Wie Schweizer Firmen die Russland-Sanktionen umgehen
30’000 Lieferungen. Fünf Firmen. Ein System des Wegschauens.
Man muss es so deutlich sagen: Während die Ukraine blutet, verdient die Schweiz. Während in Kiew die Sirenen heulen, laufen in Zürich die Geschäfte. Und während die Welt von Sanktionen spricht, finden Schweizer Bauteile ihren Weg in russische Kampfdrohnen.
90 Prozent. Diese Zahl sollte jeden Schweizer Politiker aus dem Schlaf reißen. 90 Prozent der russischen Drohnen sollen Komponenten aus der Schweiz enthalten. Das sind keine Zufallstreffer der globalisierten Wirtschaft. Das ist systematisch.
30’000 Sendungen über Zwischenhändler – das passiert nicht aus Versehen. Das ist ein Geschäftsmodell. Ein Geschäftsmodell, das auf dem Rücken der Toten in Mariupol, Charkiw und Bachmut funktioniert. Jeder dieser Mikrochips, jede dieser Präzisionskomponenten könnte der Teil einer Waffe sein, die morgen eine ukrainische Familie auslöscht.
Und was macht das Seco? Gibt „unbefriedigende Antworten“. Man stelle sich vor: Da sitzt ein ukrainischer Diplomat, der gerade erfahren hat, dass wieder ein Wohnhaus von einer Drohne getroffen wurde – mit Schweizer Technik drin. Und in Bern zuckt man mit den Schultern. Prüfverfahren. Zuständigkeiten. Neutralität.
Neutralität? Nein. Feigheit.
Denn andere Länder beweisen, dass es geht. Sie stoppen die Umgehungsgeschäfte. Sie kontrollieren. Sie sanktionieren. Nur die Schweiz versteckt sich hinter ihrer angeblichen Sonderrolle. Als ob Neutralität bedeutet, beiden Seiten die Waffen zu liefern, solange nur der Papierkram stimmt.
Die Wahrheit ist unbequem: Die Schweiz ist nicht neutral. Sie ist opportunistisch. Sie redet von Werten und Völkerrecht, aber wenn es darauf ankommt, wenn es wirklich zählt, dann sind die Geschäfte wichtiger als die Glaubwürdigkeit.
Es ist eine Schande. Eine Schande für ein Land, das sich gerne als moralische Instanz inszeniert. Das Rote Kreuz, die Genfer Konventionen, der Hort der Menschenrechte – alles Makulatur, wenn gleichzeitig die Kriegsmaschine Putins mit Schweizer Präzisionstechnik läuft.
Die Ausreden müssen aufhören. Jetzt.
Entweder die Schweiz meint es ernst mit den Sanktionen – dann braucht es sofort schärfere Kontrollen, härtere Strafen und ein Ende des Durchwinkens. Oder sie gibt zu, dass ihr die Geschäfte wichtiger sind als ukrainische Leben. Beides gleichzeitig geht nicht mehr.
Denn am Ende wird man nicht fragen, was in den Gesetzestexten stand. Man wird fragen: Was habt ihr getan, als ihr es hättet stoppen können? Und die Antwort der Schweiz ist bisher beschämend.
Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 fliessen kriegswichtige Schweizer Produkte nach Moskau – obwohl strenge Sanktionen greifen. Eine Recherche der NZZ am Sonntag hat das System zum Erliegen gebracht. Das Ergebnis ist alarmierend
🔍 Was genau ist passiert?
Seit der Ukraine-Invasion haben fünf Schweizer Firmen über Zwischenhändler rund 30’000 Lieferungen von kriegswichtigen Gütern nach Russland verschickt. Gemeint sind vor allem hochtechnische Bauteile – Teile, die in Drohnen, Raketensysteme und militärische Infrastruktur Russlands verbaut werden.
Die Lieferungen passierten offenbar über Komplizierte Umwege: Schweizer Firmen exportierten die Waren zunächst in Drittländer, wo sie umgelabelt oder weiterverarbeitet wurden, bevor sie schliesslich in Russland landeten.
🇺🇦 Die Ukraine schlägt Alarm
Ein Berater von Präsident Selenskyj erklärte gegenüber der NZZ am Sonntag eine erschreckende Zahl:
„90 Prozent der russischen Drohnen enthalten Bauteile von Schweizer Firmen.“
Das heisst: Wenn man eine russische Drohne ansieht, die über ukrainischem Boden einschlägt, ist die Chance hoch, dass schweizerische Komponenten – Motoren, Sensoren, Mikrochips – darin verbaut sind. Und das, obwohl die Schweiz sich selbst als Sanktions-Jägerin positioniert.
🏛️ Was sagt die Schweizer Regierung dazu?
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) reagiert angeblich nur zögerlich. Laut der Ukraine werden auf deren Interventionen nur „unbefriedigende Antworten“ gegeben. Es gibt also:
- ❌ Keine lückenlosen Kontrollen
- ❌ Keine schnelle Unterbindung
- ❌ Keine wirksame Bestrafung der beteiligten Firmen
🌍 Warum schafft die Schweiz das nicht – und andere Länder schon?
Die Recherche zeigt zudem, dass andere Länder deutlich konsequenter gegen Sanktionsumgehungen vorgegangen sind:
| Land | Vorgehen |
|---|---|
| 🇪🇺 EU-Länder | strenge Kontrollen, Bußgelder, Lieferstopp |
| 🇺🇸 USA | Sanktionslisten, Asset-Freeze |
| 🇩🇪 Deutschland | Exportkontrollen verschärft |
| 🇨🇭 Schweiz | angeblich zu nachlässig |
Die Schweiz hat zwar offiziell Sanktionen gegen Russland verhängt. Doch in der Praxis scheint das Reaktionssystem nicht zu greifen, solange die Waren über Zwischenhändler fließen.
⚡ Fazit: Ein lukratives Geschäft – mit Folgen
Was hier sichtbar wird, ist ein Systemversagen: Solange Rendite vor Verantwortung steht und Kontrollen Lücken haben, werden Schweizer Firmen wohl weiter profitieren – während ukrainische Zivilisten die Folgen tragen.
Die Frage, die sich stellt: Ist die Schweiz bereit, ihre Exportkontrollen wirklich konsequent durchzusetzen – oder nur auf dem Papier?



