Eine Erfolgsmeldung oder ein Krisenzustand

Der dramatische Einbruch der Priesteramtskandidaten im Bistum Chur – von 25 im Jahr 2019 auf gerade einmal 4 heute – ist keine Erfolgsmeldung, sondern das traurige Armutszeugnis

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Notre Dame

Das Bistum Chur (CH) hat kürzlich bestätigt, dass es derzeit nur noch vier eigene Priesteramtskandidaten gibt. Zum Vergleich: Im Jahr 2019, unter dem vorherigen Bischof Vitus Huonder, lag diese Zahl bei rund 25 bis 28 Kandidaten. Der Rückgang fiel mit dem Bischofswechsel zu Joseph Maria Bonnemain (seit 2021) zusammen.

„Der dramatische Einbruch der Priesteramtskandidaten im Bistum Chur – von 25 im Jahr 2019 auf gerade einmal 4 heute – ist keine Erfolgsmeldung, sondern das traurige Armutszeugnis eines modernistischen und zeitgeistigen Kurses. Unter dem vorherigen Bischof Vitus Huonder blühte das Seminar, weil dort noch unverkürzte katholische Lehre, Eindeutigkeit und Treue zur Tradition gelebt wurden. Das zog junge, glaubenstreue Männer an.

Mit dem Amtsantritt der neuen, liberaleren Bistumsleitung wurden diese orthodoxen Kandidaten systematisch vergrault und aus dem Bistum gedrängt. Dass sie das Priesterseminar verlassen haben und nun in traditionsverbundene Gemeinschaften abwandern, zeigt deutlich: Es gibt keinen Mangel an Berufungen, es gibt nur einen Mangel an klarer katholischer Identität in den offiziellen Strukturen.

Es ist zynisch, dass linksliberale Kreise nun ausgerechnet die Krise, die sie durch ihre Anbiederung an den Zeitgeist selbst verursacht haben, als Argument nutzen wollen, um ihre kirchenzerstörerische Agenda durchzudrücken: die Abschaffung des Zölibats und das sakramental unmögliche Frauenpriestertum. Ein Blick in andere Bistümer zeigt: Überall dort, wo man sich dem Protestantismus und der Moderne anpasst, leeren sich die Kirchen und Seminare komplett. Die Lösung für volle Priesterseminare ist nicht die Abschaffung des katholischen Priestertums, sondern die mutige Rückkehr zur Tradition und zur echten katholischen Lehre. Nur das zieht heute noch junge Männer an.“

Die zentralen Unterschiede in dieser Argumentation:

  • Der Rückgang (25 auf 4): Wird nicht als Chance, sondern als Beweis für das Scheitern des liberalen Kurses (des aktuellen Bischofs Bonnemain) und als Bestätigung für den konservativen Kurs des Vorgängers (Bischof Huonder) gewertet.
  • Abwanderung der Seminaristen: Wird nicht als „notwendige Reinigung“ gesehen, sondern als Vertreibung der einzigen Männer, die den Glauben noch ernst nehmen. Sie gehen dorthin, wo es noch „wirklich katholisch“ zugeht (z. B. zur Priesterbruderschaft St. Petrus).
  • Zölibat und Frauenpriestertum: Der Ruf nach Reformen wird als die eigentliche „Krankheit“ betrachtet. Die Konservativen argumentieren: Gerade weil die Kirche immer liberaler wird, gehen ihr die Priester aus. Eine weitere Liberalisierung würde die Kirche endgültig zerstören.