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Ein berühmter anglikanischer Pastor konvertierte zum Katholizismus

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(Foto. Pixabay)

Ein berühmter anglikanischer Pastor konvertierte zum Katholizismus anglikanischer Pastor, der bis vor kurzem eine der wichtigsten theologischen Schulen der sogenannten Church of England leitete, ist zum Katholizismus konvertiert. Robin Ward gab am 14. Februar bekannt, dass er in die katholische Kirche der Benediktinerabtei St. Michael in Farnborough aufgenommen worden sei.

Ward wurde vom Abt von Farnborough, Dom Cuthbert Brogan OSB, in die Kirche aufgenommen. – „Signo te signo crucis, et confirmo te chrismate salutis” — mit neun Worten empfing ich das Siegel des Heiligen Geistes im Sakrament der Firmung und das Siegel, das den Weg verschloss, den ich vor etwa 40 Jahren in der Stadt Oxford begann, wo ich den größten Teil meines Erwachsenenlebens verbrachte — Ward teilte dies dem National Catholic Register am 18. Februar mit.

Der ehemalige Anglikaner sagte, er sei durch die Freundlichkeit so vieler Menschen sehr ermutigt – insbesondere derjenigen, die viele Jahre lang für ihn gebetet hatten. Jetzt ist er glücklich, in der katholischen Kirche zu sein.

Robin Ward, 60, ist ein bekannter anglo-katholischer Geistlicher und Gelehrter. – Als renommierter Gelehrter der Patristik und Kirchengeschichte hält er Vorträge und schreibt ausführlich über frühes Christentum, Liturgie und anglikanische Identität – So beschreibt Gavin Ashenden, ebenfalls ein berühmter ehemaliger anglikanischer Konvertit zum Katholizismus, Ward. – Seine [Warda] Verwurzelt im intellektuellen und pastoralen Leben des Anglo-Katholizismus, ist sein Weg nach Rom besonders bewegend — fügt Ashenden hinzu.

Ward ist seit 2006 Rektor St. Stephanshaus (St. Stephen’s House) – ein anglikanisches theologisches College, das die Bestrebungen der Oxford- oder Traktarierbewegung des 19. Jahrhunderts repräsentiert. Diese Bewegung versuchte, die Kontinuität zwischen dem Anglikanismus und der katholischen Kirche wiederherzustellen, prägte die anglo-katholische Liturgie und Spiritualität und trug zu hochkarätigen Konversionen zum Katholizismus bei, von denen eine der berühmtesten die Bekehrung des Heiligen John Henry Newman war.

Ward erinnert sich, dass er als Rektor des St. Stephen’s House den Studenten drei Fragen stellte: „Wer ist Jesus Christus? Wer ist der Priester? Was ist die Kirche?” Die Antwort auf die letzte Frage –wie er sagte – wurde „immer weniger befriedigend und immer offensichtlicher, nicht nur für mich, sondern auch für meine aktuellen und ehemaligen Schüler”. Ein zusätzlicher Einfluss war sein Kontakt zu einheimischen Dominikanern, Jesuiten und Oratorianern. Bedeutsam war auch die Figur des Heiligen John Henry Newman, von dem Ward sagte: Während wir lernen, ihn besser zu verstehen, habe ich selbst durch sein besonderes Charisma, das dem Oxford, das ich seit langem kenne und liebe, so nahe steht, gelernt, den Weg zum Einen Schafstall des Erlösers zu sehen. Er fügte außerdem hinzu, dass er den Namen John Henry als Bestätigungsnamen angenommen habe.

Wards Konvertierung ist die jüngste hochkarätige Konvertierung vom Anglikanismus in den letzten fünf Jahren. In der katholischen Kirche gibt es bereits ehemalige „Bischöfe” der sogenannten Church of England: Monsignore. Michael Nazir-Ali, Jonathan Goodall, John Goddard, Peter Forster, Richard Pain und John Ford. Insgesamt wurden seit 1992 rund 700 anglikanische Geistliche im Vereinigten Königreich in die katholische Kirche aufgenommen.

Quelle: ncregister.com

Bischofsnachfolge im Bistum Chur – ein Spiel der Freimaurer

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Der Bischof von Chur sieht sich Berichten zufolge Vorwürfen ausgesetzt, er verbreite möglicherweise unzutreffende Informationen und strebe eine Vereinbarung mit der Freimaurerei der Zürcher Landeskirche an, um seine Nachfolge strategisch abzusichern. Es wird gemunkelt, dass durch diese Vorgehensweise sichergestellt werden könnte, dass künftige Entwicklungen innerhalb des Bistums weiterhin einem liberalen Kurs folgen, ähnlich wie unter seinem Vorgänger. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der Bischof vom Papst sowohl ein persönliches Schreiben als auch eine Bestätigung erhalten habe, mindestens fünf weitere Jahre im Amt zu verbleiben. Dennoch bleibt der kirchenrechtliche Grundsatz bestehen, wonach jeder Bischof mit Vollendung des 75. Lebensjahres seinen Rücktritt anbieten muss – eine Regelung, die formal nicht aufgehoben wurde. Angesichts seiner ausgewiesenen Expertise im Kirchenrecht müsste sich der Bischof dieser Tatsache bewusst sein. Warum er sich dazu nicht eindeutig äussert, sorgt jedoch weiterhin für Rätsel und Spekulationen.

Das Wort, das Bischof Bonnemain am liebsten hört, ist die Saga vom Mann, der Spannungen abgebaut, Ruhe ins zuvor zerstrittene Bistum Chur gebracht hat. So lautet auch der Titel des genannten Interviews: «Einer, der Ruhe gebracht hat». Es ist dies eine Zuschreibung, die in einem Poesiealbum ihre Berechtigung haben mag, mit der Realität aber nichts zu tun hat. Die bistumsinternen Konflikte motten ungehindert weiter. Nun ist es unlängst zu einem öffentlichen Eklat gekommen: Wendelin Bucheli, Dekan des Dekanats Uri, hat am Wochenende des 7./8. Februars 2026 seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Mit ihm tritt auch der Vize-Dekan zurück. Als Grund für den beiderseitigen Rücktritt nennt Wendelin Bucheli «eine über längere Zeit belastete Situation in der Zusammenarbeit mit dem Generalvikariat, für die trotz verschiedener Gespräche keine tragfähige Klärung gefunden werden konnte». Da muss offensichtlich schon seit einiger Zeit Feuer im Dach gelodert haben. Von diesem Konflikt muss auch Bischof Bonnemain Kenntnis gehabt haben. Wenn er nun im Interview mit dem Bündner Tagblatt behauptet, dass die Spannungen und Polarisierungen im Bistum abgenommen hätten («Wir sind uns alle näher gekommen, aber es war nicht einfach»), dann ist dies pure Lüge.

Fastenzeit: Eine Zeit des Verzichts vom Aschermittwoch bis zum Gründonnerstag

Die katholische Kirche ruft die Gläubigen im Alter von 18 bis 60 Jahren in dieser Zeit zum Fasten auf. Fasten als einmalige Sättigung ist nur noch am Aschermittwoch und am Karfreitag für alle im Alter zwischen 18 und 60 Jahren verpflichtend. An beiden Tagen gilt für alle, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, auch die Pflicht zur Abstinenz, d.h. die Pflicht zum Verzicht auf Fleischspeisen. Fast- und Abstinenztage gelten übrigens von Mitternacht zu Mitternacht. Fastenzeit hingegen dauert 40-Tage lang und beginnt am Aschermittwoch mit der Auflegung der Asche auf die Stirn, endet am Gründonnerstag, an dem die Heiligen Drei Tage – Triduum Sacrum – beginnt und gipfelt am Osterfest – dem Hauptfest des Christentums.

Sechs Sonntage liegen in der österlichen Busszeit, sie sind aber von der Fastenzeit ausgenommen. Denn der Sonntag als „Tag des Herrn“ erinnert wie ein kleines Osterfest im Alltag an die Auferstehung Jesu. In der christlichen Tradition drohte sogar Exkommunizieren, wenn jemand am Sonntag fasten wollte.

Die ersten fünf Fastensonntage sind nach dem Introitus, dem Eingangsvers der heiligen Messe, benannt:

  • Der 1. Fastensonntag heisst auch „Invocabit“, von lat. „invocabit me“, das heisst übersetzt „Er ruft mich an“
  • Am 2. Fastensonntag wird Gott gebeten, sich an seine Güte zu erinnern. Er heisst auch „Reminiscere“ von lat. „reminiscere miserationum tuarum“, das heisst übersetzt „denke an deine Güte“
  • Der 3. Fastensonntag heisst auch „Oculi“, von lat. „oculi mei semperad dominum“, übersetzt: „meine Augen schauen immer auf zum Herrn“
  • der 4. Fastensonntag ist der sogenannte Laetare-Sonntag, von lat. „laetare“, „freue dich“
  • der 5. Fastensonntag, der Passionssonntag, steht unter dem Wort „Judica“ von lat. „judica me, deus“, übersetzt: „schaff‘ Recht mir, Gott“. An diesem Sonntag werden alle Kreuze in der Kirche verhüllt.
  • Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche.

Im katholischen Bereich – anders als in den evangelischen Kirchen – sind diese Namen mit Ausnahme des „Laetare-Sonntag“ heute nicht mehr geläufig.

Liturgische Besonderheiten in der Fastenzeit

Die Liturgie zeichnet in der Fastenzeit besonders eine Reihe von Besonderheiten aus:

  • Das „Gloria“ und das „Halleluja“ entfallen.
  • Die liturgische Farbe ist violett.
  • Am Passionssonntag (5. Fastensonntag) werden die Kreuze verhüllt.
Laetare-Sonntag

Eine Sonderstellung innerhalb der Fastenzeit nimmt der 4. Fastensonntag ein. Er ist auch unter dem Namen „Laetare“ („Freue Dich!“) bekannt. Am Laetare-Sonntag ist mehr als die Hälfte der Fastenzeit geschafft – es ist gewissermassen „Bergfest“.

An diesem Sonntag kann der Priester im Gottesdienst ein rosafarbenes liturgisches Gewand tragen. Das Rosa ist quasi das Violett der Fastenzeit, durch das schon das liturgische Weiss der Osternacht schimmert.

Umgangssprachlich heisst der Laetare-Sonntag auch Rosensonntag, da der Papst an diesem Tag einer Person oder Institution eine goldene Rose verleiht.

Kreuzverhüllung am Passionssonntag

Ab dem 5. Fastensonntag, dem sogenannten Passionssonntag, erfolgt eine weitere Besonderheit der Fastenzeit: Die Kreuze in der Kirche werden verhüllt. Die Kreuze bleiben bis zum Ende der Karfreitagsliturgie verhüllt.

Hintergrund ist das „Fasten für die Augen“. Die Gläubigen konzentrieren sich voll und ganz auf das Leiden und Sterben Jesu Christi. An Ostern werden Jesu Sieg über den Tod und das neue Leben gefeiert.

Die Forderung der Einschränkung bei Speise und Trank wird ergänzt durch die Einladung, auf Konsum und Genussmittel zu verzichten und sich um Werke der Nächstenliebe zu bemühen. Dies schliesst an die alttestamentlich prophetische Kritik an einem veräusserlichten Fasten an, das sich im Verzicht auf Speise und begleitende Bussriten erschöpft und dabei Mitmenschlichkeit, Rücksichtnahme und Friedfertigkeit als gottgefälliges Tun vergisst. Die ergänzende Einladung an die Gläubigen zu Gebet, Schriftlesung und anderen Frömmigkeitsübungen ruft in Erinnerung, dass Fasten Ausrichtung des Lebens auf Gott bedeuten soll. Fasten bleibt dabei Ausdruck der Busse und soll Trauer über die eigenen Fehler und Schwächen sowie Bereitschaft zur Umkehr anzeigen. Das christliche Fasten, das der Ausrichtung auf Gott und den Mitmenschen dienen soll, ist keine Diät aus gesundheitlichen Gründen oder zur Gewichtsoptimierung und unterscheidet sich damit von modernen Formen des Fastens.

Besondere Bedeutung erlangte das Fasten in dem sich ab Ende des 3. Jahrhundert entwickelnden christlichen Mönchtum als Werk der Frömmigkeit und Zeichen der völligen Hingabe an Gott. Der Ägypter Antonius, der als Vater des Mönchtums erinnert wird, soll nur einmal täglich nach Sonnenuntergang gegessen haben. Mönche in der Wüste Ägyptens, in Syrien und an vielen anderen Orten versuchten, einander mit asketischen Höchstleistungen zu übertreffen und sich dabei auch in Fastenleistungen zu überbieten, oft ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit und bis zur totalen körperlichen Entkräftung. Sie beschränkten sich auf bestimmte Nahrungsmittel, verzehrten nur ungekochte Speisen oder assen nur einmal die Woche. Aus dem Mönchtum aber kam auch Kritik an solchen Übertreibungen und die Forderung nach einem gesunden Maß bei Fasten und Askese.

Fasten / Fastentage im Neuen Testament

Fasten bedeutet zunächst den willensmässig geübten Verzicht auf gewisse oder alle Nahrung während einer bestimmte Zeitspanne. Etymologisch leiten sich die Wörter νηστεύω nēsteuō (fasten), νηστεία nēsteia (Fasten, Nahrungsverzicht, Hunger, Fasttag) und νῆστις nēstis (nüchtern / hungrig) wie ihre Äquivalente in anderen indogermanischen Sprachen auch von der Beschreibung eines Zustandes der Leere und der Nüchternheit her. Die lateinischen Äquivalente lauten ieiunus, ieiunare, ieiunium. Im Griechischen wird der Begrif aus „Nicht- Essen“ (νή – ἐσθίω nē – estiō) gebildet. Die Sache selbst muss im Neuen Testament nicht unbedingt durch den Begrif ausgedrückt werden; sie kann ebenso auch durch Beschreibungen des Nahrungsverzichts zur Darstellung gelangen.

In der Religionsgeschichte hat Fasten verschiedene Funktionen:

1. Apotropäisch-kathartisches Fasten: Nahrungsmittel können von Dämonen in􏰄ziert werden. Ein Verzicht schützt somit vor dem Einfuss der Dämonen. Zugleich kann dem Fasten selbst eine Kraft gegen die Dämonen innewohnen.

2. Initiationsfasten: Hier ist der Verzicht Teil eines Rituals zur Einführung eines Menschen in eine neue Gemeinschaft oder eines Mitglieds in eine neue Funktion innerhalb einer Gemeinschaft.

3. Ekstatisches oder prophetisches Fasten: Hierbei geht es um die Vorbereitung einer Begegnung mit dem Göttlichen bzw. mit Gott. Fasten fungiert als ein Mittel ekstatischer oder prophetisch-visionärer Stimulierung.

4. Ethische Motivierung: Fasten kann eine ethische Dimension erlangen, wenn es um seiner selbst willen als gutes Werk gilt oder wenn die Mittel, auf die Verzicht geleistet wird, Armen zu Gute kommen.

5. Fasten als Inhalt eines Enthaltungsgelübdes: Der Verzicht hat den Charakter einer Gabe (vgl. Votivgabe) an Gott, durch die eine bestimmte Gegengabe erhofft wird.

6. Fasten als Ausdruck der Trauer: Diese Funktion ist religionsgeschichtlich besonders weit verbreitet. Fasten kann hierbei ein Sündenbekenntnis sowie individuelle oder kollektive Umkehr begleiten und somit zum eigentlichen Bußritus werden.

7. Bussritus: Das Fasten selbst wird zum Zeichen der Reue und Zerknirschung.

Im Neuen Testament sind viele dieser Funktionen lebendig. Für 1. bis 7. gilt im biblischen Kontext die Regel, dass Fasten und →Gebet eng aufeinander bezogen sind. Die Begleitung und Unterstützung von Gebeten wird im Neuen Testament zu einer Grundfunktion des Fastens. Dafür scheint die Funktion des Fastens als ein Selbstminderungsritual eher in den Hintergrund zu treten.

Die Versuchung des fastenden Jesus

In den synoptischen Evangelien wird der vierzigtägige Aufenthalt Jesu in der Wüste nach seiner Taufe beschrieben. Er steht in der Tradition des zweimaligen, vierzig Tage dauernden Aufenthalts des → Mose auf dem Gottesberg (Ex 24,18; Ex 34,28) und der ebenso langen Wanderung → Elias zum Horeb (1Kön 19,8). Während dieses Fastens redet Gott mit Mose und zeigt sich ihm. Gott erscheint auch dem Elia nach seiner Fastenwanderung. Hier wie dort dient das Fasten der Vorbereitung und Begleitung der prophetischen Begegnung mit Gott (3. Funktion).

Demgegenüber lässt der Wüstenaufenthalt Jesu eine andere Funktion erkennen. Jesus geht in die Wüste, um dort vom → Satan versucht zu werden (besonders Mt 4,1; aber auch Mk 1,13; Lk 4,2). An dieser Stelle ist offensichtlich die prophetisch-theophane Funktion der biblischen Vorbilder in ihr Gegenteil gewendet worden. Der vierzigjährige Aufenthalt des Volkes in der Wüste, der ebenfalls von verschiedenen Versuchungen begleitet wird, spielt hier im Hintergrund eine wichtige Rolle. Das Fasten Jesu dient offensichtlich nicht der Gottesbegegnung, sondern führt in eine Begegnung mit dem Satan. Anscheinend macht das Fasten Jesus nicht immun gegen dessen Versuchungen, sondern im Gegenteil anfälliger, denn der Satan versucht ihn am Ende dieser Zeit zuerst mit seinem Hunger (Mt 4,3f; Lk 4,3f). Dieses Fasten hat offensichtlich keine apotropäische Wirkung (1. Funktion), sondern führt im Gegenteil von Anfang an in Versuchungen. Dennoch vermag Jesus den Versucher zu überwinden. Diese Fastenzeit scheint eher einer Initiation (2. Funktion) zu dienen, indem sie mit der Taufe Jesu und seiner Berufung durch die Himmelsstimme zur Einführung Jesu in seinen öffentlichen Dienst gehört.

Exorzistisches Fasten?

Bei der → Heilung eines besessenen Knaben erscheint die apotropäische Funktion in sekundären Lesarten. Jesus teilt nach → Markus seinen Jüngern mit, dass diese Art von dämonischen Geistern nur durch Gebet ausfahre (Mk 9,29). Manche Handschriften wie etwa der → Codex Alexandrinus ergänzen „durch Gebet“ mit „durch Fasten“. Mt 17,20 wird in manchen Handschriften „durch Gebet und Fasten“ ergänzt. Fasten erscheint hier deutlich in seiner neutestamentlichen Grundfunktion als Begleitung von Gebeten. Die Wirksamkeit des Gebets scheint durch Fasten verstärkt zu werden. Dies ist auch in der sekundären Erweiterung in 1Kor 7,5 der Fall. → Paulus erlaubt dort die zeitlich befristete sexuelle Abstinenz in der Ehe um des Gebetes willen. Gewisse Handschriften ergänzen auch dies mit Fasten. Allerdings bieten hier – durchaus in Analogie zur Versuchungsgeschichte – Enthaltung und Verzicht gerade keinen Schutz vor den Versuchungen des Satans.

Fasten in der Apostelgeschichte

Nachdem Saulus-Paulus in einer Vision den Auferstandenen gesehen hat, isst und trinkt er drei Tage nichts, bis er sich taufen lässt (Apg 9,9.19). Dieses Fasten folgt auf die Offenbarung und könnte sowohl die Busse des Paulus anzeigen als auch zur initiatorischen Vorbereitung auf seine Taufe dienen.

In Antiochia dienen und fasten die Propheten und Lehrer der Gemeinde gemeinsam (Apg 13,2). Es wird nicht deutlich, weshalb sie fasten, doch dieses Fasten zeitigt die dritte prophetische Funktion. Vom Heiligen Geist erhalten sie die Weisung, → Barnabas und Saulus zu der von Gott für sie bestimmten Berufung auszusondern. Daraufhin fasten und beten sie und legen den beiden die Hände auf (Apg 13,3). Dieses zweite Fasten wird zum initiatorischen Akt für die erste Missionsreise des Paulus (2. Funktion). Durch initiatorisches Fasten (Substantiv im Plural), welches ihre Gebete unterstützt, setzen Paulus und Barnabas am Ende dieser Reise in jeder Stadt Älteste ein (Apg 14,23). Hintergründig tritt das Thema Fasten bei den vier Männern am Tempel in Erscheinung, deren Gelübde Paulus in der Tradition des → Nasiräats auslösen soll (Apg 21,24). Fasten im Sinne eines Enthaltungsgelübdes (5. Funktion) fndet sich in Apg 23,12-14.21: Mehr als vierzig Männer geloben, weder zu Essen noch zu Trinken, bis sie Paulus umgebracht hätten.

Mit dem „Fasten“ als kalendarische Angabe wird in Apg 27,9 auf den → Jom Kippur Bezug genommen. Es wird aber nicht explizit gesagt, dass Paulus den Jom Kippur fastend gehalten habe.

Fasten als gutes, gerechtes Werk

Die alte Prophetin Hanna dient Gott am Tempel Tag und Nacht mit Fasten und Beten (Lk 2,37; beides im Plural). Gebet und Fasten scheinen hier mehrere Funktionen zu haben. Einerseits erscheinen sie in der frühjüdischen Tradition der gerechten Werke, die für Gott geübt werden können (4. Funktion), andererseits führen sie anscheinend bei dieser Prophetin zur O􏰃enbarung über das Kind Jesus. Ganz ähnlich erscheint das Fasten im Codex D bei der Vision des Kornelius. Dieser praktiziert hier neben Gebet und Almosentätigkeit zusätzlich auch Fasten und damit die typische Triade des jüdischen Übens von Gerechtigkeit (zedaqa), die nicht nur einen ethischen, sondern auch einen gottesdienstlichen Charakter hat. Zugleich begegnet ihm daraufhin in einer Vision ein Mann, der ihn auffordert, nach → Petrus zu senden (Apg 10,30), welcher ihn schließlich zum Glauben führen werde. Das Fasten scheint in dieser Texttradition als gutes Werk intendiert zu sein (4. Funktion), führt dann aber zu einer prophetischen Schau (2. Funktion).

Die ethische Dimension (4. Funktion) erscheint in der Triade frühjüdischer Zedaqa-Frömmigkeit in der Bergpredigt (Mt 6,1-18; insbesondereMt 6,1: δικαιοσύνη dikaiosynē). Fasten gilt hier als ein verdienstvolles Werk, das Lohn erwirkt. Jesus bestätigt dies indirekt, indem er göttlichen Lohn nur denen verheisst, die mit Fasten gerade nicht öffentliche Anerkennung für ihre Frömmigkeit erwarten. Bemerkenswerterweise sollen sie ihr Fasten gegenüber ihren Mitmenschen nicht in der Form von Trauer- oder Selbstminderungsriten durchführen, da es sonst seine ethisch relevante Funktion gegenüber Gott verliert (Mt 6,16-18).

Im → Gleichnis von → Pharisäer und → Zöllner (Lk 18,9-14) verweist der Pharisäer auf sein Fasten als gutes Werk. Als Pharisäer hält er pro Woche zwei Fastentage (Lk 18,12). Der Zöllner hingegen, der nicht fastet, demütigt sich selbst, schlägt sich an die Brust und bittet um Vergebung. Busse und Selbstminderungsritual werden von ihm ohne Fasten vollzogen, wobei gerade diese beiden Funktionen des Fastens beim Pharisäer fehlen.

Fastenkritik

Neben dieser impliziten Kritik am Fasten und der Kritik an einer konkreten Fastenpraxis in Mt 6,16-18 distanziert sich Jesus in den synoptischen Evangelien auch sonst deutlich vom Fasten (Mk 2,18-20; Mt 9,14-17; Lk 5,33-38). Im Gegensatz zu den Pharisäern und Johannesjüngern fasten seine Jünger nicht. Jesus antwortet mit einem Bildwort. „Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam mit ihnen ist?“ Jesus vergleicht seine Jüngergemeinschaft mit einer Hochzeitsgesellschaft. Fasten und Hochzeit sind unvereinbar. Fasten rückt hier als Opposition zur Festfreude in den Bedeutungshorizont des Trauerritus (6. Funktion). In der Parallelstelle in Mt 9,15 wird Fasten explizit mit Trauern gleichgesetzt. Für die Zeit der Kirche kündigt Jesus eine Wiederaufnahme der Fastenpraxis an. „Es werden aber Tage kommen, dann wird der Bräutigam von ihnen genommen, und dann werden sie fasten an jenem Tage.“ (Mk 2,20) Manche Exegeten sehen dieses letzte Wort als Bildung der Gemeinde an. Dann würde Jesus in Mk 2,18fpar alles Fasten für seine Gemeinschaft ablehnen.

Das von den Evangelien entworfene Jesusbild zeichnet sich dadurch aus, dass in der Tradition der prophetischen Fastenkritik (vgl. etwa Jes 58,1-12; Jer 14,12; Jo 2,13; ferner Sir 34,26;) die Nächstenliebe weit vor jedes Fasten gestellt wird. Anscheinend schliessen sich die Nähe der Gottesherrschaft und Fasten gegenseitig aus.

Tatsächlich ist Fasten bei Paulus und in den neutestamentlichen Briefen kein Thema. Paulus erwähnt Fasten nur zweimal in je einem → Peristasenkatalog im 2. Korintherbrief. Während in 2Kor 6,5 offen bleibt, ob Fasten zum Ungemach (am Ende der Reihe in 2Kor 6,5) oder zu den Tugenden zählt (Beginn 2Kor 6,6), macht der Kontext von 2Kor 11,27 deutlich, dass Fasten zu den Mühen gehört, die dem Apostel durch die Umstände aufgezwungen worden sind. Deshalb bezeichnet Fasten hier in untypischer Verwendung den Zwang zum Hungern und bietet keinen Hinweis darauf, dass Paulus eine Fastenpraxis geübt hätte.

Antiasketische Ausrichtung und Erneuerung der Fastenpraxis in der frühen Kirche

Fasten tritt im Neuen Testament in Korrelation zu dessen antiasketischer Stoßrichtung in den Hintergrund. Im Gegensatz zu Johannes dem Täufer, dessen Jünger regelmässig gefastet haben sowie zu Johannes selbst, der „weder ass noch trank“ (Mt 11,18) und auch hinsichtlich Kleidung und Nahrung streng asketisch lebte (Mt 3,4), wurde Jesus mit Blick auf seine Mahlgemeinschaften als „ein Fresser und Säufer“ bezeichnet (Mt 11,19).

Paulus bestätigt den Korinthern ihre Freiheit, die sich gerade auch auf das Essen bezieht. Ein Verzicht auf gewisse Nahrungsmittel soll nur um der Mitmenschen willen erfolgen (1Kor 8,8f; 1Kor 10,27-29). Paulus macht den nichtjüdischen Galatern zum Vorwurf, dass sie Tage, Monate, Zeiten und Jahre halten (Gal 4,10). Das könnte sich auch auf jüdische Fastentage beziehen.

Im → Kolosserbrief und in den → Pastoralbriefen wird Nahrungs- und Sexualaskese sowie das Halten von bestimmten Tagen – gerade auch des jüdischen Festkalenders – als Einfallstor für falsche Lehren bekämpft (Kol 2,16; 1Tim 4,1-5; vgl. 1Tim 5,23). Wer mit Christus gestorben ist, für dessen Heil ist jeder Verzicht auf bestimmte Speisen irrelevant (Kol 2,20f; so auch Hebr 13,9). Offensichtlich gibt es in der Jesusbewegung eine große Distanz zum Fasten. Die Gegenbewegung in der frühen Kirche entwickelte sich unterschiedlich schnell.

In der synoptischen Literatur

spielt Fasten eine negative und eine vorsichtig positive Rolle (s.o.). In der Apostelgeschichte wird das Fasten wieder wichtig. Allerdings fehlt auch hier eine direkte Aufforderung zum Fasten. In der paulinischen wie in der johanneischen Literatur spielt Fasten keine Rolle.

Eine Abgrenzungstendenz gegenüber der Fastenpraxis lässt sich auch im → Barnabasbrief beobachten, wo im Anschluss an die prophetische Fastenkritik einem nicht erwünschten und unwirksamen Fasten ein heilsrelevantes Fasten gegenübergestellt wird (Barn. 3). Letzteres wird durch Zitation von Jes 58,6f gleichsam als sozial-diakonisches Handeln bestimmt (Barn. 3,3) und damit in der Sache faktisch ersetzt. Der Jesus des → Thomasevangeliums äussert sich sehr kritisch gegenüber dem Fasten und verbietet es (Thomasevangelium 6;14;104). Die Jünger sollen hingegen in einem metaphorischen Sinn gegenüber der Welt fasten (Thomasevangelium 27).

Nach der Didache (Didache 8,1) werden in den christlichen Gemeinden so wie im Judentum zwei Fastentage in der Woche gehalten – in bewusster Abgrenzung aber nicht am Montag und Donnerstag, sondern am Mittwoch und am Freitag.

Erst ab dem dritten Jahrhundert gewinnt Fasten im Zusammenhang zunehmender asketischer Tendenzen eine große Bedeutung für Kirche und Frömmigkeit.

Zur Verortung in der jüdischen Fastenpraxis

Die neutestamentliche Fastenpraxis ist zutiefst in der der hebräischen Bibel und in der Frömmigkeit des zeitgenössischen Judentums verankert. Umso mehr fällt auf, dass Fasten als Umkehr / Busse des Einzelnen oder als spontaner Ausdruck der Trauer im Neuen Testament nicht vorkommt. Das ist etwa bei → Josephus ganz anders. In seine Nacherzählung biblischer Geschichten fügt er immer wieder zusätzlich Fasten ein – so etwa bei Achans Diebstahl (Josua 7f; Josephus, Antiquitates 5,35-48) – und berichtet über einen Fasttag, den er selbst aufgrund einer kriegerischen Bedrohung erlebt hat (Josephus, Vita 290-303).

Fasten und Fasttage werden nach Josephus von seinen jüdischen Zeitgenossen vor allem im Sinne von Trauerbräuchen oder als Reaktion auf Kalamitäten durchgeführt und sind immer mit der Gebetspraxis verbunden.

Im → jüdischen Festkalender gibt es verschiedene Fastentage wie den Jom Kippur, den 9. Av (Zerstörung des Tempels im Jahr 587 v. Chr. und 70 n. Chr.), den 17. Tammuz (Überwindung der Stadtmauer durch Nebukadnezar und Titus), den 10. Tevet (Belagerung Jerusalems durch die Babylonier), den 3. Tishri (Ermordung Gedaljahs) und den 13. Adar (Vortag des Purimfestes). Daneben wird aber auch zur Unterstützung des Gebets gefastet (1Makk 47; 2Makk 13). Die pharisäische Bewegung hat nach Auskunft des Neuen Testament zweimal in der Woche gefastet (Lk 18,12; vgl. Didache 8,1). Allerdings war die Fastenpraxis unter den Juden und jüdischen Gruppierungen sehr heterogen. Philo berichtet von solchen, die sich nur am Versöhnungstagfasten beteiligt haben (Philo Spec Leg 1,186).

Später wird Fasten in der Mischna vor allem in den Traktaten Joma (zum Jom Kippur) und Taanit (öffentliche Fastenvorschriften bei ausbleibendem Regen und anderen Bedrohungen) geregelt.

Fasten ist aber nicht mehr nur ein Buss- und Trauerakt (Bar 1,5; ebenso Rub 1,10), sondern auch ein verdienstvolles Werk in Verbindung mit Gebeten und Werken der Barmherzigkeit (Tob 12,8; vgl. Bereschit Rabba 44,12). Schon in Sir 3,3-4 ist greifbar, dass verdienstvolle Werke Sühnung bewirken können. Fasten schafft Sühnung für in Unwissenheit begangene Sünden (Ps Sal 3,8; vgl. Joseph und Aseneth 11,6.12-14). Daneben wird auch zur Unterstützung des Gebets gefastet (1Makk 47; 2Makk 13). Fasten in Verbindung mit Gebet und Almosen gewann im Judentum eine wichtige Bedeutung vor allem im Zusammenhang der →Kultzentralisation. Wer nicht in Jerusalem wohnte, musste auf die Teilnahme am Gottesdienst bzw. Kultgottesdienst verzichten. Der Verzicht auf den Gottesdienst wurde durch andere religiöse Aktivitäten wie die Versammlung um die Heiligen Schriften in den →Synagogen, Gebete, Almosentätigkeit und Fasten kompensiert.

Römische und griechische Autoren beschreiben das Fasten der Juden als einen besonderer Brauch (Tacitus historiae 5,4, Sueton Divus Augustus 76,2; vgl. dazu Josephus contra Apionem 1,34,308).

Aus rabbinischer Zeit ist extensives privates Fasten von Einzelnen überliefert. Zugleich finden sich im →Talmud auch Forderungen, solches Fasten einzuschränken (Babylonischer Talmud Taanith 11a; 11b; 14b; 22b).

Fasten in der nichtjüdischen Umwelt

In der griechisch-römischen Welt findet sich Fasten – abgesehen vom → Orakelwesen und der medizinischen Literatur sowie von einigen Zauberpapyri oder philosophischen Gruppierungen wie den Kynikern – nur im griechischen Demeterkult (vgl. Scholion Aristophanes Thesmophoriazusae 80.947f.983f; Plutarch Demosthenes 30,5; Athenaios deipnosophistae 307C/F), in den eleusinischen Mysterien (vgl. exempl. Hymni Homerici 2 Demeter 47f; 200f; Ovid fasti 4,535f; Clemens Alexandrinus protrepticus ad Graecos 2,21,2 [dt.]) und in spezifischen Formen des römischen Kultes der Ceres (vgl. Livius ab urbe condita 36,37,4; Petronius satyricon 44). Die Verpfichtung der ägyptischen Priester zum Fasten vor Opferhandlungen (vgl. Herodot historiae 2,40; ferner Hieronymus adversus Ioviniaum 2,13 [engl.]) findet im griechisch-römischen Bereich keine Entsprechung.

Insgesamt zeigt die griechisch-römische Religiosität eine grosse Zurückhaltung gegenüber dem Fasten. Hier schliesst sich das Neue Testament durchaus stimmig an.

Fasten / Fastentage im Alten Testament

„Fasten“ bedeutet: freiwilliger und zeitlich begrenzter, vollständiger Verzicht auf Nahrungsaufnahme (teilweise einschliesslich Getränken). Damit ist Fasten von einer auf Dauer angelegten, durch Speisegesetze geregelten Vermeidung bestimmter Lebensmittel zu unterscheiden. Als Bestandteil von sog. Selbstminderungsriten (Zeichen zum Ausdruck von → Trauer, Verzweiflung und Selbstdemütigung wie: das Tragen eines Saq-Gewandes [→Kleidung], das Wälzen in Staub, Schlagen oder die Haut Ritzen, Scheren von Haupt- und Barthaar, Ablegen oder Zerreissen von Kleidern) wird das Fasten jedoch selten als isolierte Handlung beschrieben. Fastentage führen damit zu einer massiven Zäsur im Alltag, grenzen, besonders als individuelle Fastentage, aus der Gesellschaft aus (vgl. 2Sam 12,16-23) und schaffen auf diese Weise Raum für Busse (→ Umkehr) oder Trauer.

Terminologie

Die weitaus am häufigsten im Alten Testament für „Fasten“ verwendeten Begriffe sind das Verbum צום ṣûm (21-mal im Qal) bzw. das Nomen צוֹם ṣôm (26- mal). Ein Alternativbegriff ist ענה ‘nh II „niedrig sein / sich demütigen“, der nicht zuletzt in der Redewendung ׁענה ֵאת נֶפֶש bzw. ׁענה נֶפֶש ‘nh (’æt) næpæš Piel „seine næpæš / seine Seele / sein Leben demütigen“ verschiedene Selbstminderungsriten einschliesslich des Fastens abdeckt (vgl. Lev 16,29.31; Lev 23,27.32; Num 29,7; Num 30,14; Jes 58,3.5; Ps 35,13). Es können jedoch auch Umschreibungen wie „nicht essen und trinken“ (vgl. Ex 34,28; Dtn 26,14; 1Sam 1,8; Dan 10,2f.) verwendet werden.

Rituelles Fasten – Fastentage

In der alttestamentlichen Kultgesetzgebung verankertes rituelles Fasten findet allein als Teil der umfangreichen Riten für den → Jom Kippur (Lev 16,29.31; Lev 23,27.29; Num 29,7) statt. Das Volk verleiht durch Fasten seiner Busswilligkeit Nachdruck. Es ist damit aktiv am Geschehen des Sühnetages beteiligt. Allerdings hat das Fasten selbst keine sühnende Wirkung (das ändert sich erst im 3./2. Jh. v. Chr.; vgl. PsSal 3,8). →Sühne am Jom Kippur wird durch die rituellen Handlungen des Hohepriesters erreicht.

Darüber hinaus wird jedoch in verschiedenen Zusammenhängen von in Notsituationen eigens einberufenen Fastentagen gesprochen (vgl. u.a. 1Sam 7,6; Jo 1,14). So fasten die Juden des persischen Reiches angesichts der gegen sie geplanten Pogrome; sie klagen, weinen und liegen in Sack und Asche (Est 4,3). Fastentage aus Notsituationen heraus sind teilweise nachträglich institutionalisiert worden und haben einen Platz im Kalender erhalten. Das gilt für das Fasten am Vorabend des Purimfestes (13. Adar; vgl. Est 9,31) ebenso wie für die in Sach 7,1-3 und Sach 8,18-19 genannten Fastentage. Fasten wird hier zu einem Modus der Erinnerung. Die vier Fastentage des → Sacharjabuches gehen sicher auf Bräuche der Exilszeit zurück, sind jedoch erst in späterer jüdischer Tradition mit konkreten Exilsereignissen in Verbindung gebracht worden. Von herausgehobener Bedeutung unter den vier Tagen ist der 9. Av als Fasten- und Trauertag. Die vier Fastentage gelten:

im 4. Monat (17. Tammuz = Juni / Juli) der Erinnerung an die Überwindung der Jerusalemer Stadtmauer zuerst durch Nebukadnezar (vgl. Jer 39,2; Jer 52,6f; 2Kön 25,3f.) und später noch einmal durch Titus;

im 5. Monat (9. Av = Juli / Aug.) der Trauer um die Zerstörung des ersten Tempels 587 v. Chr. (vgl. 2Kön 25,8ff.; Jer 52,12ff.), des zweiten Tempels 70 n. Chr. wie auch der Trauer um die letzten gefallenen Kämpfer des Bar- Kochba-Aufstandes (132-135 n. Chr.) und die 1492 aus Spanien vertriebenen Juden (→ Klagelieder Jeremias);

im 7. Monat (3. Tishri = Sept. / Okt.) dem Gedenken der Ermordung des Statthalters Gedalja (vgl. 2Kön 25,22ff.; Jer 41,1f.);

im 10. Monat (10. Tebet = Dez. / Jan.) der Erinnerung an den Beginn der Belagerung Jerusalems (vgl. 2Kön 25,1).

Die Aussage Sacharjas zielt allerdings auch nicht auf die dauerhafte Installation von Fastentagen als Trauer- und Klagetagen, sondern gerade auf deren grundsätzliche Verwandlung von Trauer- zu Freudentagen.

Die Zusammengehörigkeit von Trauer, Klage und Fasten steht ausser Frage. Ebenso klar ist, dass Fastentage, wie sie oben genannt wurden, kollektiv zu begehen sind. Unbeantwortet ist hingegen das Problem, inwieweit diese Tage liturgisch gestaltet sind. Die grossen Volksklagelieder des Psalters mögen bei Klagefeiern gesungen worden sein, erweisen sich in ihrer jetzigen Gestalt aber als für den Buchzusammenhang gestaltete Texte. Die Lesung der Klagelieder Jeremias für den 9. Av ist erst seit der Mitte des 8. Jh.s n. Chr. belegt (Traktat Soferim 18,4). So ist es bisher bei Versuchen geblieben, ein Ritual eines Fastentages nachzuzeichnen (u.a. anhand von → Joel). Wesentliche Elemente eines Rituals, die mit dem Fasten einhergehen, neben den Selbstminderungsriten nicht zuletzt das → Gebet, sind jedoch benennbar.

So stellt sich schliesslich die Frage, ob die Belege chronologisch zu ordnen sind. Fasten, sei es kollektiv oder individuell, ist ein weit verbreitetes kulturelles Phänomen. Das einzige im alttestamentlichen Festkalender verankerte Fasten, das des Jom Kippur, ist, je nach Datierung der Einführung dieses Sühnetages, wohl eher ein frühnachexilisches Phänomen. Für zwei Aspekte des Fastens lässt sich dennoch eine Entwicklung nachzeichnen. Die sühnende Wirkung des Fastens gewinnt erst im 3./2. Jh. v. Chr. an Bedeutung, ebenso wie sein divinatorischer Aspekt (→ Divination). Zur Funktion des Fastens aber mehr im Folgenden:

Kollektives und individuelles Fasten

Auslöser oder Ziel eines Fastens für Kollektiv wie Individuum können sehr variieren. Wie die institutionalisierten Fastentage zeigen, sind Notsituationen jedoch ein wesentlicher auslösender Faktor. Das Ziel des Fastens kann in der Folge eine Bussbewegung sein, ein Zeichen der Umkehr (1Sam 7,6), es kann Ausdruck von Klage und Trauer sein (vgl.Est 4,3) oder aber einen Gottesbescheid vorbereiten (Ri 20,26-28). InNeh 1,4-11 wird jedoch auch deutlich, wie sehr diese hier getrennt aufgeführten Bereiche miteinander verzahnt sind. → Nehemia wird von Trauer überfallen, er fastet und spricht ein Gebet der Busse und Umkehr. Erst im Gebet wird das Ziel des Fastens wirklich deutlich.

Fasten in Notsituationen kann durch den König, einen Propheten, Priester oder die Ältesten einberufen (vgl. 1Sam 14,24-30; 1Kön 21,9.12.27; Jo 1,13-15) oder aber individuell durchgeführt werden.

Funktionen des Fastens – Bussfasten

Not verlangt kollektive → Umkehr, Busse, Hinwendung zu Gott. Fasten ist ein Ausdruck dieser inneren Bewegung (Jo 2,12). Hervorzuheben ist, dass dieses Fasten tatsächlich als kollektiver Akt durchgeführt wird, jeweils begleitet von einer heiligen Versammlung (ֲעצָרָה ‘ăṣārāh; vgl. Jo 1,14; Jo 2,15; s. auch Neh 9,1) mit Gebet. In Jon 3 geht das kollektive Fasten schliesslich so weit, dass auch die Tiere beteiligt sind (→ Jona).

→ David fastet, als das aus der illegitimen Beziehung mit → Batseba stammende Kind im Sterben liegt. Es wird sich hier um ein Bussfasten handeln. Ein Trauerfasten hingegen schließt sich nicht an (vgl. 2Sam 12,16.20-23). David beendet das Fasten nach dem Tode des Kindes. Bussfasten erweist sich schliesslich als ein Akt persönlicher Frömmigkeit (vgl. Ps 69,11; Ps 109,24).

Funktionen des Fastens – Trauerfasten

Die Verbindung von Fasten mit anderen Selbstminderungsriten wird vor allem beim Trauerfasten deutlich. Im Kontext von → Sauls Tod (vgl. 1Sam 31,13; 2Sam 1,11f. ; 1Chr 10,12) werden Fasten, das Zerreissen von Kleidern, Klagen und Weinen genannt. Es dauert sieben Tage lang.

Funktionen des Fastens – Fasten zur Vorbereitung von Gottesbescheid und Gottesbegegnung

Das Fasten in Notlagen kann schließlich auch dem konkreten Ziel der Vorbereitung für einen Gottesbescheid oder der Bitte um helfendes Eingreifen Gottes dienen (vgl. Ri 20,26; Est 4,16; Esr 8,21.23; Ps 35,13; 2Chr 20,3). Auch als individuelle Vorbereitung einer Gottesbegegnung wird gefastet. → Moses fastet 40 Tage auf dem Sinai (Ex 34,28; Deut 9,9-10; vgl. Mt 4,2); → Hanna fastet, bevor sie vor Gott tritt (1Sam 1,7-10); in den Anfängen der apokalyptischen Literatur wird Fasten als Vorbereitung der Gottesbegegnung jedoch erst wirklich prominent (vgl. Dan 9,3; Dan 10,3).

Fasten-Kritik

Prophetisch geäusserte Fastenkritik bezieht sich, ähnlich der Kritik an Opfern und Festen, auf die Motivation der Fastenden, auf das Verfolgen eigener Interessen und auf das fehlende Bemühen um die Ehre Gottes. Auch die Annahme, Gottes Aufmerksamkeit erzwingen zu können, ist falsch. Das Fasten, das Gott hingegen gefällt, ist rechtes Handeln und Fürsorge für die Armen (vgl. Jes 58,1-12; Sach 7,5-10).

Vor 85 Jahren verhafteten die Deutschen Pater Maximilian Kolbe

Pater Maksymilian Maria Kolbe

Vor 85 Jahren, am 17. Februar, verhafteten die Deutschen den Franziskanerpater Maximilian Kolbe. Es war seine zweite Verhaftung. Er erlangte nie wieder seine Freiheit: Er wurde ins Gefängnis Pawiak und anschließend nach Auschwitz deportiert, wo er für einen Mithäftling sein Leben gab.

Rajmund Kolbe wurde am 8. Oktober 1894 in Zduńska Wola geboren. 1910 trat er dem Franziskanerorden bei und nahm den Namen Maksymilian an. Zwei Jahre später begann er sein Studium in Rom. Dort gründete er 1917 den Orden der Unbefleckten Empfängnis. Zwei Jahre später kehrte er nach Polen zurück. 1927 gründete er den Klosterverlag Niepokalanów bei Warschau. Drei Jahre später ging er nach Japan und kehrte 1936 zurück. Er übernahm die Leitung von Niepokalanów, damals das größte katholische Kloster der Welt.

Nach Kriegsausbruch verhafteten die Deutschen Kolbe und die Franziskaner erstmals im September 1939. Sie wurden im Dezember freigelassen. Nach ihrer Rückkehr machte sich Kolbe daran, 3.000 Plätze für Vertriebene aus dem besetzten Großpolen vorzubereiten, die Niepokalanów erreicht hatten.

Am 17. Februar 1941 wurde Maksymilian zum zweiten Mal verhaftet und ins Gefängnis Pawiak gebracht. Pater Antonio Riccardi, der Postulator im Seligsprechungsprozess des Franziskaners, vermutete, dass die politische Lage einer der Gründe für seine Verhaftung gewesen sein könnte. Deutschland plante einen Angriff auf die Sowjetunion, und die besetzten polnischen Gebiete bildeten eine wichtige Basis. Man wollte jeden ausschalten, der zum Widerstand anstiften könnte. Ein weiterer möglicher Grund könnten Veröffentlichungen im „Kleinen Journal“ in Niepokalanów gewesen sein, in denen Nazi-Deutschland unter anderem der Verfolgung von Katholiken beschuldigt wurde.

Der Biograf des Franziskaners, der französische katholische Schriftsteller Philippe Maxence, glaubt jedoch in seinem Buch „Maximilian Kolbe: Priester, Journalist, Märtyrer“, dass der Hauptgrund für die Verhaftung die Persönlichkeit des Mönchs und die ihn umgebende Aura war, die die Deutschen fürchteten.

Die Nazis brauchten einen Vorwand, um den Mönch zu verhaften, und 1941 fanden sie einen, indem sie ein belastendes Geständnis fälschten. Dieses stammte angeblich von einem ehemaligen Mönch namens Gorgoniusz Rembisz, der aus Niepokalanów verbannt worden war. Nach dem Krieg sagte er aus, die Nazis hätten ihn zu den antideutschen Äußerungen seines Vorgesetzten befragt, doch er stritt alles ab. Dennoch unterzeichnete er den Verhörbericht, der in Deutsch verfasst war, einer Sprache, die er nicht beherrschte. So fälschte die Gestapo Beweise gegen Kolbe.

Am 28. Mai 1941 wurde der Franziskanermönch von den Deutschen aus Pawiak nach Auschwitz deportiert. Er erhielt die Häftlingsnummer 16670. Die Historikerin des Auschwitz-Museums, Teresa Wontor-Cichy, berichtete, dass er zunächst Kies für den Bau eines Zauns um das Krematorium von Auschwitz transportierte. Anschließend schloss er sich einem Kommando in Babice an, das einen Zaun um eine Weide errichtete.

In Auschwitz verschlechterte sich Maksymilians Gesundheitszustand, und er wurde ins Lagerkrankenhaus eingeliefert. Wontor-Cichy betonte, dass sich die Häftlinge um den Mönch scharten und sich um ihn kümmerten. Als es ihm besser ging, drängten sie ihn sogar aus dem Krankenhaus, aus Angst, dort getötet zu werden. Er wurde daraufhin leichteren Arbeiten zugeteilt, zunächst in der Strumpfwerkstatt, wo Kleidung repariert wurde, und später im Kartoffelschuppen neben der Küche.

Ende Juli 1941 gelang einem Häftling die Flucht aus dem Lager. Zur Strafe ordnete Karl Fritzsch einen Appell an. Er wählte zehn Häftlinge aus und verurteilte sie zum Hungertod. Unter ihnen war Franciszek Gajowniczek, der verzweifelt war, seine Familie zurückzulassen. Pater Maksymilian hörte seine Worte. Er trat aus der Reihe, ging auf Fritzsch zu und erklärte sich bereit, Gajowniczek zu folgen. Der SS-Offizier willigte ein.

Nach zweiwöchiger Folter im Todestrakt lebte Pater Kolbe noch. Am 14. August 1941 wurde er von dem deutschen Häftling und Schwerverbrecher Hans Bock hingerichtet, der ihm eine tödliche Phenolspritze verabreichte.

Gajowniczek überlebte den Krieg. Er starb am 13. März 1995 in Brzeg.

Pater Maksymilian war der erste polnische Märtyrer des Zweiten Weltkriegs, der heiliggesprochen wurde. Wenige Wochen vor seinem Tod sagte er zu seinem Mitgefangenen Józef Stemler: „Hass ist keine schöpferische Kraft. Liebe ist eine schöpferische Kraft.“

In Lourdes und Fatima rief Maria zur Umkehr auf.

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Schreckliche Folgen drohen…

(Statue Unserer Lieben Frau von Fatima, weinend, am 17. Juli 1972 in New Orleans)

Wer Reue und Buße ablehnt, erfährt nicht Barmherzigkeit, sondern Gottes Gerechtigkeit. In der Rue du Bac, in Lourdes, in Fatima bleibt die Botschaft des Himmels unverändert: ein dringender Aufruf zur Umkehr zu Gott, bevor wir die schrecklichen Folgen unserer Abkehr von ihm erfahren. Wann und wie wird die Erde auf die barmherzigen Bitten des Himmels reagieren?, fragt der italienische Historiker Professor Roberto de Mattei.

Lourdes ist wie Fatima der Ort einer der bedeutendsten Marienerscheinungen der Geschichte. In der Grotte von Massabielle nahe dieser Stadt, eingebettet in die Ausläufer der Pyrenäen, erschien die Jungfrau Maria achtzehn Mal der vierzehnjährigen Bauerntochter Bernadette Soubirous. Dies geschah zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858. Der wundersame Charakter dieser Ereignisse wurde von Papst Pius IX. und all seinen Nachfolgern anerkannt. Einige von ihnen besuchten Lourdes. Bernadette wurde von der Kirche heiliggesprochen, und an den Erscheinungsorten wurden drei Basiliken errichtet, die ein einziges Heiligtum bilden. Es ist nach dem Petersdom und der Basilika von Guadalupe der drittmeistbesuchte Wallfahrtsort der Welt.

Der Name Lourdes ist vor allem mit der Unbefleckten Empfängnis verbunden, da die Jungfrau Maria dort das Dogma bestätigte, das Pius IX. vier Jahre zuvor, am 8. Dezember 1854, feierlich verkündet hatte. Am 25. März 1858 wandte sich Bernadette an die geheimnisvolle Dame, die ihr schon seit einiger Zeit erschien, und fragte sie, ob sie ihre Identität offenbaren wolle. Sie wiederholte die Frage dreimal, bis – wie sie selbst berichtet – die Muttergottes die Arme zur Erde ausbreitete, die Augen zum Himmel erhob und gleichzeitig die Hände vor der Brust zusammenführte und sprach: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ „Es scheint“, kommentierte Pius XII. hundert Jahre später, „dass die Jungfrau Maria selbst unter dem Beifall der gesamten Kirche auf wundersame Weise das Dekret des Stellvertreters ihres göttlichen Sohnes auf Erden bestätigen wollte“ (Enzyklika Fulgens Corona vom 8. September 1953).

Die Worte von Lourdes, „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“, bestätigen auch das Gebet, das die Jungfrau Maria selbst auf die Wundertätige Medaille eingravieren ließ, die der heiligen Katharina Labouré am 27. November 1830 in der Rue du Bac offenbart wurde und seither millionenfach von Generationen von Katholiken wiederholt wurde: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“ Die Menschen werden in Sünde empfangen, und um gerettet zu werden, müssen sie die Fürsprache der gnadenvollen Jungfrau Maria, die frei von jeder Sünde ist, annehmen.

Neben den Worten „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“ gibt es eine weitere Anrufung, die die Muttergottes in Lourdes während ihrer Erscheinung vor der heiligen Bernadette am 24. Februar 1858 mit großer Kraft ausspricht. Papst Pius XII. erinnerte daran: „Die unbefleckte Jungfrau, unberührt von Sünde, erscheint einem unschuldigen Mädchen. Sie tut dies in einer Gesellschaft, die sich des Übels, das sie verzehrt, völlig unbewusst ist und ihr Elend und ihre Ungerechtigkeiten hinter dem Schein von Wohlstand, Glanz und Sorglosigkeit verbirgt. Mit mütterlichem Mitgefühl wendet sie ihren Blick auf diese durch das Blut ihres Sohnes erlöste Welt, in der die Sünde leider täglich so viel Verwüstung anrichtet, und dreimal spricht sie ihren ergreifenden Appell: ‚Buße, Buße, Buße!‘ Sie bittet auch um bedeutsame Taten: ‚Geht und küsst die Erde zur Buße für die Sünder.‘ Und zu diesen Taten soll das Gebet hinzukommen: ‚Du sollst zu Gott für die Sünder beten.‘“ Wie schon zur Zeit Johannes des Täufers, wie zu Beginn des Wirkens Jesu Christi, weist dieser kraftvolle und entschiedene Appell den Menschen den Weg zurück zu Gott: „Kehrt um!“ (Mt 3,2; 4,17). Wer würde es wagen zu behaupten, dieser Aufruf zur Herzensumkehr habe in unserer Zeit an Bedeutung verloren? (Enzyklika „ Le pèlerinage de Lourdes “ vom 2. Juli 1957 zum hundertsten Jahrestag der Marienerscheinungen).

Buße ist, wie Pius XII. erklärte, vor allem ein Aufruf zur Herzensumkehr, zu tiefer Reue und zur Versöhnung mit Gott. Nur so lässt sich die Bedeutung der Wunder verstehen, die Lourdes von Anfang an geprägt und den Ort zu einem weltweiten Anlaufpunkt für Kranke und Leidende gemacht haben. Um jegliche Sensationsgier zu vermeiden, strebte die Kirche von Beginn an eine strenge Prüfung dieser Heilungen an. 1905 gründete Papst Pius X. offiziell das „Bureau des constatations médicales“ (Amt für medizinische Gutachten), in dem Ärzte unterschiedlicher Ausbildung und Konfession die gemeldeten Heilungen nach wissenschaftlichen Kriterien untersuchen.

Laut Alessandro De Franciscis, dem seit 2009 amtierenden Leiter des Heiligtums, enthalten die Archive des Wallfahrtsortes Dokumente zu rund 7.500 Heilungen, die als medizinisch unerklärlich gelten. Von diesen wurden lediglich 72 von der Kirche offiziell als Wunder anerkannt, was die äußerst vorsichtige Vorgehensweise bestätigt. Am 16. April 2025 gab das Heiligtum das letzte offiziell anerkannte Wunder in Lourdes bekannt: die Heilung von Antonio Raco im Jahr 2009, einer Frau, die an primärer Lateralsklerose litt.

Lourdes lediglich als „Ort der Wunder“ zu betrachten, wäre jedoch irreführend: Körperliche Heilungen sind zwar außergewöhnlich, aber in einen umfassenderen Kontext eingebettet, in dem die wahre Bedeutung in der Herzensumkehr liegt. Als Jesus zu dem Gelähmten sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“ (Markus 2,5) und ihn dann heilt, zeigt er, dass körperliche Heilung ein Zeichen höherer Macht ist. „Christus“, erklärt der heilige Thomas von Aquin, „wirkte körperliche Wunder, um zu zeigen, dass er die Macht hat, geistliche Wunder zu vollbringen, die größer sind“ (Summa Theologiae, III, q.44, a.2). Wer den Körper heilen kann, kann auch die Seele heilen und das zum Leben erwecken, was scheinbar unausweichlich dem Tod geweiht ist. Um jedoch geheilt zu werden, müssen wir die Gnade der Buße und Umkehr annehmen, die Jesus uns anbietet.

Der Aufruf zur Buße und Umkehr in Lourdes unterscheidet sich nicht von dem in Fatima, wo die drei Hirtenkinder laut dem „Dritten Geheimnis“ links von der Muttergottes, etwas oberhalb, einen Engel sahen, der in seiner linken Hand ein flammendes Schwert hielt. Funkelnd sprühte es Flammen, die die Welt in Brand zu setzen schienen; doch sie erloschen im Glanz, der von der rechten Hand der Muttergottes zu ihm ausstrahlte. Der Engel deutete mit der rechten Hand auf die Erde und rief laut: „Buße, Buße, Buße!“ Diese Worte wurden, wie in Lourdes, dreimal wiederholt, nicht von Maria, sondern von dem Engel mit dem flammenden Schwert.

Wer Buße und Reue ablehnt, erfährt nicht Barmherzigkeit, sondern Gottes Gerechtigkeit. In der Rue du Bac, in Lourdes, in Fatima bleibt die himmlische Botschaft unverändert: ein dringender Aufruf zur Umkehr zu Gott, bevor wir die schrecklichen Folgen unserer Abkehr von ihm erfahren. Wann und wie wird die Erde auf die barmherzigen Bitten des Himmels reagieren?

Seilziehen um Assessment-Resultate – Landeskirchen in der Schweiz ausser Kontrolle

Konsekrierte Hostien an Hunde verfüttert? Bistum Chur prüft Vorwurf weiter
Konsekrierte Hostien an Hunde verfüttert? Bistum Chur prüft weiter.

In der aktuellen Debatte um die Einführung eines nationalen Registers – gepocht durch Landeskirchen, welche sich aber nicht kontrollieren lassen – für die Assessment-Resultate von Seelsorgenden in der Schweiz entfaltet sich ein komplexes Machtspiel zwischen den Bischöfen und den Landeskirchen. Während die Schweizer Bischöfe ernsthaft an der Schaffung dieses Registers arbeiten, äussert der Dachverband der Landeskirchen vehemente Kritik. Insbesondere wird bemängelt, dass bisher kein Einblick in die Assessments gewährt wird, obwohl die Gremien der Landeskirchen häufig die Arbeitgeber der Seelsorgenden sind.

Diese Situation wirft Fragen zur Transparenz und Fairness interner Entscheidungsprozesse auf. Die Arbeiter der Landeskirchen sowie deren Funktionäre geniessen einen besonderen Schutz, was dazu führt, dass viele personalrechtliche Beschwerden ausschließlich intern behandelt werden. Ein externes Gericht wird oft erst nach einer jahrelangen internen Prüfung angerufen, die nicht selten mit dem vorprogrammierten Ergebnis endet, die Landeskirchen selbst zu schützen. Diese Praxis lässt berechtigte Zweifel an der Integrität und Objektivität der internen Verfahren aufkommen.

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns fragen: Handelt es sich hierbei um Praktiken eines Rechtsstaates oder eher um die Machenschaften einer korrupten Organisation?

Der Druck, der auf die Bischöfe ausgeübt wird, ist unübersehbar – gleichzeitig wird jedoch bei internen Fällen von Machtmissbrauch geschwiegen. Ein Beispiel hierfür ist die Landeskirche Aargau, deren Präsident über Jahre hinweg Mitarbeiter sowohl von innen als auch von aussen unter Druck setzte und korrumpierte.

Wird die Integrität der Seelsorge in der Schweiz durch solche Machenschaften gefährdet?

Ist die aktuelle Situation das Ergebnis eines fehlerhaften Systems, das sich in einer Art „Mafia“-Struktur verfestigt hat, in der Loyalität über Gerechtigkeit gestellt wird?

Die Notwendigkeit einer Reform ist offensichtlich. Der Weg zu mehr Transparenz und Verantwortung beginnt mit dem Schritt, interne Prozesse kritisch zu hinterfragen und externe Kontrollen zuzulassen. Nur so kann das Vertrauen in die Institutionen der Landeskirchen wiederhergestellt werden.

Die schwachen Bischöfe stehen Jahren vor der Herausforderung, nicht nur das Vertrauen ihrer Gläubigen zu gewinnen, sondern auch sicherzustellen, dass die Seelsorgenden in einem fairen und gerechten Umfeld arbeiten können.

Landeskirchen erschliessen neue Quellen zum Erwerb der personenbezogenen Daten

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Wunderbares Überleben?
Täuschungen der Taktiken

Die Jagd der Landeskirchen nach personenbezogenen Daten aus nicht kirchlich gesteuerten Vereinen und privaten Gruppierungen hat in der Schweiz eine brisante Dynamik angenommen.

Hinter diesem Vorgehen steckt offenbar ein umfassender Plan, der sowohl wirtschaftliche als auch datenschutzrechtliche Fragen aufwirft. Die Landeskirchen suchen nach neuen Einnahmequellen und fördern zunehmend die verpflichtende und kostenpflichtige Erstellung professioneller Webseiten für kirchliche Organisationen und private Vereine, die nicht direkt unter ihrer Kontrolle stehen. Diese erhalten Angebote für Webdienstleistungen, um ihre digitale Präsenz zu erneuern oder zu verwalten. Dabei werden bevorzugt Unternehmen beauftragt, die den Landeskirchen bekannt und vertraut sind – ein scheinbar lukratives Geschäftsfeld. Allerdings bringt diese Entwicklung potenzielle Risiken mit sich. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist der Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten, deren Zugriff die Landeskirche offenbar anstrebt.

Die Kontrolle über diese Informationen scheint immer häufiger zur Vermittlungsarbeit zwischen kirchlichen und nicht kirchlichen Organisationen genutzt zu werden. Die Sorge, dass Datenschutzstandards unterwandert werden, ist berechtigt, insbesondere da die Landeskirchen in der Schweiz eigene Regelungen geschaffen haben, die rechtliche Grauzonen öffnen und Möglichkeiten zur breiten Überwachung von gläubigen Katholiken bieten, die sich nicht von linksliberalen Strömungen beeinflussen lassen wollen.

Ein exemplarisches Beispiel hierfür ist die Rechtslage im Kanton Luzern. Die dortige Landeskirche hat neben den kantonalen Vorgaben ein eigenes Synodalgesetz sowie eine Kirchen-Datenschutzverordnung erlassen. Darin werden detaillierte Vorgaben formuliert, welche personenbezogenen Daten gesammelt und weitergegeben werden dürfen. Laut § 2 Satz 1 der Verordnung umfassen diese Name, Rufname, Geschlecht, Geburtsdatum, Zivilstand, Heimatort oder Nationalität, Aufenthaltsstatus sowie Zuzugs- und Wegzugsdaten. Ebenfalls erfasst werden Informationen über Kinder unter 16 Jahren – einschliesslich ihres Namens, Geburtsdatums und ihrer Konfession. Besonders brisant: Sowohl Pfarrei als auch Kirchgemeinde erhalten Zugriff auf diese sensiblen Angaben. Die Verordnung eröffnet weiteren Institutionen Zugang zu diesen Daten.

So dürfen etwa kirchliche Behörden oder im Pfarrdienst Tätige gemäss § 3 Satz 1 weitere personenbezogene Informationen von Schulbehörden oder Spitalverwaltungen einholen. Auch die Weitergabe unter kirchlichen Organisationen ist gestattet – vorausgesetzt, sie dient einem kirchlichen Zweck (Steuerzwecke auch?) und wird ausschliesslich für diesen verwendet. Doch welcher Art von Einrichtungen, Gruppen oder Pfarreiveröffentlichungen diese Informationen zugänglich gemacht werden dürfen, bleibt oftmals vage geregelt und liegt nach § 10 Abs. 2 in der Hand der Kirchgemeinde. Interessant ist zudem, wie mit sensiblen Ereignissen wie Taufen, Eheschliessungen oder Kirchenaustritten umgegangen wird. Informationen darüber können veröffentlicht werden, wobei hier häufig Bestimmungen aus dem allgemeinen Kirchenrecht greifen.

Auf den ersten Blick mag die Sammlung und Nutzung dieser personenbezogenen Daten notwendig erscheinen, um ein gut koordiniertes kirchliches Zusammenleben innerhalb von Vereinen, Pfarreien und Seelsorgeeinrichtungen zu ermöglichen. Doch der Balanceakt zwischen einem funktionierenden Informationsfluss und dem Schutz persönlicher Daten könnte zentral für das Vertrauen der Gläubigen bleiben. Sie haben ein Recht darauf, dass ihre Privatsphäre gemäss c. 220 CIC/1983 des Kirchenrechts respektiert wird. Dem müsste durch staatskirchenrechtliche sowie kanonische Vorschriften Rechnung getragen werden – aber wie kann dies in der Praxis gelingen, wenn der aus dem Steuersystem der Landeskirchen Austretende zugleich falsche Informationen erhält und manipuliert wird in etwa, dass er auch kirchenrechtliche Konsequenzen zwingend trägt, was offensichtlich dem Schweizer Bundesgerichtentscheid ( 2P.321/2006 vom 16. November 2007) wiederspricht.

Hier zeigen sich grosse Herausforderungen: Wann wird das Schutzbedürfnis des Einzelnen von kirchlichen Interessen überlagert? Besteht die Gefahr, dass Kirchenrecht durch undurchsichtige landeskirchliche gesetzliche Regelungen ausgehöhlt wird? Der Umgang mit den sensiblen Daten sollte keine Hintertür für invasive Kontrolle öffnen, sondern vielmehr bewusste und transparente Entscheidungen ermöglichen.

Es bleibt zu handeln, wie dieses Spannungsfeld in nun gehandhabt wird und ob eine klare Regelung zum Schutz der Persönlichkeit tatsächlich den Vorrang gegenüber wirtschaftlichen Interessen erhalten hat. Nur so kann das Vertrauen langfristig aufgebaut werden. Petition zum Datenschutz vor der Landeskirchen könnte starten.

Grossbritannien: 700 anglikanische Geistliche sind bereits zum Katholizismus konvertiert

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Kardinal Radcliffe enthüllt, warum Leo XIV. ausgewählt wurde
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Zwischen 1992 und 2024 konvertierten etwa 700 anglikanische Geistliche, darunter 16 „Bischöfe”, zum Katholizismus. Davon wurden 486 zu bedeutenden Priestern geweiht und 5 wurden ständige Diakone.

Geistliche, die zum Katholizismus konvertiert sind, müssen eine gültige Priesterweihe erhalten, wenn sie ihren Dienst fortsetzen möchten. 1896 regierte Papst Leo XIII. in einer Bulle Apostolicae curae, dass „Ordination” Anglikanisch „absolut ungültig und völlig wirkungslos” ist. Der Papst wies als Grund darauf hin, dass im 16. Jahrhundert anglikanische Gewöhnlich Klare Verweise auf das Opferpriestertum und die Messe als Opfer wurden entfernt. Unterdessen brachte die veränderte Form der Ordination eine andere Amtstheologie zum Ausdruck, die nicht mit dem katholischen Verständnis des Priestertums vereinbar war. Folglich – selbst wenn die Bischofsnachfolge gewahrt bliebe – wurde die Absicht des Bischofs, die Weihe zu erteilen, als unzureichend erachtet. Von den ehemaligen Anglikanern, die zu katholischen Priestern geweiht wurden, arbeiten 69 Prozent in Diözesen in England und Wales; der Rest in Diözesen auf der ganzen Welt oder in Religionsgemeinschaften, denen sie beigetreten sind. Die wenigen Fälle einer Rückkehr zur Church of England ereigneten sich hauptsächlich in den 1990er Jahren. 20. Jahrhundert. Es wurden zwei Wellen der Konvertierung zum Katholizismus beobachtet. Die erste folgte auf die Entscheidung der Church of England aus dem Jahr 1992, Frauen zum Priester zu ordinieren, die zwei Jahre später in Kraft trat. Zu dieser Zeit konvertierten über 150 anglikanische Geistliche zur katholischen Kirche. Die zweite Welle folgte auf die Veröffentlichung der apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus” durch Benedikt XVI. im Jahr 2009, die 2011 zur Gründung des Personalordinariats Unserer Lieben Frau von Walsingham führte. Diese kanonische Struktur ermöglichte es den Anglikanern, in volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu treten und dabei einige Elemente ihrer eigenen liturgischen, spirituellen und pastoralen Tradition beizubehalten. Anschließend kam es zu etwa 80 weiteren Konversionen anglikanischer Geistlicher. Abgesehen von diesen beiden außergewöhnlichen Momenten werden pro Jahr mindestens zehn Konvertierungen und Ordinationen registriert. Die Forscher waren überrascht, als sie feststellten, dass 29 % aller zwischen 1992 und 2024 in den Diözesen England und Wales geweihten Priester ehemalige anglikanische Geistliche waren. Durch die Hinzufügung der Ordination im Ordinariat Unserer Lieben Frau von Walsingham erhöht sich dieser Prozentsatz auf 35 %. Und zwischen 2015 und 2024 machten ehemalige Anglikaner fast ein Fünftel aller Ordinierten aus. Von den 53 ehemaligen anglikanischen Geistlichen, die in dieser Zeit katholische Priester wurden, wählten 28 das Ordinariat und 25 wurden in verschiedenen Diözesen inkardiniert. Es war daher ein wesentlicher Beitrag zur Zahl der Geistlichen in der katholischen Kirche, die von der Berufungskrise betroffen waren. Die Konvertierung eines anglikanischen Geistlichen zum Katholizismus war nicht immer mit der Priesterweihe verbunden. Viele haben eine säkulare Arbeit gefunden und einige haben bereits das Rentenalter erreicht. Im Rahmen der Studie durchgeführte Interviews zeigten, dass der Weg zur katholischen Kirche oft das Ergebnis jahrelanger Zweifel und innerer Unruhen war. Themen wie der Verlust früherer Einkünfte, das Pfarrhaus, die Kinderschule und die Unsicherheit über die zukünftige Beschäftigung waren ebenfalls von großer Bedeutung für die Entscheidung, den Anglikanismus zu verlassen. Für viele bedeutete Konversion, in das Vakuum zu springen, in das sie ihre gesamte Familie hineinzogen. Diejenigen, die sich für das katholische Priestertum entschieden, begannen, einen oft vorherbestimmten Weg einzuschlagen, der von Diözese zu Diözese unterschiedlich war und von langen Ausbildungsphasen geprägt war, in denen sie auf die Zustimmung des Heiligen Stuhls warteten, insbesondere im Fall verheirateter Geistlicher, sowie von Zeiten finanzieller Not. Viele Befragte sprachen von jahrelangem starkem Stress, den sie in einer Situation erlebten, in der sie nicht wussten, ob ihre Ordination überhaupt stattfinden würde. Die Situation hat sich seit der Gründung des Ordinariats geändert, wodurch dieser Weg zum Priestertum klarer definiert wurde, ohne jedoch den Diözesen Berufungen zu entziehen. Seit 1896 bietet die St. Barnabas Association Geistlichen und geweihten Personen anderer christlicher Konfessionen, die katholisch werden möchten, pastorale, rechtliche und finanzielle Unterstützung. Quelle: SIR

Karneval in der christlichen Tradition.

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Karneval – locker erklärt

Karneval ist mehr als nur Kostüme und Konfetti. Die närrische Zeit hat ihren Ursprung in der christlichen Tradition. Früher war der Karneval die letzte Gelegenheit, vor der Fastenzeit noch einmal ausgelassen zu feiern und zu geniessen. Die Fastenzeit beginnt mit Aschermittwoch und dauert 40 Tage bis Ostern – eine Zeit der Besinnung und des Verzichts.

Das Wort „Karneval“ kommt vermutlich von „carne vale“ – „Fleisch, leb wohl“. Damit wurde der Abschied vom Fleisch in der Fastenzeit angekündigt. Auch die bunten Masken und das ausgelassene Treiben haben eine Bedeutung: Sie erinnern daran, dass wir Menschen trotz aller Unterschiede gleich vor Gott sind.

Heute verbinden wir Karneval mit Freude und Gemeinschaft – und das passt gut zum Glauben. Denn ein fröhliches Herz tut dem Menschen gut (vgl. Sprüche 17,22). Also: Feiern wir mit Mass und Respekt, aber voller Lebensfreude – als Geschenk Gottes!

2. Februar – Darstellung des Herrn – Tag des Geweihten Lebens

Samen des Friedens

Das Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens hat kurz vor dem 30. Welttag des geweihten Lebens am Montag (2. Februar 2026) einen Brief an alle „Brüder und Schwestern des geweihten Lebens“ geschickt. Der Vatikan informierte über das Schreiben mit dem Titel „Prophetische Präsenz: Geweihtes Leben dort, wo die Würde verletzt und der Glaube geprüft wird.“

Gebetswoche für die Einheit der Christen: Gruppe aus Bossey in Rom

Als „Prophetische Präsenz der Gegenwart und Samen des Friedens“ in der Geschichte sind die Gottgeweihten aus aller Welt die Adressaten des Briefes, der am Mittwoch (28. Januar) von der Präfektin des Dikasteriums, Schwester Simona Brambilla M.C., dem Pro-Präfekten, Salesianerkardinal Ángel Fernández Artime, und Sekretärin Tiziana Merletti S.F.P unterzeichnet wurde. Das Schreiben wurde wenige Tage vor dem 30. Welttag des geweihten Lebens veröffentlicht, der am 2. Februar, Fest der Darstellung des Herrn, gefeiert wird und dessen Höhepunkt die Messe mit Papst Leo XIV. um 17 Uhr im Petersdom ist.

Eine Präsenz, die bleibt

Die Spitzenvertreter des Dikasteriums schreiben, dass sie im Laufe des Vorjahres während ihrer Reisen und Pastoralbesuche das Leben vieler Geweihter kennenlernen durften. Dabei hätten sie zahlreiche Menschen getroffen, die berufen sind, „komplexe Situationen“ auszuhalten: Kontexte, die geprägt sind von „Konflikten, sozialer und politischer Instabilität, Armut, Ausgrenzung, Zwangsmigration, religiösen Minderheiten, Gewalt und Spannungen” – allesamt Elemente, die „die Würde der Menschen, ihre Freiheit und mitunter sogar den Glauben selbst auf die Probe stellen”. Aber – so wird in besagtem Brief betont – diese Erfahrungen offenbarten zugleich, wie „stark“ die „prophetische Dimension des Ordenslebens als eine bleibende Gegenwart“ sei, an der Seite „verwundeter Völker und Personen, an Orten, an denen das Evangelium oft unter Bedingungen von Zerbrechlichkeit und Bewährung“ gelebt werde.

Zeichen eines Gottes, der sein Volk nicht verlässt

Dieses „Ausharren“, das „unterschiedliche Gesichter und Formen annimmt“, so wie auch die Komplexität der Gesellschaften unterschiedlich ist, je nachdem, ob das tägliche Leben von „institutioneller Fragilität und Unsicherheit“ geprägt ist oder ob religiöse Minderheiten „Druck und Einschränkungen“ erfahren. Aber auch dort, wo Wohlstand mit „Einsamkeit, Polarisierung, neuen Formen von Armut und Gleichgültigkeit“ einhergeht; und dort, „wo Migration, Ungleichheiten und verbreitete Gewalt das zivile Zusammenleben herausfordern.“ In vielen Teilen der Welt „stellt die politische und soziale Lage das Vertrauen auf die Probe und zermürbt die Hoffnung“, heißt es in dem Brief. Deshalb sei die „treue und demütige, kreative und diskrete“ Präsenz der Gottgeweihten ein „Zeichen dafür, dass Gott sein Volk nicht verlässt“.

„Ausharren” gemäss dem Evangelium

Darüber hinaus enthält das Dokument eine Reflexion über das Konzept des „Ausharrens” im Sinne des Evangeliums, das niemals „Stillstand oder Resignation” sei, sondern „tätige Hoffnung“, die „Haltungen und Gesten des Friedens“ hervorbringe: „Worte, die entwaffnen, gerade dort, wo die Wunden der Konflikte die Geschwisterlichkeit auszulöschen scheinen; Beziehungen, die den Wunsch nach Dialog zwischen Kulturen und Religionen bezeugen“. Dies geschieht durch „Entscheidungen, die die Kleinen schützen“, auch wenn „es einen Preis kostet, an ihrer Seite zu stehen“. Es brauche, „Geduld in Prozessen, auch innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft; Beharrlichkeit in der Suche nach Wegen der Versöhnung“ – und „Mut zur Benennung von Situationen und Strukturen, die die Würde der Menschen und die Gerechtigkeit verleugnen.“ Angesichts all dieser Elemente sei dieses „Ausharren“ nicht nur eine persönliche oder gemeinschaftliche Entscheidung, sondern werde zu einem „prophetischen Wort für die ganze Kirche und für die Welt“.

Viele Ausdrucksformen einer einzigen Prophezeiung

Wie bei dem „Samen, der bereit ist in die Erde zu fallen und zu sterben, damit Leben aufblühen kann“, kommt in diesem Ausharren die Prophetie des gesamten geweihten Lebens zum Ausdruck, in all seinen unterschiedlichen und sich ergänzenden Formen: So mache das apostolische Leben beispielsweise eine „tätige Nähe“ „sichtbar“, die die verletzte Würde stützt; das kontemplative Leben „bewahrt in Fürbitte und Treue die Hoffnung, wenn der Glaube auf geprüft wird.“ Weiterhin zählt der Brief die Lebensformen auf: Die Säkularinstitute „bezeugen das Evangelium als stilles Sauerteigwirken in der sozialen und beruflichen Welt“; der Ordo virginum offenbart die Kraft der Unentgeltlichkeit und der Treue, die „Zukunft eröffnet“; das eremitische Leben erinnert an „den Vorrang Gottes und das Wesentliche in Erinnerung, das das Herz entwaffnet”. In der Vielfalt all dieser Formen, so wird in dem Brief betont, „nimmt eine einzige Prophetie Gestalt an: mit Liebe zu bleiben, nicht zu fliehen, nicht zu schweigen, und das eigene Leben ins Wort für diese Zeit und diese Geschichte zu bringen.”

Aufblühen wie Samen des Friedens

Innerhalb dieser „Prophetie des Ausharrens” reife ein Zeugnis des Friedens, das – so das Schreiben weiter – als „ein anspruchsvoller und alltäglicher Weg” verstanden werde, der „Hören, Dialog, Geduld, Umkehr des Denkens und des Herzens sowie die Absage an die Logik der Macht des Stärkeren” verlange. Aus diesem Grund, so wird erklärt, wird das gottgeweihte Leben, „wenn es an den Wunden der Menschheit bleibt, ohne der Logik der Konfrontation zu verfallen, aber ohne darauf zu verzichten, die Wahrheit Gottes über den Menschen und die Geschichte auszusprechen”, zum „Handwerker des Friedens”.

Das Dokument schliesst mit einem Dank an die Ordensleute für ihre Beharrlichkeit, der Aufforderung, im Geiste des ihnen gewidmeten Jubiläums am 10. Oktober Pilger der Hoffnung auf dem Weg des Friedens zu bleiben, und der Bitte an den Herrn, dass er sie „festige in der Hoffnung und sanftmütig im Herzen mache, fähig auszuharren, zu trösten und neu zu beginnen: und so in Kirche und Welt prophetische Präsenz zu leben und Same des Friedens zu sein.“ 

(Quelle: vatican news)