Am 1. November feiert die Kirche Allerheiligen. Es ist wichtig, uns bewusst zu machen, dass es eine tiefe Verbindung mit den Toten gibt. Gott hat den Menschen für die Ewigkeit geschaffen. Die Liebe verbindet uns mit den Menschen, die von uns gegangen sind. Es ist ein Trugschluss der Moderne, das Menschsein rein funktional zu denken. Der Mensch ist das nie ganz fassbare Wesen, welches über sich selbst nachdenken und über die Grenzen der Endlichkeit hinweg fühlen kann. Es war die Ursünde der sich selbst als liberal bezeichnenden Theologie, dass diese Grundwahrheit – das ewige Leben – immer mehr relativiert und geleugnet wurde. Müsste man alle Fehlentwicklungen in beiden Schweizer Landeskirchen – der reformierten sowie der katholischen – in einem Satz zusammenfassen, so wäre dieser Abfall vom Glauben an das ewige Leben dessen Kern. Diese Schwäche des Christentums in der Schweiz hat dazu geführt, dass die Gesellschaft einem moralischen Relativmus verfallen ist, der dem Individuum keinen festen Boden unter den Füssen lässt. Wenn wir dem Wunsche des Heiligen Vaters, Papst Franziskus, folgen möchten, dann kann die Erneuerung der Kirche nur geschehen, wenn wir die Wahrheit akzeptieren, dass Gott ein Gott der Lebenden ist. Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes und hat eine unendliche Würde, die mit dem Tod nicht endet. Der Tod ist der Übergang in die Vollendung bei Gott.
Die beiden Hochfeste Allerheiligen und Allerseelen zeigen uns auf, dass es Menschen vor uns geschafft haben, Gott ganz zu vertrauen. Da wir alle Maria als Mutter haben und viele Heilige als unsere Brüder und Schwestern zählen dürfen, dürfen wir zuversichtlich in unsere eigene Zukunft blicken. Gott liebt uns. Ebenfalls dürfen wir voller Vertrauen für unsere Verstorbenen beten. Vergessen wir sie nicht und beten für sie. Die Liebe sind wir einander immer schuldig, auch über die Grenzen des irdischen Lebens hinaus.
Allerheiligen und Allerseelen
Rundbrief zur Situation in der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi
Turgi, 28. Oktober 2022
Liebe Mitchristen
Seit Februar dieses Jahres lenken Hilde Seibert, Dr. Bernhard Hollinger und Willy Deck mithilfe des im Januar 2021 gewählten Andreas Zillig die Geschicke der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi. Die Wahl von Frau Seibert, Herrn Dr. Hollinger und Herrn Deck erfolgte an der Kirchgemeindeversammlung im November 2021, wobei die Wahl nicht traktandiert gewesen war und ich als Kirchenpflegepräsident ausdrücklich mitteilte, dass ich für die rechtlichen
Konsequenzen einer solchen Wahl keine Verantwortung übernehme. Dass sich
Gemeindemitglieder an einer Kirchgemeindeversammlung selbst in die
Kirchenpflege wählen, stellt ein völliges Novum dar, welches aus demokratischer Perspektive mehr als problematisch ist. Aus pastoraler Sicht ist es problematisch, dass Bischofsvikar Koledoye mit Herrn Pfarrer Schmidt einen Priester in den Pfarreien Birmenstorf, Gebenstorf und Turgi eingesetzt hat,
obwohl die Kleruskongregation in Rom Pater Adam als pfarrverantwortlichen
Priester bestätigt hat.
Es ist nun an der Zeit, acht Monate nachdem die frühere Kirchenpflege mithilfe der Landeskirche und des Bistums entmachtet wurde, auf die Früchte dieser Machtübernahme zu blicken. Ich habe in früheren Gesprächen Frau Seibert, Herrn Dr. Hollinger und Herrn Zillig mehrfach darauf hingewiesen, dass die sogenannte Initiativgruppe, deren Wortführer sie sind, keinerlei gemeinsames Programm aufweist, das zukunftsgerichtet ist. Der Hass, der über mehrere Jahre geschürt wurde gegen die Verantwortungsträger der Kirchgemeinde, schafft keine kirchliche Gemeinschaft. Im Folgenden möchte ich auf einige Kritikpunkte eingehen, welche durch die Exponenten der Initiativgruppe immer wieder genannt wurden und diese mit der Realität abgleichen, wie sie sich in den letzten acht Monaten gezeigt hat.
Gottesdienstbesuch
Es wurde immer wieder der Vorwurf gemacht, dass die vielen Gottesdienstbesucher, welche die Heiligen Messen in Gebenstorf und Turgi
besuchten, zumeist „auswärtige“ sind. Weiter wurde behauptet, dass die alteingesessenen Gebenstorfer und Turgemer die Messen nicht besuchen. Wie
sieht die Situation heute aus? Wo sind nun die vielen alteingesessenen
Gebenstorfer und Turgemer, die nur deswegen die Messen nicht besucht haben,
weil ihnen der Priester oder die Kirchenpflege nicht gefällt? Der Kirchbesuch ist massiv gesunken. Unter der Woche kann man die Anzahl Gottesdienstbesucher oft an einer Hand abzählen. Die lebendigen Gottesdienste, an denen Jung und Alt, Schweizer und Ausländer, teilgenommen haben, gehören der Vergangenheit an, währenddem die jetzigen Gottesdienste nicht einmal von den Menschen besucht werden, die früher am stärksten die Gottesdienstordnung kritisiert hatten.
Organisation der Gottesdienste
Der Kirchenpflege wurde früher der Vorwurf gemacht, dass zu viele Priester als Aushilfen genommen werden. Damals fand jedoch jeden Tag eine Eucharistiefeier statt, am Dienstag sogar zwei und am Wochenende vier. Zudem
waren wegen der Corona-Bestimmungen oft auch zwei Priester während der Messe notwendig, damit man allenfalls die Gottesdienstgemeinde aufteilen kann.
Es ist Pater Adam und dem Pfarreisekretariat immer gelungen, die Heiligen Messen sowie alle anderen Sakramente anzubieten, was die Hauptaufgabe der Kirche darstellt. Seit Anfang April wurden die Messen von 10 auf 4 reduziert, Aushilfen gibt es jedoch immer noch. Da wenig Gläubige an die Messen in Gebenstorf und Turgi kommen, werden nun Aushilfspriester eingesetzt, die früher von Pater Adam für ihren Dienst angefragt wurden und sich grosser Beliebtheit erfreuten. Die Anstellung dieser Priester wurde vor einigen Monaten von den jetzigen Verantwortungsträgern noch scharf kritisiert, da die Priester einen weiten Anreiseweg hätten. Nun werden nicht nur diese früher kritisierten Priester angefragt, sondern auch der ehemalige Diakon der Pfarrei Turgi, der ebenfalls fast zwei Stunden von unserer Kirchgemeinde entfernt lebt. Das Traurigste an der Entwicklung in den letzten acht Monaten ist, dass es Bischofsvikar Koledoye in den letzten Monaten mehrfach nicht geschafft hat, am
Wochenende den Gläubigen die Feier der Eucharistie zu ermöglichen. Mein Standpunkt war immer klar: Die Feier der Eucharistie ist zentral und auch wenn es notwendig ist, dass ein Priester einen weiten Anreiseweg hat, um mit den Gläubigen die Heilige Messe zu feiern, ist dies gerechtfertigt. Total unverständlich ist es jedoch, dass der Bischofsvikar es nicht schafft, den
Gläubigen eine Eucharistiefeier anzubieten und zugleich den ehemaligen Diakon dafür bezahlt, Wortgottesdienste durchzuführen. Ein Wortgottesdienst kann
von jedem Katholiken durchgeführt werden, die Anstellung eines Diakons oder Pastoralassistenten, damit dieser eine solche Feier durchführt, stellt eine nicht zu rechtfertigende Steuergeldverschwendung dar.
Finanzen der Kirchgemeinde
Der Kirchenpflege wurde der Vorwurf gemacht, man gehe verschwenderisch mit den Finanzen um. Tatsache ist, dass es die Kirchenpflege geschafft hat, in den
Jahren vor der Corona-Pandemie 300‘000 Franken Überschüsse zu generieren,
welche dafür gebraucht wurden, ein Darlehen zurückzuzahlen und damit die
Kirchgemeinde schuldenfrei zu machen. Zudem wurden auf dem Verwaltungsvermögen zusätzliche Abschreibungen getätigt, damit die Aufwände für Abschreibungen in der Zukunft die Kirchgemeinde nicht belasten und somit mehr Spielräume vorhanden sind, die Steuererträge für pastorale Aufgaben einzusetzen. Die finanzielle Situation der Kirchgemeinde ist ausgezeichnet. Dorn im Auge der Gegner der Kirchenpflege, die nun die Finanzen kontrollieren, ist der Fakt, dass die Kirchenpflege vor allem für pastorale Aufgaben und für die Sicherstellung der Sakramente Geld ausgegeben hat. Das wäre etwa so, wie wenn man in einem Krankenhaus kritisieren würde, dass die Spitalleitung Geld für Ärzte und die medizinische Versorgung der Patienten ausgibt. Jetzt ist es immer noch so, dass die Kirchgemeinde hohe Kosten für das Bauwesen, die Administration, den Beitrag an die Landeskirche und den
Sakristanendienst hat, jedoch das pastorale Angebot radikal abgebaut wurde. Im Jahre 2021 hatte die Kirchgemeinde einen Steuerertrag von über 1.1 Millionen Franken. Davon wurden weniger als ein Viertel für die seelsorgerlichen Dienste ausgegeben, obwohl durch Corona Mehraufwände
entstanden sind und die Kirchgemeinde alles tat, um den Menschen den Zugang
zur Seelsorge und den Sakramenten zu ermöglichen. Die jetzigen Verantwortungsträger geben weiterhin immense Summen an Geld aus – nur
nicht für die Seelsorge.
Das ganze Wirken von Frau Seibert, Herrn Deck, Herrn Dr. Hollinger und Herrn
Zillig ist nur in die Vergangenheit gerichtet und nicht in die Zukunft. Die
diesjährige Reise mit den Firmanden wurde gestrichen, es fanden keine
Familienfeste wie früher statt und auch sonst wurde nichts gemacht, um junge
Menschen an die Pfarreien zu binden. Auf der anderen Seite wird Geld
ausgegeben für die Erwachsenenbildungsreihe und die Kirchenchöre, da die
jetzigen Verantwortungsträger in diesen Projekten und Vereinen involviert sind.
Um das Krankenhaus-Beispiel noch einmal aufzugreifen: Falls ein Krankenhaus
keine Ärzte und keine Patienten hätte, jedoch weiterhin Hunderttausende von
Franken für die Administration und den Unterhalt der Gebäude ausgeben würde,
müsste die Leitung wohl ihren Rücktritt geben. Weshalb ist dies in der
katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi anders?
Transparenz und Demokratie
Frau Seibert und Herr Dr. Hollinger haben mehrfach der früheren Kirchenpflege den Vorwurf gemacht, sie sei nicht demokratisch und transparent. Wie sieht es jedoch mit der Transparenz des jetzigen Handelns der Kirchenpflege aus? Im Pfarrblatt Horizonte findet von der Kirchenpflege aus keine Kommunikation mit der Bevölkerung statt und man hat es nicht geschafft, eine neue Homepage zu lancieren, nachdem man die alte Homepage geschlossen hat. Dies hat alles seinen Grund. Die Kirchenpflege hat ohne die Bevölkerung zu informieren, zwei neue Seelsorgestellen ausgeschrieben. Wenn eine Pfarreileitung gewählt wird, muss die Bevölkerung involviert werden, da die Kirchgemeinde den Pfarrer wählt. Wir haben nun die völlig absurde Situation, dass die Gebenstorfer und Turgemer Katholiken Wahlzettel für die Gesamterneuerungswahl zugestellt
bekommen haben, jedoch die Bevölkerung völlig ausgeschlossen wird von der Pfarrwahl. Es war die frühere Kirchenpflege, die nach mehr als 20 Jahren den Bürgern im Jahre 2021 wieder eine Pfarrwahl ermöglichte. Nicht nur, dass die jetzigen Verantwortungsträger dieses Recht, das in der Kantonsverfassung garantiert ist, den Bürgern verwehren, sie wollen zudem die Leitungsstellen im Seelsorgeverband besetzen, ohne die Bevölkerung diesbezüglich zu informieren. Wo bleibt die so viel gelobte Transparenz, wenn man selbst in der Verantwortung steht?
Schlusswort
Es ist sicherlich nicht so, dass früher alles perfekt lief. Es gab viele Fehler und man hätte auch vieles besser machen können. Es war aber früher allen Kirchenpflegern klar, dass die Hauptaufgabe der Kirche ist, Seelsorge
anzubieten und dass so viel Steuergeld wie möglich dafür eingesetzt werden soll, um den Menschen den Zugang zu den Sakramenten zu ermöglichen. Zudem war die Kirche und das ganze Pfarreileben öffentlich. Die Unterscheidung zwischen „Auswärtigen“ und „Einheimischen“, die Frau Seibert, Herr Deck, Herr Dr. Hollinger und Herr Zillig eingeführt haben und die in einer multikulturellen Gesellschaft, wie wir sie in Gebenstorf und Turgi haben, mehr als problematisch ist, gab es früher nicht. Meine Kollegen und ich waren stolz, dass Ausländer und Schweizer, Jung und Alt sowie Arm und Reich die Kirche besuchten. In einer katholischen Kirche gibt es keine Auswärtigen. „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen“, sagt uns Jesus. Es ist an der Zeit, dass alle engagierten Katholiken die richtigen Entscheidungen treffen, um den beiden Pfarreien in der Zukunft wieder ein fruchtbares Wirken zu ermöglichen.
Freundlicher Gruss
Daniel Ric
Wird Synodalitätssynode gelenkt?
Wird durch die Synodensynodalität die Weltkirche zur Anerkennung von Priesterinnnen (Diakoninnen) und Homosexualität gedrängt? Die Bischofssynode über die Synodalität wird zur Einfallspforte für eine Vielzahl heterodoxer Theorien und Forderungen. Mit der Veröffentlichung des Arbeitspapiers für die kontinentale Synodenphase liegt der Beweis schwarz auf weiss vor. Nicht anders war es absehbar, da der Anstoss dazu vom „Synodalen Weg“ der Deutschen Bischofskonferenz kam. Frauenpriestertum und Homosexualität bilden die Speerspitze des häretisierenden Massnahmenkatalogs, die bestimmte Kirchenkreise und die Medien am meisten interessieren.
Letztere berichten von einer angeblich „ungelösten Frauenfrage in der Kirche“ und von „zunehmenden Anfragen aus verschiedenen Teilen der Welt nach grünem Licht für das Frauenpriestertum oder das Frauendiakonat“. Nun wurde diese Forderung offiziell in ein vatikanisches Dokument aufgenommen, in das Arbeitspapier, das die Grundlage für die Diskussionen bei der zweiten, der kontinentalen Phase der Synodalitätssynode bilden wird. Die Synodalitätssynode war von Papst Franziskus einberufen worden und wird sich ab nun also mit einer Reihe von „Tabuthemen“ zu befassen haben. Die dritte und letzte Phase wird dann die eigentliche Bischofssynode in Rom sein.
Arbeitspapier der kontinentalen Phase
In den vergangenen Wochen wurde eine Zusammenfassung der Berichte der Bischofskonferenzen angefertigt. Der daraus entstandene Text wird von Bischöfen, Kardinälen und Delegierten der nationalen Bischofskonferenzen im nächsten Jahr für die weitere Diskussion verwendet und wurde am 28.Oktober 2022 veröffentlicht, nachdem er vorab ausgewählten Journalisten mit Sperrfrist ausgegeben worden war. Der Synodalitätssynode erkannte Franziskus „nur“ beratenden Charakter zu, wie es seit der Errichtung der Bischofssynode nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Fall war. Franziskus hatte jedoch 2018 mit der Apostolischen Konstitution Episcopalis communio die Spielregeln geändert: Heute könnte eine Bischofssynode, wenn es ihr der Papst erlaubt, faktisch auch Entscheidungen treffen.
Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Arbeitspapiers bezogen sich inhaltliche Fragen und Antworten vorwiegend auf die Themen Frauenpriestertum und Homosexualität. In deutschen Modernistenkreisen reibt man sich die Hände. Die letzten Zweifler konnten sich davon überzeugen, daß der deutsche „Synodale Weg“ das Tempo vorgibt und sich das Pontifikat von Franziskus wieder einmal als „deutsches Pontifikat“ erweist. Am deutschen Wesen soll die Weltkirche genesen? Dabei beträgt der deutsche Anteil an der Weltkirche, der ganze deutsche Sprachraum eingerechnet, gerade einmal etwas mehr als zwei Prozent aller Katholiken.
Den grössten Teil der Weltkirche bildet der spanischsprachige Raum, der neben Spanien auch grosse Teile Lateinamerikas umfasst. Diesem Teil entstammt auch Papst Franziskus. Grund genug, um das Auge darauf zu lenken. Secretum meum mihi machte sich die Mühe, alphabetisch aufzulisten, wie oft welches Land der spanischen Welt im Arbeitspapier für die kontinentale Phase genannt wird. Die Zahl gibt den Paragraphen des Arbeitspapiers an, in dem das Land Erwähnung findet:
Argentinien: 57 (also einmal und zwar im Paragraphen 57)
Bolivien: 40
Chile: 19
Kolumbien: 88
Costa Rica: 41
Kuba: keine Nennung
Ecuador: keine Nennung
Spanien: 82, 99
Guatemala: keine Nennung
Äquatorialguinea: 16
Honduras: keine Nennung
Mexiko: 66
Nicaragua: keine Nennung
Panama: 90
Paraguay: 75
Peru: 1
Puerto Rico: keine Nennung
Dominikanische Republik: keine Nennung
Salvador: keine Nennung
Uruguay: 97
Venezuela: 42
Und wie oft und wo wird die Bundesrepublik Deutschland genannt?
Deutchland: 31 (also einmal und zwar im Paragraphen 31)
Österreich: 19
Schweiz: keine Nennung
Von der Deutschen Bischofskonferenz werden die Themen vorgegeben, die mediale Aufmerksamkeit finden, doch das Land wird nur einmal genannt, ohne Verbindung mit den kontroversen Themen. Die bundesdeutsche Nennung erfolgt zum Thema „Inklusion“ und lässt sich somit indirekt mit Migration und Homosexualität, theoretisch sogar mit dem Frauenpriestertum in Verbindung bringen. Die österreichische Nennung potenziell mit der Zölibats- und der Frauenfrage. Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt, dass mit Verschleierung und Chiffre-Wörtern zu rechnen ist.
„Die Deutschen“ waren bereits die Schrittmacher der Familiensynode 2014/2015 gewesen und ebenso der umstrittenen Amazonassynode 2019. Obwohl dieser Zusammenhang offensichtlich war, wurde er verschleiert oder bestritten. Österreichs Bischöfe hatten nach der Frühjahrkonferenz 2019 verlauten lassen, die Entscheidungen der Amazonassynode, die sie noch gar nicht kennen konnten, übernehmen zu wollen, was eine Frage aufwarf: Wussten sie bereits mehr?
Die Regenwaldsynode endete dann bekanntlich nicht so, wie es bestimmte Kirchenkreise sich erwartet hatten. Am Ende legten sich Kardinal Robert Sarah und Benedikt XVI. quer und forderten: „Hände weg vom Zölibat“, sodass Franziskus auf die Aufhebung des priesterlichen Zölibats verzichtete. Liest man das nachsynodale Schreiben von Franziskus genau, bieten sich jedoch Anknüpfungsmöglichkeiten für einige der umstrittensten Forderungen, die sich modernistische Kreise seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf die Fahne geschrieben haben: Zölibatsabschaffung, Frauenpriestertum, Demokratisierung und Anerkennung der Homosexualität.
Das Arbeitspapier der kontinentalen Phase zeigt, dass die Synodalitätssynode in einigen Punkten direkt an die Amazonassynode anknüpft und nun auf Weltebene und offener wieder dieselben Ziele präsentiert. Daraus folgt, dass Franziskus entgegen seinen Beteuerungen nicht nur „ergebnisoffene“ Anstösse gibt, um „Prozesse“ in Gang zu bringen, sondern taktisch, aber zielstrebig handelt.
Paragraph 39 des Arbeitspapiers bringt die Anerkennung der Homosexualität auf den Synodentisch (an einer Stelle, an der die USA und Lesotho genannt werden).
Paragraph 51 setzt ebenfalls die Homosexualität auf die Tagesordnung (an einer Stelle, an der Südafrika, also ein weiteres afrikanisches Land genannt wird).
Paragraph 64 wirft die Frage nach dem Frauenpriestertum auf (an einer Stelle, an der Brasilien erwähnt wird).
In keinem dieser Punkte wird die Kirche in Deutschland erwähnt, dafür aber im Zusammenhang mit der Homosexualität ausgerechnet Afrika, das 2014 die Weltkirche davor bewahrt hatte, daß die Homosexualität bereits bei der Familiensynode zum Thema gemacht wurde, wie es Santa Marta ursprünglich vorgesehen hatte.
Die Verknüpfung afrikanischer Länder im Arbeitspapier mit der Homosexualität weist erneut auf eine gelenkte Synodendynamik hin, wie sie bei allen Bischofssynoden unter Franziskus feststellbar war. Das angestrebte Ziel kann nur die Schwächung der afrikanischen Position sein. Es soll zudem der Anschein erweckt werden, die Homo-Frage werde auch in Afrika virulent.
Franziskus selbst und sein Hofstaat befürchteten jahrelang, daß sich Benedikt XVI. – bei einem zu radikalen Vorgehen – an die Spitze einer Gegenbewegung stellen könnte. Eine solche Eventualität konnte jedenfalls nicht sicher ausgeschlossen werden. Das Motu proprio Traditionis custodes vom Juli 2021 signalisierte jedoch, dass Franziskus dieses Risiko inzwischen nicht mehr sieht und daher bestimmte Rücksichtnahmen wie nach dem Plädoyer für den priesterlichen Zölibat nicht mehr nötig scheinen. Kardinal Sarah wurde von Franziskus zwischenzeitlich emeritiert. Einige Beobachter sehen daher die Gefahr, dass Franziskus zum Ende seines Pontifikats hin das Tempo anziehen und immer mehr ohne Rücksicht auf Verluste handeln könnte.
Rekordzahl bei Kirchenaustritten in der Schweiz 2021
In der Schweiz sind die Kirchenaustrittszahlen auf Rekordhoch. Die Gründe dafür sind in der Eidgenossenschaft vor allem öffentliche Stellungnahmen der Kirche, etwa zu Frauen oder gleichgeschlechtlichen Beziehung. In Basel sind die meisten Austritte zu verzeichnen. Was sagt der Bischof von Basel dazu?
So viele Austritte wie nie: Mehr als 34.000 Katholiken haben in der Schweiz 2021 der Kirche den Rücken gekehrt. Das seien noch einmal 2.500 mehr als 2019, meldet das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in Sankt Gallen. Ende 2021 gab es demnach noch rund 2,96 Millionen Kirchenmitglieder; die Austrittsquote lag bei 1,5 Prozent.
Die Lage in der Schweiz sei gazlnslz schlimm. Aber auch die evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz erlebte laut Bericht 2021 einen Austrittsrekord. Rund 28.540 Personen seien 2021 ausgetreten; gegenüber rund 26.000 im Jahr 2019. Ende 2021 gehörten noch 1,96 Prozent der evangelischen Kirche an.
Konfessionell führen das SPI und das Bundesamt für Statistik für 2020 die Römisch-Katholischen mit 33,8 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung an erster Stelle; gefolgt von den Konfessionslosen (30,9 Prozent) und den Evangelisch-Reformierten (21,8 Prozent). 2016 hatten die Konfessionslosen die Evangelisch-Reformierten zahlen- und anteilsmäßig überflügelt.
Gründe für Austritte wurden durch Telefoninterviews ermittelt also nur theoretisch vertretbar.
Laut dem wissenschaftlichen Projektleiter beim SPI, Urs Winter-Pfändler, spielte die Corona-Pandemie für die Austritte eine eher ungeordnete Rolle: Sie habe sich eher auf andere Faktoren wie Gottesdienstbesuch, Taufen oder Firmungen ausgewirkt. Die Gründe für diese Austritte ermittelte das Institut aus speziellen Datensätzen des Statistikamtes durch Telefoninterviews.
Demnach traten Katholiken primär wegen öffentlicher Stellungnahmen der Kirche aus. Laut SPI dürfte es um die Themen Stellung der Frauen in der Kirche, Umgang mit gleichgeschlechtlich Liebenden oder Wiederverheirateten sowie um Fragen zu Beginn und Ende des Lebens gehen; also etwa um Abtreibung und assistierten Suizid.
Etwas weniger oft wurde der Austritt mit verloren gegangenem oder fehlendem Glauben begründet. Bei den Evangelisch-Reformierten war es umgekehrt. Hier waren Glaubensfragen das Hauptmotiv für einen Austritt, ebenso die damit eingesparten Kirchensteuern. Das SPI konstatiert im Vergleich mit 2014, diese Beweggründe hätten sich über die Jahre nicht verändert. Weder der katholischen noch der reformierten Kirche sei es gelungen, an den Austrittsgründen etwas zu ändern. (KNA)
Gebet ist kein System
Beim Beten ist man leicht versucht, das Geordnete und Systematische besser zu überdenken. In der Zwischenzeit beteten dreizehn Jahrhunderte des Christentums ohne Systeme und brachten viele herausragende Beter hervor. Deshalb lohnt es sich, Gott im Gebet einen Platz zu lassen und nicht alles nach menschlichen Mustern zu ordnen.
Da das Gebet nicht nur eine Sache der Gnade Gottes ist, sondern auch eine Sache des menschlichen Handelns, muss es durch einige einführende Übungen geübt werden. Jeder braucht bestimmte elementare Methoden, aber nicht jeder braucht die gleiche Hilfe. Solche elementaren Methoden, die in die Welt des Gebets einführen, sind geistliches Lesen, mündliches Gebet und Meditation , zusammen mit einer ganzen Reihe verschiedener Methoden und Systeme , die im Laufe der Jahrhunderte entwickelt wurden.
Ehemalige Mönche praktizierten stundenlanges Lesen, das sogenannte lectio divina, deren Material meist inspirierte Bücher, aber auch patristische Literatur waren. Die Mönchsmethode basierte auf reichlicher spiritueller Nahrungdie zusammen mit dem Büro ein harmonisches Ganzes bildeten und eine Atmosphäre des Gebets schufen. Unter diesen Bedingungen floss das Gebet frei und brauchte keinen strengen Rahmen. Dieses friedliche Gleichgewicht wurde durch die Vervielfachung von Arbeit und Aktivitäten gestört. Von den drei Grundelementen dieser Balance: lectio divina, Choramt und Arbeit, meist körperlich, begannen einige zu schrumpfen, während andere sich übermäßig ausdehnten und ihren Charakter veränderten. Vor allem entwickelte sich die Arbeit und wurde apostolischer oder wissenschaftlicher, was der Aufrechterhaltung einer Atmosphäre des Gebets weniger förderlich war, den Geist in Anspruch nahm und zahlreiche Ablenkungen verursachte. Allmählich nahm die Arbeit immer mehr Zeit in Anspruch und nahm weitgehend ein so wichtiges Element klösterlicher Spiritualität wie die Lectio Divina auf. Und als das Büro unverändert blieb, fühlte es sich immer mehr anÜberlastung mit mündlichem Gebet , die nicht auf einem ausreichenden Hintergrund von Konzentration und Reflexion basiert. Mündliches Gebet, aus seinem natürlichen Zusammenhang gerissen, ist zerstreut und langweilig geworden.
Ein reifer Mönch erzählte mir seine eigenen Erfahrungen in dieser Angelegenheit. Als junger Mann betete er sehr gern und widmete ihm viel Zeit. Zwei oder drei Geheimnisse des Rosenkranzes genügten ihm für eine Gebetsstunde. Nachdem er den Kreuzweg gemacht hatte, war er erst nach einer halben Stunde an der dritten Station. Jedes Mysterium versorgte ihn mit Nahrung für lange Meditation. Als er sich einem alten Orden anschloss, änderte sich alles. Ihm wurde beigebracht, den Rosenkranz in 15 Minuten zu beten, und als der Magister bemerkte, dass der Novize lange den Kreuzweg betete, sagte er: „Ich werde dich lehren, den Kreuzweg zu machen.“ Sie entließen sie zusammen in 15 Minuten. Es war auch notwendig, das ganze Offizium und das Offizium über die Gottesmutter zu sagen … Als der Magister den Novizen nach einigen Monaten Noviziat fragte, wie es ihm gehe, antwortete er: „wie ein Hund in einem Brunnen“. , ich wurde eine „tibetische Mühle“.
Bis zum 13. Jahrhundert herrschte dieser Gebetsstil vor, der auf der reichlichen Nahrung des Geistes mit heiligen Gedanken basierte, aus denen das Gebet auf natürliche Weise seine Inspiration schöpfte. Grundlegende Veränderungen treten im 14. Jahrhundert ein, dann gibt es immer systematischere Methoden, Menschen an das Gebet heranzuführen . Die damaligen Autoren begannen, verschiedene Skalen – Treppen, Leitern und Exerzitatorien – Übungen zu erstellen und mehr und mehr zu systematisieren. Im 15. Jahrhundert sagt der berühmte Brüsseler Domherr Mombaer (1494), wenn das Gebet nicht auf einer geordneten Reihe von Reflexionen ( ordinata series contemplationum), wird es kein gutes Gebet sein. Zweifellos entsprachen diese Veränderungen den spezifischen Bedürfnissen der Zeit, aber der menschliche Geist, der seiner natürlichen Versuchung erlag, das, was er ordnete und systematisierte, für besser zu halten, ging zu weit und vergaß, dass die dreizehn Jahrhunderte des Christentums ohne gebetet hatten diese Systeme und hatte sehr viele herausragende Menschen des Gebets hervorgebracht. Das Charakteristikum der Zeiten, die unserer Zeit unmittelbar vorausgingen, war sicherlich eine gewisse Überschätzung der Bedeutung strenger Gebetssysteme . Als die benediktinische Äbtissin von Solesmes, Cécile Bruyére, ihr Buch über das Gebet nach der Heiligen Schrift und den Vätern schrieb und dabei an die alten Gebetsmethoden erinnerte, beurteilten einige Spezialisten des geistlichen Lebens das Buch sehr hart und hielten den Versuch für verwegen.
Ich kannte ein Seminar, wo in einer halben Stunde Meditation die längste Zeitspanne, die ein Geist haben konnte, um in Schwung zu kommen, nur 7 Minuten betrug. Der Rest der Zeit bestand aus einer Reihe verschiedener Handlungen, die vom spirituellen Vater vorgeschlagen wurden, der die Meditation leitete. Solche Praktiken entwickeln eher einen Widerwillen, nach innen zu beten , als eine Liebe dafür. Später, im priesterlichen oder religiösen Leben, sind die Unterentwicklung des Gebetslebens und die Unfähigkeit zu beten sicherlich die Ursache von mehr als einer geistlichen Katastrophe geworden .
Hier ist große Moderation gefragt . Einige elementare Methoden sind notwendig. Geistliche Lesung, besonders aus der Heiligen Schrift, mündliches Gebet, Meditation über einen Text – das sind die einfachsten elementaren Methoden, die natürlichsten für die menschliche Seele. Selbst in Zeiten größter Begeisterung für systematische Methoden wurden sie nie zur gemeinsamen Gebetsschule aller Christen. Auch in ihrer erfolgreichsten Zeit war die allgemeine Gebetsschule für Christen immer die Liturgie, das mündliche Gebet und das Lesen oder das Hören des Wortes Gottes oder anderer Texte über Gott und Gottes Dinge.
Wir müssen jedoch sehr vorsichtig sein, dass die Abkehr von den systematischen Methoden, die die heutige Generation charakterisieren, nicht eine geistliche Trägheit und einen Mangel an Bereitschaft zu ernsthaften Anstrengungen widerspiegelt, ohne die es keine Möglichkeit gibt, eine vollständigere Entwicklung des Gebetslebens zu erreichen auf jeden Fall. Ob der Weg systematisch oder unsystematisch ist, der Beitrag der spirituellen Anstrengung muss immer ernsthaft und kontinuierlich sein. Es gibt keine Eigenschaft des Gebets, auf die das Evangelium und die Paulusbriefe so viel Wert legen wie Beharrlichkeit. Es muss auch berücksichtigt werden, dass systematische Methoden, die von denen, die Gottes Angelegenheiten gut kennen, über Jahrhunderte entwickelt wurden, ihren Wert nicht verloren haben und auch heute noch von vielen Laien und Ordensleuten mit großem Nutzen angewendet werden können. Diese Methoden sollten nicht aufgezwungen, sondern in ihrer authentischen Form zur Verfügung gestellt werden, nicht durch menschliche Praxis verzerrt, die nur die äußere Struktur des Systems assimiliert und seinen tiefen inspirierenden Gedanken nicht erfasst haben. So sind sie entstandenKarikaturen systematischer Methoden, und diese Karikaturen haben viele von Methoden abgebracht, die sie kaum kennen.
Auszug aus dem Buch „In der Gebetsschule“ von Piotr Rostworowski OSB
Eucharistie-Welttreffen 2024
Die Erzdiözese Quito hat den genauen Termin für den nächsten Eucharistischen Weltkongress in Ecuadors Hauptstadt mitgeteilt. Die 53. Auflage des internationalen Katholikentreffens ist für 8. bis 15. September 2024 geplant. Das Thema: „Geschwisterlichkeit als Heilmittel für die Welt – Ihr seid alle Brüder“. Bereits vom 5. bis 7. September 2024 geht dem Treffen ein eucharistisches Symposium an der Päpstlichen Katholischen Universität von Ecuador voraus.
Hinsichtlich des Kongressthemas wurde verwiesen auf die „zentrale Bedeutung der Eucharistie im Leben und Handeln der Kirche“, zumal in ihr Gott in der Welt gegenwärtig sei. Die Tatsache, „dass alle den gleichen Leib Christi empfangen“, dränge die Kirche dazu, „eine Botschaft der Geschwisterlichkeit weiterzugeben“. Eucharistischen Kongresse seien „kirchliche Ereignisse, die die ganze Kirche betreffen“.
Die von der katholischen Kirche organisierten Eucharistischen Kongresse sollen Verständnis und Verehrung der Eucharistie in der Orts- und Weltkirche fördern und vertiefen. Sie werden seit 1881 an wechselnden Orten in zuletzt vierjährigem Abstand durchgeführt. Das für 2020 geplante Treffen in Budapest wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben und fand 2021 statt.
1,36 Milliarden Katholiken weltweit
Die Zahl der Katholiken weltweit ist auf knapp 1,36 Milliarden gestiegen. Das geht aus Daten des zentralen kirchlichen Statistikbüros für das Jahr 2020 hervor, die von der vatikanischen Informationsagentur Fides anlässlich des kommenden Weltmissionssonntags vorgestellt wurden. Im Vergleich zu 2019 bedeutet dies einen Anstieg um 15,2 Millionen Menschen. Der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung ging leicht auf 17,73 Prozent zurück (-0,01 Prozent).
44 Jahre Papst Johannes Paul II. | Der 22. Oktober 1978 ist der Tag seiner Inthronisation.
Ein Papst, der Geschichte schrieb: Vor hundertzwei Jahren, am 18. Mai 1920, wurde Karol Wojtyla geboren, besser bekannt als Johannes Paul II. In seiner Amtszeit (1978-2005) hat der charismatische Papst aus Polen die Kirche ins neue Jahrtausend geführt. Mit zahlreichen, historischen Ton-Aufnahmen aus dem Radio-Vatikan-Archiv lassen wir die Epoche wiederaufleben.
Vor 100 Jahren wurde Papst Johannes Paul II. geboren
Mehr als 26 Jahre lang leitete er die katholische Weltkirche und führte sie ins neue Jahrtausend: Das von 1978 bis 2005 währende Pontifikat von Papst Johannes Paul II. war das zweitlängste der 2.000-jährigen Kirchengeschichte. Zudem war der Pole mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla der erste nichtitalienische Papst nach 455 Jahren. Am 18. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden.
Johannes Paul II., der am 18. Mai 1920 in Wadowice bei Krakau geboren wurde, war tief von seiner polnischen Heimat geprägt, von ihrer Geschichte und Kultur, samt dem Trauma der staatlichen Teilungen. Als junger Mann hatte er den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Besatzung erlebt, er arbeitete im Steinbruch einer Chemie-Fabrik und studierte im Untergrundseminar. Danach hatte er im Kommunismus auch das andere totalitäre System erlebt. Als junger Priester, als Theologieprofessor und vor allem als Erzbischof und Kardinal in Krakau bewies Karol Wojtyla Stehvermögen im Umgang mit totalitären Machthabern und Funktionären.
Offenbar waren es diese breiten Erfahrungen unter schwierigen Bedingungen, aber auch sein Sprachtalent und seine bei vielen Reisen erworbene Weltläufigkeit, mit denen der Außenseiter im zweiten Konklave des Drei-Päpste-Jahres 1978 die Kardinäle überzeugte. Nach dem zuletzt zögerlich und kränklich wirkenden Paul VI. sollte der erst 58-Jährige Schwung in die Kirche bringen. Und der Papst aus Polen erwies sich als begnadeter Kommunikator, der mit pastoraler Kreativität die Kirche förderte, ihr Ansehen und ihren Einfluss in Welt und Gesellschaft stärkte – und von den Medien als „Superstar“ gefeiert wurde.
Neuer Stil im Papstpalast
Der neue Papst brachte einen neuen Stil in den Papstpalast, schaffte Tragsessel und majestätisches „Wir“ ab, fuhr auch als Pontifex noch Ski. In seiner Antrittsrede appellierte er an die Kirche und die Welt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus. Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme für seine rettende Macht.“ Johannes Paul II. startete viele spektakuläre Initiativen.
Er berief 15 Bischofssynoden ein, lud die Weltreligionen zum Friedensgipfel nach Assisi, empfing 890 Staats- und Regierungschefs und proklamierte 1.800 Heilige und Selige. Johannes Paul II. schrieb 14 Enzykliken, eine Fülle von Lehrschreiben und Botschaften, hielt pro Jahr 900 Ansprachen, wobei Quantität mitunter vor Qualität ging.
Es war sicher auch seiner Vergangenheit geschuldet, dass Frieden und Gerechtigkeit, Menschenrechte, Freiheit und Solidarität zu den starken Themen seines Pontifikats wurden. Er stoppte die auf Kompromisse ausgerichtete „vatikanische Ostpolitik“ von Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli und schlug eine härtere Gangart gegenüber kommunistischen Politikern an. Mit Forderungen nach einer sozialen Marktwirtschaft, nach freien Gewerkschaften sowie später nach einer solidarischen Globalisierung entwickelte er die kirchliche Soziallehre weiter.
Ein „politischer“ Papst
Johannes Paul II. war ein „politischer“ Papst. Das zeigten besonders seine 104 Auslandsreisen in 129 Länder, bei denen er 1,2 Millionen Kilometer zurücklegte. Sie wurden zu einem Führungsinstrument seines Pontifikats. Er redete Diktatoren wie Chiles Augusto Pinochet und Kubas Fidel Castro ins Gewissen. Wie sehr er die Kreise der Ostblock-Potentaten störte, zeigte das noch immer nicht aufgeklärte Attentat vom 13. Mai 1981 – weiterhin werden die Drahtzieher hinter dem Eisernen Vorhang vermutet. Dank seiner robusten Konstitution – und dem Schutz der Gottesmutter – überlebte der schwerverletzte Papst die Schüsse des Türken Ali Agca.
Johannes Paul II. trug maßgeblich zum Fall der Mauer und dem Ende von Ostblock und Sowjet-Regime bei. Und sah diesen Zusammenbruch lange vorher. Bei einem Deutschlandbesuch in den 1970er Jahren löste Wojtyla Kopfschütteln aus, als er empfahl, man solle sich Gedanken über die Zeit nach dem Kommunismus machen. Sein früherer „Gegenspieler“ aus dem Kreml, Michail Gorbatschow, bescheinigte dem Papst einen maßgeblichen Beitrag zum Sturz des Kommunismus in Europa. Und dann wurde der Papst noch einmal vor dem Golfkrieg 2003 zur gefragten Anlaufstelle für Spitzenpolitiker aller Lager. Auch wenn er – bereits schwer von seiner Krankheit gezeichnet – den Krieg nicht verhindern konnte.
Als erster Papst in einer Synagoge
Brücken hat Johannes Paul II. in der Ökumene und im Dialog mit den anderen Religionen gebaut. In seiner Enzyklika „Ut unum sint“ (Damit sie eins seien) lud er nicht-katholische Partner ein, mit Rom über eine Ausübung des Papstamts nachzudenken, die auch für andere christliche Kirchen akzeptabel ist. Bis heute ohne große Resonanz. Manche Erfolge wie Rückschläge verzeichnete er bei der Aussöhnung mit dem Judentum. Schon seit Kinder- und Schultagen hatte er jüdische Freunde – die er als Papst beibehielt. Als erster Bischof von Rom besucht er die Synagoge der Ewigen Stadt und begrüßte dort die „älteren Brüder“. Bei seiner Heilig-Land-Reise 2000 ging er an die Klagemauer und zu einer bewegenden Gedenkzeremonie in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
Geistlicher Höhepunkt seiner Amtszeit war das Heilige Jahr 2000. Johannes Paul II. hatte es sich zum Ziel gesetzt, die katholische Kirche ins dritte Jahrtausend zu führen. 30 Millionen Rombesucher durchschritten die Heilige Pforte im Petersdom. Zu den Meilensteinen des „Großen Jubiläums“ gehört die Vergebungsbitte, das „große Mea Culpa“, mit dem der Pontifex für Fehler und Versäumnisse von Katholiken in der Geschichte um Verzeihung bat.
Schablonen passen nicht
Auch im Rückblick scheint es unmöglich, den Wojtyla-Papst in ein Schema zu zwingen. Progressiv oder konservativ, rechts oder links – die Schablonen passen nicht. Schon in seinem ersten Pontifikatsprogramm hatte er sich auf den Boden des Zweiten Vatikanums gestellt und die sorgfältige Durchführung seiner Bestimmungen für die Glaubensverbreitung, die Ökumene, für Disziplin und Organisation der Kirche versprochen. Das Glaubensgut müsse unversehrt bewahrt, die innere Einheit der Kirche geschützt, die liturgischen Normen beachtet und die Kollegialität gefördert werden.
So gefeiert er zu Pontifikatsbeginn und in seinen letzten Amtsjahren war, so revolutionär neue manche Öffnungen und Gesten schienen, so sehr wurde er ab den 1990er Jahren auch für konservative Positionen kritisiert: in Moral- oder Disziplinarfragen, zu manchen Formen der Befreiungstheologie, gegenüber progressiven Theologen wie Hans Küng oder Edward Schillebeeckx. Unter anderem in Österreich und der Schweiz gab es Proteste wegen einiger Bischofsernennungen. Zudem kreidete man Johannes Paul an, dass infolge seiner häufigen Reisen die Römische Kurie zu viel freie Hand bekam. Zudem sei er nicht entschieden genug gegen sexuellen Missbrauch durch Kleriker vorgegangen und habe den Legionäre-Christi-Gründer Marcial Maciel Degollado (1920-2008) zu sehr gestützt.
„Santo subito“
Die letzte Lebensphase des Papstes war von Krankheit und Leiden – und viel Anteilnahme nicht nur aus der katholischen Welt geprägt. Schon bei seiner Totenmesse am 8. April 2005 forderten Plakate und organisierte „Santo subito“-Sprechchöre seine sofortige Heiligsprechung. Benedikt XVI. leitete bereits zwei Monate später das offizielle Verfahren ein, bestand aber auf strengster Einhaltung aller Normen. Am 1. Mai 2011 wurde der Papst aus Polen selig- und am 27. April 2014, zusammen mit seinem Vorvorgänger Johannes XXIII., heiliggesprochen.
Schwerpunkte mit mehreren Meldungen und Hintergrundberichten zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II. abrufbar unter www.kathpress.at/jp2
Synodaler Prozess – ein Spiel auf Zeit – bis 2024
Nachdem der synodale Weg in Deutschland praktisch gescheitert war, zog die liberale Minderheit der katholischen Kirche daraus ihre Lehre und forderte den Papst auf, den gesamten kirchlichen synodalen Prozess zu stoppen oder zumindest zu verlängern, um der angeblich drohenden Niederlage zu verhindern und die zerstörerische „Reformzeit der Kirche“ noch auszunutzen und ihre Position der Verwirrung zu stärken. An der Spitze steht der Bischof von Basel, dessen Rücktritt erwartet wird, wie aus Vatikankreisen immer lauter zu hören ist. Felix Gmür ist Bischof von Basel und Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz. Er kommentierte den neuen Zeitplan des synodalen Prozesses: Statt 2023 werde dieser bis 2024 andauern. Die vom Papst gewünschte Verlängerung der Beratungen beruhe nach Angaben des Synodalsekretariats auf dem Wunsch nicht nur der Synodenmitglieder Bischöfe, sondern „die ganze Kirche“, um an dem Beratungsprozess teilzunehmen. War es bis jetz nicht die “ ganze Kirche“ beteiligt? Ein kompletter Unsinn. Schweizer Kirche hat Milionen von Schweizer Franken investiert, den Prozess als Umfragestatistik zu manipullieren. Gemäss dem Evangelium heisst es aber doch: Wenn ein Stärkerer auf dich zukommt, sende deine Boten, um Frieden zu schliessen, bevor dein Gegner noch weit weg ist…Es muss erst aber ein Verlängerungsspiel abgewartet werden…

