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Synode in Rom wendet sich kontroversen Themen zu

Die Welt-Synode im Vatikan geht in eine entscheidende Phase. Am Freitag, 13. Okt. begann die Behandlung kontroverser Themen, darunter die Rolle der Frauen, die kirchliche Hierarchie und die Mitbestimmung der kirchlichen Basis. Der Inhalte-Koordinator der Synode, Kardinal Jean-Claude Hollerich, führte am Freitagvormittag in das entsprechende nächste Arbeitsmodul der kommenden Tage zu den im „Instrumentum laboris“ genannten Themen über „Gemeinsame Verantwortung in der Sendung“ ein. Bei ihrer Behandlung riet der Luxemburger Erzbischof den Synodalen zur Vorsicht.

Die Themen gingen allen sehr nahe, jeder habe dazu einen Standpunkt, gab Hollerich vor den in der vatikanischen Synodenaula Versammelten zu bedenken. Dieser Parteilichkeit sollten sich die Synodalen bei ihren Diskussionen bewusst sein. Unmissverständlich machte der Kardinal den überwiegend männlichen Synodalen klar, dass Frauen als gleichberechtigte Mitglieder der Kirche behandelt werden müssten. Die Taufe der Frauen stehe der Taufe der Männer in nichts nach. Erstmals nehmen an einer Bischofssynode auch Frauen mit Stimmrecht teil, sind aber mit 54 Anwesenden unter den rund 360 Synoden-Mitgliedern deutlich in der Minderheit.

Kardinal Hollerich stellte die Frage in den Raum, wie sie sich als integraler Bestandteil der Kirche fühlen könnten. „Nehmen wir, die Männer, die Vielfalt und den Reichtum der Charismen wahr, die der Heilige Geist den Frauen gegeben hat? Oder hängt unser Handeln oft von unserer bisherigen Ausbildung, unserer familiären Erziehung und Erfahrung oder von den Vorurteilen und Stereotypen unserer Kultur ab?“, fragte der Generalrelator der Synode. Und weiter: „Fühlen wir uns bereichert oder bedroht, wenn wir unsere gemeinsame Sendung teilen und wenn Frauen auf der Grundlage der Gnade unserer gemeinsamen Taufe für die Sendung der Kirche mitverantwortlich sind?“

Ähnlich deutlich wurde Hollerich bei den Themen Mitbestimmung von Laien und dem Umgang von Bischöfen mit ihrem Platz in der kirchlichen Hierarchie. Die geweihten Amtsträger sollten darüber nachdenken, ob sie wirklich bereit seien, auch andere, ungeweihte Katholikinnen und Katholiken zu akzeptieren. Ausnahmslos alle Getauften hätten das Recht auf Beteiligung. Den Bischöfen riet Hollerich zu Zurückhaltung und Sensibilität gegenüber anderen Gläubigen.

Die Teilnehmenden sollten diese Punkte in Ruhe behandeln und sich nicht unter Druck setzen. Nicht alle Aspekte dieser Fragen müssten behandelt oder gar voreilige Antworten gegeben werden. Es sei genug Zeit, diese Themen zu vertiefen, um bei der zweiten Runde der Synode im Oktober 2024 zu einem Ergebnis zu kommen. Dann werden dieselben Teilnehmer erneut für etwa vier Wochen zu Beratungen im Vatikan zusammenkommen.

Ordensfrau mahnt für Frauen „Recht auf Teilhabe“ ein

Auf die Einleitung von Synoden-Generalrelator Kardinal Hollerich folgten am Freitag weitere von den Vatikanmedien live übertragene Redebeiträge von Mitgliedern der Synodenversammlung zum Thema „Gemeinsame Sendung“ der Kirche. Die von der Kirche in Lateinamerika zur Synode nach Rom entsandte kolumbianische Ordensfrau Liliana Franco sprach in eindringlichen Worten über die Rolle von Frauen in der Kirche und gab ein Echo dessen wieder, was Frauen an der Basis der Kirche teilweise erleben.

Franco, die aktuell Präsidentin der Lateinamerikanischen Ordenskonferenz CLAR ist, berichtete u.a. von einer Frau, der ihr örtlicher Pfarrer das Austragen der Krankenkommunion untersagt und stattdessen Männer mit diesem Dienst beauftragt hat. Auch hätten viele Frauen keinen Platz in Pfarrgemeinderäten oder Diözesanräten, obwohl sie seit Jahren als Lehrerinnen und Katechetinnen tätig sind.

Diesen konkreten Erfahrungen stellte die Ordensfrau hinzu, dass die Kirche an sich ein „weibliches Gesicht“ habe: „Die Versammlungen, die Pfarrgruppen, die liturgischen Feiern, die apostolischen Dienste der Gemeinschaften, die Qualität der Reflexion und die Wärme der Hingabe der Kirche sind oft und meistens im Schoß von Frauen gewoben. Darüber kann man in allen Kontexten Rechenschaft ablegen“, sagte Franco.

Hinter dem Wunsch und dem Gebot einer stärkeren Präsenz und Beteiligung der Frauen in der Kirche stünde weder Machtstreben noch Minderwertigkeitsgefühl oder egozentrisches Streben nach Anerkennung, sondern „der Wunsch, zu dienen“. Ausdrücklich plädierte die Ordensfrau für „ein Recht auf Teilhabe und gleichberechtigte Mitverantwortung bei der Unterscheidung und Entscheidungsfindung“.

„Digitale Synode“

In einem weiteren Zeugnis sprachen die in Spanien lebende und für ihren TikTok-Account bekannte Ordensfrau Xiskya Valladares und der Laienkatholik Jose Manuel de Urquidi Gonzalez über Bemühungen zur Evangelisierung im Internet. So habe das von vatikanischem Kommunikation-Dikasterium und dem Synodensekretariat im Rahmen des weltweiten Synodalen Prozesses unterstützte Projekt einer „Digitalen Synode“ zur Schaffung eines Bewusstseins für die digitale Mission selbst beigetragen.

Die digitale Welt sei dabei nicht bloß ein Instrument zur Durchführung der Evangelisierung ist, sondern „ein Raum, ein Gebiet … eine neue Welt für die Kirche der Gemeinschaft und der Mission“. Kirche könne dort nicht bloß die Fassade einer großen historischen Basilika anbieten, „sondern das barmherzige Gesicht, das versucht, die Sprache zu verstehen, um ein Leben zu vermitteln“, hielten Valladares und Gonzalez fest. „Und aus dieser ersten Begegnung heraus finden dann viele den Mut und den Wunsch, die Basilika zu betreten.“

Mehr Mitverantwortung aller Getauften

Der Dekan der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität von Argentinien, Carlos María Galli, befasste sich in seiner theologischen Reflexion vor den Synoden-Mitgliedern mit dem inneren Zusammenhang zwischen Synodalität und Sendung und der Mitverantwortung aller Getauften. Die Kirche trete heute in eine „neue Etappe der Evangelisierung“ ein, die sie dazu aufrufe, sich „in allen Regionen der Erde in einem ’ständigen Zustand der Mission'“ zu konstituieren, sagte Galli laut „Vatican News“. Er ist Mitglied der Internationalen Theologischen Kommission und Koordinator des theologisch-pastoralen Teams des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM.

Die Bischofssynode sei wie jede andere kirchliche Institution dazu aufgerufen, mehr und mehr „ein geeigneter Weg für die Evangelisierung der gegenwärtigen Welt und nicht für die Selbsterhaltung“ zu werden, so der Theologe. Er wies darauf hin, dass das „ganze Volk Gottes“ Gegenstand der Verkündigung des Evangeliums sei, ebenso wie jeder Getaufte berufen sei, ein „Protagonist der Sendung“ zu sein, woran auch Papst Franziskus erinnert habe. Mission sei für die Kirche wesentlich, unterstrich er.

Ebenso seien alle Getauften für die Mission mitverantwortlich und berufen, die Gaben und Aufgaben in jeder Ortskirche – Diözese oder Eparchie -, in den Zusammenschlüssen von Teilkirchen auf regionaler, nationaler und kontinentaler Ebene und in der ganzen Kirche zu teilen. „Die Taufe und der Glaube sind die Grundlage der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit und zur Mission“, so Galli. „Die Intensivierung der Mitverantwortung soll uns helfen, zu erkennen, wie die Charismen der Laien die christliche Gemeinschaft bereichern und das Leben der Armen verbessern; wie die Bande der Gegenseitigkeit und der Komplementarität zwischen Männern und Frauen neu geknüpft werden können; wie die Würde der Frau in der Kirche anerkannt und gefördert zu werden vermag.“

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