlafen tagsüber und sind nachts aktiver. In den Vereinigten Staaten wird dieses Phänomen als NEET ( Not in Education, Employment, or Training – nicht in Ausbildung, Beschäftigung oder Weiterbildung) bezeichnet, was im Wesentlichen vollständige Unproduktivität bedeutet. Dieser isolierende Lebensstil führt häufig zu schweren psychischen Krisen und erschwert die Genesung im Laufe der Zeit. 

Forschungen zeigen, dass in Japan schätzungsweise 1,46 Millionen Menschen, was 2 % der Bevölkerung entspricht, derzeit in extremer Isolation leben. Dieses Phänomen betrifft vor allem junge Männer. Experten weisen jedoch bereits seit mindestens 2011 darauf hin, dass dieser besorgniserregende Trend auch außerhalb Japans immer mehr um sich greift. Eine Metaanalyse von Studien der Duke University School of Medicine in den USA aus dem Jahr 2025 ergab, dass Hikikomori sowohl in Ostasien als auch in der westlichen Welt ein weit verbreitetes Problem darstellt. Zwischen 2019 und 2022, inmitten der COVID-19-Pandemie, hat sich das Phänomen deutlich verschärft.

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten unterscheidet sich Hikikomori grundlegend vom katholischen Konzept des Einsiedlerlebens. Bei Hikikomori ist Isolation eine Reaktion auf Angst, sozialen Druck oder Scham aufgrund mangelnden persönlichen und beruflichen Erfolgs. Sie ist eine Flucht aus der Realität und eine Form des Eskapismus, ermöglicht durch die Verfügbarkeit moderner Informationstechnologien.

Einsiedlerleben bedeutet eine freiwillige Abkehr von der Welt zugunsten von Kontemplation, Busse und Gebet. Das Leben eines Einsiedlers ist keine „Flucht vor der Welt“, sondern ein bewusster Verzicht um Gottes willen und in der Erwartung geistlicher Früchte, für die man auch für andere betet.

Quelle:Neet