Tradition gegen Trend getauscht
Am Pfingstsonntag endet eine Ära. Die Jesuitenkommunität Bad Schönbrunn feiert ihren letzten Gottesdienst im Lassalle-Haus. Das ist kein Zufall – es ist das vorhersehbare Ende eines gescheiterten Experiments.
Der Irrweg?
Das Lassalle-Haus stand jahrzehntelang für etwas, das seine Befürworter „interreligiösen Dialog“ nannten. In der Praxis bedeutete das: Christliche Meditation wurde vermischt mit Zen-Buddhismus, Yoga-Praktiken und schamanischen Elementen. Was als Öffnung gedacht war, erwies sich als Selbstaufgabe.
Die zentrale Frage lautet: Wenn christliche Spiritualität so kraftvoll und vollständig ist, wie die Kirche behauptet – warum braucht sie dann Anleihen bei fernöstlichen Religionen?
Synkretismus statt Substanz
Die Antwort der Lassalle-Vertreter war stets: „Zen ist nur eine Methode, kein Inhalt.“ Doch diese Unterscheidung ist künstlich. Wer sich auf buddhistisches Zazen einlässt, übernimmt nicht nur eine Sitztechnik – er übernimmt eine Weltsicht, die dem christlichen Glauben fundamental widerspricht:
- Erlösung durch Selbsterlösung statt durch Christus
- Leere statt personaler Gottesbeziehung
- Karma-Logik statt Gnade
- Meditation als Technik statt Gebet als Beziehung
Das Lassalle-Haus hat nicht den christlichen Glauben vertieft – es hat ihn relativiert. Aus dem exklusiven Heilsanspruch Christi („Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“) wurde ein religiöser Supermarkt, in dem jeder seine spirituelle Wellness-Mischung zusammenstellen konnte.
Tradition ist nicht Starrheit – sie ist Fundament
Kritiker werfen Konservativen gerne vor, sie seien „erstarrt“ oder „ängstlich“. Doch das Gegenteil ist wahr. Wer keine Wurzeln hat, kann keine Früchte tragen.
Die grossen christlichen Mystiker – Bernhard von Clairvaux, Johannes vom Kreuz, Teresa von Ávila – brauchten keinen Zen-Meister. Sie schöpften aus der eigenen Tradition: aus Psalmen, Kontemplation, liturgischem Gebet, der Nachfolge Christi. Ihre Spiritualität war radikal, tief – und eindeutig christlich.
Das Lassalle-Haus hingegen vermittelte den Eindruck, als wäre die eigene Tradition nicht genug. Als müsste man erst nach Japan schauen, um beten zu lernen. Das ist nicht Demut – das ist geistliche Selbstverleugnung.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Nun gehen die Lichter aus. Die Kommunität löst sich auf. Und das ist kein Zufall, sondern symptomatisch:
- Kein Nachwuchs: Junge Menschen suchen entweder klare christliche Identität (wie in klassischen Klöstern, die Zulauf haben) – oder sie gehen gleich zu echten Zen-Zentren, statt sich mit christlich-buddhistischen Hybriden abzugeben.
- Keine geistliche Fruchtbarkeit: Wo sind die Bekehrungen? Die Berufungen? Die geistlichen Aufbrüche? Das Lassalle-Haus war ein-Bildungszentrum, aber kein geistliches Kraftzentrum.
- Keine kirchliche Relevanz: Die katholische Kirche braucht keine Wellness-Spiritualität. Sie braucht Heilige, Märtyrer, Verkünder – Menschen, die für Christus brennen, nicht für diffuse Transzendenz-Erlebnisse.
Was hätte anders laufen müssen?
Statt östliche Praktiken zu importieren, hätte das Lassalle-Haus auf die eigenen Schätze setzen sollen:
- Ignatianische Exerzitien in ihrer ursprünglichen Form
- Lectio Divina – die christliche Schriftmeditation
- Stundengebet – die Psalmen als Rhythmus des geistlichen Lebens
- Anbetung – die stille Präsenz vor dem Allerheiligsten
All das ist da. Es ist erprobt. Es ist christlich. Es funktioniert.
Fazit: Wer die Tradition verwirft, hat verloren
Das Ende des Lassalle-Hauses ist eine Lehre: Man kann nicht gleichzeitig Christ und Zen-Meister sein, ohne eines von beidem zu verfälschen. Man kann nicht die eigene Identität relativieren und gleichzeitig Strahlkraft entwickeln.
Wer alles umarmt, hält am Ende nichts fest.
Die Kirche wird überleben – aber nicht durch Anpassung an jeden spirituellen Trend, sondern durch Treue zur eigenen Berufung. Das Lassalle-Haus hat diesen Weg nicht gewählt. Jetzt zahlt es den Preis.
Am Pfingstsonntag um 11 Uhr wird in der Roten Kapelle ein letztes Mal Gottesdienst gefeiert. Es ist ein symbolischer Moment: Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes, der die Kirche in die Wahrheit führt. Vielleicht ist diese Schliessung genau das: eine schmerzhafte, aber notwendige Rückkehr zur Wahrheit.





