Papst Leo XIV.: Kirchliche Leitung darf nie Machtspiel werden

Papst Leo XIV.: Kirchliche Leitung darf nie Machtspiel werden

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Die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., Magnifica humanitas
Papst Leo XIV

Macht darf in der Kirche kein Sakrament werden

Keine Machtspiele in der Kirche: Statt um Prestige-Gewinn geht es nach Meinung des Papstes bei kirchlichen Führungspositionen um Zuhören, Transparenz und Mitverantwortung in katholischen Gemeinschaften.

Papst Leo XIV. hat einen Satz gesagt, der in der Schweizer Kirche wie ein Prüfstein wirken müsste: Kirchliche Leitung darf niemals zum Machtspiel werden. Es geht nicht um Prestige, nicht um Einfluss, nicht um das Durchsetzen kirchenpolitischer Lagerinteressen, sondern um Zuhören, Transparenz und Mitverantwortung.

Wer diesen Satz ernst nimmt, muss auf die Zustände im Umfeld des Bistums Basel und der staatskirchenrechtlichen Strukturen der Schweiz blicken. Denn dort entsteht bei vielen Gläubigen seit Jahren ein anderer Eindruck: dass die Kirche zwar von Dialog spricht, in Konfliktfällen aber allzu oft verwaltet, entscheidet, durchsetzt — und am Ende schweigen lässt.

Namen wie Bischof Felix Gmür und Luc Humbel stehen für ein System, das nach aussen modern, partizipativ und reformorientiert auftritt. Doch gerade dieses System muss sich fragen lassen, ob es wirklich zuhört, wenn Gläubige protestieren. Ob es wirklich transparent handelt, wenn Priester plötzlich zum Problem erklärt werden. Ob es wirklich Mitverantwortung ernst nimmt, wenn betroffene Gemeinden das Gefühl haben, ihre Stimme sei längst einkalkuliert — und doch bedeutungslos.

Die Konflikte um Pater Luis Reyes in Menziken und Pater Adam in Gebenstorf sind in diesem Zusammenhang mehr als lokale Personalfragen. Sie sind zu Symbolen geworden. Für viele Gläubige stehen sie für ein Muster: Ein Priester hat vor Ort Rückhalt, Menschen fühlen sich geistlich getragen, eine Gemeinde identifiziert sich mit ihrem Seelsorger — und dennoch setzen sich am Ende kirchliche oder staatskirchenrechtliche Instanzen durch. Zurück bleiben Enttäuschung, Misstrauen und das Gefühl, dass pastorale Fruchtbarkeit weniger zählt als institutionelle Kontrolle.

Natürlich wird man in den Amtsstuben andere Worte finden. Man wird von Zuständigkeiten sprechen, von Prozessen, von Personalplanung, von Kommunikation, von strukturellen Notwendigkeiten. Doch genau darin liegt das Problem: Eine Kirche, die Konflikte nur noch administrativ erklärt, hat den geistlichen Kern ihrer Leitung aus dem Blick verloren.

Denn ein Priester ist kein austauschbarer Funktionär. Eine Pfarrei ist keine Filiale. Und Gläubige sind keine Statisten in einem kirchlichen Verwaltungsdrama.

Wer Gemeinden ihren vertrauten Seelsorger nimmt, ohne dass die Gründe überzeugend, offen und nachvollziehbar vermittelt werden, darf sich nicht wundern, wenn von Machtspielen die Rede ist. Wer Proteste zwar registriert, aber praktisch folgenlos verpuffen lässt, darf nicht überrascht sein, wenn Menschen von oben herab behandelt fühlen. Und wer ständig von Synodalität spricht, aber im Ernstfall den Eindruck autoritärer Durchsetzung erzeugt, beschädigt genau jene Glaubwürdigkeit, die er zu verteidigen vorgibt.

Besonders bitter ist: Gerade Priester, die geistlich klar auftreten, liturgisch verwurzelt sind oder nicht nahtlos in den kirchenpolitischen Erwartungskorridor passen, erleben nach Wahrnehmung vieler Gläubiger ein raueres Klima. Ob man das „Verfolgung“ nennt oder vorsichtiger von Druck auf unbequeme Priester spricht: Der Eindruck ist da. Und er ist gefährlich. Denn wenn Priester beginnen, aus Angst vor Konsequenzen zu schweigen, wenn Gemeinden den Eindruck gewinnen, Loyalität zum System zähle mehr als Treue zum Evangelium, dann ist nicht nur ein Personalproblem entstanden. Dann ist Vertrauen zerbrochen.

Gerade deshalb trifft die Mahnung des Papstes so hart. Kirchliche Leitung ist Dienst. Sie ist nicht Besitzstandswahrung. Sie ist nicht Machtsicherung. Sie ist nicht die Kunst, unbequeme Stimmen elegant aus dem Weg zu räumen. Leitung in der Kirche muss sich daran messen lassen, ob sie den Schwachen zuhört, den Betroffenen gerecht wird und den Gläubigen erklärt, warum Entscheidungen getroffen werden.

Das duale System der Schweiz mit seiner Verflechtung von kirchlicher und staatskirchenrechtlicher Verantwortung braucht deshalb eine schonungslose Gewissenserforschung. Wo dient es der Seelsorge? Und wo wird es zum Apparat, in dem Zuständigkeiten so verteilt werden, dass am Ende niemand mehr wirklich verantwortlich ist?

Die Kirche verliert nicht nur durch Skandale an Glaubwürdigkeit. Sie verliert auch dort, wo sie fromme Worte benutzt, aber machtpolitisch handelt. Sie verliert dort, wo Dialog angekündigt und Entscheidung vollzogen wird. Sie verliert dort, wo Priester und Gläubige nicht begleitet, sondern abgefertigt werden.

Wenn Papst Leo XIV. recht hat — und er hat recht —, dann muss die Schweizer Kirche aufhören, Macht als Verwaltungsroutine zu tarnen. Sie muss den Mut haben, Konflikte offen zu benennen, Entscheidungen transparent zu begründen und Gemeinden wirklich anzuhören.

Denn eine Kirche, die ihre Hirten schwächt und ihre Gläubigen übergeht, darf sich nicht wundern, wenn ihr niemand mehr glaubt, dass es ihr um das Evangelium geht.

Macht darf in der Kirche kein Sakrament werden. Sie muss sich bekehren — oder sie wird zum Ärgernis.