Zollikon-Zumikon: Wenn Kirchenpolitik zur Hexenjagd wird

Zollikon-Zumikon: Wenn Kirchenpolitik zur Hexenjagd wird

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Wunderbares Überleben?
Wunderbares Überleben?

⛪ Kirche, Macht & Verrat.

In Zollikon-Zumikon wurde die gesamte Kirchenpflege abgewählt. Jetzt gerät der Pfarrer ins Visier – wegen Airbnb-Zimmern, die er für Begegnungen öffnete und deren Einnahmen er spendete. Reform oder Rachefeldzug? Lies selbst. #Kirche #Zollikon #Airbnb #Kirchenpolitik #Schweiz

Eine neue Kirchenpflege tritt an, um aufzuräumen. Doch statt Transparenz und Sachlichkeit liefert sie einen Feldzug gegen den eigenen Pfarrer. Der Fall Zollikon-Zumikon zeigt, wie schnell aus Reformeifer persönliche Vernichtung wird.


🔥 Demokratie oder Selbstjustiz? Der Putsch vom 1. Juni

Was sich am 1. Juni in der katholischen Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon abspielte, war kein gewöhnlicher demokratischer Wechsel. Es war eine feindliche Übernahme. Raphael Widmer, langjähriger Präsident der Rechnungsprüfungskommission und beruflich als Group CFO bei Stadler Rail in der Chefetage der Schweizer Wirtschaft zu Hause, brachte eine komplette Ersatzmannschaft in Stellung – und fegte die gesamte bisherige Kirchenpflege aus dem Amt.

Sein Hebel: Vorwürfe von Interessenkonflikten und Vergabeverstössen. Ein Kirchenpfleger, der zugleich Treuhänder war, führte die Buchhaltung. Ein anderer sass in einer Malerfirma, die Aufträge der Kirchgemeinde im Umfang von rund 200’000 Franken erhalten hatte. Klingt nach Vetternwirtschaft. Klingt nach Skandal. Klingt – bei genauerem Hinsehen – aber deutlich weniger dramatisch, als es inszeniert wurde.

Denn die Zürcher Landeskirche stellte auf Anfrage klar: Aufträge an Firmen mit Beteiligung von Kirchenpflegemitgliedern sind grundsätzlich zulässig – solange die Ausstandsregeln eingehalten werden. Und selbst das Einholen von Gegenofferten ist nicht in jedem Fall vorgeschrieben. Ob die alte Kirchenpflege diese Regeln tatsächlich verletzt hat, ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Die Aufsichtsbeschwerde der RPK war zum Zeitpunkt des Umsturzes noch nicht einmal behandelt worden. Widmer wollte das Ergebnis gar nicht erst abwarten.

Mit anderen Worten: Man hat den Richterspruch nicht gebraucht. Man hat sich selbst zum Richter gemacht.


🎯 Ziel erkannt: Jetzt ist der Pfarrer dran

Kaum war die alte Kirchenpflege beseitigt, brauchte die neue offenbar ein neues Ziel. Sie fand es im eigenen Pfarrer.

Pascal Marquard, ein ehemaliger Franziskaner mit internationalem Hintergrund, ehemaliger Guardian des Klosters in Freiburg und früherer Bischofsvikar für Deutschfreiburg, hatte über längere Zeit ein Gästezimmer in seiner Pfarrwohnung über Airbnb vermietet. Auch ein separates Studio im Pfarrhaus soll auf der Plattform angeboten worden sein. Das kam an der Kirchgemeindeversammlung zur Sprache – und wurde von der neuen Kirchenpflege sofort zur Affäre aufgeblasen, obwohl solche Vermietungen nicht verboten und rechtskonform sind.

Der neue Kirchenpflegepräsident Vedran Zrno formulierte die Vorwürfe mit kalkulierter Schärfe: keine Genehmigung, ungeklärte Einnahmen, Sicherheitsbedenken wegen vertraulicher Dokumente im Pfarreisekretariat, Fragen zur Nutzung kirchlicher Infrastruktur. Das Wording liest sich wie eine Anklageschrift. 220 Gästebewertungen auf Airbnb werden als Beweis angeführt, 69 Franken pro Nacht als Tarif genannt – als handle es sich um ein illegales Hotelgewerbe im Kirchengebäude. Unsinn.

Was dabei gezielt unterschlagen oder heruntergespielt wird: Marquard hat die frühere Kirchenpflege nach eigenen Angaben vorab informiert. Er handelte also nicht heimlich. Er hat den Nettogewinn nach eigener Aussage gespendet – an Bedürftige und an das Seelsorgewerk „Oremus“ im Zürcher Niederdorf. Und er beruft sich auf das Personalhandbuch der Zürcher Kantonalkirche selbst, das das Pfarrhaus ausdrücklich als „offenen, gastfreundlichen Ort“ definiert, an dem Gäste aufgenommen werden sollen.

Man mag darüber diskutieren, ob Airbnb das richtige Instrument dafür ist. Man mag Fragen zur Abrechnung stellen. Aber der Ton, in dem die neue Kirchenpflege vorgeht, lässt keinen Zweifel: Es geht nicht um Klärung. Es geht um Demontage.


🪞 Wer wirft hier mit Steinen? Die Doppelmoral der Saubermänner

Es lohnt sich, einen Schritt zurückzutreten und das Gesamtbild zu betrachten. Raphael Widmer und sein Kreis sind mit dem Anspruch angetreten, die Kirchgemeinde von Interessenkonflikten zu befreien. Das klingt ehrenhaft. Doch was sie bisher geliefert haben, ist das genaue Gegenteil von dem, was sie versprochen haben:

  • Sie haben eine Wahl erzwungen, bevor die zuständige Aufsichtskommission ihre Beschwerde überhaupt prüfen konnte. Das ist kein rechtsstaatliches Vorgehen. Das ist Selbstjustiz.
  • Sie haben die Vorwürfe gegen die alte Kirchenpflege öffentlich inszeniert – per offenem Brief und Medienarbeit –, obwohl die Kantonalkirche die Sachlage deutlich weniger dramatisch einschätzte.
  • Sie richten sich nun gegen den Pfarrer, ohne dass bisher geklärt ist, ob überhaupt ein Fehlverhalten vorliegt. Stattdessen werden öffentlich Forderungen nach Offenlegung gestellt und Ansprüche auf Herausgabe von Einnahmen in den Raum gestellt – ein Vorgehen, das in seiner Aggressivität für eine Kirchgemeinde beispiellos ist.

Wer so handelt, betreibt keine Aufklärung. Wer so handelt, führt eine Kampagne.


⚔️ Priester gegen Buchhalter – Ein Pfarrer wird zum Staatsfeind erklärt

Das Perfide an der Strategie ist ihre Systematik. Erst wurde die alte Kirchenpflege als korrupt dargestellt. Jetzt wird der Pfarrer als eigennützig hingestellt. Schritt für Schritt werden alle, die nicht zur neuen Führung gehören, öffentlich diskreditiert.

Pfarrer Marquard hat sich in seiner Laufbahn als Seelsorger, Klostervorsteher und Bischofsvikar einen Ruf erarbeitet, der weit über eine Zürcher Vorortsgemeinde hinausreicht. Sein Verständnis von Gastfreundschaft – geprägt von der franziskanischen Tradition, gelebt in Klöstern in verschiedenen Ländern – mag nicht jedem Buchhaltergeist einleuchten. Aber es ist ein zutiefst pastorales Anliegen.

Dass ein Pfarrer, der an seinem Küchentisch Christen, Hindus, Muslime, Buddhisten und Atheisten empfängt und daraus Begegnungen und Gespräche entstehen lässt, nun wie ein Betrüger behandelt wird, sagt alles über die Prioritäten der neuen Kirchenpflege – und nichts über den Pfarrer.


😶 Bern, Rom, Zürich – Alle schauen weg

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich hat sich bisher hinter dem Verweis auf die Autonomie der Kirchgemeinden versteckt. Das ist bequem, aber verantwortungslos. Wenn eine Kirchenpflege einen Pfarrer öffentlich unter Druck setzt, seine Reputation beschädigt und ihn faktisch aus dem Amt zu drängen versucht, dann ist das keine interne Angelegenheit mehr. Dann ist das ein Führungsversagen auf Kosten eines Einzelnen.

Das Generalvikariat der Bistumsregion Zürich-Glarus, dem die Angelegenheit gemeldet wurde, hat auf eine Medienanfrage nicht einmal reagiert. Das Schweigen der kirchlichen Oberen ist in diesem Fall nicht Zurückhaltung – es ist Mittäterschaft durch Unterlassung.


💥 Fazit: Das ist keine Reform – das ist ein Rachefeldzug

Die Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon erlebt keine Reform. Sie erlebt eine Machtübernahme, die sich als Aufräumaktion tarnt, aber in Wahrheit Karrieren zerstört und eine Gemeinschaft spaltet.

Wer mit dem Anspruch antritt, Transparenz und Fairness herzustellen, muss sich an diesen Massstäben auch selbst messen lassen. Davon ist in Zollikon-Zumikon nichts zu sehen. Was man sieht, ist ein Muster, das aus der Politik nur allzu bekannt ist: Erst ein Feind, dann der nächste. Erst die Kirchenpflege, jetzt der Pfarrer. Und morgen?

Eine Kirchgemeinde, die ihren Pfarrer wie einen Angeklagten behandelt, hat nicht Ordnung geschaffen. Sie hat das Vertrauen zerstört, auf dem jede Gemeinde aufgebaut ist.

Wer im Namen der Gerechtigkeit Köpfe rollen lässt, sollte sich fragen, ob er noch im Dienst der Gemeinschaft handelt – oder nur noch im Dienst der eigenen Macht.

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