Die diesjährige Gebetswoche für die Einheit der Christen ist geprägt vom Ukraine-Krieg und dem Tod von Benedikt XVI. Wie der vatikanische Ökumene-Beauftragte Kardinal Kurt Koch im Interview mit Radio Vatikan betont, gebe es „zwei Wirklichkeiten“, die „unlösbar zusammengehören“ und die bei der Gebetswoche zum Tragen kämen: das Gebet und das konkrete Handeln.
Errichtung von Pastoralräumen evaluiert
Bistum Basel wollte die Entwicklung der seit 2012 errichteten Pastoralräume evaluieren, um den pastoralen und gesellschaftlichen Herausforderungen besser begegnen zu können.
An der Online-Befragung haben sich aber keine Gläubigen/Basis des Kirche beteiligt. Hingegen versuchen 408 pastorale Mitarbeitende, 335 Mitglieder staatskirchenrechtlicher Gremien auf Pastoralraum-Ebene sowie 27 Mitglieder kantonaler staatskirchenrechtlicher Exekutiven, der Öffentlichkeit ihre Ideologie „schönzureden“. Quelle: bistum-basel.ch
Ersatzbau Domherrenhaus in Solothurn bekannt gegeben – unbequeme Fragen zum Besitzerwechsel bleiben.
Die Liegenschaft GB SO Nr. 3343 und die sich darauf befindende Gebäude in Solothurn (sic!) sind neu im Besitz der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Aargau. Wann erfolgte der Eigentümerwechsel? Herr Humbel, der umstrittener Präsident der Landeskirche Aargau erwähnte in den Medien ausschliesslich den Umbau/Abriss des Gebäudes, ohne jedoch das Faktum des Erwerbs durch seine Landeskirche zu nennen. Diese Angelegenheit ist zu untersuchen: Erstens, weil die Landeskirche Aargau ausserhalb ihres Aufgabenbereichs Geschäfte macht, und zweitens, weil dies unter dem umstrittenen Präsidenten geschieht, der rechtswidrige Handlungen als normal betrachtet, (vgl. Gerichtsentscheid gegen Landeskirche). Handelt es sich wiederum um einen „rechtswidrigen Machtmissbrauch“?
Die Öffentlichkeit dürfte sehr interessiert sein, wann das bekannte Domherrenhaus im Zentrum von Solothurn den Besitzer wechselte. Träger der kirchlichen Stiftungen sind bekanntlich nicht die Landeskirchen, sondern die kanonischen Stiftungen. Jetzt wird es plötzlich interessant: Wann ging das von Bischof und Domkapitel verwaltete „Kirchengut“ verloren und unter welchen Bedingungen? Ein Zoff mit der Übernahme des Klosters in St. Gallen wurde vor wenigen Wochen bekannt. Macht nun ein „undurchsichtiger“ Bistums-Deal aus Solothurn die Medien-Runde?
Fortsetzung von ‚Die Passion Christi‘ wird ab Frühjahr gedreht
Mel Gibsons „Passion Christi“ aus dem Jahr 2004 gilt als der erfolgreichste religiöse Film aller Zeiten. Der US-Schauspieler und Regisseur Mel Gibson plant eine Fortsetzung des ebenso umstrittenen wie erfolgreichen Films „Die Passion Christi“. Im Fokus der Handlung stehen die drei Tage zwischen der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu.
Kardinal George Pell ist verstorben
SCHON ZU LEBZEITEN WURDE VERSUCHT, SEINE STIMME ZUM SCHWEIGEN ZU BRINGEN. Mit Kardinal George Pell verliert die Kirche die mahnende Stimme eines Kardinals, die man schon zu Lebzeiten abzuwürgen versuchte. Fünf Tage nach dem Begräbnis von Benedikt XVI. ist der australische Kardinal George Pell im 82. Lebensjahr verstorben. Der Kardinal war tatkräftig und eine kraftvolle Stimme der Kirche. Das gefiel nicht allen. An kaum einem Kirchenmann der jüngsten Zeit wurde ein grausameres Exempel statuiert, um sein Wirken einzuschränken und seinen Einfluss zu brechen. Vor dem Konklave 2013 galt er noch als ein Papabile, wenige Jahre später wurde er an den Pranger gestellt. Er liess sich aber nicht brechen.
George Pell, der Sohn einer katholischen Mutter und eines anglikanischen Vaters, wurde 1966 für die australische Diözese Ballarat im Petersdom in Rom zum Priester geweiht. Seine Studien absolvierte er an der Päpstlichen Universität Urbaniana und der Universität Oxford in England, wo er zugleich auch Hauskaplan am Elite-College Eton war. 1971 nach Australien zurückgekehrt, war er in verschiedenen Aufgaben als Seelsorger tätig, zudem in führenden Positionen im katholischen Bildungswesen.
1987 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof von Melbourne. 1996 wurde er Erzbischof dieser Diözese. 2001 folgte seine Berufung auf den bedeutenderen Bischofsstuhl von Sydney und 2003 seine Erhebung zum Kardinal.
Da Pell der einzige Purpurträger Ozeaniens war, berief ihn Papst Franziskus nolens volens in den von ihm errichteten Kardinalsrat, in dem – so die Anfangsidee – jeder Erdteil durch einen Kardinal vertreten sein sollte. Um ihn aus seiner starken Position in Australien zu entfernen, wurde er 2014 von Franziskus an die Römische Kurie „wegbefördert“ und zum ersten Präfekten des ebenfalls neuerrichteten Wirtschaftssekretariats ernannt. Der fähige Verwalter erlebte mit seiner britischen Nüchternheit in Rom zunächst einen Kulturschock. Damit hätte er sich wohl noch abgefunden, doch seine Aufgabe wollte er pflichtbewusst erfüllen und stieß damit in ein Wespennest. Die Folgen waren unglaublich.
Während er in Rom gegen Mauern anrannte und auf Widerstände ungeahnter Art stiess, wurde in Australien ein Anschlag auf seine Integrität vorbereitet, der sein weiteres Leben zeichnen sollte. Alles begann mit einer Medienkampagne, die den Kardinal zum sexuellen Mißbrauchstäter stempelte. Der Mißbrauchsskandal, der die Kirche in den vergangenen 15 Jahren beutelte, ließ eine grosse Wunde in der Kirche offenbar werden, die ihr von einer kleinen Tätergruppe zugefügt wurde. Der Umgang damit überforderte einige Oberhirten, andere vertuschten schuldhaft. Bis heute wird das Hauptübel, die Homosexualität, nicht beim Namen genannt, schon gar nicht von Papst Franziskus.
Nur: Kardinal Pell hatte sich nichts zuschulden kommen lassen. Er hatte weder sexuell missbraucht noch Missbrauchstäter gedeckt. All das wurde ihm jedoch zum Vorwurf gemacht. Am Beispiel Pell zeigte sich, dass der Missbrauchsskandal – als wäre er für sich nicht schon schlimm genug – auch als Totschlaginstrument missbraucht wurde: innerhalb der Kirche, um Gegenspieler aus dem Weg zu räumen, ausserhalb der Kirche, weil eine kirchenferne Medienmeute bereitwillig auf jeden Zug aufspringt, mit dem die Kirche angegriffen werden kann.
Bis heute hält sich die These, daß der gegen Kardinal Pell in Australien entfesselte Missbrauchsskandal seinen Ausgangspunkt im Vatikan hatte, um ihn als Präfekt des Wirtschaftssekretariats loszuwerden.
Pell, vom römischen Widerstand und den ungerechten australischen Anschuldigungen in die Zange genommen, entschied sich, einen Weg zu gehen, der erstaunte und grossen Respekt verdient. In Rom musste er enttäuscht feststellen, dass Papst Franziskus, der ihn gerufen hatte, nicht hinter ihm stand, als es darum ging, die vatikanischen Widerstände zu überwinden, weil sich die einzelnen Dikasterien nicht in ihre Finanzen schauen lassen wollten. Vielmehr hatte sich Franziskus 2016 auf die Gegenseite geschlagen und die Zuständigkeiten Pells massiv eingeschränkt. Es hatte in Santa Marta missfallen, dass der Australier bei der Familiensynode 2014 die kirchliche Ehe- und Morallehre verteidigt und 2015 zusammen mit zwölf anderen Kardinälen einen Brief an Franziskus unterzeichnet hatte, mit dem sie gegen vorgefertigte Ergebnisse bei der Bischofssynode über die Familie protestierten. Nicht minder hatte es missfallen, dass Pell auch eine ablehnende Haltung gegenüber den Neuerungen einnahm, die im umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia enthalten sind.
Als ihm Franziskus faktisch die Anweisung erteilte, nach Australien zurückzukehren und sich den Anschuldigungen zu stellen, entschloß sich der Kardinal im Juni 2017 Rom zu verlassen, um genau das zu tun und den Kampf gegen die verbrecherischen Verleumdungen aufzunehmen. Papst Franziskus unternahm nichts, um seinen Mitarbeiter zu halten. Offenbar war die Gelegenheit sogar willkommen, den lästig gewordenen Australier loszuwerden. Die New York Times frohlockte, dass der innerkirchliche Widerstand gegen Franziskus innerhalb von wenigen Tagen massiv geschwächt worden war. Nur einen Tag nach Pells Abreise hatte Franziskus Kardinal Gerhard Müller als Glaubenspräfekten entlassen. Und der Tod von Kardinal Joachim Meisner öffnete neue Wege für die Kirche in Deutschland, die auf das Pontifikat von Franziskus überdurchschnittlichen Einfluss nimmt.
Ohne römischen Rückhalt war Pell in seiner Heimat zum Freiwild geworden. Sein Fall wurde zum Schandfleck für Australiens Medien, die ihn vorverurteilten, weil es ihnen gefiel, einen so hohen konservativen katholischen Würdenträger zu Fall zu bringen. Der deutsche Sprachraum hatte die Entfesselung dieser niederen Instinkte einer Jagdgesellschaft gegen Kirchenmänner schon in den 90er Jahren erlebt.
Auch das Vorgehen der australischen Justiz war kein Ruhmesblatt. Die Staatsanwaltschaft schien den Missbrauchsskandal als „Lizenz“ für eine „Hexenjagd“ missverstanden zu haben. Kardinal Pell wurde vor Gericht gestellt und von einem offensichtlich vom Mediengeheul beeinflussten Geschworenengericht als erster Purpurträger der Geschichte wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs am 11. Dezember 2018 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Gleich am nächsten Tag warf ihn Papst Franziskus aus dem Kardinalsrat. Auch in dieser Situation ging der tief verletzte Pell einen ganz ungewöhnlichen Weg. Um seine Unschuld zu unterstreichen, lehnte er in Erwartung der zweiten Instanz es ab, einen Haftaufschub oder Hausarrest zu beantragen, sondern ging ins Gefängnis. Das hatte die Welt auch noch nicht gesehen.
In zweiter Instanz wurde dann von einem Richtersenat die Verurteilung am 21. August 2019 bestätigt, doch einer der drei Richter vertrat eine konträre Position und zeigte alle Schwächen und Fehler von Pells Verurteilung auf (siehe „Kardinal Pell ist unschuldig, seine Ankläger sind es nicht“). Vor dem Obersten Gerichtshof erhielt der Kardinal schliesslich am 7. April 2020 mit einem Votum von sieben zu null Stimmen in vollem Umfang recht. Das Urteil wurde kassiert, der Kardinal freigesprochen und umgehend enthaftet.
Über ein Jahr hatte Pell in verschiedenen australischen Gefängnissen verbringen müssen und dort ein Hafttagebuch geführt, das eine grosse geistige und geistliche Reife und Stärke zeigt und das er anschliessend veröffentlichte. Aus dem Gefängnis nahm der Kardinal auch zu kirchlichen Fragen Stellung und warnte im Zusammenhang mit der Amazonassynode vor falschen Wegen. In seinen innerkirchlichen Positionen ist wohl auch der tiefere Grund für den Alptraum zu sehen, den er durchmachen musste.
Zumindest einige australische Medien hatten den Anstand, sich anschliessend bei Pell zu entschuldigen. Andere beharrten hochmütig und versuchten krampfhaft neue Anklagepunkte zu finden.
Papst Franziskus weigerte sich mehr als ein halbes Jahr seinen Kardinal zu empfangen. War der Freispruch so ungelegen? Nach der fehlenden Rückendeckung in Rom, aber auch im Prozess, verweigerte Franziskus damit auch die sichtbare Rehabilitierung des Kardinals, den eine offizielle Audienz vor aller Augen bedeutet hätte.
Mehr noch: Anstatt den Instanzenweg abzuwarten, entliess ihn Franziskus während des laufenden Verfahrens als Präfekt des Wirtschaftssekretariats. Das Signal war fatal und wurde erwartungsgemäss dahingehend interpretiert, dass auch Santa Marta von Pells Schuld überzeugt sei.
Am 12. Oktober 2020 war es dann doch soweit. Franziskus empfing den Kardinal, allerdings nur in Privataudienz, und übertrug dem inzwischen 79jährigen Kirchenmann kein Amt mehr, auch kein Ehrenamt, das eine Wertschätzung zum Ausdruck gebracht hätte. Der „Papst der Gesten“ setzte auch dadurch Zeichen.
Kardinal Pell ging seinen Weg dennoch weiter, wo immer es ihm möglich war. Er hielt Katechesen, verteidigte in öffentlichen Diskussionen, so 2021 in Oxford, die kirchliche Morallehre gegen liberale Jesuiten, warnte vor einer Synodalität mit Hintergedanken, kritisierte das Geheimabkommen mit der Volksrepublik China und zeigte sich skeptisch über das Motu proprio Traditionis custodes.
Geistige Schizophrenie von Felix Gmür
Bischof Felix Gmür will im synodalen Prozess über die Ordinationsfrage diskutieren. Dies sagte er anlässlich des Dreikönigs-Apéro in Zürich. Die römisch-katholische Kirche hält aus Glaubensgründen daran fest, dass es zum Vorsitz bei der Eucharistiefeier einen Priester braucht. Er fügte aber erstaunlich hinzu : „von mir aus kann es auch eine Priesterin sein“, sagte.
Die römisch-katholische Kirche hält aus Glaubensgründen daran fest, dass es zum Vorsitz bei der Eucharistiefeier einen Priester braucht. «Von mir aus kann es auch eine Priesterin sein“ – sagte Gmür. Die katholische Kirche schreibt nämlich für alle Gläubigen vor, dass sie an das Priesteramt mit ausschliesslich Männern halten müssen. Das gilt auch für einen Bischof. Wer das glaubt, kann nicht gleichzeitig sagen, von mir aus könne es auch eine Priesterin sein. Wer kann diese geistige Schizophrenie auflösen?
Neues Buch des päpstlichen Sekretärs offenbart die Nähe von Franziskus zu den Freimaurern
Die Freimaurer (d.h. die Feinde der Kirche) lieben den neuen Papst Franziskus – schreibt der päpstliche Sekretär von Benedikt XVI. Den alten Papst mochten sie dagegen nicht – was für ihn eine Art Gütesiegel ist. Es genügt zu sagen, dass die Lions Clubs, die in der Schweiz die Landeskirchen, Sportvereine etc. dominiert haben, versierte Schulen der Freimaurerei sind.weiterlesen
Mit dem Papst Benedikt XVI. endet das christliche Abendland?
Mit seinem 2017 erschienenen Buch „Option Benedikt“ wurde der US-amerikanische Kolumnist und Publizist Rod Dreher auch in Europa bekannt. Er gilt heute als einer der brillantesten und bedeutendsten christlichen Denker. Gemeint ist mit dem Buchtitel der Mönchsvater Benedikt von Nursia. Nach dem Tod von Benedikt XVI., an dessen Totenmesse Dreher vergangene Woche in Rom teilnahm, sagte er, dass wir nun in der Zeit der Option Benedikt XVI. leben, denn mit dem Tod des deutschen Papstes endet vorerst und vielleicht für immer das christliche Abendland.
In der Kirche gebe es zwar viele Konservative, so Dreher, derzeit aber keine Gestalt vom Format Benedikts. Niemand könne im Moment dessen Platz einnehmen. Die Option Benedikt scheint nach dem Tod Benedikts XVI. also aktueller denn je. In einem vor Kurzem von der Tageszeitung „La Verità“ veröffentlichten Interview betonte Dreher, dass Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. ein brillanter Theologe war, der seine Bücher so verständlich geschrieben habe, dass sie allen Christen zugänglich sind. Diese grosse Begabung wirke über seinen Tod hinaus, da seine Texte auch in der Zukunft allen zugänglich sind, die sie lesen wollen.
Papst Benedikt XVI. erkannte klar die Gefahren, die uns drohen, wenn wir unsere Wurzeln aufgeben und uns dem Kult der Technologie und der Diktatur des Relativismus hingeben. Ausserdem war er ein echter christlicher Humanist, vielleicht der letzte grosse in Europa. Peter Seewald, sein Biograph, schrieb, dass er sich, als seine erste Begegnung mit Kardinal Ratzinger 1992 stattfand, von der Kirche abgewandt hatte, aber je mehr er dem Kardinal zuhörte, desto mehr erkannte er, dass Ratzinger auch die Krisen unserer Zeit verstand und die einzig mögliche Lösung anbot, sodass er zum Glauben zurückkehrte.
Was Seewald in Ratzinger sah, ist immer noch da für die ganze Welt. Er wollte die Fülle der katholischen Tradition gegen die Modernisierer bewahren, die alles ändern wollen, um sich dem Zeitgeist anzupassen. Nicht deshalb, weil er ein Linkstheologe war, wie es ein Hans Küng und die ihm nachfolgenden Gegner waren, sondern weil er wollte, dass sich die Kirche von der Strenge der Neuscholastik befreit und zu einer mehr augustinischen Erfahrung von Christus zurückkehrt. Mit anderen Worten, er betrachtete es als progressiv, den Status quo abzuschütteln und in einer intensiveren und radikaleren Art als Kirche den Herrn kennenzulernen und ihm zu dienen. Er war wirklich ein Mann des Konzils, ungeachtet dessen, was seine Feinde sagten. Aber es ist auch wahr, dass er sich nicht vorstellen konnte, dass die Rezeption des Konzils so katastrophal ausfallen würde. Ratzinger zeigt dem konservativen Denker, auch dem laizistischen, dass Glauben und Vernunft keine Feinde sind, wie die Modernisten behaupten, sondern in Wirklichkeit Geschwister, die zusammenarbeiten müssen, um eine menschliche Welt aufzubauen.
Es gibt heute viele Konservative in der katholischen Kirche. Nach der Predigt von Franziskus beim Begräbnis von Benedikt habe er einem italienischen Freund eine Nachricht geschrieben, in der er ihm sagte, dass er ein ungutes Gefühl habe, was die Zukunft der rechtgläubigen katholischen Gläubigen betrifft, nun, da Benedikt nicht mehr ist. In gewisser Hinsicht ist es klar, dass es niemand gibt, der seinen Platz einnehmen könnte: Er war der letzte christliche Humanist, der letzte, der wirklich und leidenschaftlich an die Rolle der mit dem christlichen Glauben integrierten Vernunft glaubte und die Hochkultur verkörperte und verteidigte. Der Tod von Papst Benedikt XVI. symbolisiert den Untergang des christlichen Abendlandes.
Die Zukunft steht nicht fest, wir können immer zu Christus zurückkehren. Es brauchte aber ein Wunder, denn der christliche Westen hat eine Todessehnsucht. In gewisser Hinsicht führte Benedikt ein tragisches Leben: Er hat für das Konzil gearbeitet, um die Kirche zu erneuern und Christus anzunähern, aber gelebt, um mitansehen zu müssen, wie eben dieses Konzil dazu gebraucht wurde, um die Kirche schwer zu schädigen. Er wurde Papst, aber seine persönliche Heiligkeit und intellektuelle Genialität haben ihm nicht geholfen, die Kirche vom Schmutz zu reinigen. Die Arbeit, die er als Glaubenspräfekt von Johannes Paul II. und dann als Papst geleistet hat, um den wahren Glauben und die katholische Tradition zu verkünden und zu lehren, hat nur solange überdauert, um mitansehen zu müssen, wie dann sein Nachfolger Papst Franziskus alles grausam zerstört. Das alles ist seine Tragödie.
Wenn sich aber die Dinge, vor denen uns Benedikt gewarnt hat und vor denen er uns durch seine besondere Verkündigung des Evangeliums und des Glaubens bewahren wollte, wirklich bewahrheiten sollten – und er denke, dass es so sein wird -, dann wird es unsere Tragödie sein.
Wenn die Kirche in den USA in den nächsten 50 Jahren in ihrem Priestertum überleben wird, dann wird das ein Geschenk Wojtylas und Ratzingers sein.
Alles ist möglich, aber wenn es geschieht, dann nicht aufgrund der normalen Mittel der katholischen Bildung, die durch die modernistische Ideologie korrumpiert wurden. Die institutionelle Katholizität scheint derzeit spirituell und intellektuell im Sterben zu liegen.
Vielleicht ist es einfach nur abergläubisch, aber er habe den Eindruck, dass Benedikt XVI. auf irgendeine mystische Weise ein „Katechon“ war, eine Kraft, die liberalen Theologen vom Schlimmsten zurückhielt. Bevor er zur Totenmesse für Benedikt ging, dachte er, dass er in diesem Punkt vielleicht zu pessimistisch sei. Er verstehe nun aber besser, warum Benedikt sagte, dass der Glauben nur in kleinen Gemeinschaften von wirklichen und einfachen Gläubigen überleben wird. Jetzt ist nicht der Augenblick zu verzweifeln oder vor der Angst zu kapitulieren, sondern stark zu sein und beharrlich und den Glauben auf provokante Weise zu leben. Wir erleben die Zeit der Option Benedikt XVI.
Reformen des „Synodalen Weges“ reichen nicht aus
Die Reformbemühungen des „Synodalen Wegs“ der katholischen Kirche in Deutschland sind nach Ansicht des tschechischen Religionsphilosophen und Theologen Tomas Halik zwar notwendig. Sie genügten aber nicht für eine wirksame Belebung des christlichen Glaubens. Notwendig sei vielmehr eine „Kultur der geistlichen Unterscheidung“, um „von dort aus Licht in eine tiefere Sicht auf uns selbst und die Welt um uns herum zu bringen“, sagte Halik in einem aktuellen Interview der deutschen Verlagsgruppe Bistumspresse.
Kirchen in Europa leeren sich nach Meinung des Theologen, weil kirchliche Verkündigung nicht auf existenzielle Fragen und geistliche Bedürfnisse der Menschen von heute eingehe. Angesichts des Niedergangs von Pfarreien brauche es „Zentren der Kontemplation und Aktion“ sowie anderer Initiativen, um „die Zivilgesellschaft mit dem Geist des Evangeliums zu bereichern“.
Begleitung und Dialog überzeugen.
Da weder der Einsatz von Priestern aus Polen oder Afrika in Europa noch sogenannte „viri probati“ – verheiratete Priester – die Probleme lösten, könnten solche Zentren eine ähnliche Rolle spielen wie Missionsklöster in ferner Vergangenheit. „Sie dürfen jedoch nicht Gruppen mit sektenähnlichem Charakter anvertraut werden“, warnte Halik. Auch dürften Christen heute nicht plump um Menschen werben, sondern müssten ihnen „geistliche Begleitung im Geiste des gegenseitigen Respekts und des Dialogs“ anbieten.
Glaube und Zweifel brauchten einander wie zwei Schwestern, so der Priester Halik. „Kritisches Denken hilft dem Glauben, nicht in Fanatismus, Bigotterie und Fundamentalismus zu verfallen; der Glaube hilft dem Zweifel, nicht in zynischen Pragmatismus oder Resignation zu verfallen.“ Dieser Dialog finde im Inneren, in den Köpfen und Herzen vieler Menschen statt. Er müsse daher „gefördert und kultiviert werden“.
Plurale Katholizität
Das System der katholischen Kirche insgesamt habe Verständlichkeit und Glaubwürdigkeit verloren, so der Soziologe und Religionsphilosoph weiter. Der Katholizismus, entstanden als „Gegenkultur zu Protestantismus und Moderne, Liberalismus und Sozialismus“ sei nicht mehr in der Lage, „mit anderen Systemen der Gesellschaft zu kommunizieren“. Der im 19. Jahrhundert entstandene Katholizismus sei eine Abkehr von echter „Katholizität, der Universalität und Offenheit des Christentums“. Diese, auch plurale Katholizität gelte es wiederzufinden.
(Quelle: kap – pr)

