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MAGNIFICA HUMANITAS

Der Text der ersten Enzyklika von Papst Leo im WORTLAUT

ENZYKLIKA MAGNIFICA HUMANITAS DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. ÜBER DIE BEWAHRUNG DES MENSCHEN
IM ZEITALTER DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ

EINLEITUNG

Die res novae unserer Zeit
Zwei biblische Bilder
Im Guten aufbauen
Menschlich bleiben

ERSTES KAPITEL

EIN DYNAMISCHES DENKEN IM GEISTE DES EVANGELIUMS

EINE KIRCHE UNTERWEGS IN DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT
Die Weisheit des Wortes Gottes und der Dialog mit den Geisteswissenschaften
Die Soziallehre als gemeinschaftliche Entscheidungsfindung
DIE ENTWICKLUNG DER KIRCHLICHEN SOZIALLEHRE VON LEO XIII. BIS HEUTE
Die ersten Schritte der Soziallehre der Kirche
Die Jahre des Zweiten Vatikanischen Konzils
Das jüngere Lehramt
EINE DEUTUNG DER GESCHICHTE IM LICHT DES GLAUBENS

ZWEITES KAPITEL

GRUNDLAGEN UND PRINZIPIEN DER SOZIALLEHRE DER KIRCHE

DIE GRUNDLAGEN DER SOZIALLEHRE
Der Mensch als Abbild des dreifaltigen Gottes
Die gleiche Würde aller Menschen
Der sehr hohe Wert der Menschenrechte
DIE PRINZIPIEN DER SOZIALLEHRE
Das Prinzip des Gemeinwohls
Das Prinzip der allgemeinen Bestimmung der Güter
Das Subsidiaritätsprinzip
Das Solidaritätsprinzip
Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit
DIE GANZHEITLICHE MENSCHLICHE ENTWICKLUNG
VERGEWISSERUNG FÜR DIE KIRCHE

DRITTES KAPITEL
TECHNIK UND HERRSCHAFT.

DIE GRÖSSE DER MENSCHLICHEN PERSON ANGESICHTS DER
VERSPRECHEN DER KI
DAS TECHNOKRATISCHE PARADIGMA UND DIE DIGITALE MACHT
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
Ein wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht erfordert
Verantwortung, Transparenz und Steuerung von KI
WAS WIR NICHT VERLIEREN DÜRFEN
Zugrundeliegende Narrative: Transhumanismus und Posthumanismus
Die Begrenztheit, das Herz, die Größe des Menschen
DAS WAHRE MORE THAN HUMAN: GNADE UND CHRISTLICHER HUMANISMUS
ZWEI STÄDTE UND ZWEI ARTEN VON LIEBE

VIERTES KAPITEL

DAS MENSCHLICHE IN ZEITEN DES WANDELS BEWAHREN.

WAHRHEIT, ARBEIT, FREIHEIT
DIE WAHRHEIT ALS GEMEINGUT
Wahrheit und Demokratie
Kommunikation und kollektive Vorstellungswelt
Für eine Ökologie der Kommunikation
Ein Bildungsbündnis für das digitale Zeitalter
Die zentrale Rolle der Schule
DIE WÜRDE DER ARBEIT IM DIGITALEN WANDEL
Der Wert der Arbeit
Das Problem der Arbeitslosigkeit
Eine Wirtschaft, die die Würde hervorhebt
Familie und Jugend: gesellschaftliche Voraussetzungen der Hoffnung
DIE FREIHEIT VOR ABHÄNGIGKEIT UND KOMMERZIALISIERUNG SCHÜTZEN
Abhängigkeiten und soziale Kontrolle
Die Ketten der neuen Formen der Sklaverei sprengen
EINE GEMEINSAME VERANTWORTUNG

FÜNFTES KAPITEL
DIE KULTUR DER MACHT UND DIE ZIVILISATION DER LIEBE

DIE ZIVILISATION DER LIEBE IM DIGITALEN ZEITALTER
DIE KULTUR DER MACHT
Die Normalisierung des Krieges
Entgrenzte Gewalt
Waffen und KI
Die Krise des Multilateralismus
Ein vermeintlicher politischer Realismus
DIE ZIVILISATION DER LIEBE ERREICHTEN
Wir alle können unseren Beitrag leisten.
Die Worte entwaffnen
Frieden in Gerechtigkeit aufbauen
Die Perspektive der Opfer einnehmen
Einen gesunden Realismus pflegen
Den Dialog neu anstoßen
Die Notwendigkeit von Diplomatie und Multilateralismus
Beten und hoffen

SCHLUSS

Das Wort ist Fleisch geworden.
Ein Leib in Christus
Die Baustelle unserer Zeit
Das Lied der Hoffnung: das Magnifikat

EINLEITUNG

1. Die von Gott geschaffene GROSSARTIGE MENSCHHEIT steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen. Jede Generation erbt die Aufgabe, die eigene Zeit zu gestalten, damit die Geschichte zu einem Ort reifen kann, an dem die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht wird. Doch jeder Epoche droht die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird. Wo die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht zu verlieren, da erheben wir Christen unseren Blick zu dem Gott, der Mensch geworden ist, in dem Wissen, dass sich »nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft« aufklärt. Diese großartige Menschheit wird in Jesus Christus zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben und eröffnet jedem von uns den Weg zur Erfüllung.

2. Auf Christus, den lebendigen Stein, gegründet, erfahren wir das mächtige und  geheimnisvolle Wirken des Heiligen Geistes, und wir glauben, dass jedes echte menschliche Bemühen, mit ihm zum Guten zusammenzuarbeiten, von unserem himmlischen Vater, auf den wir unsere Hoffnung setzen, gesegnet ist. Deshalb können wir uns engagiert an all den Initiativen beteiligen, die eine gerechtere Welt aufbauen, und können wir auch andere dazu aufrufen, bei der Förderung der ganzheitlichen Entwicklung jedes Menschen mit uns zusammenzuarbeiten. Wir möchten in Dialog mit allen Männern und Frauen unserer Zeit treten, mit denen wir
die Ereignisse, Fragen und Wünsche der Menschheit teilen.2 Wir wollen gemeinsam mit ihnen neue Wege zur Verwirklichung des Gemeinwohls und zur Förderung eines würdigen Lebens für alle finden. Diese Haltung des Dialogs ist ein wesentlicher Bestandteil der Berufung der Kirche, denn »sie ist ja in Christus gleichsam das Sakrament […] für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit« und erkennt in der Geschichte den Ort, an dem das Evangelium die
menschliche Erfahrung herausfordert und begleitet.

3. In diesem Geiste veröffentlichte Leo XIII. im Jahr 1891 die Enzyklika „Rerum novarum“, deren 135-jährigen Jahrestag wir in nun mit großer Dankbarkeit begehen. Mit jenem Dokument gab mein geliebter Vorgänger den Anstoß zu jener Reflexion
über Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, die wir heute als „Soziallehre der Kirche“ bezeichnen. Und als einige einwandten, die Kirche solle keine Energie auf weltliche Angelegenheiten verschwenden, sondern sich vielmehr darauf konzentrieren, eine Botschaft des ewigen Lebens zu vermitteln, antwortete er mit Realismus und Weisheit, dass die Verkündigung des Evangeliums das konkrete Leben der Menschen nicht außer Acht lassen darf.  Seitdem sind viele Jahrzehnte vergangen, und das Lehramt, die Hirten, die Theologen und die Gläubigen haben im Lichte des Evangeliums über soziale Fragen weiter nachgedacht. Heute ist die
Soziallehre der Kirche ein Schatz an Weisheit, in dem wir Denkgrundsätze, Kriterien zum Unterscheiden und Urteilen sowie konkrete Handlungsorientierungen finden.

Sie gründet auf der Heiligen Schrift und der Tradition und hilft uns im Dialog mit den Wissenschaften, die Herausforderungen der Gegenwart hellsichtig zu deuten und geeignete Wege aufzuzeigen, um freudig ein klares christliches Zeugnis zu geben, das der Welt dient. Die Soziallehre ist kein statisches Begriffsgefüge, sondern ein lebendiges Korpus an Wahrheiten, der die Berufung der Menschheit zu einem erfüllten und gerechten Leben bewahrt und auslegt. Zu dieser lebendigen Tradition möchte auch ich meinen Beitrag leisten und dazu erbitte ich den Beistand des Geistes der Weisheit, der von Anfang an in der Welt zugegen ist (vgl. Spr 8, 22-31). 

Die res novae unserer Zeit

4. Wenn Leo XIII. zu seiner Zeit von „Neuerungen“ (rerum novarum) sprach, können wir heute nicht einfach seine wertvollen Lehren wiederholen, sondern müssen Gott um Weisheit bitten, um die großen Entwicklungen unserer Zeit recht zu deuten, insbesondere die im Bereich der Technik. In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, wie rasch und tiefgreifend Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik unsere Welt verändern. Die Technik ist an sich nicht als eine menschenfeindliche Kraft zu betrachten; im Gegenteil, sie ist von Anfang an in unserer Geschichte verwurzelt, als »eine zutiefst menschliche Erscheinung, die an die Autonomie und Freiheit des Menschen geknüpft ist«. Die technische Entwicklung hat im Laufe der Jahrhunderte zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit beigetragen; zugleich hat jede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind. Heute sehen wir uns jedoch mit einer neuen Situation konfrontiert, in der die Macht und Omnipräsenz neuer Technologien die Struktur des täglichen Lebens durchwirken, Entscheidungsprozesse prägen und die kollektive Vorstellungswelt tiefgreifend
beeinflussen: »Nie hatte die Menschheit so viel Macht über sich selbst«. Die neuen Technologien eröffnen einen Horizont, der sich in Richtungen erstreckt, die sich zwar erahnen, aber noch nicht vollständig vorhersagen lassen. Dies erschwert die Beurteilung ihrer Auswirkungen und langfristigen Folgen für die Würde des Einzelnen und für das Gemeinwohl.

5. Nun ist es an uns, den Herausforderungen unserer Zeit mit Klarheit und Verantwortungsbewusstsein zu begegnen. Es ist notwendig, angemessene Regulierungsinstrumente einzuführen, die in der Lage sind, die Gerechtigkeit zu schützen und die verzerrenden Auswirkungen von technologischer Macht einzudämmen. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf die Regulierung. Wie Papst Franziskus warnte, müssen wir uns ganz realistisch fragen, wer diese Macht heute innehat und zu welchen Zwecken sie eingesetzt wird: »Wir können aber nicht unbeachtet lassen, dass die Nuklearenergie, die Biotechnologie, die Informatik, die Kenntnis unserer eigenen DNA und andere Fähigkeiten, die wir erworben haben […] denen, welche die Kenntnis und vor allem die wirtschaftliche Macht besitzen, sie einzusetzen, eine beeindruckende Gewalt über die gesamte Menschheit und die
ganze Welt«7 verleihen. In der Vergangenheit waren es in erster Linie die Staaten, die Innovationen lenkten und steuerten. Heute sind die Haupttriebkräfte der Entwicklung hingegen private, oft transnationale Akteure, die über Ressourcen und
Handlungsmöglichkeiten verfügen, die denen vieler Regierungen überlegen sind. Die technologische Macht nimmt somit eine beispiellose, vorwiegend „private“ Gestalt an und ist aus diesem Grund noch schwieriger zu erkennen, zu steuern und auf das
Gemeinwohl auszurichten.

6. Deswegen ist es erforderlich, einen gemeinsamen Reflexionsprozess einzuleiten, der in der Lage ist, die geistigen und kulturellen Wurzeln der laufenden Veränderungen zu ergründen. Wenn wir uns auf unwesentliche Umstände beschränken, laufen wir Gefahr, dass nicht wir selbst, sondern aufeinanderfolgende Notsituationen die Richtung unseres Weges bestimmen. Wir durchleben eine rasante Übergangsphase, einen „Epochenwandel“, in dem – während einige um die Zukunft der neuen Technologien wetteifern und andere sich eingehend mit ihnen auseinandersetzen – die meisten Menschen in einer Art Wartestellung verharren, aus der Ferne beobachten und einfach hoffen, dass alles gut gehen wird. Genau aus diesem Grund stellen sich unserem Gewissen entscheidende Fragen, denen wir uns nicht länger entziehen können: Wohin gehen wir? Auf welches Ziel wollen wir uns ausrichten? Welche Richtung sollen wir als Menschheit und als Völker einschlagen? 

Zwei biblische Bilder

7. Um diese Fragen zu beantworten und zu erkennen, wie wir verantwortungsvoll im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz leben können, möchte ich an zwei biblische Bilder erinnern: den Turmbau zu Babel (vgl. Gen 11,1-9) und den Wiederaufbau der
Mauern Jerusalems (vgl. Neh 2-6). Im Buch Genesis steht die Erzählung von Babel am Anfang der Menschheitsgeschichte, unmittelbar nach den Stammbäumen der Söhne Noachs. Nachdem sich die Menschen in der Ebene von Schinar niedergelassen hatten, beschlossen sie, eine Stadt und einen Turm zu bauen, »mit einer Spitze bis in den Himmel« (Gen 11,4). Da sie fürchten, über die Erde zerstreut zu werden, wollen sie sich Stabilität und Macht sichern und sich vor allem „einen Namen machen“. Das Unterfangen erscheint beeindruckend: eine einzige Sprache, eine einzige Technologie, eine einzige Richtung. Doch das Projekt verbirgt eine tiefgreifende Gefahr: Es ist ein Werk, das ohne Bezug zu Gott konzipiert worden ist, gestützt auf eine Einheitlichkeit, die Vielfalt ausschließt und sich statt für Gemeinschaft für Vereinheitlichung entscheidet. Wenn die Stadt auf dem Fundament des Stolzes und anmaßender Selbstgenügsamkeit erbaut wird, bricht die Kommunikation zusammen, die Sprachen vermischen sich und die Menschen verstehen einander nicht mehr. Das Ergebnis ist nicht Einheit, sondern Zerstreuung. Babel offenbart somit die Grenzen eines jeden noch so grandios anmutenden Gebildes, das aus der Verabsolutierung des Menschen und aus seiner anmaßenden Autarkie entsteht, das die Würde der Menschen der Effizienz opfert und danach strebt, den Himmel ohne den Segen Gottes zu erreichen.

8. Das Buch Nehemia hingegen beginnt in einem Moment großer Verletzlichkeit in der Geschichte des alten Israel. Nach dem babylonischen Exil ist ein Teil des Volkes nach Jerusalem zurückgekehrt, doch die Stadt liegt noch immer in Trümmern, die
Mauern sind eingestürzt und die Tore niedergebrannt (vgl. Neh 1–2). Nehemia, ein Jude im Dienst des persischen Königs Artaxerxes, erhält Nachricht vom katastrophalen Zustand seiner Heimatstadt. Bevor er handelt, fastet er und betet für
das Volk. Dann bittet er den König um die Erlaubnis, nach Jerusalem zurückzukehren, und begutachtet nach seiner Ankunft still die zerstörten Bereiche.

Er schreibt keine Lösungen von oben vor. Er versammelt die Familien, weist jeder einen Mauerabschnitt zum Wiederaufbau zu, hört sich ihre Ängste an, koordiniert ihre Bemühungen und stellt sich Widerständen entgegen. Die Erzählung zeigt, wie die Stadt nicht durch die Initiative eines Einzelnen wiedergeboren wird, sondern durch die gemeinsame Verantwortung des ganzen Volkes: Priester, Handwerker, Familienoberhäupter, Frauen und junge Menschen. Es ist ein Werk, bei dem Gott im Mittelpunkt steht und das Beziehungen wiederherstellt, noch bevor die Steine wiederaufgeschichtet werden. Das alte Jerusalem findet so wieder zu einer
gemeinsamen Sprache, aber nicht zur Sprache der Gleichförmigkeit, sondern zu jener der Gemeinschaft: der Harmonie, die entsteht, wenn jeder seinen Teil beiträgt und das ganze Volk erkennt, dass seine Kraft vom Herrn kommt.

9. Im Lichte dieser beiden Bilder stellt der Heilige Geist uns Fragen zu unserer Beziehung zur Technik und zur fortschreitenden digitalen Revolution. Die wissenschaftlichen Entdeckungen sind ein Talent, das der Menschheit anvertraut wurde, damit sie es fruchtbar macht (vgl. Mt 25,14-30). Technologie kann heilen, verbinden, bilden und unser gemeinsames Haus schützen, aber sie kann auch spalten, ausgrenzen und neue Ungerechtigkeiten hervorbringen. Abstrakt betrachtet ist sie per se weder eine Lösung für die Probleme der Menschheit noch ein Übel. Konkret betrachtet aber ist sie nicht neutral, weil sie die Züge derer annimmt, die sie
konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen. Daher ist die erste Entscheidung nicht die zwischen einem „Ja“ oder einem „Nein“ zur Technologie, sondern die zwischen der Konstruktion von Babel oder dem Wiederaufbau Jerusalems, zwischen einer Macht, die sich anmaßt, den Himmel zu beherrschen, und einem Volk, das sich in Gottes Gegenwart vereint ans Werk macht, die Mauern des geschwisterlichen Zusammenlebens wiederaufzubauen.

10. Vermeiden wir also das „Babel-Syndrom“: die Vergötterung des Profits, die die Schwachen opfert; die Einförmigkeit, die Unterschiede nivelliert; den Anspruch einer einzigen – auch digitalen – Sprache, die in der Lage ist, alles, sogar das Geheimnis
der Person, in Daten und Leistung zu übersetzen. Dies ist die Gefahr der Entmenschlichung – bei der Gestaltung der Zukunft Gott auszuschließen und den Anderen auf ein Mittel zu reduzieren – eine uralte und immer neue Versuchung, die heute technische Gestalt annimmt. Entscheiden wir uns stattdessen für den „Weg Nehemias“, der den Wert der gemeinsamen Arbeit zur Absicherung der Stadt Gottes für die heimgekehrten Exilanten hervorhebt. Wiederaufbauen bedeutet heute, anzuerkennen, dass sich in der Vielfalt der Stimmen und Ansichten, die manchmal an die Sprachverwirrung erinnert, immer noch eine glänzende Möglichkeit bietet:
gemeinsam zu bauen, Verschiedenheit in eine Ressource zu verwandeln und das Zuhören und den Dialog zur gemeinsamen Grundlage zu machen, auf der Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit gedeihen können. Und in diesem gemeinsamen Unterfangen finden die Christen zu ihrem eigenen Weg des Aufbauens, der darin besteht, das Handeln auf Gott auszurichten, damit der
Pluralismus in seinem Licht nicht in Unordnung versinkt, sondern durch die Praxis der Synodalität zu jenem Raum wird, in dem die Menschheit ihre festen Fundamente und ihr endgültiges Ziel wiederentdeckt. In der Offenbarung des Johannes sieht dieser das neue Jerusalem »von Gott her aus dem Himmel herabkommen« (Offb 21,2), als ein Geschenk für die ganze Menschheit. Und diese Gnadenvision ist für uns Christen ein Aufruf zusammenzuarbeiten und in den „Städten“ von heute ein friedliches, gerechtes und würdevolles Zusammenleben zu pflegen.

Im Guten aufbauen

11. Eine Stadt zu errichten, die auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist, erfordert daher in erster Linie, auf dem Felsen der Beziehung mit Gott aufzubauen und anzuerkennen, dass die Wahrheit seiner Liebe uns zu einem Leben »in Fülle« (Joh 10,10) und zur Gemeinschaft mit ihm ruft. Zusammen mit dem heiligen Augustinus können wir sagen: »auf dich hin hast du uns gemacht, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir«. Denn Gott hat eine Sehnsucht nach Glück in unsere Herzen eingeschrieben, die alle Dimensionen des Lebens umfasst. Und die Kirche wird sich im Dialog mit den Männern und Frauen unserer Zeit der Dringlichkeit bewusst, dieses Streben zu bewahren und auf seine tiefste Wahrheit hin auszurichten.

12. Zweitens bedeutet im Guten aufzubauen, die Begrenztheit und Schwäche des Menschen zu akzeptieren, ohne sie als einen Fehler zu betrachten, der korrigiert werden müsste. Das menschliche Verlangen nach Fülle läuft heute Gefahr, zu trügerischen Zielen hin umgeleitet zu werden – durch die Illusion der Technik, die verspricht, uns von aller Schwäche zu befreien, oder durch Wohlstandsmodelle, die ganze Völker „zurücklassen“. Nicht selten setzen wir unsere Hoffnung auf grenzenloses Wachstum, auf Formen des Fortschritts, die Ungleichheiten verschärfen, auf sofortige Lösungen, die nicht in der Lage sind, die Wunden der
Völker zu heilen. Während also einige der Chimäre einer grenzenlosen Selbstbestätigung nachjagen, entbehren viele des Lebensnotwendigen. Die Kirche erinnert mit demütiger, aber fester Stimme daran, dass wahre Erfüllung nicht aus der Beseitigung von Schwäche entsteht, sondern aus harmonischem Wachstum, wenn Freiheit und Verantwortung mit gegenseitiger Fürsorge und echter Solidarität einhergehen und wenn Fortschritt an der Würde jedes Einzelnen und am Wohlergehen aller Völker gemessen wird.

13. Der Aufbau einer Welt, in der alle „zur Blüte gelangen“ können, erfordert drittens mutige gemeinsame Verantwortung. Keine Hand allein reicht aus, um die Last der Herausforderungen zu tragen, vor denen die Welt steht, und keine Hand ist so schwach, dass sie keinen Beitrag leisten könnte, »denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet« (2 Kor 12,9). Einem jeden seinen Mauerabschnitt: den Wissenschaftlern und Forschern, den Unternehmern und Arbeitnehmern, den Pädagogen und Gesetzgebern, der Zivilgesellschaft, den Volksbewegungen und den Glaubensgemeinschaften. Dies ist die Logik der Subsidiarität, welche die die
Zusammenarbeit zwischen Generationen, Völkern, Disziplinen und Kulturen als den wichtigsten Weg zur Förderung von Stabilität, Wohlstand und Frieden zur Geltung kommen lässt. Spannungen und Unterschiede sollen nicht einschüchternd wirken, denn sie können zu kreativen Energien werden, wenn sie von gemeinsamer Verantwortung geleitet werden.

14. Schließlich verlangt das Aufbauen im Guten eine dem Evangelium entsprechende Sprache. Vermeiden wir Worte, die erniedrigen oder gegeneinander aufbringen. Entscheiden wir uns für Klarheit, die erleuchtet, und Freimut, der Wege eröffnet. Wir heißen weder naiven Enthusiasmus gut noch schüren wir sterile Ängste. Zeigen wir vielmehr Kriterien für die Unterscheidung auf – wie etwa die Würde der Person, die allgemeine Bestimmung der Güter, die Option für die Armen, die Sorge für unser
gemeinsames Haus, Frieden – und setzen wir diese in die Praxis um: durch verantwortungsvolle Planung, Abwägung der Auswirkungen für Mensch und Gesellschaft, Einbeziehung der Schwächsten, eine breite Vermittlung digitaler Kompetenz sowie durch eine auf Gerechtigkeit und Frieden ausgerichtete Forschung und Industrie.

Menschlich bleiben

15. Im vergangenen Ordentlichen Heiligen Jahr 2025 sind wir als Pilger der Hoffnung unterwegs gewesen und von Gnade erfüllt worden. Gestärkt durch diese Gaben können wir nun die mühsamen Aufgaben und anspruchsvollen Herausforderungen, die vor uns liegen, mit zuversichtlichem Herzen angehen. In der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht, haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und liebevoll jenes großartige Menschsein zu bewahren, das uns geschenkt ist und das in Christus in seiner ganzen Fülle offenbar
wurde, und das keine Maschine in seiner Pracht jemals ersetzen kann. Wahrer Fortschritt entspringt stets einem Herzen, das für andere offen ist; einer Intelligenz, die bereit ist zuzuhören; einem Willen, der mehr das sucht, was verbindet, als das, was trennt.

16. An alle katholischen Gläubigen, an alle Christen, an alle Männer und Frauen guten Willens richte ich einen eindringlichen Appell: Scheuen wir uns nicht, uns auf der Baustelle unserer Zeit die Hände schmutzig zu machen. Wie Nehemia wollen wir
beten, weise planen und beharrlich arbeiten, indem wir unser Handeln an Gott ausrichten und den Menschen in den Mittelpunkt unserer Entscheidungen stellen. 

Dann werden die verworfenen Steine – die Armen, die Kranken, die Migranten, die Kleinen – zu Ecksteinen, und auf Erden wird ein festes und einladendes gemeinsames Zuhause entstehen, wo Liebe und Wahrheit endlich einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen (vgl. Ps 85,11). Dies ist der Segen, den wir von Gott erbitten und die Aufgabe, die uns erwartet: Baumeister der Gemeinschaft zu sein, keine Architekten von Babel; Diener des kommenden Reiches, keine Herren von Türmen, die einzustürzen bestimmt sind. Und mit dem Herzen eines Hirten und eines Vaters bitte ich alle, den Bau eines weiteren Turms zu Babel zu stoppen und sich stattdessen zusammenzuschließen, um im Guten aufzubauen, damit die Menschheit niemals ihre Schönheit verliert und die Welt im menschlichen Herzen erneut den Ort erkennen kann, an dem Gott wohnen möchte.

Gesamter Text: https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

Die Orden legen das Fundament, die Kirchenleitung übernimmt die Bühne.

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Der Klostermarkt in Zürich: eine Erfolgsgeschichte der Orden

1 Es begann als eine fixe Idee – und wurde zu einem grossen Erfolg. Der Klostermarkt auf dem Hauptbahnhof in Zürich war unter anderem die Idee eines jungen Mönchs aus Einsiedeln. 2 Die Idee dazu hatte der Benediktinerpater Thomas Fässler nach einem Besuch im Unterwallis. 3 2023 initiierte Fässler auch den «Klostermarkt» am Hauptbahnhof Zürich, der für grosses mediales Interesse sorgte.

Finanzierung: Ja, die Landeskirche zahlte mit

4 Der Klostermarkt im Hauptbahnhof wurde von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich als Hauptsponsor mitgetragen. Das heisst: Die Körperschaft (Landeskirche), die sich aus Kirchensteuern finanziert, ermöglichte diesen Erfolg. Ohne die Landeskirche als Sponsor hätte es den Klostermarkt in dieser Form kaum gegeben.

Drei Jahre Erfolg – dann Pause

5 Im dritten Jahr in Folge lockte der Klostermarkt am 13. und 14. Juni 2025 wieder zahlreiche Menschen in die grosse Halle des Zürcher Hauptbahnhofs. Der energiegeladene Ort, an dem es sonst hektisch zu- und hergeht, wurde für zwei Tage zur Oase der Ruhe, Besinnung und der friedlichen Gemeinschaft.

Das Herzstück des Klostermarkts war klar: 6Pater Thomas Fässler, Initiator des Klostermarktes meint dazu: «Wir möchten neue Wege der Begegnung schaffen. Beim Klostermarkt geht es darum, mit möglichst vielen Menschen ausserhalb des Ordenslebens ins Gespräch zu kommen – sichtbar und ansprechbar zu sein und nicht primär ums Verkaufen.»


2026: Der Bistumstag verdrängt den Klostermarkt

7 Das war ursprünglich der Traum von Bischof Joseph Maria Bonnemain. 8 Gastgeber ist das Bistum Chur mit Bischof Joseph Maria Bonnemain, zusammen mit dem Generalvikariat Zürich-Glarus und mitgetragen von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. 9 Vor knapp zwei Jahren hatte Bischof Joseph Maria Bonnemain die Idee, anlässlich des Heiligen Jahres 2025 ein eigenes Bistumsjahr auszurufen. «Es geht darum, eine Dynamik im Bistum zu entfachen, die wie Sauerteig und Katalysator mitten in der Gesellschaft wirken sollte». 10 Am 15. Juni 2025 wurde in Churer Altstadt das Bistumsjahr 2025/26 unter dem Motto «hören – handeln – hoffen» eröffnet. 11 Am 27. September 2025 wurde ein weiterer Bistumstag in Ingenbohl, in der Bistumsregion Urschweiz gefeiert. Nun lädt die Bistumsregion Zürich-Glarus ein am Sonntag, 31. Mai 2026, das Bistumsjahr gemeinsam in Zürich abzuschliessen.


Der Paradigmenwechsel: Vom Klostermarkt zum Bistumstag. Was passiert am 31. Mai 2026


12 Am Sonntag, 31. Mai 2026, feiert das Bistum Chur ein grosses Glaubensfest in den Hallen des Hauptbahnhofs Zürich gemeinsam mit Bischof Joseph Maria Bonnemain. 13 Gastgeber ist das Bistum Chur mit Bischof Joseph Maria Bonnemain, zusammen mit dem Generalvikariat Zürich-Glarus und mitgetragen von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Das Programm zeigt den Paradigmenwechsel im Detail:14 Am Bistumstag wird die Bühne nach dem Gottesdienst ab 12 Uhr zum Schauplatz einer bunten, vielfältigen Kirche. Von multikulturellen Tänzen über eine Schülerband der Freien Katholischen Kirche Zürich bis hin zu einem hochkarätigen Gesprächspodium ist für alle etwas dabei. 15 Die Kirche stellt sich an 30 Ständen vor, der 31. ist für die Schweizer Garde reserviert. 16 In der grossen Halle können Interessierte auf zwei Plaudersofas ins Gespräch mit dem Bischof kommen. Aber auch andere Kirchenvertreterinnen und -vertreter werden Platz nehmen, um mit Ihnen ins direkte Gespräch zu kommen.


Was der Klostermarkt war – und was verloren geht

17 Am «Klostermarkt Zürich» sind die Rollen für einmal vertauscht: Statt ihre Pforten als Gastgeber zu öffnen, kommen Ordensleute selbst zu Besuch – mitten in die Welt, in den Alltag der Menschen. Und wo wäre dieser Alltag pulsierender als am Hauptbahnhof Zürich, wo täglich Zehntausende von Pendelnden hindurchströmen?

Das Herzstück war Gebet, Stille und Begegnung ohne Agenda:18 Eine kleine Kapelle wird die Besuchenden mitten im getriebigen Getümmel des Hauptbahnhofs einladen, zur Ruhe zu kommen. Denn wofür stehen Klöster mehr als für Stille und Gebet? 19 Ein wichtiger Aspekt des Anlasses ist der Austausch mit den anwesenden Ordensleuten, der gewiss für beide Seiten eine Bereicherung sein wird. Auf der einen Seite Menschen aus Klöstern, die für mehr stehen als schnellen Genuss und Gewinn und von einer für die meisten fremden Lebenswelt berichten. Auf der anderen Seite Menschen aus der Welt, die davon erzählen, was ihr Leben prägt, an Herausforderndem und Schönem. Solche ungezwungenen Begegnungen – auch mit Äbten mehrerer Klöster, die es sich nicht nehmen lassen, selbst am Marktstand zu stehen – tragen schon seit Jahrhunderten reiche Frucht.


Der eigentliche Paradigmenwechsel – eine Gegenüberstellung

Klostermarkt (2023–2025)Bistumstag (2026)
TrägerOrden (KOVOS), Pater Thomas FässlerBistum Chur, Generalvikariat, Landeskirche
FinanzierungLandeskirche als Sponsor, Eigenleistung der OrdenKirchensteuermittel, Bistumsbudget
Im ZentrumMönche, Nonnen, Äbte am MarktstandBischof auf Plaudersofa, Institutionen an 30 Ständen
GeistOra et labora, Kapelle, Stille, Prayer BoxPodiumsgespräch, multikulturelle Tänze, Schülerband
BotschaftRadikale Christusnachfolge sichtbar machen„Hören – handeln – hoffen“, synodaler Prozess
LegitimationGelübde, Charisma, 1500 Jahre OrdenstraditionKirchenrecht, Synodalität, Bischofsamt
Was die Leute anzogAuthentizität, Fremdheit, Klosterbrot und GebetInstitutionelle Selbstdarstellung

Die Kirchensteuer-Logik als Hebel

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich (Körperschaft/Landeskirche) finanzierte den Klostermarkt als Hauptsponsor. Dieselbe Körperschaft trägt nun den Bistumstag mit. 20 Gastgeber ist das Bistum Chur mit Bischof Joseph Maria Bonnemain, zusammen mit dem Generalvikariat Zürich-Glarus und mitgetragen von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Wer die Kirchensteuer kontrolliert, bestimmt, was stattfindet. Die Orden haben kein eigenes Kirchensteueraufkommen – sie waren auf den Goodwill der Landeskirche angewiesen. Als das Bistum die Halle für sich beanspruchte, hatten die Orden keine Verhandlungsmacht.


Bonnemain: Der «liberale» Paradigmenwechsel

21 «Unsere Kirche muss bescheidener, demütiger, ehrlicher, transparenter werden», sagte Bonnemain. «Mit Rüffeln erreicht man nichts – ebenso nicht mit Verboten oder Vorschriften.»

Der Bischof sieht sich als Erneuerer: 22 Zusammen mit Bischof Joseph Maria Bonnemain stellt sich der Bischofsrat diesen Herausforderungen und den damit notwendigen Veränderungsprozessen. Am Strategietag wurden drei Grundsatzkriterien für einen gelingenden Kulturwandel verabschiedet: Innovation trotz Reduktion. In Zeiten begrenzter Ressourcen fördert dieses Paradigma kreative und innovative Lösungen.

Und genau hier liegt der Widerspruch: 23 Vielmehr geht es darum, eine Dynamik der Zuversicht zu entfachen sowie die Freude des Evangeliums in den Mittelpunkt zu stellen. Die drei Pfeiler unseres Bistumsjahres sind: Synodalität, Diakonie, Evangelisierung.

Doch Synodalität, Diakonie und Evangelisierung – das haben die Orden am Klostermarkt bereits gelebt, ohne es so zu nennen. Sie brauchten dafür kein Bistumsjahr und keine Paradigmen-Dokumente.


Der konservative Widerstand sieht dasselbe Problem

25 Ihnen gilt der Opus-Dei-Bischof Bonnemain zu liberal. Seit Bonnemains Amtsantritt fällt der Priesterkreis immer wieder als Reformbremser auf. 26 Eine Gruppe von Priestern aus dem Bistum, der nach eigenen Angaben 43 Geistliche angehören, weigert sich, den Kodex zu unterschreiben. 27 Der Churer Priesterkreis, ein Zusammenschluss konservativer Geistlicher, kritisierte, dass der Kodex zu einer institutionalisierten Doppelmoral und zu Heuchelei führe. 28 Zuvor hatten mehrere Priester aus dem Bistum Chur beim Vatikan einen sogenannten hierarchischen Rekurs, also eine Beschwerde, eingelegt.


Der Paradigmenwechsel in einem Satz

Von den Orden als geistlichem Fundament hin zum Bistum als Verwaltungsapparat, der sich mit Kirchensteuergeld in der Bahnhofshalle selbst feiert.

  • Die Orden stiften Fundamente: Gebet, Gelübde, Jahrhunderte alte Regeln, Handwerk, Stille. Sie brauchen keine Kirchensteuern, um glaubwürdig zu sein.
  • Das Bistum unter Bonnemain nutzt das von den Orden aufgebaute Format, um seinen eigenen «Kulturwandel» zu inszenieren – finanziert durch Kirchensteuern, getragen von Institutionen, begleitet von Podiumsdiskussionen und «Plaudersofas».

29 Was als Traum von Bischof Joseph Maria Bonnemain begann, ist nun Realität. Ein Glaubensfest mitten im Herzen von Zürich, in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs. Doch die Geschichte des Bistumstages beginnt noch früher, nämlich auf dem Arcas-Platz in Chur, im vergangenen Sommer.

Nein – die Geschichte beginnt noch viel früher: beim Mut eines Benediktinerpaters aus Einsiedeln, der 2023 auf die Idee kam, Ordensleute in den Hauptbahnhof zu bringen. 30 «Die SBB war bei der Anmietung der Bahnhofshalle ganz offen uns gegenüber – die hatten keinerlei Berührungsängste mit Geistlichen.» Auch die Sponsoren hatten sie relativ bald beisammen. Nur die Klöster zum Mitmachen zu bewegen, war etwas schwieriger. «Viele Gemeinschaften trauten sich das Projekt erst nicht zu», sagt Pater Thomas.

Das ist der eigentliche Paradigmenwechsel: Die Institution übernimmt das Charisma, entkernt es und ersetzt es durch ihren eigenen Liberalismus. Kirchensteuern ersetzen Gelübde. Plaudersofas ersetzen Gebetskapellen. Und der Bischof sitzt dort, wo vorher Äbte und Nonnen am Marktstand standen.

Der Klostermarkt kommt 2027 zurück. Die Frage wird sein, ob er dann noch seine Seele hat – oder ob er zum Anhängsel des Bistumsprogramms degradiert wird.

Präsidenten der baltischen Staaten über NATO

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Die NATO sollte von der Luftraumüberwachung zur Luftraumverteidigung übergehen.

Präsidenten der baltischen Staaten: Die NATO sollte von der Luftraumüberwachung zur Luftraumverteidigung übergehen.

FOTO: Riga/Lettland

Die derzeitige NATO-Luftraumüberwachungsmission in den baltischen Staaten sollte die Form einer „Luftverteidigungsmission“ annehmen, damit durch eine verstärkte alliierte Präsenz in der Region größere „Drohnenabwehrfähigkeiten“ erreicht werden können, erklärten die Staatschefs Litauens, Lettlands und Estlands gemeinsam.

Die Präsidenten Estlands – Alar Karis, Lettlands – Edgars Rinkeviczs und Litauens – Gitanas Nauseda betonten in einer am Donnerstagabend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung die Bedeutung der Verteidigung der NATO-Ostflanke.

Die Erklärung der Staats- und Regierungschefs bezieht sich direkt auf eine Reihe von Vorfällen der letzten Zeit, bei denen Drohnen in den Luftraum dreier Länder eingedrungen sind, sowie auf die damit verbundene russische Desinformationskampagne.

Die Präsidenten verurteilten Moskaus Rhetorik gegen Litauen, Lettland und Estland aufs Schärfste. „Als verantwortungsvolle NATO-Verbündete haben die baltischen Staaten niemals zugelassen, dass andere Länder ihr Territorium und ihren Luftraum für Drohnenangriffe gegen Ziele in Russland nutzen“, betonten sie.

Die Staats- und Regierungschefs betonten außerdem die Notwendigkeit einer verstärkten Zusammenarbeit und einer zeitnahen Umsetzung von Projekten wie der Baltischen Verteidigungslinie und der EU-Vorzeigeinitiative „Eastern Flank Guard“, die auf die Stärkung der östlichen Grenze Europas abzielen.

In den letzten Tagen drangen Drohnen bei Gegenangriffen ukrainischer Streitkräfte auf Ziele in Russland, darunter solche im Finnischen Meerbusen und in der Region Moskau, in den Luftraum dreier Länder ein.

In Litauen, Lettland und Estland werden regelmäßig Warnungen vor Bedrohungen herausgegeben. Am Dienstag wurde eine Drohne, die in den estnischen Luftraum eingedrungen war, von einem NATO-Kampfflugzeug der rumänischen Luftwaffe abgeschossen. Dies war der erste Abschuss einer Drohne durch Kampfflugzeuge, die über den baltischen Staaten patrouillierten. Trotz wiederholter Vorfälle mit ukrainischen Drohnen, die den Luftraum anderer Länder durchquerten, wurden keine Fremdkörper abgefangen.

Zuvor hatte in Estland eine aus Russland eingeflogene Drohne den Schornstein eines Grenzkraftwerks beschädigt, und in Lettland traf sie einen leeren Treibstofftank in einem Öllager, was dem Rücktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds und dem damaligen Premierminister Evika Silny vorausging.

Die Menschheit im Zeitalter intelligenter Maschinen schützen

Zeitalter intelligenter Maschinen

 

VATICAN MEDIA: Teilnehmer der internationalen Konferenz zur ethischen Debatte über künstliche Intelligenz, Urbaniana

Experten aus Journalismus, Technologie und digitaler Ethik trafen sich an der Päpstlichen Universität Urbaniana, um die Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz zu erörtern. Im Mittelpunkt der Debatte standen Informationen, zwischenmenschliche Beziehungen, Ungleichheit und die Verantwortung, die wir im Umgang mit immer allgegenwärtigeren Werkzeugen tragen – ganz im Sinne der Botschaft von Papst Leo XIV. zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel.

Die Botschaft von Papst Leo XIV. zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, die dem zutiefst menschlichen Wert der Kommunikation im Zeitalter der künstlichen Intelligenz gewidmet war, fand weit über die Grenzen der Kirche hinaus Anklang. Dies zeigte sich in den Vorträgen von 14 Rednern aus verschiedenen Ländern auf der Konferenz „Custodire voci e volti umani“ (Die menschlichen Stimmen und Gesichter schützen), die vom Dikasterium für Kommunikation in Zusammenarbeit mit dem Dikasterium für Kultur und Bildung in der Urbaniana organisiert wurde. 

Journalisten, Akademiker, Führungskräfte aus der Technologiebranche und Experten für digitale Ethik aus Europa, den Vereinigten Staaten, Lateinamerika und Afrika beschäftigten sich mit der gleichen Frage: Wie können wir die persönliche Würde in einem Informations- und Beziehungsökosystem bewahren, das zunehmend von Algorithmen geprägt ist?

Sind Algorithmen die neuen „Torwächter“ der Information?

Die Diskussion wurde von Marijana Grbeša Zenzerović, Dozentin für politische Kommunikation an der Universität Zagreb, eröffnet. Sie beschrieb ein radikal verändertes Medienökosystem: Traditionelle Medien verlieren an Bedeutung, während Algorithmen zu den neuen „Gatekeepern“ der Information werden. Fernsehen spielt zwar in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen weiterhin eine Rolle, doch soziale Medien dominieren vor allem junge Menschen; die Autorität von Content-Erstellern und Influencern wächst. Die Gefahr, so Zenzerović, liege in massenhafter Desinformation, die durch generative künstliche Intelligenz noch verstärkt werde. Diese sei in der Lage, glaubwürdige Bilder, Videos und synthetische Identitäten zu erzeugen und sogar zu einer regelrechten „synthetischen Politik“ zu führen.

Wenn Chatbots in menschliche Beziehungen treten

Die New York Times-Journalistin Kashmir Hill beleuchtete die Auswirkungen von Chatbots auf das Privatleben. Diese Tools können empathisch und beruhigend wirken und sogar zu symbolischen Vertrauten werden. Doch gerade ihre Ausrichtung auf die Nutzerinteraktion birgt Gefahren, insbesondere wenn sie versuchen, Nutzern zu gefallen, anstatt sie zu korrigieren. Hill führte den Fall des 16-jährigen Adam Raine an, der nach längeren Gesprächen mit einem Chatbot starb, und betonte, dass dieses Risiko für jeden besteht, der diesen Technologien sein Bedürfnis nach Gehör anvertraut.

Innovation, Wahrheit und Verantwortung im Journalismus

Vineet Khosla, Chief Technology Officer der Washington Post, hielt eine Keynote-Rede über die Möglichkeiten und die Implementierung von KI in redaktionellen Prozessen: Automatisierung wiederkehrender Aufgaben, Dokumentensuche, interaktive Tools für Leser und künstlich generierte Audioinhalte. Das Ziel: journalistische Arbeit zu verbessern, nicht zu ersetzen. Doch unter einer Bedingung: Wahrung der Wahrheit als zentrales Kriterium und das Vertrauen des Publikums als entscheidendes Gut.

Eli Pariser von New_Public teilte seine Gedanken zur Qualität des digitalen Lebens. Er merkte an, dass Plattformen zwar Vernetzung versprechen, aber oft Einsamkeit erzeugen, da sie auf maximale Aufmerksamkeit und Gewinnmaximierung ausgelegt sind. Ähnlich verhält es sich mit künstlicher Intelligenz: Sie kann entweder „parasitär“ werden, indem sie auf Nutzersucht abzielt, oder „prosozial“, wenn sie darauf ausgelegt ist, authentische Beziehungen und das kollektive Wohlbefinden zu fördern.

Ungleichheit und digitaler Kolonialismus

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema Ungleichheit prangerte die mexikanische Wissenschaftlerin und Expertin für die Ethik künstlicher Intelligenz, Paola Ricaurte Quijano, den „extraktiven“ Charakter dieses technologischen Modells an. Dieses konzentriere Reichtum und Macht, indem es unsichtbare Arbeit, die Ressourcen der ärmsten Länder und sogar die Daten, Ängste und Wünsche der Nutzer ausbeute. Algorithmische Modelle, so Quijano, bergen die Gefahr, koloniale und rassistische Logiken zu perpetuieren und marginalisierte Kulturen und Sprachen auszulöschen.

Die Schattenseiten der künstlichen Intelligenz: Simulierte Empathie und Diskriminierung

Benjamin Rosman aus Südafrika hat die erstaunliche Fähigkeit von Sprachmodellen erkannt, Empathie und menschliche Präsenz zu simulieren, so dass manche junge Menschen sie als Psychologen einsetzen. Diese Glaubwürdigkeit wirft jedoch tiefgreifende ethische Fragen auf, insbesondere wenn Instrumente, die auf maximale Interaktion abzielen, lernen, Angst oder Empörung auszunutzen. Rosman argumentiert, dass der globale Süden nicht Opfer dieser Technologien werden, sondern aktiv an ihrer Gestaltung mitwirken sollte.

Am Ende der zweiten Vormittagssitzung prangerte Joy Buolamwini, Gründerin der Algorithmic Justice League, die in Gesichtserkennungssystemen verankerten rassistischen und geschlechtsspezifischen Vorurteile an, die bereits zu Fehlern und ungerechtfertigten Verhaftungen geführt haben. Die Aktivistin und Dichterin hob die Gefahr einer Gesellschaft unter ständiger Überwachung hervor, in der künstliche Intelligenz Identität, Kreativität und sogar Menschenleben auslöschen könnte, insbesondere im Kontext der Entwicklung autonomer Waffensysteme. Ihr abschließender Appell war unmissverständlich: Internationale Regelungen, menschliche Kontrolle und klar definierte Gesetze sind notwendig, bevor das Innovationstempo die ethische Fähigkeit zu dessen Kontrolle übersteigt.

Das Ende des Lassalle-Hauses

Wenn die Bindung an die christliche Tradition schwindet

Am Pfingstsonntag um 11 Uhr markiert ein letzter Gottesdienst in der Roten Kapelle des Lassalle-Hauses das Ende der Jesuiten-Kommunität in Bad Schönbrunn. Während dieser Schritt oft mit personellen Engpässen begründet wird, rückt eine tieferliegende Frage in den Fokus: War die schleichende Abkehr von der klassischen christlichen Tradition mitverantwortlich für den Identitätsverlust des Hauses?

Christliches Erbe oder spirituelle Beliebigkeit?

Das Lassalle-Haus war über Jahrzehnte ein bedeutender Ort für Exerzitien. Doch in den letzten Jahren wandelte sich das Profil massiv. Christliche Meditationspraxis wurde zunehmend mit Zen-Buddhismus, Yoga und schamanischen Elementen verknüpft. Was die Leitung des Hauses als „Weite“ und „interreligiöse Öffnung“ verstand, wird von Verteidigern der kirchlichen Tradition als Preisgabe des eigenen Kerns kritisiert.

Aus der Perspektive einer konsequent christlichen Theologie sind Gebet und Meditation keine inhaltsleeren Techniken. Sie sind eingebettet in die Beziehung zu Jesus Christus, in die Heilige Schrift und die sakramentale Ordnung der Kirche. Wo diese Verankerung zugunsten einer universalen, diffusen Spiritualität aufgegeben wird, verliert das Christliche seine prägende Kraft. Die Kritik lautet: Wer die Tradition verwirft und alles mit allem vermischt, hat am Ende kein Fundament mehr, auf dem er stehen kann.

Die Gefahr des Synkretismus

Theologisch wird hier die Grenze zum Synkretismus – der unkritischen Vermischung von Religionen – thematisiert. Eine christliche Spiritualität, die sich so sehr an buddhistische oder schamanische Praktiken angleicht, dass das Kreuz und das Evangelium nur noch eine von vielen Deutungsmöglichkeiten sind, verliert ihre Mitte.

Die christliche Tradition lehrt die „Unterscheidung der Geister“. Das bedeutet zwar Offenheit für das Gute in anderen Kulturen, aber nicht die Preisgabe des eigenen Bekenntnisses. Wenn christliche Häuser beginnen, schamanische Rituale oder Zen-Praktiken als gleichwertige Heilswege anzubieten, riskieren sie eine theologische Orientierungslosigkeit. Das Ergebnis ist oft eine geistliche Entleerung: Die ursprüngliche Klientel, die Vertiefung im Glauben sucht, fühlt sich fremd, während das neue, spirituell wandernde Publikum keine dauerhafte Bindung aufbaut.

Ein Warnsignal für kirchliche Institutionen

Die Schließung des Lassalle-Hauses steht somit symbolisch für eine größere Krise kirchlicher Bildungshäuser. Es zeigt sich: Die Anpassung an den spirituellen Zeitgeist führt nicht zwangsläufig zu neuer Blüte. Im Gegenteil: Wer sein Profil zugunsten einer vagen „All-Spiritualität“ opfert, wird austauschbar.

Die Bindung an die Tradition ist kein starres Festhalten an der Vergangenheit, sondern die Sicherung der eigenen Zukunftsfähigkeit. Nur wer weiß, woher er kommt und woran er glaubt, kann anderen Menschen Orientierung bieten. Wenn in Bad Schönbrunn nun „die Lichter ausgehen“, ist das auch eine Einladung zur Selbstbesinnung für andere Einrichtungen: Wahre Erneuerung geschieht nicht durch die Flucht in fremde Traditionen, sondern durch die Rückbesinnung auf die unerschöpfliche Tiefe der eigenen, christlichen Quellen.

Am Pfingstsonntag endet in Bad Schönbrunn ein Experiment. Die Frage, die bleibt, ist, wie die Kirche ihre Räume der Stille künftig gestalten will – als Orte der christlichen Gottesbegegnung oder als Schauplätze einer Identität, die sich in der Vielfalt der Angebote selbst verloren hat.

Warum im Lassalle-Haus die Lichter ausgehen: Eine kritische Analyse

Tradition gegen Trend getauscht

Am Pfingstsonntag endet eine Ära. Die Jesuitenkommunität Bad Schönbrunn feiert ihren letzten Gottesdienst im Lassalle-Haus. Das ist kein Zufall – es ist das vorhersehbare Ende eines gescheiterten Experiments.

Der Irrweg?

Das Lassalle-Haus stand jahrzehntelang für etwas, das seine Befürworter „interreligiösen Dialog“ nannten. In der Praxis bedeutete das: Christliche Meditation wurde vermischt mit Zen-Buddhismus, Yoga-Praktiken und schamanischen Elementen. Was als Öffnung gedacht war, erwies sich als Selbstaufgabe.

Die zentrale Frage lautet: Wenn christliche Spiritualität so kraftvoll und vollständig ist, wie die Kirche behauptet – warum braucht sie dann Anleihen bei fernöstlichen Religionen?

Synkretismus statt Substanz

Die Antwort der Lassalle-Vertreter war stets: „Zen ist nur eine Methode, kein Inhalt.“ Doch diese Unterscheidung ist künstlich. Wer sich auf buddhistisches Zazen einlässt, übernimmt nicht nur eine Sitztechnik – er übernimmt eine Weltsicht, die dem christlichen Glauben fundamental widerspricht:

  • Erlösung durch Selbsterlösung statt durch Christus
  • Leere statt personaler Gottesbeziehung
  • Karma-Logik statt Gnade
  • Meditation als Technik statt Gebet als Beziehung

Das Lassalle-Haus hat nicht den christlichen Glauben vertieft – es hat ihn relativiert. Aus dem exklusiven Heilsanspruch Christi („Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“) wurde ein religiöser Supermarkt, in dem jeder seine spirituelle Wellness-Mischung zusammenstellen konnte.

Tradition ist nicht Starrheit – sie ist Fundament

Kritiker werfen Konservativen gerne vor, sie seien „erstarrt“ oder „ängstlich“. Doch das Gegenteil ist wahr. Wer keine Wurzeln hat, kann keine Früchte tragen.

Die grossen christlichen Mystiker – Bernhard von Clairvaux, Johannes vom Kreuz, Teresa von Ávila – brauchten keinen Zen-Meister. Sie schöpften aus der eigenen Tradition: aus Psalmen, Kontemplation, liturgischem Gebet, der Nachfolge Christi. Ihre Spiritualität war radikal, tief – und eindeutig christlich.

Das Lassalle-Haus hingegen vermittelte den Eindruck, als wäre die eigene Tradition nicht genug. Als müsste man erst nach Japan schauen, um beten zu lernen. Das ist nicht Demut – das ist geistliche Selbstverleugnung.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Nun gehen die Lichter aus. Die Kommunität löst sich auf. Und das ist kein Zufall, sondern symptomatisch:

  • Kein Nachwuchs: Junge Menschen suchen entweder klare christliche Identität (wie in klassischen Klöstern, die Zulauf haben) – oder sie gehen gleich zu echten Zen-Zentren, statt sich mit christlich-buddhistischen Hybriden abzugeben.
  • Keine geistliche Fruchtbarkeit: Wo sind die Bekehrungen? Die Berufungen? Die geistlichen Aufbrüche? Das Lassalle-Haus war ein-Bildungszentrum, aber kein geistliches Kraftzentrum.
  • Keine kirchliche Relevanz: Die katholische Kirche braucht keine Wellness-Spiritualität. Sie braucht Heilige, Märtyrer, Verkünder – Menschen, die für Christus brennen, nicht für diffuse Transzendenz-Erlebnisse.

Was hätte anders laufen müssen?

Statt östliche Praktiken zu importieren, hätte das Lassalle-Haus auf die eigenen Schätze setzen sollen:

  • Ignatianische Exerzitien in ihrer ursprünglichen Form
  • Lectio Divina – die christliche Schriftmeditation
  • Stundengebet – die Psalmen als Rhythmus des geistlichen Lebens
  • Anbetung – die stille Präsenz vor dem Allerheiligsten

All das ist da. Es ist erprobt. Es ist christlich. Es funktioniert.

Fazit: Wer die Tradition verwirft, hat verloren

Das Ende des Lassalle-Hauses ist eine Lehre: Man kann nicht gleichzeitig Christ und Zen-Meister sein, ohne eines von beidem zu verfälschen. Man kann nicht die eigene Identität relativieren und gleichzeitig Strahlkraft entwickeln.

Wer alles umarmt, hält am Ende nichts fest.

Die Kirche wird überleben – aber nicht durch Anpassung an jeden spirituellen Trend, sondern durch Treue zur eigenen Berufung. Das Lassalle-Haus hat diesen Weg nicht gewählt. Jetzt zahlt es den Preis.


Am Pfingstsonntag um 11 Uhr wird in der Roten Kapelle ein letztes Mal Gottesdienst gefeiert. Es ist ein symbolischer Moment: Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes, der die Kirche in die Wahrheit führt. Vielleicht ist diese Schliessung genau das: eine schmerzhafte, aber notwendige Rückkehr zur Wahrheit.

Papst Leo XIV.: Kirchliche Leitung darf nie Machtspiel werden

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Macht darf in der Kirche kein Sakrament werden

Keine Machtspiele in der Kirche: Statt um Prestige-Gewinn geht es nach Meinung des Papstes bei kirchlichen Führungspositionen um Zuhören, Transparenz und Mitverantwortung in katholischen Gemeinschaften.

Papst Leo XIV. hat einen Satz gesagt, der in der Schweizer Kirche wie ein Prüfstein wirken müsste: Kirchliche Leitung darf niemals zum Machtspiel werden. Es geht nicht um Prestige, nicht um Einfluss, nicht um das Durchsetzen kirchenpolitischer Lagerinteressen, sondern um Zuhören, Transparenz und Mitverantwortung.

Wer diesen Satz ernst nimmt, muss auf die Zustände im Umfeld des Bistums Basel und der staatskirchenrechtlichen Strukturen der Schweiz blicken. Denn dort entsteht bei vielen Gläubigen seit Jahren ein anderer Eindruck: dass die Kirche zwar von Dialog spricht, in Konfliktfällen aber allzu oft verwaltet, entscheidet, durchsetzt — und am Ende schweigen lässt.

Namen wie Bischof Felix Gmür und Luc Humbel stehen für ein System, das nach aussen modern, partizipativ und reformorientiert auftritt. Doch gerade dieses System muss sich fragen lassen, ob es wirklich zuhört, wenn Gläubige protestieren. Ob es wirklich transparent handelt, wenn Priester plötzlich zum Problem erklärt werden. Ob es wirklich Mitverantwortung ernst nimmt, wenn betroffene Gemeinden das Gefühl haben, ihre Stimme sei längst einkalkuliert — und doch bedeutungslos.

Die Konflikte um Pater Luis Reyes in Menziken und Pater Adam in Gebenstorf sind in diesem Zusammenhang mehr als lokale Personalfragen. Sie sind zu Symbolen geworden. Für viele Gläubige stehen sie für ein Muster: Ein Priester hat vor Ort Rückhalt, Menschen fühlen sich geistlich getragen, eine Gemeinde identifiziert sich mit ihrem Seelsorger — und dennoch setzen sich am Ende kirchliche oder staatskirchenrechtliche Instanzen durch. Zurück bleiben Enttäuschung, Misstrauen und das Gefühl, dass pastorale Fruchtbarkeit weniger zählt als institutionelle Kontrolle.

Natürlich wird man in den Amtsstuben andere Worte finden. Man wird von Zuständigkeiten sprechen, von Prozessen, von Personalplanung, von Kommunikation, von strukturellen Notwendigkeiten. Doch genau darin liegt das Problem: Eine Kirche, die Konflikte nur noch administrativ erklärt, hat den geistlichen Kern ihrer Leitung aus dem Blick verloren.

Denn ein Priester ist kein austauschbarer Funktionär. Eine Pfarrei ist keine Filiale. Und Gläubige sind keine Statisten in einem kirchlichen Verwaltungsdrama.

Wer Gemeinden ihren vertrauten Seelsorger nimmt, ohne dass die Gründe überzeugend, offen und nachvollziehbar vermittelt werden, darf sich nicht wundern, wenn von Machtspielen die Rede ist. Wer Proteste zwar registriert, aber praktisch folgenlos verpuffen lässt, darf nicht überrascht sein, wenn Menschen von oben herab behandelt fühlen. Und wer ständig von Synodalität spricht, aber im Ernstfall den Eindruck autoritärer Durchsetzung erzeugt, beschädigt genau jene Glaubwürdigkeit, die er zu verteidigen vorgibt.

Besonders bitter ist: Gerade Priester, die geistlich klar auftreten, liturgisch verwurzelt sind oder nicht nahtlos in den kirchenpolitischen Erwartungskorridor passen, erleben nach Wahrnehmung vieler Gläubiger ein raueres Klima. Ob man das „Verfolgung“ nennt oder vorsichtiger von Druck auf unbequeme Priester spricht: Der Eindruck ist da. Und er ist gefährlich. Denn wenn Priester beginnen, aus Angst vor Konsequenzen zu schweigen, wenn Gemeinden den Eindruck gewinnen, Loyalität zum System zähle mehr als Treue zum Evangelium, dann ist nicht nur ein Personalproblem entstanden. Dann ist Vertrauen zerbrochen.

Gerade deshalb trifft die Mahnung des Papstes so hart. Kirchliche Leitung ist Dienst. Sie ist nicht Besitzstandswahrung. Sie ist nicht Machtsicherung. Sie ist nicht die Kunst, unbequeme Stimmen elegant aus dem Weg zu räumen. Leitung in der Kirche muss sich daran messen lassen, ob sie den Schwachen zuhört, den Betroffenen gerecht wird und den Gläubigen erklärt, warum Entscheidungen getroffen werden.

Das duale System der Schweiz mit seiner Verflechtung von kirchlicher und staatskirchenrechtlicher Verantwortung braucht deshalb eine schonungslose Gewissenserforschung. Wo dient es der Seelsorge? Und wo wird es zum Apparat, in dem Zuständigkeiten so verteilt werden, dass am Ende niemand mehr wirklich verantwortlich ist?

Die Kirche verliert nicht nur durch Skandale an Glaubwürdigkeit. Sie verliert auch dort, wo sie fromme Worte benutzt, aber machtpolitisch handelt. Sie verliert dort, wo Dialog angekündigt und Entscheidung vollzogen wird. Sie verliert dort, wo Priester und Gläubige nicht begleitet, sondern abgefertigt werden.

Wenn Papst Leo XIV. recht hat — und er hat recht —, dann muss die Schweizer Kirche aufhören, Macht als Verwaltungsroutine zu tarnen. Sie muss den Mut haben, Konflikte offen zu benennen, Entscheidungen transparent zu begründen und Gemeinden wirklich anzuhören.

Denn eine Kirche, die ihre Hirten schwächt und ihre Gläubigen übergeht, darf sich nicht wundern, wenn ihr niemand mehr glaubt, dass es ihr um das Evangelium geht.

Macht darf in der Kirche kein Sakrament werden. Sie muss sich bekehren — oder sie wird zum Ärgernis.

Die heilige Rita von Cascia – Schutzpatronin der hoffnungslosen Fälle

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Die heilige Rita von Cascia

Das Jahr 1381 war ein besonders glückliches Jahr für Antonio Lotti und seine Frau Amata, die im Dorf Roccaporena in den umbrischen Bergen (Mittelitalien) lebten. Ihr größter Wunsch ging in Erfüllung: Nach Jahren des Wartens und Betens wurden sie endlich Eltern. Ihre Tochter Rita wurde geboren, die später Stigmatisierte und Mystikerin werden sollte.

Einer alten Überlieferung zufolge verkündete ein Engel Amata die Empfängnis des Kindes. Wenige Tage nach Ritas Geburt geschah etwas Außergewöhnliches. Bienen landeten auf dem Gesicht des Mädchens, während es in seiner Wiege lag. Einen Moment lang schwirrten sie über ihr und flogen immer wieder in ihren Mund. Doch sie taten ihr nichts an.

Das Mädchen wuchs in der Liebe ihrer Eltern auf. Sie war ein außergewöhnlich frommes Kind und betete sehr gern. Schon früh fand sie einen geistlichen Begleiter: einen Mönch, der in einer Höhle nahe Roccaporena lebte. Der Kontakt mit den Augustinermönchen und -nonnen im nahegelegenen Cascia weckte in Rita die Faszination für die Spiritualität des Ordens. Kein Wunder, dass sie sich schließlich wünschte, ins Kloster einzutreten. Leider verhinderte die Heiratsentscheidung ihrer Eltern, dass sie diesen Wunsch erfüllen konnte. Rita fügte sich demütig dem Willen ihrer Eltern.

Die Ehe – ein dorniger Weg


Eine schöne, bescheidene und tugendhafte junge Frau für die Ehe zu finden, war kein Problem. Antonio und Amata wählten Paolo Mancini, der in Roccaporena lebte. 1394 gelobten die Frischvermählten einander Liebe und Treue bis zum Tod.

Leider musste Rita kurz nach der Hochzeit feststellen, dass sich hinter der attraktiven Fassade ihres Mannes ein schwieriger Mensch verbarg. Sein aufbrausendes Temperament, seine Streitsucht und seine harte Moralvorstellung trieben ihr oft die Tränen in die Augen. Auch Paolos religiöse Gleichgültigkeit bereitete ihr Sorgen. Angesichts seines hitzigen Charakters und des gleichzeitigen Fehlens der natürlichen Selbstbeherrschung, die ein lebendiger Glaube der menschlichen Natur verleiht, war es schwer, spirituelle Fortschritte von ihm zu erwarten. Trotzdem galt ihre Ehe als harmonisch. Zweifellos gebührt dies allein seiner frommen Frau, die die Exzesse ihres Mannes mit Selbstverleugnung und Demut ertrug. Laut einigen Legenden beruhigte sich Paolo mit der Zeit unter Ritas Einfluss etwas. Kurz nach der Hochzeit kamen die Herausforderungen der Mutterschaft zu ihren Eheproblemen hinzu. Zwei Söhne wurden geboren: Giacomo Antonio und Paolo Mario. Schnell wurde deutlich, dass die Jungen das Temperament ihres Vaters geerbt hatten. Wie er waren sie hitzköpfig und ehrgeizig. Es war nicht leicht, sie zu bändigen. Leider zogen dunkle Wolken über der Familie auf. Eines Tages, höchstwahrscheinlich im Jahr 1413, kehrte Paolo nicht von einer Reise nach Cascia zurück. Irgendwo auf dem Weg war er überfallen und ermordet worden. Ritas Trauer über den Verlust ihres Mannes wurde bald von der Sorge um das Schicksal ihrer Söhne begleitet. Beide erklärten, sie würden gemäß dem damals in der Gegend verbreiteten „Gesetz“ der Rache handeln. Die Bitten ihrer Mutter, die argumentierte, dass der heidnische Brauch der Blutrache der Lehre der Kirche widerspreche, blieben erfolglos; die jugendlichen Zwillinge blieben bei ihrem Entschluss.

Rita wusste, was das bedeutete. Nach der Begehung eines Verbrechens drohte ihren Söhnen nicht nur die Strafe durch die staatlichen Gerichte – die Familie des Opfers konnte auch auf eigene Faust Rache üben. Vor allem aber würde die Begehung einer Todsünde ihre geliebten Söhne in die Fänge Satans stürzen.

Was sollte sie tun?! Wenn Überredung nicht half, blieb nur noch das Gebet. Rita betete inständig zu Gott, er möge ihre Söhne vor Verbrechen bewahren. Wie schwer musste es für eine liebende Mutter sein, zu beten, der Allmächtige möge ihre Kinder aus dieser Welt nehmen, anstatt sie eine Todsünde begehen zu lassen. Die Sünde der Rache zog eine ganze Kette von Verbrechen nach sich. Wer ein Glied in dieser Kette der Ungerechtigkeit setzte, trug einen Teil der Schuld an den folgenden Morden. Rita wusste jedoch, dass Gott nicht nur barmherzig, sondern auch gerecht war.

Ihr Gebet wurde erhört; ihre Söhne verzichteten nicht nur auf Rache, sondern vergaben auch den Mördern ihres Vaters. Leider taten sie dies erst auf dem Sterbebett, nachdem sie der Pest zum Opfer gefallen waren. So verlor die noch junge Rita ein Jahr nach dem tragischen Tod ihres Mannes ihre geliebten Söhne.

Die geistliche Tochter des heiligen Augustinus


Nach dem Tod ihrer Angehörigen nahm Rita ihren früheren Plan, ins Kloster einzutreten, wieder auf. Leider verweigerte die Äbtissin ihre Aufnahme. Der Autor der ältesten Heiligenbiografie nennt die Klosterordnung als Grund für diese Ablehnung, da diese angeblich die Aufnahme von Witwen ins Noviziat untersagte. Wahrscheinlich lag der wahre Grund jedoch woanders. Die Klosterleitung befürchtete, der Mord an Ritas Ehemann könne negative Folgen für das Klosterleben haben und den angestrebten Frieden stören. Die Gemeinschaft könnte Angehörige von Familien umfasst haben, die wegen des Verbrechens im Konflikt standen. Allein auf die emotionale und spirituelle Reife der Schwestern zu vertrauen, wäre unklug gewesen. Rita stand daher vor einer schwierigen Aufgabe: Sie musste nicht nur die Verwandten ihres Mannes mit der Familie der Mörder versöhnen, sondern die Vereinbarung auch schriftlich bekräftigen. Es kostete die spätere Heilige viel Kraft, den Groll und die gegenseitigen Vorurteile beider Seiten zu überwinden, die durch jahrhundertelange Rachegelüste verstärkt worden waren. Schließlich gelang es ihr jedoch, und 1417 legte die gequälte Witwe das Nonnenkleid an.

Erwähnenswert ist eine wunderschöne Legende, die Ritas Eintritt in das Kloster in Cascia dem Eingreifen dreier Heiliger zuschreibt: Johannes des Täufers, Augustinus und Nikolaus von Tolentino. Sie sollen Rita auf wundersame Weise in das Kloster geführt haben, das für die Nacht geschlossen war.

Gekennzeichnet mit dem Dorn der Krone


Falls die neue Nonne, der Überlieferung nach, anfangs Schwierigkeiten hatte, sich an die Pflicht des bedingungslosen Gehorsams gegenüber ihren Oberen zu gewöhnen, überwand sie schnell ihre Selbstsucht. Ritas Biographen berichten von einer besonderen Demutsprüfung, der sie sich von ihrer Oberin unterziehen musste. Die Heilige war verpflichtet, regelmäßig eine der Pflanzen auf dem Klostergelände zu gießen. Dies wäre nichts Besonderes gewesen, wäre die Pflanze nicht völlig ausgetrocknet gewesen. Man stelle sich die Verwunderung aller vor, als der Strauch eines Tages grüne Triebe trieb.

Die Liebe zu Christus und zur Kirche, die Rita zweifellos schon in ihrer Jugend besaß, wandelte sich innerhalb der Klostermauern zu einer tiefen spirituellen Nähe zu Gott. Die spätere Heilige schätzte besonders die Betrachtung des leidenden Christus. Ihre Betrachtung der Passion des Herrn wurde von dem Wunsch genährt, dem Meister im Leiden nachzueifern. Sie widmete sich Bußübungen, fastete häufig, trug ein Busshemd und geißelte sich selbst. Sie war auch für ihre Hilfe für die Armen und Leidenden bekannt. Angesichts dieser großen Hingabe an die Bedürftigen übertrug die Äbtissin Rita die Aufgabe der Krankenschwester, die sich um die Kranken und Armen der Stadt kümmerte. Von da an wurde sie der „Engel der Liebe“ genannt.

Ritas intensives spirituelles Leben und ihre tiefe Gottesverehrung bereiteten sie auf mystische Erfahrungen vor. Kurz vor ihrer Ordensprofess hatte sie eine Vision von einer riesigen Jakobsleiter, an deren Spitze Jesus auf sie wartete. Die Schwestern im Kloster wurden oft Zeugen von Ritas Ekstasen und Ohnmachtsanfällen. Eines Tages, am Karfreitag, sah die zukünftige Heilige Christus, wie er ihr eine Dornenkrone aufsetzte. Ein Dorn stach sie so heftig, dass sie vor Schmerz ohnmächtig wurde. Als sie erwachte, entdeckte sie eine blutige Wunde auf ihrer Stirn, die trotz der Bemühungen der Ärzte nicht heilen wollte. Sie verströmte einen unangenehmen Geruch. Dies war das Stigma, das Rita bis zu ihrem Tod tragen sollte.

Nur einmal heilte die Wunde. Dies geschah im Jahr 1450, als Papst Nikolaus V. ein Heiliges Jahr ausrief. Rita wünschte sich daraufhin, mit einer Gruppe von Schwestern nach Rom zu reisen, um an den Jubiläumsfeierlichkeiten teilzunehmen. Die Äbtissin verweigerte ihrer Schwester mit der blutenden Wunde jedoch die beschwerliche Reise.

Rita betete zu Gott um Hilfe. Die Blutung hörte bald auf, doch die Schmerzen des Stigmas blieben. Nach ihrer Rückkehr ins Kloster kehrte alles zum Alten zurück.

Der Ruhm der heiligen Nonne aus Cascia wuchs. Gläubige kamen zu ihr mit Bitten um Fürbitte, die so oft erhört wurde. Im Laufe der Jahre, schwächte sich die gequälte Rita ab und starb. Am 22. Mai 1457 läuteten die Glocken in den Kirchtürmen von Cascia. Sie wurden durch Gottes Kraft aktiviert. Zu diesem Zeitpunkt überschritt die heilige Rita die Schwelle des Todes. Unmittelbar danach heilte die Wunde auf ihrer Stirn, und der unangenehme Geruch, der sie begleitet hatte, wich dem Duft von Rosen.

1628 sprach Papst Urban VIII. Rita von Cascia selig, und im Mai 1900 sprach Papst Leo XIII. sie heilig. Das liturgische Gedenken an die heilige Rita wird am 22. Mai gefeiert. Der Sarkophag mit ihrem unversehrten Leichnam befindet sich im Heiligtum in Cascia .

* * *

Die heilige Rita ist die Schutzpatronin derer, die in schwierigen und hoffnungslosen Fällen leben, der Kranken, Verletzten und Gedemütigten, der Eheprobleme und der Mütter.

Streit um Kathedrale Notre-Dame.

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Das Fenster der St.-Eligius-Kapelle, das durch ein modernistisches Fenster ersetzt werden soll

Ein Pariser Verwaltungsgericht hat am 19. Mai 2026 den Antrag mehrerer Denkmalschutzverbände abgelehnt, den Austausch von sechs Buntglasfenstern aus dem 19. Jahrhundert in der Kathedrale Notre-Dame de Paris vorläufig zu stoppen.

Die Fenster stammen aus dem Jahr 1864 und gehören zum Gestaltungskonzept von Eugène Viollet-le-Duc. Sie haben den Brand von 2019 überstanden und müssten technisch nicht ersetzt werden. Dennoch sollen sie durch zeitgenössische Glasfenster der Künstlerin Claire Tabouret ersetzt werden. Die Umsetzung übernimmt die Werkstatt Simon-Marq.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass keine ausreichende Dringlichkeit für eine Aussetzung bestehe, weil die geplanten Arbeiten nicht als unumkehrbar bewertet wurden. Die Verbände Sites et Monuments und SOS Paris hatten geklagt; eine Petition gegen das Projekt wurde laut Artikel von rund 340.000 Menschen unterzeichnet.

Der Austausch geht auf eine Initiative von Präsident Emmanuel Macron zurück, der Notre-Dame nach dem Brand ein „Zeichen des 21. Jahrhunderts“ geben möchte. Die Kosten werden auf etwa vier Millionen Euro geschätzt. Die Arbeiten sollen zwischen Juni und Oktober 2026 stattfinden.

Die Denkmalschützer kritisieren, dass die Fenster Teil des geschützten Gesamtensembles der Kathedrale seien. Sie argumentieren außerdem, moderne Fenster könnten auch an anderen Stellen eingebaut werden, ohne historische Glasmalerei zu entfernen. Eine Berufung wurde angekündigt.

Die Buntglasfenster in Kathedralen sind nicht nur Dekoration, sondern eine spirituelle, liturgische und symbolische Funktion haben: Sie verwandeln Licht, erzählen biblische Geschichten und tragen zur sakralen Wirkung des Raums bei.

Viele sehen in dem Projekt einen Ausdruck von Präsident Macrons Wunsch, der restaurierten Kathedrale einen zeitgenössischen Stempel aufzudrücken – eine Vision, die bereits nach dem Brand 2019 getestet wurde, als sein Vorschlag, den Turm durch ein modernes Design zu ersetzen, nach heftiger Kontroverse letztlich verworfen wurde.

SpaceX zieht Börsengang auf Mitte Juni vor

Bewertung von 2 Billionen Dollar angestrebt

Das Raketen- und Satellitenunternehmen SpaceX von Elon Musk plant seinen Börsengang Insidern zufolge bereits für ‌Mitte ⁠Juni an der Technologiebörse Nasdaq.

Demnach könnte der Ausgabepreis bereits am ⁠11. Juni festgelegt und der Börsenstart für den 12. Juni anvisiert werden, sagten ‌drei mit dem Vorgang vertraute Personen der ‌Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. ​Damit würde der Zeitplan für den mit Spannung erwarteten SpaceX-Börsengang beschleunigt, der ursprünglich für Ende Juni geplant war. Eine schnellere Prüfung des Börsenprospekts durch die US-Börsenaufsicht SEC habe unter anderem zu der ‌Beschleunigung geführt, hiess es weiter. Die Unterlagen sollen nun bereits am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden, bevor am 4. Juni die Werbetour bei Investoren ​beginnt.

SpaceX strebt früheren Reuters-Informationen zufolge ein Emissionsvolumen von ​etwa 75 Milliarden Dollar bei ​einer Gesamtbewertung von rund 2 Billionen Dollar an. Dies wäre der grösste Börsengang aller ‌Zeiten. Die Bewertung stellt zudem einen deutlichen Anstieg gegenüber den 1,25 Billionen Dollar dar, die bei der Fusion von SpaceX mit ​Musks ​Start-up für Künstliche Intelligenz, xAI, ⁠im Februar angesetzt worden waren. Die ​Papiere sollen unter dem ⁠Kürzel «SPCX» gehandelt werden. Begleitet wird die Emission von den Konsortialbanken ‌Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup, JPMorgan und Goldman Sachs. Während SpaceX zunächst nicht auf eine Bitte um ‌Kommentar reagierte, lehnten die Nasdaq und die SEC ​eine Stellungnahme ab.