Weihbischof aus Kasachstan fordert Schutz der kulturellen Identität / Kritik an „falscher Barmherzigkeit“ / Klare Worte in einer schweigenden Kirche
Rom/Astana – Während die meisten katholischen Bischöfe in Europa eine Politik der offenen Grenzen unterstützen, schlägt Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana in Kasachstan, deutlich andere Töne an. In einer Zeit, in der kirchliche Würdenträger sich vor allem als Anwälte von Migranten verstehen, warnt der 63-jährige Oberhirte vor den Gefahren einer „ideologisch gesteuerten Massenmigration“ und einer drohenden Islamisierung Europas.
„Was wir erleben, ist keine echte Barmherzigkeit, sondern eine Form von kollektivem Selbstmord der europäischen Völker“, sagte Schneider kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen Portal LifeSiteNews. Die Aussage sorgte für Aufsehen – und für scharfe Kritik aus den Reihen liberaler Katholiken.
Stimme aus der Verfolgung
Schneiders Biografie verleiht seinen Worten besonderes Gewicht. 1961 als Antonius Schneider in der Sowjetunion geboren, wuchs er in einer wolgadeutschen Familie auf, die unter Stalin schwerste Verfolgung erlitt. Der katholische Glaube musste im Geheimen gelebt werden. Als christliche Minderheit in islamisch geprägten Regionen Zentralasiens machte die Familie Erfahrungen, die der Weihbischof heute als Warnung für Europa versteht.
„Ich weiss, was es bedeutet, wenn Christen zur Minderheit werden in einem Land, das ihnen einst gehörte“, erklärte Schneider. „Europa sollte aus der Geschichte lernen, bevor es zu spät ist.“
Seit 2011 ist der promovierte Patrologe und Mitglied der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz Weihbischof in der kasachischen Hauptstadt Astana. Trotz des kleinen, abgelegenen Bistums hat sich Schneider durch zahlreiche Bücher, Vorträge und Interviews weltweite Bekanntheit erworben – als einer der profiliertesten Verteidiger der katholischen Lehre.
Klare Positionen zur Migration
In der Migrationsfrage vertritt Schneider Positionen, die in der heutigen Kirche selten geworden sind:
Schutz der nationalen Identität: Die katholische Soziallehre anerkenne zwar die Pflicht zur Aufnahme echter Flüchtlinge, betont Schneider. Gleichzeitig aber habe jede Nation das Recht auf Selbstverteidigung und den Schutz ihrer kulturellen und religiösen Identität. „Der Katechismus selbst spricht in Nummer 2241 von der Befugnis der Staaten, die Einwanderung rechtlichen Bedingungen zu unterwerfen“, so der Bischof.
Warnung vor Islamisierung: Schneider spricht offen aus, was viele Amtsträger vermeiden: Die massive Zuwanderung aus islamischen Ländern führe zur schleichenden Verdrängung des christlichen Erbes. „Was Jahrhunderte lang durch Eroberungen nicht gelang, geschieht heute durch Migration und demographischen Wandel“, warnte er bei einem Vortrag in Wien.
Hilfe vor Ort statt Entwurzelung: Statt Menschen aus ihren Heimatländern zu holen und zu entwurzeln, plädiert Schneider für massive Hilfe vor Ort. „Wir müssen den Menschen helfen, in ihrer eigenen Kultur, bei ihren Familien zu bleiben und dort eine Zukunft aufzubauen.“
Kritik an falscher Barmherzigkeit: Eine emotionale, ungeordnete Barmherzigkeit, die nationale Grenzen und kulturelle Identitäten opfert, habe mit christlicher Nächstenliebe nichts zu tun. „Ein Vater, der sein Haus nicht schützt, ist kein barmherziger Vater, sondern ein fahrlässiger“, so Schneider.
Berufung auf die Tradition
Bei seinen Positionen beruft sich Schneider auf klassische kirchliche Quellen. Der heilige Thomas von Aquin habe in der Summa Theologiae klar zwischen verschiedenen Arten von Fremden unterschieden – zwischen friedlichen Durchreisenden und solchen, die der Gemeinschaft feindlich gesinnt sind.
Auch Papst Pius XII. habe vor einer Vermischung der Völker gewarnt, die zur Auflösung gewachsener Kulturen führen würde. „Die Lehre der Kirche war über Jahrhunderte klar“, betont Schneider. „Erst in jüngster Zeit wird Barmherzigkeit mit Grenzenlosigkeit verwechselt.“
Warum schweigen die anderen?
Schneiders Frage lautet: Warum sprechen so wenige andere Bischöfe diese Wahrheiten aus? In kirchlichen Kreisen werden verschiedene Gründe genannt: politischer Druck, Angst vor medialer Ächtung, finanzielle Abhängigkeiten – gerade in Deutschland erhalten Bistümer erhebliche staatliche Mittel für die Flüchtlingsarbeit – und Karriereängste. „Wer heute klar spricht, riskiert seine kirchliche Laufbahn“, sagt ein Priester aus Süddeutschland, der anonym bleiben möchte.
Nicht ganz allein
Ganz allein steht Schneider mit seiner Position nicht da. Kardinal Robert Sarah aus Guinea hatte in seinem Buch „Der Abend naht und schon bricht der Tag herein“ (2019) ähnlich deutliche Worte gefunden. Auch der emeritierte Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller mahnt zur Differenzierung. Und die Bischöfe Osteuropas – etwa in Polen, Ungarn oder der Slowakei – teilen weitgehend Schneiders Sorgen.
Dennoch: In Westeuropa, wo die Migrationsfrage am drängendsten ist, bleiben solche Stimmen die Ausnahme.
Mehr als Migration
Schneiders Klarheit beschränkt sich nicht auf die Migrationsfrage. Der Weihbischof gilt als einer der entschiedensten Verteidiger der überlieferten lateinischen Messe, kritisierte scharf die Pachamama-Verehrung während der Amazonas-Synode 2019 und veröffentlichte eine „Glaubensbekenntnis-Erklärung“ gegen moderne Irrtümer.
Seine Bücher – darunter „Dominus Est – Es ist der Herr!“ über die Kommunionspendung und „Christus Vincit“, ein umfassendes Interviewbuch mit der Journalistin Diane Montagna – werden weltweit gelesen und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Kritik an Schneider
Kritiker werfen Schneider Kulturpessimismus und mangelnde Weltoffenheit vor. „Seine Positionen sind nicht vereinbar mit dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils“, sagt der Bonner Fundamentaltheologe Karl-Heinz Menke. Die Kirche müsse Brücken bauen, nicht Mauern errichten.
Auch innerhalb der Migrantenseelsorge stößt Schneider auf Widerspruch. „Seine Pauschalisierungen werden den einzelnen Schicksalen nicht gerecht“, kritisiert Prälat Peter Neher von der Caritas international.
„Salz der Erde“
Schneider selbst versteht sich nicht als politischer Aktivist, sondern als Hirte der Wahrheit. „Die Kirche muss Salz der Erde sein“, sagt er. „Auch wenn das Salz manchmal beißt.“
In einer Zeit, in der viele kirchliche Würdenträger schweigen oder der politischen Korrektheit folgen, ist Bischof Athanasius Schneider zu einer Symbolfigur für jene Katholiken geworden, die sich eine mutigere, klarere Kirche wünschen. Ob seine Warnungen gehört werden, wird die Zukunft zeigen.
Zur Person: Athanasius Schneider
Geboren: 7. April 1961 in Tokmok, Kirgisische SSR
Priesterweihe: 1990
Bischofsweihe: 2006
Amt: Weihbischof von Maria Santissima in Astana (Kasachstan)
Orden: Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz
Sprachen: Deutsch, Russisch, Portugiesisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Englisch
Wichtigste Werke: „Dominus Est“, „Christus Vincit“, „Credo: Kompendium des katholischen Glaubens“
Seine Warnungen vor einer ungeordneten Massenmigration sind keine politische Hetze, sondern Ausdruck der klassischen katholischen Soziallehre, die zwischen wahrer Nächstenliebe und ideologischer Selbstaufgabe unterscheidet.
In einer Zeit, in der viele Hirten schweigen, ist sein Mut ein Zeichen der Hoffnung. Er erinnert daran, dass die Kirche Salz der Erde sein soll – auch wenn das Salz beißt.
„Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit soll man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ (Mt 5,13)
Mögen mehr Hirten den Mut Schneiders finden.


