Bischof Felix Gmür hält «Juramesse» in Notre Dame de Paris: «Freue mich schon sehr darauf»

Bischof Felix Gmür hält «Juramesse» in Notre Dame de Paris: «Freue mich schon sehr darauf»

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Bischof Felix Gmür feiert am 25. Juni in Notre-Dame de Paris

Ein Bischof freut sich auf Notre-Dame – und lässt zu Hause die Eucharistie ausdünnen

Bischof Felix Gmür feiert am 25. Juni in der berühmtesten Kathedrale der Welt. In seinem eigenen Bistum aber wird die Sonntagsmesse langsam abgeschafft.

Vor genau einem Tag gab Bischof Felix Gmür auf Kath-CH-Kanal: «Ich freue mich schon sehr darauf. Im Juni werde ich an der Juramesse in der wiedereröffneten Kathedrale Notre Dame de Paris feiern.» Der Beitrag wurde tausendfach geteilt, erhielt hunderte Kommentare.

Kaum einer dieser Kommentatoren weiss, was einige Zeit vor dieser Ankündigung im Bistum Basel beschlossen wurde.

In der internen Mitteilung vom 17. Oktober hat Felix Gmür den Pfarreien mitgeteilt, dass ab 2027 höchstens 20 Prozent aller Gemeinden im Bistum Basel noch mehr als eine Messe pro Woche haben werden. Viele werden gar keine mehr haben. An deren Stelle werden Wortgottesdienste treten.

Zu Hause wird gestrichen, in Paris gefeiert

Das ist keine ferne Zukunftsvision. Das ist schon heute Realität.

In vielen Pfarreien gibt es heute noch genau eine Messe pro Woche. Vor 5 Jahren waren es drei. In Baden wurde die Werktagsmesse ganz abgeschafft. In Brugg gibt es noch eine Messe alle 14 Tage. In Dutzenden weiteren Gemeinden sieht es genau gleich aus.

Dort wo früher ein Priester regelmässig die Eucharistie gefeiert hat, leiten heute vielerorts Pastoralassistentinnen und -assistenten die Alternative-Gottesdienste. Nicht weil es keine Gläubigen gibt. Nicht weil es keine Priester gibt. Sondern weil das eine bewusste Entscheidung dieses Bischofs ist.

Das Bistum argumentiert heute standardmässig mit dem Priestermangel. Das ist ein Teil der Wahrheit. Aber es ist nicht die ganze Wahrheit.

Priester die Messe feiern werden versetzt

Es gibt im Bistum Basel genug Priester die gerne regelmässig Messe feiern würden. Aber viele von ihnen haben Probleme.

Priester die darauf bestehen, heilige Messe zu feiern, die sich weigern Wortgottesdienste anstelle von Messe anzubieten, gelten heute im Bistum als «schwierig». Sie werden versetzt. Sie bekommen keine eigene Pfarrei mehr zugewiesen. Sie werden an den Rand gedrängt.

Im vergangenen Jahr sind alleine sieben Priester aus dem Bistum Basel weggegangen, weil sie mit dieser Linie nicht einverstanden waren. Keiner hat das öffentlich gesagt. Alle haben es privat bestätigt.

Es gibt also keinen Priestermangel. Es gibt einen Mangel an Priestern die bereit sind, die Linie des Bischofs umzusetzen.

Ein Widerspruch der man nicht ignorieren kann

Und genau das ist der Punkt der einem den Atem stocken lässt.

Der gleiche Mann der es für richtig hält, dass tausende Gläubige in seinem Bistum keine Möglichkeit mehr haben jeden Sonntag zur Heiligen Messe zu gehen, reist im Juni nach Paris. Er wird dort in Roben stehen, er wird die Eucharistie zelebrieren, er wird vor tausenden Leuten predigen über die Bedeutung der Messe.

Er wird feiern was er zu Hause abschafft.

Er wird das als grosses Zeichen des Glaubens präsentieren. Und niemand ausser den Leuten aus seinem eigenen Bistum wird den Widerspruch sehen.

Das ist kein Vorwurf dass er nach Paris fährt. Es ist nichts falsch daran in Notre Dame Messe zu feiern. Es ist etwas falsch daran, dass er dort feiert, was er den Leuten zu Hause verweigert.

Das Argument des Bistums

Natürlich gibt es eine Gegenseite. Das Bistum und die Anhänger der Linie von Felix Gmür sagen: Das ist pastorale Erneuerung. Die Kirche verändert sich. Wir können nicht mehr so machen wie vor 50 Jahren. Die Zeiten ändern sich.

Das ist ein ernst zu nehmendes Argument. Aber es ist ein Argument das an einer Stelle scheitert: Wenn die Erneuerung der Kirche darin besteht, das zentrale Element des katholischen Glaubens abzuschaffen, dann ist es keine Erneuerung. Dann ist es Auflösung.

Viele Gläubige haben kein Problem mit Veränderung. Sie haben kein Problem mit Laien die in der Gemeinde mitarbeiten. Sie haben ein Problem damit, dass die Eucharistie zu einer Option geworden ist. Zu etwas was man nur noch bei grossen Festen und bei spektakulären Ereignissen im Ausland feiert.

Was die Gläubigen erwarten

Viele fragen sich heute ganz einfach: Warum kann in Notre-Dame gefeiert werden, was im Bistum Basei kaum mehr möglich ist?

Warum ist die Eucharistie wichtig genug um 700 Kilometer nach Paris zu reisen, aber nicht wichtig genug um sie jeden Sonntag in den Dörfern und Städten des eigenen Bistums anzubieten?

Es ist schwer nachzuvollziehen, wenn ein Bischof die Eucharistie an einem symbolträchtigen Ort feierlich zelebriert, während Gläubige in seinem eigenen Bistum erleben, dass regelmässige Eucharistiefeiern in ihren Pfarreien abgebaut werden. Viele empfinden das nicht als pastorale Erneuerung. Viele empfinden das als Verrat.

Sie erwarten kein Spektakel. Sie erwarten keine grossen Reden in berühmten Kathedralen. Sie erwarten das Selbstverständliche: dass ihr Bischof der Eucharistie in seinem eigenen Bistum mindestens so viel Sorge und Priorität widmet wie dem glanzvollen Ereignis in der französischen Hauptstadt.

Denn eine lebendige Kirche entsteht nicht an weltbekannten Orten. Sie entsteht nicht vor Fernsehkameras. Sie entsteht dort, wo 25 alte Leute jeden Sonntag um 9 Uhr in einer kleinen Dorfkirche zusammenkommen. Sie entsteht dort, wo ein Priester Messe feiert für 12 Leute. Sie entsteht genau dort, wo Felix Gmür heute das Licht ausmacht.