Fronleichnam-Prozession findet bei den liberalen Kritikern der katholischen Kirche immer weniger Gefallen. Kardinal Marx wird an der Fronleichnam-Prozession in München wegen einem gebrochenen Arm nicht teilnehmen. Die katholische Kirche soll aber Fronleichnam mit einem pompösen Feiertag feiern.
Fronleichnam ist in katholischen Kantonen der Schweiz ein Feiertag. Die katholische Kirche feiert dann offiziell das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“.
Am 8. Juni bieten die Katholiken wieder traditionell all das auf, was sie von der Nüchternheit der evangelischen Kirche unterscheidet: Weihrauch, Fahnen, Statuen, Blumen, Ministrantinnen und Ministranten, prachtvolle Messgewänder.
Papst Urban IV. machte Fronleichnam 1264 zum offiziellen Fest. Die erste Prozession dürfte es seit 1286 in Benediktbeuern gegeben haben.
Vielerorts werden die Strassen festlich geschmückt, wenn die Prozession mit Heiligenfiguren und andere christliche Kunstwerken durch den Ort zieht.
Eine der bekanntesten Prozessionen in Bayern führt durch die Münchner Innenstadt – das Erzbischöfliche Ordinariat rechnet mit zahlreichen Gläubigen. Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, kann wegen eines gebrochenen Arms nicht dabei sein, er wird von Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg und Generalvikar Christoph Klingan vertreten.
Bischof Felix von Basel verheimlicht seine Fronleichnamsteilnahme. Er will es nicht an grosse Glocke hängen, denn politisch korrekt will er sein. Doch inzwischen gibt es auch kritische Stimmen zu Fronleichnam und der damit verbundenen Darstellung religiöser Inhalte.
Der bekannte tschechische Theologe und Religionsphilosoph Tomas Halik etwa wendet sich sehr deutlich dagegen: „Die Bemühung, die Volksfrömmigkeit einer prämodernen Gesellschaft nachzuahmen, die längst ihren kulturell-historischen Kontext verloren hat, oder liturgische Barockfeste zu veranstalten, erzeugen im besten Fall Folklore für Touristen, häufiger jedoch eine bedauernswerte Peinlichkeit“, schreibt er in seinem Buch „Zeit der leeren Kirchen“ (2021).
Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hatte eine sehr klare Meinung zu Fronleichnam. Er schrieb einst, er sei keinem Fest „mehr feind“ als diesem. „Denn da tut man alle Schmach dem heiligen Sakrament, dass man’s nur zum Schauspiel umträgt und eitel Abgötterei damit treibetn“. Somit erfolgt die Protestantisierung der katholischen Kirche weiterhin.



