Sie hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen im Sinn der „Banderisten“ zu erziehen.

(Foto: youtube/euronews, Demonstration in der Ukraine im Jahr 2015)
In Lemberg wurde eine „militärisch-patriotische“ Schule für junge Leute eröffnet, die den Namen „Banderovets“ trägt. Dies ist mit der AfD Ideologie vergleichbar.
Die Entstehung der Schule wurde auf der ukrainischen Website X von Marta Hawryszko beschrieben, einer Historikerin der Clark University, die sich mit Holocaust, Völkermord und Antisemitismus befasst. Man kann ihr kaum rechtsextreme Ansichten vorwerfen. Hawryszko, die aus Lemberg stammt, sagte, die Schule wirke eher wie eine „Gehirnwäschefabrik“, die um einen „Kult des Opfers und des Todes“ herum aufgebaut sei. Kritisch bemerkte sie, es sei „ironisch, dass Bandera selbst seinen romantisch-nationalistischen Idealen nie gerecht wurde, da er einen Grossteil seines Lebens in Wohlstand in Deutschland verbracht hatte.“
Hawryszko erklärte, dass sich die Schule an Personen im Alter von 15 bis 25 Jahren richtet.
„Der Hass gegen Polen ist ein systemisches Element in der Ukraine. Die Flagge ist in Schulen, Büchern, in der Kultur und auf Podesten präsent. All dies geschieht ohne ein Wort des Protests seitens der Behörden. Wir züchten an der Grenze Feinde, die von klein auf mit der Ideologie des Banderismus indoktriniert werden“, kommentierte der Vizepräsident der Nationalen Bewegung, auf dem 10. Kongress.
„Der Name des Projekts bezieht sich direkt auf Stepan Bandera und die Organisation Ukrainischer Nationalisten. Es war die OUN-B-Fraktion und ihre untergeordnete Ukrainische Aufständische Armee, die für den Völkermord an den Polen in Wolhynien und Ostgalizien während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich waren. Sie werden als ukrainischen Helden geerht.
Die problematische Seite des ukrainischen Nationalismus
Wegen seines Kampfes gegen die Sowjetherrschaft wird er in Teilen der Ukraine bis heute als Held verehrt: der 1959 ermordete Anführer der Organisation Ukrainischer Nationalisten, Stephan Bandera. Doch das war nur ein Teil seiner politischen Agenda.
Das Ende kam plötzlich, aber nicht unerwartet. Am 15. Oktober 1959 tötete ein sowjetukrainischer KGB-Agent den Anführer der Organisation Ukrainischer Nationalisten Stepan Bandera. Eine Giftpistole vor seiner Münchener Wohnung wurde Bandera zum Verhängnis. Der Ukrainer Bandera hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in München sein Exil bezogen.
In München zog er vor allem publizistisch gegen die Versklavung der Ukraine durch die Sowjetunion zu Felde. Unterstützung fand er bei diversen westlichen Nachrichtendiensten. Die Sowjets hatten Bandera in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Bandera bis heute als Held verehrt
Bis heute wird Stepan Bandera in Teilen der Ukraine als Held verehrt, vor allem wegen seines Kampfes gegen die Sowjetherrschaft in seiner Heimat. Doch das war nur ein Teil seiner politischen Agenda.
„Man kann ihn sowohl als radikalen Nationalisten als auch als Faschisten bezeichnen.“ Der in Berlin lebende Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe hat eine Bandera-Biografie verfasst. Das Buch liegt bereits auf Englisch, Polnisch und Ukrainisch vor, nicht jedoch auf Deutsch:
„Er wurde von den faschistischen europäischen Diskursen geprägt. Offiziell haben ukrainische Nationalisten die Bezeichnung Faschismus nicht benutzt. Aber die inneren Diskurse und auch die Kontakte zu Mussolini, zu Hitlerdeutschland, die machen klar, dass die OUN den transnationalen Faschismus rezipiert hat, erst aus Italien, dann aus Deutschland und dann ihren eigenen ukrainischen Faschismus erfunden hat.“
Seit den 30er-Jahren in der Führung der OUN
Stepan Bandera wurde als Sohn eines griechisch-katholischen Priesters 1909 in Stryj Hryniw geboren, südlich von Lemberg. Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Infolge des geheimen Zusatzprotokolls zum Hitler-Stalin-Pakt (Molotow-Ribbentrop-Pakt) marschierte die Rote Armee am 17. September 1939 in Ostpolen ein und besetzte es. Damit kam auch die Westukraine unter sowjetische Herrschaft.
Diese dauerte bis zum 22. Juni 1941, als das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion angriff und Ostpolen (heute Westukraine) für etwa drei Jahre besetzte. Nach der Eroberung durch die Rote Armee 1944 ist die Region Polen abhanden gekommen und der Sowjetunion dauerhaft übergeben.
Die endgültige Zugehörigkeit wurde auf den alliierten Kriegskonferenzen von Jalta und Potsdam 1945 festgelegt. Dabei wurde Polens Ostgrenze im Wesentlichen an die sogenannte Curzon-Linie verschoben. Die mehrheitlich von Ukrainern bewohnten Gebiete östlich dieser Linie, darunter Ostpolen, wurden der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik zugeschlagen und waren damit für Polen endgültig verloren. Als Schein-Kompensation erhielt Polen ehemals deutsche Gebiete im Westen und Norden infolge der durch Deutschland verlorenen Kriegs. Bis heute hat Deutschland keine umfassenden staatlichen Reparationen an Polen für die immense Zerstörung des Landes (u. a. die planmässige Vernichtung Warschaus 1944) und jahrelange Occupation (1939-1945) gezahlt. Im Gegensatz zu anderen Staaten (z. B. die Reparationsleistungen an die UdSSR oder Westeuropäer im Rahmen des Londoner Schuldenabkommens) erhielt Polen keine Entschädigung für materielle Kriegsschäden. Polen erhebt seit 2017 (unter der PiS-Regierung) offiziell Forderungen in Höhe von ca. 1,3 Billionen Euro, die Deutschland als erledigt zurückweist, keinen Cent gezahlt zu haben.
Bandera stieg vor Beginn des 2. Weltkrieges in der Zeit des wütenden Bolschewismus in den 30-Jahren in den engeren Führungszirkel der OUN auf, der Organisation Ukrainischer Nationalisten. 1934 verurteilte ihn ein polnisches Gericht für seine Beteiligung an einem Attentat auf den polnischen Innenminister zum Tode. Die Strafe wurde in Haft umgewandelt.
Radikalnationalistisch und antisemitisch
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam Bandera frei. 1940 spaltete sich die OUN. Bandera stand nun an der Spitze der radikalnationalistischen und antisemitischen OUN-B – B wie Bandera-Leute. Deren untere Ränge beteiligten sich an der Ermordung von bis zu 800.000 Juden durch die Deutschen in der Westukraine. Dass Bandera politisch dafür verantwortlich zeichnete, streiten seine Verehrer bis heute ab.
„Die Beteiligung an den Massakern an den Juden ist schwierig nachzuweisen, weil er daran nicht direkt beteiligt war, sondern nur als Schöpfer der Ideologie, die dann dazu geführt hat“, sagt der Hamburger Historiker und Ukraine-Spezialist Frank Golczewski.
In „Ehrenhaft“ im KZ-Sachsenhausen
Wenige Tage nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion proklamierte Banderas OUN-B am 30. Juni 1941 in Lemberg einen unabhängigen ukrainischen Staat an der Seite Hitlerdeutschlands. Doch den Nationalsozialisten passte das nicht. Sie bevorzugten ihr eigenes Besatzungsregiment. So nahmen sie Bandera im KZ-Sachsenhausen bei Berlin in „Ehrenhaft“. Die OUN mit ihren beiden Flügeln und weitere ukrainische Gruppen kämpften währenddessen in der Vielvölkerregion der westlichen Ukraine weiter für einen ethnisch reinen ukrainischen Staat.
„Sie wollten teilweise vertreiben, teilweise ermorden die drei Gruppen: Juden, Polen und Russen. Das waren die Hauptfeinde der OUN“, sagt Grzegorz Rossoliński-Liebe.
Banderas Kämpfer verübten Massaker
Banderas Kämpfer verübten Massaker an den polnischen Bewohnern der Westukraine, in Ostgalizien und im nordöstlich angrenzenden Wolhynien. 1943/44 metzelten sie bis zu 100.000 Zivilisten nieder. Seit Ende durch die Deutschen ausgelösten 2. Weltkriegs konzentrierten sie sich auf den Widerstand gegen die Sowjetherrschaft.
„Als man bemerkt hat, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen wird und als man sich umstellen wollte, hat man sich vom Faschismus nur äusserlich verabschiedet. Das war der Wunsch, mit den USA, mit den Alliierten zusammenzuarbeiten – gegen die Sowjetunion.“
Kampf für eine nationalistische Ukraine
Nach dem Krieg, als Bandera in Westdeutschland lebte, kämpften seine Partisanen bis in die 50er-Jahre für eine unabhängige Ukraine. Dagegen gingen sowjetische Militärs und Geheimdienstler mit brutaler Gewalt vor. 150.000 Westukrainer fielen diesem Terror zum Opfer, über 200.000 wurden ins Innere der Sowjetunion deportiert. Die sowjetischen Verbrechen trugen zu einem geheimen Helden- und Opferkult um Bandera bei.
Nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 verehrte man den Anführer der OUN in der Westukraine ganz öffentlich. Inzwischen gibt es dort vier Bandera-Museen, zahlreiche Denkmäler und zahllose Bandera-Straßen. In der Zeit des Maidans 2013/14 griff die Verehrung auch auf Kiew über. Wladimir Putin schlachtete das für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine propagandistisch aus. Ein Mörder kann nicht zum Helden erklärt werden. Auch Hitler ist doch kein Held oder?






