Um nicht zu „Wölfen“ zu werden, müssen die Hirten der Kirche „auf sich selbst aufpassen oder sich um sich und ihren Glauben kümmern“. „Es ist eine Frage der ständigen Weiterbildung“, mit diesen Worten, die an den Apostel Paulus erinnern, umschrieb Kardinal Luis Antonio Tagle kurz und prägnant, dass jedes authentische priesterliche Leben ein Weg der Ausbildung ist, der nie abgeschlossen ist und immer offen dafür ist, durch das Werk der Gnade geformt und genährt zu werden.
Im Rahmen der Konferenz für die Weiterbildung der Priester, die am heutigen Dienstag, 6. Februar, im Vatikan eröffnet wurde, gab der Pro-Präfekt des Dikasteriums für Evangelisierung am ersten Sitzungstag wertvolle Denkanstöße.
„Die ständige Fortbildung der Priester“, betonte Kardinal Tagle, „hat in erster Linie mit Demut zu tun“. „Es hat eine Tendenz gegeben, die bis heute anhält“, räumte der Pro-Präfekt ein, „die ‚Ausbildung‘ auf die Ausbildung im Priesterseminar zu beschränken. Das hat zu dem Missverständnis geführt, dass die Weihe das Ende der Ausbildung bedeutet. Nach der Ordination braucht ein Geistlicher keine Ausbildung mehr. Ich wurde geweiht, weil ich bereits ausgebildet war“, sagen viele. „In einer solchen irreführenden Vorstellung“, so Kardinal Tagle weiter, „bedeutet die Weihe kein Studium mehr, kein Gebet, keine geistliche Begleitung, keine Führung, kein einfacher Lebensstil, keine Disziplin mehr. Diese Dinge sind nur für Seminaristen. Ich bin bereits geweiht“. In Wirklichkeit sei der priesterliche Stand kein „Besitz“, der für immer erworben wird.
Und die geweihten Priester, so betonte der Kardinal in seiner Rede, müssten gerade in ihrem Zustand als geweihte Amtsträger weitergebildet werden: „Gerade weil wir zum Dienst an Gott und der Kirche geweiht sind, müssen wir uns ständig weiterbilden. Ich glaube, dass diese Demut den geweihten Amtsträgern helfen wird, neue Energie zu gewinnen und ein falsches Gefühl der Überlegenheit und des ‚erworbenen Rechts‘ zu vermeiden. Die Kirche wird dann auch den qualitativ hochwertigen Dienst erhalten, den sie verdient“. In diesem Zusammenhang erinnerte der philippinische Kardinal an die Worte des heiligen Paulus in Ephesus, die in der Apostelgeschichte überliefert sind: „Gebt Acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche des Herrn sorgt, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat! Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen; und selbst aus eurer Mitte werden Männer auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen.“ Um nicht zu „Wölfen“ zu werden, kommentierte Kardinal Tagle, müssten die Hirten „auf sich selbst aufpassen oder sich um sich selbst und ihren Glauben kümmern. Dies ist eine Frage der ständigen Weiterbildung“.
In seinem Vortrag wies der Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung auch auf einige Dringlichkeiten hin, die nur durch Wege der ständigen Weiterbildung von Priestern wirksam angegangen werden können. Phänomene wie die „Tendenz, die eigene Kultur zu verabsolutieren und zu verherrlichen, mit der Folge, dass man den Angehörigen anderer Kulturen gegenüber feindselig und sogar gewalttätig ist“. Leider“ so Kardinal Tagle, „sehen wir diese Haltung bei einigen geweihten Amtsträgern, die Bischöfe, Mitpriester, Ordensleute und Laien ablehnen, nur weil sie einer anderen ethnischen Gruppe oder sozialen Schicht angehören“. Ein „Gegenzeugnis zum Evangelium und ein Skandal für eine Welt auf der Suche nach Einheit“, das die Dringlichkeit einer ständigen Weiterbildung verdeutlicht, um den geweihten Amtsträgern zu helfen, zu erkennen, dass es, wie der heilige Paulus im Brief an die Galater lehrt, „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“. „Wir müssen uns ständig weiterbilden und bekehren“, betonte Kardinal Tagle, „um glaubwürdige und wirksame Vertreter der Gemeinschaft unter kulturell vielfältigen Menschen zu werden.“
„Viele geweihte Amtsträger“, betonte der Pro-Präfekt des Dikasteriums für Evangelisierung, „leben ihren Dienst in der Nähe von Menschen, die leiden, insbesondere von Opfern von Vorurteilen, Diskriminierung, Krieg, Menschenhandel und Flüchtlingen. Viele von ihnen haben in ihrer Not selbst den Verlust von Familienmitgliedern durch bewaffnete Konflikte erlebt. Einige sind zu Flüchtlingen geworden. Einige wurden durch Kriege und Diskriminierung traumatisiert. Einige tragen die lebendige Erinnerung an menschliche Brutalität in sich“. Auch für sie gilt: „Lebenslanges Lernen muss die Wunden und den Schmerz aufarbeiten, die leicht zu Rachegefühlen, Zynismus und Hass führen können“. „Wie können wir“, so fragte Kardinal Tagle, „den Verwundeten helfen, Akteure der Vergebung und Versöhnung zu werden, wenn ihre eigenen Wunden nach Rache verlangen? Der heilige Paulus fordert uns heraus, wenn er sagt: „Jetzt aber sollt auch ihr das alles ablegen: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schmutzige Rede, die aus eurem Munde kommt… Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld!“
Mit den Priestern beschäftigt sich ab diesem Dienstag ein internationaler Kongress im Vatikan. Es geht um ihre dauernde Fortbildung; für die Organisation zeichnen die vatikanischen Behörden für Klerus, Evangelisierung und Ostkirchen verantwortlich. „Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir zuteilgeworden ist“ (vgl. 2 Tim 1,6), heißt das Motto, das eine Ermunterung des hl. Paulus an Timotheus aufgreift. An der Konferenz nehmen etwa tausend Priester, Gottgeweihte und Laien aus über sechzig Ländern von fünf Kontinenten teil. Ausgangspunkt: ein Dokument über Priesterausbildung (die sogenannte „Ratio Fundametalis Institutionis Sacerdotalis“: „Das Geschenk der Berufung zum Priestertum“) von 2016.
(GV) (Fides 6/2/2024)
Nicht zu „Wölfen“ werden…
Neues Schreiben des Glaubensdikasteriums über Gültigkeit der Sakramente
Das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre hat am Samstag einen Text über die Gültigkeit der Sakramente veröffentlicht. Das neue Dokument, das von Papst Franziskus und Kardinal Victor Fernández – Präfekt des Glaubensdikasteriums – unterzeichnet wurde, trägt den Titel Gestis Verbisque oder „Taten und Worte“ und trägt das Datum – 2. Februar 2024.
Wie schon das umstrittene Schreiben Fiducia Supplicans trägt das Dokument zwar gemäß der Tradition der Kirche einen lateinischen Titel. Veröffentlicht wurde es jedoch am 3. Februar allein in italienischer Sprache.
Der 11-seitige Text erinnert Bischöfe, Priester und Theologen daran, dass für alle Sakramente in der katholischen Kirche „die Einhaltung von Materie und Form für die Gültigkeit der Feier immer erforderlich war“.
„Sowohl der Inhalt als auch die Form, die im Codex des kanonischen Rechts zusammengefasst sind, sind in den von der zuständigen Autorität verkündeten liturgischen Büchern festgelegt, die daher getreu eingehalten werden müssen, ohne etwas hinzuzufügen, zu streichen oder zu verändern“, heißt es.
Das Dokument fügt hinzu, dass willkürliche Änderungen des Inhalts oder der Form „die wirksame Verleihung der sakramentalen Gnade zum offensichtlichen Nachteil der Gläubigen gefährden“ und dass die „Schwere und die aufhebende Kraft“ solcher Änderungen „von Fall zu Fall festgestellt werden müssen“.
Das Dokument bezieht sich häufig auf die Lehrmäßige Note des Dikasteriums aus dem Jahr 2020 über die Änderung der sakramentalen Taufformel, in der klargestellt wurde, dass die Änderung der Worte der Taufformel in „wir taufen dich“ die Taufe ungültig macht, so dass jeder, der mit dieser Formel getauft wurde, als noch nicht getauft betrachtet werden muss.
Fernández schreibt, dass die Kardinäle und Bischöfe, die an der Vollversammlung des Dikasteriums im Januar 2022 teilnahmen, bereits ihre Besorgnis über „die Vervielfachung der Situationen, in denen sie gezwungen waren, die Ungültigkeit der gefeierten Sakramente festzustellen“ zum Ausdruck gebracht hatten.
Als konkrete Beispiele nannte der Kardinal die Verwendung von „Ich taufe dich im Namen des Schöpfers …“ oder „Im Namen deines Vaters und deiner Mutter … taufen wir dich“ anstelle der üblichen Taufformel.
„Während es in anderen Bereichen des pastoralen Handelns der Kirche reichlich Raum für Kreativität gibt, wird ein solcher Einfallsreichtum durch die Feier der Sakramente eher zu einem ‚manipulativen Willen‘ und kann daher nicht geltend gemacht werden“, sagte der Kardinalpräfekt.
„Wir Geistlichen müssen daher die Kraft haben, der Versuchung zu widerstehen, uns als Eigentümer der Kirche zu fühlen“, fügte Fernández hinzu.
Der Kardinal sagte weiter, wenn der Priester „in persona Christi capitis“ handelt, bedeute dies nicht, dass der Priester „der Chef“ sei und willkürliche Macht ausüben könne, sondern dass Christus allein „‚das Haupt des Leibes, der Kirche‘“ sei, und verweist damit auf Kolosser 1,18.
„Es scheint immer dringlicher zu werden, eine Kunst des Feierns zu entwickeln, die sich sowohl von starrem Rubrizismus als auch von ungezügelter Phantasie fernhält und zu einer Disziplin führt, die man respektieren muss, gerade um authentische Jünger zu sein“, sagte Fernández.
Papst Franziskus billigte den Text während einer Privataudienz mit Kardinal „Tucho“ Fernández am 31. Januar. Fernández und Monsignore Armando Matteo, der Sekretär der Lehrabteilung des Dikasteriums, unterzeichneten den Vermerk am 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn.
„Gerade dadurch, dass Christus die Kirche als seinen mystischen Leib konstituiert, macht er die Gläubigen seines eigenen Lebens teilhaftig und verbindet sie durch die Sakramente auf reale und geheimnisvolle Weise mit seinem Tod und seiner Auferstehung“, heißt es in der Note.
„In der Tat wirkt die heiligende Kraft des Heiligen Geistes durch die sakramentalen Zeichen in den Gläubigen und macht sie zu lebendigen Steinen eines geistlichen Gebäudes, das auf dem Eckstein Christus, dem Herrn, gegründet ist, und macht sie zu einem priesterlichen Volk, das des einen Priestertums Christi teilhaftig ist.“
Eucharistie und Erneuerung: Wege zum missionarischen Aufbruch
Die Erneuerung des Glaubens ist das Gebot der Stunde. Ein missionarischer Aufbruch aus den Quellen des christlichen Glaubens tut not. Welche Rolle kommt in diesem Zusammenhang der Eucharistie zu? Das christliche Glaubensleben speist sich vor allem aus diesem Sakrament. Indem die Kirche Eucharistie feiert, wird sie auferbaut und erneuert: „Aus der Liturgie also, besonders aus der Eucharistie, wird wie aus einer Quelle die Gnade zu uns geleitet, und mit größter Wirksamkeit wird jene Heiligung der Menschen in Christus und die Verherrlichung Gottes erlangt, auf die alle anderen Werke der Kirche als auf ihr Ziel hinstreben“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution).
Erneuerung des Glaubens und der Kirche geschehen durch die Hinwendung der Gläubigen zu den Quellen, besonders zur Eucharistie. Deshalb gilt es, das Geheimnis der Eucharistie tiefer zu erfassen, sie mit geistlichem Gewinn zu feiern und daraus Kraft für die dringend notwendige Neuevangelisierung in säkularer Zeit zu schöpfen.
Gott sei Dank
Die Katholische Landeskirche Aargau um ihren Präsidenten Luc Humbel hat das Projekt „Kirchensteuer sei Dank“ lanciert. Mit dem Projekt soll aufgezeigt werden, wofür im Kanton Aargau Kirchensteuergelder verwendet werden. Humbel erhofft sich damit, Menschen zu überzeugen, weiterhin in der Kirche zu bleiben. Seit zehn Jahren treten sehr viele Menschen aus der Kirche im Aargau und den anderen Bistumskantonen aus. Ganz offensichtlich ist der Gedanke leitend, das Bild eines Kulturkatholizismus zu vermitteln, welcher die Menschen motivieren soll, Kirchensteuern zu zahlen, auch wenn sie die Glaubenslehre der Kirche nicht teilen und am Pfarreileben nicht partizipieren. Im Bistum Basel ist der Prozentsatz derjenigen Menschen, die religiöse Angebote nutzen, im Vergleich zu anderen Bistümern extrem niedrig.Die fehlende Partizipation der Gläubigen und die Tatsache, dass es in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen ist, jüngere Menschen für die Kirche zu begeistern, wird in den kommenden Jahren unweigerlich zu noch mehr Austritten führen. Das Projekt „Kirchensteuer sei Dank“ ist daher ein hilfloser Versuch, eine Entwicklung zu stoppen, die im Bistum Basel selbstverschuldet ist. Die Tatsache, dass in vielen Pfarreien kein sakramentales Leben stattfindet und der Glaube an Jesus Christus eine untergeordnete Rolle spielt, führt seit Jahrzehnten zum Niedergang der Kirche im Bistum Basel.
Neben rein weltlichen Überlegungen, die nahelegen, dass dieses neu lancierte Projekt zum Scheitern verurteilt ist, sind es aber vor allem auch theologische Gründe, die es einem Christen verunmöglichen, solche Kampagnen zu unterstützen. Die Christen, aber auch die Juden und Moslems, danken seit Jahrhunderten Gott für das Gute, welches in ihrem Leben geschieht. Dieser Dank ist das Verbindende aller Religionen. Wo diese Dankbarkeit besteht, gedeiht der Glaube. Im Katholizismus wird dies vor allem in der Eucharistie deutlich, die ja auf Griechisch Danksagung bedeutet. Wo der Name Gottes durch „Kirchensteuer“ ersetzt wird, verletzt ein Christ das zweite Gebot, da er den Namen Gottes mit dem Wert des Geldes gleichstellt. Welchen Segen erwartet eine Landeskirche durch solche Aktionen? Es ist nicht verwunderlich, dass die untergeordnete Rolle, welche die Eucharistie in der Landeskirche Aargau spielt, einhergeht mit solchen undurchdachten Kampagnen. In keinem Kanton der Schweiz wird die Eucharistie seltener gefeiert. (s.a. Graphik)
Lassen Sie uns an diesem Sonntag, dem Eidgenössischen Dank-,Buss- und Bettag, wieder dem Herrn danken. Dort, wo Gott gedankt wird, entsteht Segen. Dort wird Gottes Kirche auch wieder aufblühen. Gott sei Dank!
Gott sei Dank – Nicht dem Geld
Seit Jahren treten viele Menschen in den Bistümern Basel und St.Gallen aus der Kirche aus. Auch die reformierte Kirche leidet unter sehr vielen Austritten. Nur noch ein wenig mehr als die Hälfte der Menschen in der Schweiz gehört einer der beiden Landeskirchen an. Während die katholische Kirche seit Jahrzehnten von der Einwanderung von Katholiken profitiert, sinkt der Anteil der reformierten Kirche gegen 20%. Die geringe Anzahl Taufen und christlichen Hochzeiten deutet daraufhin, dass beide Landeskirchen in den kommenden Jahren noch viel mehr Mitglieder verlieren werden. Das grösste Warnsignal seit Jahrzehnten, welches diese Entwicklung unausweichlich machte, ist die geringe Partizipation am kirchlichen Leben. In wohl keinen beiden Bistümern der Welt ist der Prozentsatz derjenigen Menschen, welche die Gottesdienste besuchen, so gering. Vor allem in den Pfarreien, die nicht mehr regelmässig die Eucharistie und die weiteren Sakramente anbieten, sondern durch Wortgottesdienste und andere Aktivitäten ersetzen, sinkt der Anteil der aktiven Pfarreiangehörigen auf 1-2%. Selbstkritische und dem Evangelium verbundene reformierte und katholische Theologen sind sich im Klaren darüber, dass diese Entwicklung selbstverschuldet ist. Jahrelang wurde der Glaube an Jesus Christus und das ewige Leben an den Rand gedrückt. Dies geschah mit der naiven Hoffnung, dass durch eine Infantilisierung und Relativisierung des Glaubens die beiden Landeskirchen als Kulturchristentum überleben werden. Heute sehen wir, wie falsch dieser Gedanke war, da er die Sehnsucht der Menschen nach Tiefe nicht ernst nahm.
Anstatt diesen verhängnisvollen Weg zu erkennen, geht die Aargauische Landeskirche diesen Irrweg bewusst weiter. Das Projekt „Kirchensteuer sei Dank“ möchte den grossen Anteil der passiven Kirchgemeindemitglieder überzeugen, weiterhin Steuern zu zahlen. 2000 Jahre war es die Überzeugung der Christen, Gott für all das Gute zu danken. Das zweite Gebot brechend, welches den Christen verbietet, den Namen Gottes zu missbrauchen, ersetzt die Kampagne „Gott“ durch die „Kirchensteuer“. Neben der Problematik, dass dieses Projekt nicht mit dem dualen System vereinbar ist, stellt sich die theologische Frage, welcher Segen durch eine solche Wortwahl und solche Kampagnen erwartet werden kann? Seit Jahrzehnten wird das Klima in den deutschsprachigen Bistümern durch die Fixierung auf Geld und Macht vergiftet. Anstatt den Menschen und Gott zu dienen, konzentriert man sich auf eigene Interessen. Vor allem jüngere Menschen zieht es nicht in eine solche Kirche. Mit dieser unchristlichen Kampagne wird das Mass nun vollgemacht. Unsere beiden Pfarreien distanzieren sich daher von diesem Projekt der Landeskirche und möchten weiterhin an dem Glauben festhalten, welche Generationen vor uns geteilt haben: In Gott finden wir unser Heil und ihm gehört unser Dank. Gerade in der Eucharistie, die auf Griechisch Danksagung bedeutet, kommt diese Haltung zum Ausdruck.
Mit den Migranten die Zukunft gestalten
Papst Franziskus sagte in seiner Botschaft zum 108. Welttag der Migranten 2022: „Mit den Migranten und Flüchtlingen muss die Zukunft gestaltet werden“. Die scheeizer Kirchensteuerzahler mit einem ausländischen Hintergrund sind nicht nur zahlungsfähig sondern vor allem entscheidungsfähig, deshalb sollen sie von der Kirchgemeinde und Landeskirche ernst genommen werden.
„Die Gerechtigkeit ist eines der grundlegenden Elemente des Reiches Gottes. In der täglichen Suche nach seinem Willen muss sie mit Geduld, Opferbereitschaft und Entschlossenheit aufgebaut werden, damit alle, die nach ihr hungern und dürsten, gesättigt werden (vgl.Mt5,6). Die Gerechtigkeit des Reiches Gottes ist als die Erfüllung der göttlichen Ordnung und die Verwirklichung seines harmonischen Plans zu verstehen, in dem in Christus, der gestorben und auferstanden ist, die ganze Schöpfung wieder „gut“ und der Mensch „sehr gut“ ist (vgl.Gen1,1-31). Doch damit diese wunderbare Harmonie herrschen kann, müssen wir die Erlösung durch Christus, sein Evangelium der Liebe, annehmen, damit die Ungleichheiten und Diskriminierungen der gegenwärtigen Welt beseitigt werden können.“
„In der Tat lehrt uns die Geschichte, dass der Beitrag von Migranten und Flüchtlingen für das soziale und wirtschaftliche Wachstum unserer Gesellschaften von grundlegender Bedeutung war. Und er ist es auch heute. Ihre Arbeit, ihre Fähigkeit, Opfer zu bringen, ihre Jugend und ihre Begeisterung bereichern die Gemeinschaften, die sie aufnehmen.
Austritt aus der Kirche ohne Konsequenzen wohl möglich
Die Landeskirche versucht erneut die Kirchenmitglieder zu verwirren. Nun dürfte die Landeskirche erneut unter Druck geraten, denn es stimmt nicht, dass ein Austritt aus dem Kirchensteuersystem einen Austritt aus der Gemeinschaft der Christen bedeutet und noch weniger eine Nachschusspflicht gegenüber dem Bistum nach sich zieht. Dem ist sicher nicht so, denn kein Bischof der Welt kann die Gläubigen zur Zahlung verpflichten. Es ist und bleibt eine moralische Pflicht, aber gleichwohl eine Spende. Klar ist auch, dass die Kirche auf Geld angewiesen ist, aber nach kanonischem Recht muss jeder Priester (Bischof ist auch Priester) auch bereit sein, die Sakramente unentgeltlich zu spenden. Dann sollte die Kirchensteuer keine gesetzliche Pflicht sein, sie bleibt also freiwillig. Wenn nur die Landeskirche von Kirchensteuern lebt, heisst das nicht, dass die Kirche als Glaubensgemeinschaft ohne Kirchensteuern sterben wird. Eine Vielzahl von Beispielen aus aller Welt bestätigen die Lebendigkeit der Kirche auch ohne Kirchensteuer. Lediglich die Kirchensteuer in diesem obligatorischen Steuerumfang ist nur in der Schweiz bekannt. Es ist an der Zeit, die Gläubigen von der Zahlung der Kirchensteuer zu befreien, zumal die Landeskirche seit Jahrzehnten gegen Priester und die Feier der Eucharistie kämpft und sie kontinuirlich abzuschaffen versucht. Jüngstes Beispiel dafür liefert die Kirchengemeinde Quellenstorf-Turgi, wo die Gläubigen und ihre Priester aus der Kirche ausgeschlossen und in ihren Grundrechten eingeschränkt wurden.
Die Landeskirchen sind nicht erfreut, wenn von einer Abschaffung der Kirchensteuer die Rede ist, aber auch nicht sonderlich überrascht: Es wird wieder versucht, die Kirchensteuerpflicht für Gläubige abzuschaffen. Vertreter dieser notwendigen Aktion sind nun entschlossen, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Die Landeskirche ist der Kirche nur noch zur Last geworden und sollte nicht mehr von den Gläubigen finanziert werden. Sollte der Bischof die Kirchensteuer weiterhin gegen die Wahrheit und gegen das Kirchenrecht verteidigen, wird sozusagen juristisch vorgegangen. Es wird auf den partiellen Austritt aus der Kirche hingewiesen, denn wir hinter dem steuerfreien Glauben stehen. Christus gibt uns die Freiheit des Glaubens, die uns niemand nehmen kann.
Wie wird sich die kommende Inflation auf die Kirchenaustritte auswirken?
In den kommenden Monaten wird es in der Schweiz zu einer Teuerung kommen. Die Unterschicht und der Mittelstand werden am meisten davon betroffen sein. Die Frage ist, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Kirchenaustritte haben wird? Bereits jetzt ist es so, dass sehr viele Menschen im Aargau aus der Kirche austreten, da die wenigsten Kirchgemeinden sakramentale Dienste gewährleisten können. Keine Priester, keine Sakramente, keine Kirchensteuern. Nachdem in den letzten Monaten noch weitere Priester den Dienst im Aargau beendet haben, da sie mit der priesterfeindlichen Personalpolitik des Bischofsvikars und des Präsidenten der Landeskirche nicht zurechtkommen, wird es wohl noch zu mehr Kirchenaustritten kommen. Die Menschen, die aus kulturellen Gründen weiterhin Kirchensteuern bezahlt haben, werden wohl aufgrund der Inflation und der damit verbundenen schlechteren wirtschaftlichen Situation ebenfalls einen Austritt in Erwägung ziehen. Seit dem Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahre 2008 kann man aus der Steuergemeinschaft der Kirche austreten und weiterhin katholisch bleiben. Ein Austritt bedeutet nicht, dass man nicht mehr katholisch ist.
Wer beraubt die Katholische Kirche?
Man muss kein Marxist sein, um zu erkennen, dass es in jeder Gesellschaft Gruppen bzw. Klassen gibt, die ihre ökonomische Position absichern wollen, indem sie eine bestimmte Ideologie propagieren.
Auch wenn dieser Zusammenhang zwischen der eigenen wirtschaftlichen Stellung und den Ideen, die man vertritt, nicht so absolut ist, wie es der «wissenschaftliche Sozialismus» postulierte, ist die Meinung, dass unsere Gedanken und unsere Einstellung zu gewissen Fragen ganz unabhängig vom ökonomischen Unterbau gebildet werden, sehr naiv. Man bedarf schon eines sehr festen und selbstkritischen Charakters, zumeist gestärkt durch den Glauben an eine die Materie überwindende Transzendenz, um den Anspruch zu erfüllen, objektiv und unabhängig von eigenen Interessen urteilen zu können.
Monetäre Anreize
Wenn wir die kirchenpolitischen Diskussionen unserer Zeit betrachten und feststellen müssen, dass längst nicht alle Akteurinnen und Akteure über einen solchen Charakter verfügen, wird nachvollziehbar, weshalb gewisse Positionen eingenommen werden. Die Tatsache beispielsweise, dass die Frauenordination in den deutschsprachigen Ländern, in denen Seelsorgerinnen und Seelsorger durch Kirchensteuergelder besonders gut entlöhnt werden, am vehementesten gefordert wird, ist daher nicht allein dem Umstand geschuldet, dass die deutschen, schweizerischen und österreichischen Katholikinnen so viel selbstbewusster sind als ihre französischen, italienischen und polnischen Mitchristinnen, sondern nicht zuletzt den monetären Anreizen, die das Priestertum in den deutschsprachigen Ländern der Frau bietet. Aus den gleichen Gründen drängt ein verheirateter Franzose, Italiener oder Pole nicht so stark darauf, gleichzeitig Pfarrer und Ehemann zu sein, währenddem der Pflichtzölibat in unseren Breitengraden heftig kritisiert wird.
Wenig überzeugende Kampagne
Wenn wir nun weitere kirchliche Entwicklungen unter dem Blickwinkel der ökonomischen Interessen betrachten, finden wir dafür Gründe, die sich einer rein pastoralen Betrachtung nicht erschliessen würde. Beispielsweise ist es rein pastoral betrachtet seltsam, dass die immer kleiner werdende Zahl aktiver Gläubiger zu keiner adäquaten Reaktion bei den Kantonalkirchen führt. In der Wirtschaft würde eine kleinere Nachfrage zu Anstrengungen der Unternehmen führen, die Zahl der Mitglieder zu vergrössern oder zumindest nicht weiter einbrechen zu lassen. Bei den Kantonalkirchen ist nichts davon zu spüren, weder bei den Katholiken noch bei den Protestanten. Katholische Kantonalkirchen wie diejenigen von Aargau, Luzern und St. Gallen gehen sogar offen dazu über, ihre Steuerzahler nicht mehr durch den Glauben an den Auferstandenen an sich binden zu wollen, sondern mit der Kampagne «Kirchensteuer sei Dank» auf den Mehrwert der durch die Kirchensteuern alimentierten Projekte hinzuweisen. Die weiterhin hohen Austrittsraten in diesen Kantonen legen aber nahe, dass diese Strategie nur sehr wenige Menschen überzeugt. Ein Kulturkatholizismus, bei dem Menschen die Kirchensteuern bezahlen, ohne selbst einen Bezug zum Glauben zu haben, ist langfristig dem Tode geweiht.
Neu ausgewiesener Reichtum
Ökonomisch macht diese durch die Kantonalkirchen propagierte Taktik jedoch durchaus Sinn. In den Bilanzen der Kirchgemeinden sind sehr viele Kirchen, Pfarrhäuser sowie Pfarreiräume als Verwaltungsvermögen aufgeführt. Da dieses abgeschrieben wird, tauchen all diese Vermögenswerte mit sehr kleinen Summen in der Buchhaltung auf. Werden diese Vermögenswerte aufgrund mangelnder Nutzung vom Verwaltungsvermögen hin ins Finanzvermögen verschoben, sieht die Sachlage völlig anders aus. Ein Pfarrhaus, das vielleicht nur noch mit einem Pro-Memoria-Franken aufgelistet ist, wird als Finanzvermögen bei den momentan hohen Immobilienpreisen zu einem millionenschweren Aktivwert. Die Möglichkeiten, sich selbst oder Nahestehende an diesen frei gewordenen Vermögenswerten zu bereichern, sind vielfältig. Und auch wenn man den Verantwortungsträgerinnen und -träger keine bösen Absichten unterstellt, ist es offensichtlich, dass der neu ausgewiesene Reichtum der Kirche eine Machtfülle mit sich bringt, die sie vor dieser buchhalterischen Neudefinition nicht hatte.
Geldvermehrung statt Neuevangelisierung
Es besteht ein grosser Unterschied, ob die ehrenamtlichen Verantwortungsträger in den Kirchgemeinden vor allem dafür sorgen müssen, dass die Liegenschaften für die Seelsorge nutzbar sind oder ob sie zu Immobilienhändlern mutieren. Man rechtfertigt solche Verschiebungen mit der mangelnden pastoralen Nutzung der Gebäude. Vor allem wenn das Bistum Kirchen profaniert, werden im Zuge der Profanierung auch Pfarreiräumlichkeiten und Pfarrhäuser nicht mehr als Verwaltungsvermögen betrachtet. Wenn Kantonalkirche und Bistum gemeinsam zur Auffassung gelangen, dass die Kirche nur eine Überlebenschance hat, wenn sie primär das eigene, monetäre und nicht mehr das seelische Heil ihrer Gläubigen sucht, sind den Missbrauchsmöglichkeiten keine Schranken mehr gesetzt. Weder der eine noch der andere Lungenflügel der Kirche wird dann noch bestrebt sein, eine Neuevangelisierung an die Hand zu nehmen. Umso weniger aktive Nutzung der Gebäude durch die Gläubigen, desto besser. In Basel-Stadt findet zurzeit ein Programm statt, das den sperrigen Namen «Planung Reduktion Immobilien im Verwaltungsvermögen für die kommenden 10 Jahre» trägt. Der Kirchenrat wird mithilfe des zuständigen Bischofsvikars, Dr. Valentine Koledoye, Schritt für Schritt viele Pfarreiräumlichkeiten ins Finanzvermögen transferieren. Der gleiche Bischofsvikar ist neben Basel-Stadt zuständig für Basel-Land und den Aargau, allesamt Kantone, in denen das kirchliche Leben über weite Strecken zum Erliegen gekommen ist; in keinem Kanton der Schweiz sind die Austrittsraten so hoch wie in diesen Kantonen. Versuche, diese Entwicklung zu stoppen, indem das sakramentale Leben gestärkt wird, bleiben vollständig aus – ganz im Gegenteil wird die Anzahl Eucharistiefeiern und das Angebot an weiteren Sakramenten weiter reduziert.
Wer profitiert vom Niedergang der Kirche? Es ist an der Zeit, sich diese Frage zu stellen, indem auch die materiellen Interessen hinter dieser Entwicklung offengelegt werden.
Geld statt Geist
Die Kantonalkirche Schwyz möchte nun ebenfalls an der umstrittenen Kampagne „Kirchensteuer-sei-dank“ mitmachen. Die Kampagne, welche den Namen Gottes durch Kirchensteuern ersetzt, wird zurzeit von den Kantonalkirchen Aargau, Luzern und St.Gallen getragen. Andere Kantone wie Schwyz sollen hinzukommen. Die Kampagne stellt eine totale Kapitulation vor dem Zeitgeist dar, da sie davon ausgeht, Menschen können nicht mehr durch den Glauben an die Kirche gebunden werden, sondern nur dadurch, dass man ihnen aufzeigt, wie ihre Steuergelder einen wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Geld statt (Heiliger) Geist ist die Grundhaltung dieser Kampagne. Jeder Katholik muss sich gegen solche Kampagnen, die offen blasphemisch sind, wehren. Wenn die Verantwortlichen der Landeskirchen selbst nicht mehr zum Evangelium stehen, sollten sich jene überlegen, ob sie ihre Posten nicht aufgeben wollen. Es gibt immer noch genügend Katholiken in der Schweiz, die treu zur Kirche und der frohen Botschaft stehen. Gott sei aller Dank, nicht dem Geld.

